Archiv Blog
2010

Freitag 1. Januar 2010

Neujahr

in: Leipzig • 2010
Sonnabend 9. Januar 2010

Könneritzbrücke

Die Könneritzbrücke in Leipzig (von 1899)
Die Könneritzbrücke in Leipzig (von 1899)
in einer Winternacht
in: Leipzig • 2010

Aus irgend einem Grund hatte mein Laserjet P1005 plötzlich nicht mehr funktioniert. Beim erneuten Installieren des Druckers im HP Device Manager kam die Fehlermeldung:

No PPD found for model laserjet_p1005 using new algorithm.

Die Lösung:

Ich habe die tar-Datei für hplip von http://hplipopensource.com/ heruntergeladen und darin die fehlende Datei hp-laserjet_p1005.ppd.gz gefunden! Einfach in das Verzeichnis /usr/share/ppd/HP kopieren und dann ein sudo hp-setup und der Drucker geht wieder.

Hat mich 2 Stunden gekostet, die Lösung zu finden.

Donnerstag 14. Januar 2010

Duden Korrektor für OpenOffice

Die Version 6.0 unter Linux (Ubuntu)

Es ist kein Geheimnis, dass die Rechtschreibkorrektur von OpenOffice nicht sonderlich gut ist. Bei zusammengesetzten Wörtern ist sie sogar so schlecht, dass auch ein richtig geschriebener Text voller rot unterkringelter Wörter ist. Und dann hört man natürlich auf, darauf zu achten.

Jetzt habe ich mir den Duden Korrektor für OpenOffice 6.0 geleistet und die Welt ist in Ordnung. Bei einem 200-Seiten-Text ist mein Rechner jetzt zwar am kämpfen, aber es funktioniert sehr gut, auch unter Linux :-) Die "neue deutsche Rechtschreibung" ist gleich noch als elektronisches Nachschlagewerk dabei.

Manchmal bin ich dann aber doch überrascht. Ich wusste gar nicht, dass "schauen" Dialekt ist. Genauso wie "Schnecken", "Sekunden" und sogar "fließen"! Im Ernst? Und warum ist "Kristallgitter" ein veralteter Ausdruck? Am lustigsten fand ich bisher folgendes: Die Worte "herunter fließt" waren blau unterkringelt und es wurde "herunterfließt" vorgeschlagen. Nachdem ich den Vorschlag angenommen habe, war das Wort rot unterkringelt! Leider ohne einen neuen Vorschlag.

Etwas merkwürdig ist, dass oft bei einem rot unterkringelten Wort im Menü der rechten Maustaste nichts auftaucht, wenn es keine Vorschläge gibt. Ich habe zwar kein Problem damit, dass dem Duden zu "Gondwana" nichts einfällt, aber ich würde ihm so ein Wort gerne beibringen oder wenigstens "alle Ignorieren" anklicken können.

Nur schade, dass das Ganze nicht auch im Firefox funktioniert. Meine Blogposts werden also weiterhin voller Fehler bleiben...

Falls das Installieren nicht auf Anhieb klappt: ich musste erst im OpenOffice unter Extras - Optionen im Abschnitt "Java" ein Häkchen setzen (Eine Java-Laufzeitumgebung verwenden) und darunter die Version 1.6 von Sun auswählen. Das fehlt leider in der Anleitung....

Mittwoch 3. März 2010

Kartoffeldruck:

Ein Buch zur Reise durch den Nahen Osten

Sieben Monate durch den Nahen Osten und den Kaukasus... Ein Buch über diese Reise zu schreiben, war zunächst nur eine Schnapsidee. Dann war es viel mehr Arbeit als gedacht, irgendwann hatte ich schon gar nicht mehr dran geglaubt. Nach mehr als einem Jahr ist es jetzt doch noch erschienen, wenn auch in einem weniger seriösen Verlag, der einfach alles druckt, solange der Autor dafür bezahlt. Ob das eine gute Idee war oder ein großer Fehler, muss sich erst noch herausstellen. Ich tippe ja eher auf letzteres...

  Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv

ISBN 978-3-89514-925-2
16,20 €, 264 Seiten, 93 Farbfotos

Das merkwürdigste ist, dass im Klappentext meine Biografie vor die Beschreibung des Inhaltes gestellt wurde: Der Autor ist interessanter als der Text, scheint das zu sagen. Darauf kann ich mir ja was einbilden...

Ich bin etwas enttäuscht, wie mittelmässig das Lektorat war und ärgere mich schon jetzt über die eine oder andere verunglückte Stelle, auch wenn ich mit anderen Passagen durchaus zufrieden bin. Die Fotos hätten von mir aus auch etwas größer sein können.

Die Sektflasche bleibt erst einmal im Kühlschrank und wartet auf mein nächstes Buch. Dieses hier zu verheimlichen, dafür ist es inzwischen allerdings zu spät. Ich glaube, es hat zumindest eine Chance verdient.

Reisen, sich bei seinen Landsleuten Geltung verschaffen und, was man auswärts gesehen und gehört hat, ihnen ewig vorprunken, das tut der Mensch gern.“ (Voltaire, Candide)

Sonntag 14. März 2010

Alice WLAN unter Ubuntu Karmic

pppoe über WLAN

Bei Alice muss über die WLAN-Verbindung noch eine DSL-Verbindung aufgebaut werden, was der network-manager nicht kann. Jetzt habe ich eine halbwegs akzeptable Möglichkeit gefunden:

Erstmal mit Kabel eine DSL-Verbindung konfigurieren:

sudo pppoeconf

Ich musste nur den Benutzernamen eingeben (die Tel.Nr.) und sonst immer Enter drücken.

Jetzt legen wir eine entsprechende Konfigurationsdatei für das WLAN an:

sudo cp /etc/ppp/peers/dsl-provider /etc/ppp/peers/alice-wlan
sudo gedit /etc/ppp/peers/alice-wlan

In der Datei eth0 durch wlan0 ersetzen.

