Samuel Beckett: Murphy

Lesetipp

Alle suchen Murphy, ohne ihn je zu finden: seine ehemalige Geliebte, die Verehrer seiner ehemaligen Geliebten und schließlich auch seine Geliebte, nachdem sie ihn auf Arbeitssuche geschickt hat. Murphy, dessen größtes Glück es ist, mit sieben Schals an seinen Schaukelstuhl gefesselt in seinem inneren Universum zu versinken: „Murphys Geist stellte sich selbst als eine große hohle Kugel vor, die hermetisch vom äußeren Universum abgeschlossen war.“

Wir beobachten Murphy, wie er sich an einem Metallgeländer entlanghangelt, auf der hoffnungslosen Arbeitssuche. Mit einer zitronengelben Fliege, weil das laut Horoskop seine Glücksfarbe ist. Doch während seine Geliebte, die bereits selbst am liebsten im Schaukelstuhl sitzt, auf ihn wartet, hat er doch Arbeit gefunden: Murphy wird Wärter in einer Psychiatrie. Mit den Insassen kommt Murphy besser aus als jeder Wärter vor ihm, aber auch hier findet die gesuchte Begegnung nicht statt: „Das Letzte, was Mr. Murphy von Mr. Endon sah, war Mr. Murphy ungesehen von Mr. Endon.“ Die Vorahnung des Endes…

Wer Becketts Realismus des Absurden mag, den man im „Endspiel“ und in „Warten auf Godot“ lieben lernt, dürfte auch seine Romane mögen. Murphy, sein erster, erschien 1938 in einer winzigen Auflage und verkaufte sich zunächst so gut wie gar nicht.