Totes Meer und Madaba

Planschen im Salzwasser, Schlucht im Wadi-Mujib-Reservat und byzantinische Mosaiken (Jordanien)

Salz
Salz am Toten Meer

Falls irgend jemand unbedarftes vorbeikommt stehen an der Straße große Warnschilder: „Achtung! Extrem salziges Wasser!“. Dass man im Toten Meer wie ein Korken schwimmt, ist hinreichend bekannt. Es dann aber wirklich zu erleben, wie einen das Salzwasser nach oben drueckt, ist jedoch etwas anderes. Sehr lustig, wirklich! Zum Beispiel ist Brustschwimmen hier unmöglich, beim Versuch rudern meine Beine hilflos in der Luft umher.

Totes Meer
Am Toten Meer

Das Wasser schmeckt scharf und sauer, ich vermute das ist der Geschmack von MgCl, das mehr als die Hälfte des Salzgehaltes ausmacht. Ich plansche am Amman-Beach, wo auch die Jordanier hinkommen. Die Frauen genießen das Wasser natürlich komplett angezogen und nur bis zu den Knöcheln. Schwarzes Gewand, mit Kopftuch. Oh, aber ein paar Jordanierinnen im Bikini waren auch dort, die vor allem von den schwarz gekleideten Frauen interessierte Blicke ernteten.

Totes Meer

Es lohnt sich aber auch, an abgelegener Stelle ans Ufer zu gehen, dicke Salzkrusten bilden hier das Ufer, zum Teil mit bizarren Formen wie Knubbel, scharfe Grate, Stalaktiten, kleine Becken… Falls man irgendwo im Schlamm stecken bleibt, ist es nicht schlimm, er soll gut für die Haut sein.

Salz
Salz am Toten Meer

Das Tote Meer ist natürlich der tiefste Punkt, an dem ich jemals war. Sogar einige Meter tiefer, als es bei meiner Israel-Reise vor vielen Jahren: der Wasserspiegel fällt ziemlich schnell. Derzeit ist es auf -420 m.

Salz
Salz am Toten Meer

Die Schlucht des Wadi Mujib mündet ins Tote Meer. Ein tiefer Slot Canyon (wie zum Teufel heißen die Dinger auf Deutsch? Schlitzschlucht?), nur wenige Meter breit, durch den ein Bach fließt. Ich plansche Bach aufwärts, klettere an den angebrachten Seilen und Leitern an zwei kleinen Wasserfällchen vorbei, um zu einem größeren zu kommen. Hübsch.

Schlucht im Wadi Mujib Reservat
Schlucht im Wadi Mujib Reservat

Madaba liegt zwischen Amman und dem Toten Meer, es ist die christlichste Stadt Jordaniens und hier finden sich auch einige beeindruckende byzantinische Mosaiken. Am berühmtesten ist die Mosaikkarte des Heiligen Landes, von der leider nur Teile erhalten sind. Gut zu sehen sind Jerusalem, das Tote Meer und der Nil, bei dem sich der unbekannte Künstler die Freiheit genommen hat, ihn von Ost nach West fließen zu lassen (schliesslich kommt alles aus dem Osten, die Sonne, der Messias usw., so wird mir erklärt). Die anderen Mosaiken zeigen neben christlichen Motiven, Tieren und Ornamenten vor allem Darstellungen aus der griechischen Mythologie, die von der neuen Religion offensichtlich noch nicht verdrängt worden waren.

Ganz in der Nähe, am Rand des Jordangrabens, liegt der Berg Nebu, ein heiliger Ort mehr in meiner Sammlung. Von hier sah Moses nach langem Marsch durch die Wüste endlich das Gelobte Land. Viel mehr sah er allerdings danach nicht mehr, er starb auf der Stelle. Ganz wie es sein sollte werfe auch ich von hier nach langer Reise den ersten Blick auf das Gelobte Land (und das Tote Meer), aber ohne gleich das Leben zu lassen. Um mich herum drängen sich hunderte Pilger und Bibeltouristen, hier beginnt ernsthaftes Bibelterritorium.


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Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv
ISBN 978-3-89514-925-2