Jetzt den Network-Manager konfigurieren: Man muss eine statische IP-Adresse vergeben: Rechtsklick-"Verbindungen bearbeiten". Unter dem Reiter "Funknetzwerk" eine neue hinzufügen. SSID ist "ALICE-WLAN" und bei IPv4-Einstellungen müssen IP, Netzmaske, Gateway und DNS-Server eingetragen werden (ich habe bei Windows abgeschaut).

Sobald die WLAN-Verbindung aufgebaut ist, können wir mit dem Befehl

sudo pon alice-wlan

die DSL-Verbindung aufbauen. Ich habe zur Bequemlichkeit auf dem Desktop (rechtsklick) einen Starter angelegt, der "gksu pon alice-wlan" ausführt. Auf den muss ich jetzt immer klicken, wenn sich der network-manager eingewählt hat.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipp

Samuel Beckett: Murphy

Alle suchen Murphy, ohne ihn je zu finden: seine ehemalige Geliebte, die Verehrer seiner ehemaligen Geliebten und schließlich auch seine Geliebte, nachdem sie ihn auf Arbeitssuche geschickt hat. Murphy, dessen größtes Glück es ist, mit sieben Schals an seinen Schaukelstuhl gefesselt in seinem inneren Universum zu versinken: "Murphys Geist stellte sich selbst als eine große hohle Kugel vor, die hermetisch vom äußeren Universum abgeschlossen war."

Wir beobachten Murphy, wie er sich an einem Metallgeländer entlanghangelt, auf der hoffnungslosen Arbeitssuche. Mit einer zitronengelben Fliege, weil das laut Horoskop seine Glücksfarbe ist. Doch während seine Geliebte, die bereits selbst am liebsten im Schaukelstuhl sitzt, auf ihn wartet, hat er doch Arbeit gefunden: Murphy wird Wärter in einer Psychiatrie. Mit den Insassen kommt Murphy besser aus als jeder Wärter vor ihm, aber auch hier findet die gesuchte Begegnung nicht statt: "Das Letzte, was Mr. Murphy von Mr. Endon sah, war Mr. Murphy ungesehen von Mr. Endon." Die Vorahnung des Endes...

Wer Becketts Realismus des Absurden mag, den man im "Endspiel" und in "Warten auf Godot" lieben lernt, dürfte auch seine Romane mögen. Murphy, sein erster, erschien 1938 in einer winzigen Auflage und verkaufte sich zunächst so gut wie gar nicht.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipp

B. Traven: Das Totenschiff

Ein amerikanischer Seemann, der eine Nacht bei einem Mädchen in Antwerpen verbracht hat, verpasst sein Schiff, auf dem auch seine Papiere sind. Damit wird er staatenlos, weil er nicht einmal mehr beweisen kann, dass er überhaupt geboren worden ist: "Man möchte manchmal bedauern, daß wir noch nicht aus Papiermaché gemacht sind; denn dann könnte man an dem Stempel sehen, ob man in der Fabrik USA oder in der Fabrik Frankreich oder in der Farbrik Spanien angefertigt worden ist."

Mehrfach wird er von einem Land ins nächste abgeschoben, bis er auf der Yorikke anheuert, ein Schiff so alt, dass manche Teile wohl noch von Noah stammen. Yes, Sir. Ein Totenschiff, von dem es kein Entrinnen gibt, nur die Gewissheit, dass sie einmal auf Grund geht, damit die Kompanie die Versicherungsprämie kassieren kann. Die Gewissheit, zu sterben und unfassbar harte Arbeit.

Ein Seemannsroman ohne jede romatische Verklärung, aber mit umso mehr beißendem anarchischem Humor.

Wer sich hinter dem Pseudonym B. Traven verbarg, ist nicht ganz klar. Sicher ist, dass er 1925 in Mexiko auftauchte und dort 1969 starb. Das Totenschiff erschien 1926. Neben seinen sozialkritischen Abenteuerbüchern schrieb er auch für eine anarchosyndikalistische Zeitung. Vermutlich war er davor unter dem Namen Ret Marut einer der Akteure der Münchener Räterepublik. Fast wäre er darum standrechtlich erschossen worden, aber er konnte fliehen: ein Arbeitersohn, Schauspieler und aktiver Anarchist.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipp

Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge

"The laws that lay down who should be loved, and how. And how much."

Eine Liebesgeschichte, in der die Liebe an Gesetzen, der traditionellen Moral und dem indischen Kastensystem scheitert. So wunderschön erzählt, voller schöner Worte, melancholischem Witz und Wortspielen, dass man sich geradezu in Ammu verliebt und ihre Kinder, die Zwillinge Rahel und Estha. Auch in den Gott der kleinen Dinge. Und nebenbei erfährt man mehr über Südindien, als wenn man selbst dort hin reist.

Ein Lieblingsbuch.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipp

Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita

Mephisto erscheint als "Professor der Schwarzen Magie" in Moskau. Er und seine Gehilfen, darunter der riesige Kater Behemoth, treiben dort allerlei Schabernack, bei dem sie die Menschen an der Nase herumführen. Einem erfolglosen Schriftsteller, der Meister genannt wird, und dessen Geliebte Margarita, die zur Hexe wird, zeigt er den depressiv in Jeruasalem sitzenden Pontius Pilatus...

