Puyehue

Auf den Spuren der jüngsten Vulkaneruption in Chile

Obsidian-Lavastrom
Obsidian-Lavastrom

Puyehue ist ein weiterer Vulkan im Seengebiet. Wegen der Gipfelcaldera kein perfekter Kegel wie Osorno oder Villarrica und etwas niedriger ist er auch, aber er ist in einer schönen Wanderung zu erreichen und in seiner Nachbarschaft ist noch mehr zu entdecken …

Der Ausgangspunkt, El Caulle, besteht nur aus ein paar Häusern. Mit einem Bus komme ich bis Aguas Calientes und trampe von dort das letzte Stück. Erstmal muss ich in einem Restaurant Eintritt bezahlen und steige dann durch anfangs dichten Wald auf. An der Waldgrenze liegt eine einfache Holzhütte, neben der ich mein Zelt aufschlage.

Am nächsten Morgen lasse ich den Rucksack 100 m höher liegen und steige dann über den noch harten Schnee zum Gipfel auf. Leider hängt dort inzwischen eine Wolke, sodass ich nur wenige Meter Sicht habe. Nachdem ich 500 m wieder abgestiegen bin, ist die Wolke wieder weg. Die Entscheidung ist schnell gefällt, natürlich steige ich wieder auf, es bleibt mir ja gar nichts anderes übrig! Ich bereue es nicht, der Blick ist wirklich großartig.

Auf dem Gipfel des Puyehue
Auf dem Gipfel des Puyehue

Zurück am Rucksack quere ich zur anderen Seite des Vulkans, wo ich heiße Quellen und ein Geothermalfeld erreichen wollte. Die meiste Zeit stapfe ich durch Schnee, was es nicht gerade einfach macht, den Weg zu finden. Hin und wieder entdecke ich eine Stange als Markierung.

Tuff und Schnee — nach der Eruption von 2011
Tuff und Schnee — nach der Eruption von 2011

Irgendwann kommt der Cordon Caulle in Sicht, die aktivste Zone mit Tuffhügeln und Fumarolen. Ich wundere mich über einen Lavastrom in der Ebene, in der die heißen Quellen sein sollten, weil er im Führer nicht erwähnt wird. Ich steige über gewellte Tuffhügel mit regelmäßig eingeschnittenen Erosionsrinnen ab und stehe schließlich vor der steilen, vielleicht 10 m hohen Wand des blockigen Lavastroms. Von den im Führer beschriebenen Bächen ist nichts zu sehen. Nach etwas Sucherei habe ich den Verdacht, dass der Lavastrom jünger sein könnte als die Beschreibung …

Vulkangefahr: Tote Bäume
Vulkangefahr: Tote Bäume

In mühsamem auf und ab gehe ich um den Strom herum. Hier dampft es überall heftig und kurzfristig denke ich, dass es sich vielleicht bei einer der dampfenden Stellen um die heißen Quellen handeln könnte, was natürlich nicht der Fall ist. Irgendwann ist die Sonne untergegangen und ich habe weder einen Platz zum Zelten noch Wasser zum Kochen, da die Bäche nicht mehr existieren, also steuere ich die benachbarte Hochebene mit ihren Schneeresten an. An der tiefsten Stelle des Lavastroms sehe ich dann zwischen den Blöcken des Lavastroms ein leichtes rotes Glühen! Hin und wieder poltern größere Blöcke herunter. Dass der Strom so jung ist, hatte ich dann doch nicht erwartet.

Mein Zelt im Cordon Caulle
Mein Zelt im Cordon Caulle

Inzwischen weiß ich, dass der heftig dampfende Hügel neben dem Lavastrom das Zentrum der Eruption vom Juni 2011 ist, bei der es heftige Ascheeruptionen, pyroklastische Ströme und eben einen Lavastrom gab. Der glühende Teil scheint aber ein zweiter Strom zu sein, der erst kürzlich neben den anderen geflossen ist.

In respektvoller Entfernung baue ich endlich mein Zelt auf und fülle den Topf mit Schnee. Zurück nach El Caulle ist es noch ein halber Tag.


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