Ich muß zugeben, dass ich an diesem Buch fast nicht über die Passionsgeschichte hinausgekommen bin, selbst wenn es an dieser Stelle niemand anderes ist als Mephisto, der erzählt, wie es wirklich war. Aber dann macht das Lesen immer mehr Spass, je mehr man hinein findet. Da geht es drunter und drüber, und zwischen all den Wundern und fliegenden Besen und Zaubertricks wird gleichzeitig ein scharfes satirisches Bild der Menschen gezeichnet. Ein Kultbuch und das zu recht.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipp

Adolf Muschg: Baiyun

Eine etwas wahllos zusammengewürfelte schweizer Delegation reist in das maoistische China, kurz nach dem Abdanken der "Viererbande". Prof. Stappung, eher zufällig der Reiseleiter, geht allen mit seiner unmöglichen Art auf die Nerven. Doch plötzlich stirbt er... wer ist der Mörder? Die Gruppendynamik samt Eifersüchteleien kommt so richtig in Gang. Während sie weiterhin die Umpflanzmaschinen, Pflüge, Strohzwirnmaschinen... einer Landkommune zählen und den Chinesen (deren Leistungen sie bewundern) kritische Fragen stellen, sind die Reisenden gleichzeitig wie Gefangene in Untersuchungshaft. Nur eine Frage interessiert scheinbar niemanden: wer es war.

Sonntag 14. März 2010

Lesetipps

Ich habe beschlossen, hin und wieder Lesetipps zu posten und nehme die Leipziger Buchmesse als Anlass, damit anzufangen. Das werden sowohl Lieblingsbücher sein als auch solche, die ich vor kurzem gelesen habe und die mir gefallen haben. Über Bücher, die eh schon alle gelesen haben, brauche ich ja nicht zu schreiben. Um so mehr über solche, über die viel zu wenig geredet wird.
in: 2010
Donnerstag 25. März 2010

Leipziger Ansichten

Karl Heine Kanal

So, mich gibts jetzt auch auf Flickr. Zunächst habe ich ein paar Leipzig Fotos, Industrieromantik und so. Wird bestimmt langsam mehr.

industrieller Herbst
Freitag 2. April 2010

Virtuelle Freunde

Mich gibt es jetzt auch auf facebook als virtuellen Freund.
Sonntag 11. April 2010

Linux RAW-tool Darktable

Ich bin gerade über ein junges Linux-Programm zur Entwicklung von RAW-Dateien gestolpert, das richtig vielversprechend aussieht. So eine Art Mix aus Adobe Lightroom und einem Lighttable... aber halt Linux und GPL. Habe bisher nur kurz damit gespielt, aber es scheint besser zu sein als der größte Teil der Konkurrenz, obwohl es noch eine ganz frühe Entwicklerversion ist.

http://darktable.sourceforge.net

Montag 10. Mai 2010

Groooße Bilder

Ein Bild mit 21600x10800 Pixeln zu bearbeiten bringt auch einen nagelneuen Laptop an seine Grenzen! Das sind 233 Megapixel, zum Glück baut niemand solche Kameras. Und das dann noch mit 2 Ebenen... Dafür habe ich jetzt die schönste topografische Weltkarte, die ich jemals gesehen habe. Jeder einzelne Berg ist darauf zu erkennen. Hier ein winziger Ausschnitt:

Die Kartengrundlage sind topographische und bathymetrische Rohdaten von der Nasa.

Update:

Na gut, von mir aus auch grün. Sieht vielleicht wohnlicher aus.

in: 2010
Montag 17. Mai 2010

Mein nächstes Buch...

Wie entstehen Berge? Jetzt ist es kein Geheimnis mehr... Mein nächstes Buch wird im Frühjahr 2011 bei Spektrum Akademischer Verlag erscheinen. Ich lade zu einer bunt bebilderten geologischen Berg- und Talfahrt ein, die um die ganze Welt führt und allerlei erstaunliche Phänomene zu Tage fördert. Wer jetzt denkt: "da stoßen halt zwei Kontinente zusammen", der weiß etwa so viel, wie auf der ersten Seite steht...

Das Buch richtet sich an Naturfreunde, Bergsteiger, Wanderer, Globetrotter, aber auch an Geographiestudenten. Und es will nicht weniger beweisen als: Geologie ist sexy.

Annapurna II, Nepal

Bei stroemendem Regen laufe ich die Gassen von Quitos Altstadt auf und ab und rede mir ein, dass ich lieber jetzt schlechtes Wetter habe, waehrend ich noch nicht akklimatisiert bin. Diese Reise hat einen merkwuerdigen Plan: Suedamerika auf den Spuren von mir selbst, ich werde fast die selbe Strecke zuruecklegen wie vor 11 Jahren. Allerdings (auch wenn ich mit Barockkirchen in Quito anfange) mit einem anderen Schwerpunkt: mehr Berge und wenig Kultur. Dabei wird sicher auch das eine oder andere Foto fuer mein Buch hinzukommen...

Mit Vulkanen fange ich bei Otavalo an (noerdlich von Quito), mit der Laguna Cuicocha. Steile, dicht bewaltdete Dome ragen aus dem Calderasee heraus, in dem sich die dunkelgrauen Wolken spiegeln. Dann doch nochmal Kultur, ich schlendere ueber den Samstagsmarkt von Otavalo und finde ihn etwas touristisch...

Der naechste Calderasee (suedlich von Quito): die Laguna Quilotoa. Als ich an der kreisrunden Caldera ankomme, gewittert es heftig, dafuer habe ich bei Sonnenuntergang Glueck, die Sonne scheint ein wenig (zum ersten Mal), das Wasser wird blau und im Hintergrund sind sogar die beiden Gipfel des Ilinizas zu sehen. Am naechsten Tag wandere ich in etwas mehr als 3 Stunden auf dem Kraterrand um den See herum, aber diesmal will die Sonne nicht herauskommen und das dunkelgraue Wasser wird vom starken Wind aufgepeitscht. Trotzdem will ich es als naechstes mit dem Cotopaxi versuchen.

Donnerstag 1. Juli 2010

Cotopaxi

Er ist nicht gerade oft zu sehen, so wolkig es derzeit ist, der perfekte Kegel des Cotopaxi mit seinem immer kleiner werdenden Gletscher. Ich liess mich auf der Nordseite absetzen, wo es tendentiell besseres Wetter gibt, und erwischte den Berg fuer vielleicht 10 Minuten fast ohne Wolken. Waehrend ich den Hang des Nachbar-Vulkanes hinauf lief, huellte er sich wieder ein und knapp 500 m unter meinem Gipfelchen kehrte ich um, weil dort oben sowieso keine Sicht war...

Spaeter sass ich im Nebel vor meinem Zelt und gerade waehrend ich den Kocher anschmeissen wollte, riss es auf. Statt zu kochen lief ich auf einen Huegel und genoss die Avenue der Vulkane, das Hochtal von Ecuador mit Cotopaxi auf meiner und Ilinizas und Chimborazo auf der anderen Seite. Wenig spaeter flammte der Cotopaxi im Licht der untergehenden Sonne rot auf.

Am naechsten Morgen wartete ich im stroemenden Regen darauf, von meinem Bergfuehrer abgeholt zu werden, er kam mit 2 Stunden Verspaetung. An der Berghuette war das Wetter gleich viel besser, perfekt fuer einen Akklimatisierungsspaziergang auf dem Gletscher. Besonders gut schlafen konnte ich dann trotzdem nicht.

Um 1 Uhr, eine Stunde nach allen anderen, machten wir uns im Schein von Stirnlampe und Mond auf den Weg. Mein Bergfuehrer war etwas uebermotiviert und goennte mir kaum Pausen, weil es so kalt war. Auf halber Strecke ueberholten wir alle anderen, aber je weiter wir kamen, desto mueder wurden meine Beine und desto schneller schlug mein Herz. Immer wieder blieb ich wie ein stoerrischer Esel stehen und jedesmal zerrte der Bergfuehrer wie bei einem Esel am Seil und wollte weiter. Kurz nach Sonnenaufgang standen wir auf dem Gipfel, auf 5897 m. Genauer gesagt setzte ich mich sofort stoehnend in den Schnee, ohne einen Blick in den Krater oder auf die Nachbarberge (die sowieso fast alle in Wolken steckten) zu werfen. Kaum war ich fertig mit Verschnaufen und hatte doch noch ein paar Bilder geschossen, rannten wir wieder hinunter... Am Vormittag warf ich mich in Lacacunga ins Bett und schlief ersteinmal aus.

in: SüdamerikaBergeVulkaneReiseberichtEcuador • 2010
Donnerstag 1. Juli 2010

Trekking am Chimborazo

Der Chimborazo muss irgendwo dort in den Wolken stecken, ueber den gruenen geschwungenen Huegeln. Ich wandere mit einer Beschreibung aus "Trekking in the Central Andes" (Lonely Planet) in der Tasche von der Panamericana los, an vereinzelten Hoefen vorbei aufwaerts. Nach etwa einer halben Stunde kommt ein Hund an, schnueffelt und laeuft mir dann hinterher, unbeeindruckt, dass ich ihn wegschicken will. Es geht an einigen Weiden vorbei, auf denen schwarze Bullen stehen, der Hund klaefft wie ein Idiot einen Esel an und laeuft dann doch weiter mit. Weiter oben geht es durch Bueschel aus Puya-Gras, wenn der Hund durch diese einem Vogel hinterher huepft, steigen kleine Staubwoelkchen auf: das Gras ist voll mit Asche des aktiven Tungurahua. Abends, waehrend ich mein Zelt neben einem winzigen See aufbaue, ziehen sich die Wolken zurueck und ueber mir ragt der Chimborazo auf, den man lange fuer den hoechsten Berg der Welt gehalten hatte. Aus dieser Perspektive, ganz nah an der riesigen Eiskuppel, sieht er merkwuerdig in die Breite gezogen aus. Ich male mir aus, wie Alexander von Humboldt mit seinem Begleiter dort oben herum stapften. Gegenueber der Nachbarvulkan Carihuairazo, von Gletschern zu einem felsigen Doppelgipfel zerlegt und in der anderen Richtung taucht auch die Felswand des El Altar auf, einst ein weiter riesiger Vulkan, von dem seit einem Flankenkollaps nur ein spektakulaerer Grat uebrig ist.

Am naechsten Morgen sitze ich im dichten Nebel, immerhin hoert der Schneeregen bald auf. Der Hund liegt aufgerollt neben dem Zelt, obwohl ich am Abend ernsthaft versucht hatte, ihn zu vertreiben. Den ganzen Tag wandern wir durch dichte Suppe, meist durch weite Suempfe oder Steilhaenge hinauf, was mich sehr an Skandinavien erinnert.... Nur die kissenfoermigen Pflanzen passen nicht dazu. Vom Pass zwischen Chimborazo und Carihuairazo steige ich einen Grat ein Stueck den letzteren hinauf und versuche dann bei 20 m Sichtweite mit Kompass, Hoehenmesser und Verstand einen kleinen See nach der vagen Beschreibung "30 Minuten weglos nach Osten" zu finden. Natuerlich zeigt die Kompassnadel mal ins Tal und mal zum Gipfel, irgendwann finde ich einen perfekten (flach und trocken) Platz am Ausfluss eines kleinen Tuempels und baue mein Zelt auf.

Am naechsten morgen ist mein Zelt mit einer Eisschicht bedeckt. Der Hund lag wieder neben dem Zelt, leicht zitternd, aber kaum kam ich heraus, sprang das Miestvieh auf und rannte einem Vikuna hinterher, das gerade noch neugierig zu uns herueber geschaut hatte. Etwas spaeter lichtet sich der Nebel und gegenueber ragt der Eisdom des Chimborazo auf, ein grandioser Anblick. Den See finde ich jetzt auch, hinter einer kleinen Moraene etwas oberhalb. Nach einer Stunde zieht es schon wieder zu und im Nebel suche ich mit weiteren vagen Beschreibungen einen Weg nach unten. Der Hund ist nicht mehr so mutig und tappt fast immer Beifuss neben mir her. Endlich sind wir wieder unterhalb der Wolken auf einem richtigen Weg und marschieren zurueck zur Panamericana. Kurz vorher kreuze ich die alte Kopfsteinpflasterstrasse, auf der ich den Hund zum ersten Mal getroffen hatte und diesmal bleibt er auf meine Gesten sitzen und schaut mir traurig hinterher. Vielleicht wartet er dort jetzt auf den naechsten Wanderer.

Freitag 2. Juli 2010

Tungurahua und Baños

Baños ist ein etwas arg touristischer Ort am Fuss des Tungurahua, ideal um ein paar Stunden im heissen Thermalwasser von den Wanderungen zu entspannen, aber all die Quads-Verleiher und Tourveranstalter sind mir etwas zu viel. Mit einem Fahrrad rolle ich die perfekt asphaltierte "Strasse der Wasserfaelle" hinunter Richtung Amazonasbecken, ich habe sie als holprige ungepflasterte Strasse in Erinnerung und vor zehn Jahren gab es auch noch nicht an jedem Wasserfall drei Seilbahnen (mit LKW-Motor angetrieben), die Touristen auf die andere Seite der Schlucht bringen...

Um so mehr freue ich mich ueber den aktiven Tungurahua. Fuer den besten Blick steige ich eine Nacht in Patate ab: eine graue Aschenfahne haengt ueber dem Vulkankegel, alle paar Minuten steigt eine kleine Aschenwolke aus dem Krater auf und wird vom Wind mit den vorhergehenden Woelkchen zu einer langen Aschenwolke verdriftet. Am Abend sehe ich den eruptierenden Vulkan aus einem anderen Blickwinkel sogar mit blauem Himmel! Da hatte ich wirklich Glueck, denn einen Tag spaeter war es wieder wolkig und ueber dem Kegel hing nur noch eine Dampfwolke.

Montag 26. Juli 2010

Drei Nachtbusse entfernt...

Von den heissen Quellen in Baños (Ecuador) nach Huaraz am Fusse der Cordillera Blanca (Nordperu) sind es drei Nachtbusse. Der erste bringt mich bis zur Grenze und etwas weiter, in Tumbes, muss ich 10 Stunden bis zum naechsten Bus nach Sueden warten. Tumbes: eine Stadt so trist wie der graue Himmel, langweilig zusammengewuerfelte Betonhaeuser. Auf der Plaza des Armas versuchen Wahlhelfer mit einem Autokorso, wehenden Fahnen und Lautsprechern Aufmerksamkeit zu erregen, aber im Moment interessiert sich niemand fuer Politik: die Menschenmassen stehen in grossen Trauben vor den Elektronikgeschaeften, in deren Fernsehern in 20facher Ausfuehrung die Fussballweltmeisterschaft laeuft... und ich habe immer noch einige Stunden vor mir, das sind duzende Seiten Tolstoi...

In Trujillo einen Tag zu warten ist da schon interessanter: eine huebsche Kolonialstadt voller bunter Haeuser, Ceviche essen am Pazifik, der so grau ist wie der Kuestennebel und ein Spaziergang durch die Ruinen von Chan Chan, ein Labyrinth aus Lehmziegelmauern.

In Peru ist es uebrigens laut Gesetz verboten, Artikel oder Substanzen im Bus mitzufuehren, die ein Risiko fuer die Gesundheit oder Sicherheit der Passagiere und Angestellten darstellen koennten. Darunter fallen z.B. Karten, die die Grenzen von Peru abbilden.

Was Sicherheit angeht, koennen unsere Sicherheitsfanatiker noch einiges lernen. Ich muss nicht nur beim Einsteigen in den Bus meinen Pass vorzeigen, sondern auch einen Fingerabdruck abgeben und mich abfilmen lassen. Da kann ja nichts mehr passieren!

Montag 26. Juli 2010

Cordillera Huayhuash

Abgelegen und weniger bekannt, suedlich der Cordillera Blanca setzen sich die Anden in der Cordillera Huayhuash fort. Eine spekakulaere Bergkette aus weissgezackten Eisgipfeln, darunter Yerupaja, der zweithoechste von Peru. Darum eine Reihe blauer, gruener, tuerkiser Seen, in denen sich die Berge spiegeln.

Abgelegen und unbekannt heisst aber noch lange nicht Einsamkeit, im Gegenteil tummeln sich hier Wanderer und Eselkarawanen und die Doerfer, die oft nur aus 3 Lehmhuetten bestehen, erheben Wegzoll oder Campinggebuehren. Meist kommt morgens ein Kontrolleur vorbei, mit breitkraempigem Hut traegt er ein grosses altes Radio vor sich her, Antenne voraus, aus dem Musik oder Fussball plaerrt...

Ich wandere in 10 Tagen allein, ohne Fuehrer oder Esel, um die Bergkette, fast durchgehend in 4000 bis 5000 m Hoehe. Der Bus nach Llamac faehrt um 5 Uhr morgens in Huaraz los. In der Mittagshitze schleppe ich meinen Rucksack ueber den ersten Pass, der mich zum ersten See bringt, Laguna Jahuacocha. Darueber ragt wie ein Schwalbenschwanz der Doppelgipfel Jirishanca auf. Weiter geht es ueber die Punta Rondoy, ein Pass mit grossartigen Ausblicken. Im Norden der Bergkette dominieren wild verfaltete Kalksteine, so auch am naechsten Pass, der mich zur Laguna Mitucocha bringt, auf der Rueckseite des Jirishanca. Ueber dem naechsten See, Carhuacocha, ragen die hoechsten Berge der Gegend auf, die zum Teil aus Granit bestehen. Vom Aufstieg zum naechsten Pass sehe ich zurueck auf drei unterschiedlich gefaerbte Gletscherseen: tuerkis, blau und weiss, der untererste ist naemlich randvoll mit Eis gefuellt, das regelmaessig vom darueber haengenden Gletscher hinunter kracht. Allerdings ziehen dichte Wolken auf und die naechsten zwei Tage sehe ich nicht mehr viel.

Im Sueden der Bergkette aendert sich die Landschaft, die Berge sind vergletscherte Ruinen erloschener Vulkane. Ich sehe hellgraue, schwarze und rote Lavagesteine, bunte Tuffhuegel und weisse Gletscher. Dahinter die naechste Bergkette, die Cordillera Raura. Ein hoher Pass mit guten Ausblicken bringt mich wieder auf die Westseite. Ich nehme Anlauf und laufe gleich am selben Tag noch ueber den hoechsten und vielleicht schoensten Pass, Paso San Antonio, und geniesse den Blick auf weitere Lagunas und die hoechsten Gipfel. Auf der anderen Seite rutsche ich den steilen Hang hinunter und muss mich zusammenreissen, dabei nicht auf die Berge zu schauen. Es folgt ein langer Abstieg zum Dorf Huayllapa, der einzige Ort auf dem Trek, in dem es Lebensmittel zu kaufen gibt. Kurz vor dem Ende, denn es sind nur noch 2 Paesse bis zur Laguna Jahuacocha. Dort bekomme ich Forelle mit Kartoffeln angeboten und sitze daher am Abend in einer der winzigen, verrauchten Huetten mit Strohdach, die vollgestopft ist mit Wolle, Getraenken (fuer die Gringos) und Holz. Die Señora braet auf dem Holzfeuer einen weiteren Fisch fuer ihren Sohn...

Am letzten Tag muss ich nur noch nach Llamac laufen, wo um 12 Uhr der Bus nach Huaraz faehrt.

Montag 26. Juli 2010

Alpamayo Trek

Die Cordillera Blanca ist eine Bergkette voller traumhaft schoener Berge aus Granit und Eis. Nirgendswo sonst in den Anden draengen sich die 5000er und 6000er so dicht aneinander und zugleich ist es die am staerksten vergletscherte Region in den Tropen. Wenn man allerdings die Gletscher mit der Karte oder einer 10 Jahre alten Fotografie vergleicht, sieht das Bild ziemlich traurig aus: es draengt sich die Frage auf, wie lange die Weisse Kordillere ueberhaupt noch weiss ist...

Warum es hier in Nordperu trotz Subduktion der Nazca-Platte keine aktiven Vulkane gibt ist uebrigens eine interessante Geschichte, deren Grund tausende Kilometer entfernt mitten im Pazifik liegt: das ist ein Kapitelchen in meinem naechstes Fruehjahr erscheinenden Berge-Buch...

Unter all den Schoenheiten ist der Alpamayo am beruehmtesten, weil er irgendwann von irgendwem zum schoensten Berg der Welt gewaehlt worden ist. Eine Wanderung fuehrte mich in 9 Tagen um diesen Berg und seine Nachbarn herum.

Der erste Tag fuehrt mich vom Dorf Cashapampa mehr oder weniger an der grossen Abscherung der Bergkette entlang, huegelige Felder, Doerfer hoch ueber dem Tal des Rio Santa, aber unterhalb eines hohen Steilhanges, hinter dem sich die Berge verstecken.

Am zweiten Tag geht es diesen endlosen Steilhang hinauf und wegen dem Gewicht meines Rucksacks frage ich nach einem Esel. "Nur der Rucksack?" werde ich zurueckgefragt und so habe ich stattdessen einen Traeger. In der Morgendaemmerung wandern wir los, um 10 Uhr kommen wir am Ziel, einem See unterhalb des Nevado Santa Cruz Norte, an. Viel zu frueh, um das Zelt aufzubauen, also laufe ich gleich noch die naechste Etappe. Die Berge verstecken sich unterdessen in schwarzen Wolken.

Bald bin ich im Alpamayo Base Camp (Nordseite), von dem dieser Berg allerdings wegen eines 5000 m hohen felsigen Bergrueckens nicht zu sehen ist. Sobald das Wetter endlich besser ist, steige ich auf diesen Ruecken auf. Oben gibt es leichte Kletterei, aber bald bin ich oben. Fast ueberall ist blauer Himmel, nur der Alpamayo, der sich von hier von seiner besten Seite zeigen sollte, eine perfekte Pyramide aus Eis, versteckt sich in dichten Wolken! Ich gehe weiter bis zum Moraenencamp, wo eine Gruppe Bergsteiger fuer den Aufstieg auf den Quitaraju lagert. Dann faengt es mal wieder an zu schneien, nur hoert es diesmal nicht gleich wieder auf und mit boeser Vorahnung mache ich mich auf den Rueckweg. An der Kletterstelle angekommen liegen bereits etwa 3 cm nasser Schnee auf den Steinplatten, die nun so rutschig sind wie Schmierseife. Wie ich dort wieder heruntergekommen bin, ist mir selbst ein Raetsel. Beim weiteren Abstieg, es wird bereits dunkel, sehe ich im Schein der Stirnlampe nur eine weisse Wand aus Schneeflocken. Am naechsten morgen ist das Wetter so gut, wie ich es mir gewuenscht hatte, aber die Lust auf den urspruenglichen Plan, es im Zweifelsfall ein zweites Mal zu probieren, ist mir vergangen. Stattdessen steige ich ein Stueck auf der gegenueberliegenden Seite auf und bekomme doch noch ein brauchbares Foto vom Alpamayo.

Weiter geht es um den 6000er Pucajirca, die hohe gezackte Nordostecke der Cordillera Blanca. Der Nordgipfel beseht aus steilgestelltem Kalkstein, der Kontakt zum Granit ist in der Flanke des Pucajirca Central zu sehen.

Einige Paesse spaeter ueberschreite ich bei Sonnenaufgang den Alto de Pucaraju, einer der schoensten Paesse der Wanderung. Vom Huascaran ueber Chacraraju, Piramide, Paron bis Taulliraju habe ich eine lange Reihe spektakulaerer Berge direkt vor mir. Dazwischen Punta Union, der naechste Pass: an diesem treffe ich auf den Santa Cruz Trek, neben dem Inkatrail bei Cuzco der beliebteste Trek in Peru. Ein meterbreiter, mit Steinplatten und Stufen ausgebauter Weg, also kaum zu verfehlen. Waehrend ich oben den Blick geniesse und zu Mittag esse, kommt eine Ameisenstrasse von Gringos hinaufgekrochen. Unten im Tal steht eine richtige Zeltstadt und ich beobachte, wie eine muede Gruppe auf einem Packpferd einen kleinen Anstieg hinaufbefoerdert wird. Um dem Trubel zu entgehen biege ich in ein Seitental zum suedlichen Alpamayo Basecamp ab. Etwas oberhalb gibt es einen schoenen Gletschersee, aber das beste ist hier der Blick auf den Artesonraju, der den Apfel der Schoenheit genauso verdient haette wie der Alpamayo. Am letzten Tag marschiere ich nur noch das Santa Cruz Tal hinunter, relativ langweilig, weil von den Bergen fast nichts zu sehen ist...

Montag 26. Juli 2010

Nevado Pisco

Zwischen all den Schoenheiten der Cordillera Blanca versteckt sich der Nevado Pisco ein wenig, trotzdem ist er zu Recht einer der beliebtesten Berge der Gegend: er ist nicht nur relativ leicht und ungefaehrlich, er hat auch noch einen der besten Ausblicke. Nach einem naechtlichen Aufstieg stehe ich mit meinem Bergfuehrer puenktlich zum Sonnenaufgang auf dem 5752 m hohen Gipfel. Auf der einen Seite leuchten die drei entgegengesetzt geneigten Gipfel der schoenen Huandoy auf, im Sueden der riesige Doppelgipfel des Huascaran und Gegenueber wie eine Festung Chacraraju. Von diesem zieht sich eine ganze Reihe von Pyramiden aus Eis hin, darunter Artesonraju und Alpamayo. Und unter mir ein Gewirr aus Gletscherspalten. Der Wind treibt uns allerdings bald wieder hinunter und schon am Nachmittag sind wir wieder in Huaraz.
in: SüdamerikaBergeReiseberichtPeru • 2010
Mittwoch 4. August 2010

Isla del Sol

Eine lange Fahrt, von Huaraz nach Bolivien, unterbrochen in Lima mit einem Besuch im Goldmuseum und in Arequipa, wunderschoen unterhalb des Vulkanes Misti gelegen. Endlich am Titicacasee ueber die Grenze fahre ich mit einem Boot zur Isla del Sol, ein wunderschoener Ort zum Entspannen. Ich geniesse bei einem Spaziergang ueber die Insel die immer neuen Blicke ueber den blauen See mit seinen Buchten hinueber zur vergletscherten Cordillera Real.
Mittwoch 4. August 2010

Huayna Potosi

Unmittelbar noerdlich von La Paz ragt Huayna Potosi auf, einer der Eisriesen der Cordillera Real. Der 6088 m hohe Berg wird sehr haeufig bestiegen, da er leicht zu erreichen ist, da es Huetten gibt und da er relativ leicht ist. Ich entschliesse mich, den Aufstieg in 2 statt 3 Tagen zu machen, da der erste Tag ueblicherweise nur dazu da ist, sich an Steigeisen, Pickel und die Hoehe zu gewoehnen. An meinem ersten Tag steige ich mit meinem Bergfuehrer in etwa 2 Stunden zur oberen Huette auf. Leider wird mein Schlaf dort oben weniger von der duennen Luft gestoert als von einem argentinischen Paar, das nicht aufhoert zu fluestern.

Um 2:30 laufen wir im Schein meiner Stirnlampe los (der Bergfuehrer wollte wohl die Batterien sparen). Wir sind die vorletzten, die ersten haben fast 2 Stunden Vorsprung. In weiten Kurven stampfen wir den Gletscher hinauf, es gibt nur wenige kleine Spalten, die mit einem grossen Schritt zu ueberwinden sind. Wir machen nur kurze Pausen und ueberholen so Gruppe um Gruppe. Schliesslich wird es steiler und wir erreichen den Gipfelgrat, an dem wir bei leichter Kletterei die letzten beiden Gruppen ueberholen: puenktlich zum Sonnenaufgang stehe ich nach 4 h 15 min als erster auf dem Gipfel. Um mich herum ein grossartiger Blick: Im Sueden der riesige Bergstock Illimani, der Rand von La Paz und El Alto, im Norden der Rest der Cordillera Real mit Illampu, Ancohuma, Condoriri usw. und daneben der Titicacasee. Im Suedwesten ist im Dunst sogar der erloschene Vulkan Sajama zu erkennen. Im Osten stapeln sich dichte Wolken in den Yungas, dem Abfall der Anden zum Amazonasbecken. Zwei Stunden spaeter (nach vielen Fotostops) bekomme ich an der Huette eine Suppe, die mich fuer den restlichen Abstieg staerkt.

Mittwoch 4. August 2010

Per Rad in die Yungas

Oestlich von La Paz fallen die Anden in steilen, tief eingeschnittenen Taelern in Richtung Amazonasbecken ab: den Yungas. Dort hinab schlaengelt sich eine einspurige ungepflasterte Strasse, oft mit einem senkrechten Abhang auf der linken Seite und dem fast senkrechten Berghang auf der Rechten. Bis vor wenigen Jahren eine neue Strasse eingeweiht wurde, war dies die einzige direkte Verbindung von La Paz in die Selva und die Strasse fuehrte mit 200-300 Toten pro Jahr die weltweiten Statistiken toedlicher Unfaelle an. Inzwischen wird sie fast nur noch von Radfahrern genutzt, die die mehr als 3000 Hoehenmeter hinunter rauschen und jetzt sterben nur noch Radfahrer, die eine Kurve nicht erwischen. Ihren Spitznamen "El Camino de la Muerte" oder "Death Road" hat die gefaehrlichste Strasse der Welt behalten.

Die Tour ist perfekt organisiert, mit sehr guten Mountainbikes, Helm und Knieschonern, 3 Guides und mit Stops alle 15 Minuten. Das erste Stueck vom Pass La Cumbre ist auf einer asphaltierten Strasse, dann werden wir fuer einen kurzen Anstieg wieder in den Bus gesetzt. Schliesslich biegt die neue Strasse in das Nachbartal ab und wir setzten uns wieder auf den Sattel. Hier stecken wir in dichtem Nebel, an den steilen Haengen waechst ebenso dichter Nebelwald. Nach unten wird die Sicht immer besser und man muss sich entscheiden, ob man schnell dem vordersten Fuehrer hinterher will oder lieber langsam faehrt und die Ausblicke geniesst. An den besten Aussichtspunken posieren wir fuer Fotos, die von den Guides geschossen werden und die man spaeter auf CD gebrannt bekommt. Unten angekommen gibt es Duschen und ein spaetes Mittagessen, dann fahren wir auf der neuen Strasse nach La Paz hinauf, was fast genauso lang dauert wie hinab.

Donnerstag 12. August 2010

La Paz

La Paz ist einfach eine grandiose Stadt, allein schon der Blick von El Alto hinunter, ausgefuellt von einem unendlichen ziegelroten Haeusermeer, fast identisch mit dem Rotbraun des Bodens und dahinter der maechtige Bergstock des Illimani. Dort unten schieben sich in endlosen Schlangen Minibusse und uralte Busse im Schritttempo durch die engen Strassen und fuellen die duenne Luft mit blauschwarzen Abgasen. Auf den engen Buergersteigen breiten Frauen in bunten glockenfoermigen Roecken und mit Melonen auf dem Kopf Gemuese und Obst auf, ein dichtes gedraenge...

Der Nationalfeiertag, la dia de la indepedencia, rueckt naeher und jeden Tag ziehen endlos lange Paraden und Demonstrationen durch die Stadt und machen das Verkehrschaos noch perfekter. Bei einer Militaerparade ziehen Einheiten ueber die Plaza Murillo, auf der Tribuene vor der Kathedrale ernst dreinblickende Generaele neben indigenen Frauen in bunten Roecken und mit Melonen auf dem Kopf. Dazwischen el presidente del nuevo Bolivia, Evo Morales. Gebirgsjaeger mit Kletterguertel tragen mindestens 15 Jahre alte Ski, deren Bindung wenig vertrauen erweckt. Dann Matrosen der Marine, die Bolivien wohl seit dem Salpeterkrieg vergessen hat, abzuschaffen...

Gleichzeitig ist der komplette Suedwesten des Landes seit 2 Wochen durch Blockaden abgeriegelt, langsam werden dort Benzin, Lebensmittel und Medikamente knapp. Das Zentrum des Protestes ist die Silberbergbaustadt Potosi, um dessen wirtschaftliche Zukunft sich nicht nur die Miñeros sorgen machen.

in: SüdamerikaReiseberichtBolivien • 2010
Donnerstag 12. August 2010

Sajama und Lauca

Ausgerechnet am Nationalfeiertag machte ich mich auf zum Sajama, ein erloschener Vulkan in der Westlichen Kordillere und der hoechste Gipfel Boliviens. In El Alto blieb der Bus eine Stunde lang stecken, eine endlos lange Parade marschierte auf der Hauptstrasse vor uns her. So kam ich etwas zu spaet in den Ort, wo ich in einen anderen Bus umsteigen musste, aber wegen des Feiertages fuhr dieser sowieso nicht. Zu meinem Glueck waren dort noch ein paar andere Touristen mit dem selben Ziel und wir konnten ein Collectivo, das die halbe Strecke fuhr, bis zum Dorf Sajama chartern. Unterwegs kamen wir durch Doerfer, deren Bewohner in ihren besten Kleidern auf der Plaza tanzten. Das Dorf Sajama selbst ist wunderschoen gelegen, mit dem Berg Sajama auf der einen Seite und den beiden Vulkankegeln Parinacota und Pomerade auf der anderen und am Rand des Ortes eine huebsche alte Kirche aus Lehmziegeln. Hier wollte ich einen Bergfuehrer anheuern, aber wegen des Feiertages war niemand zu haben, nicht einmal Traeger oder Eselstreiber bis zum Basecamp, alle waren bereits betrunken.

Wohl oder uebel machte ich mich zusammen mit einem spanischen Bergsteiger ohne Fuehrer auf dem Weg. An einem Tag stiegen wir direkt bis zum High Camp auf, wuehlten uns mit schwerem Gepaeck einen steilen, unendlich langen Schutthang hinauf. In ueber 5600 m Hoehe bauten wir das Zelt auf und begannen damit, fuer den naechsten Tag Eis zu schmelzen. Ein paar Porter, die sich auf dem Weg nach unten machten, erzaehlten besorgt, dass noch zwei Leute oben sind. In der Nacht machten wir uns wirklich sorgen und freuten uns zunaechst, dass endlich das Licht einer Lampe naeher kam. Es kam jedoch nur einer und fragte uns nach der Telefonnummer der Bergrettung, etwas naiv, denn erstens gibt es das in Bolivien nicht wirklich und zweitens gab es dort oben keinen Empfang. Sein Kollege sass noch immer dort oben, Hoehenkrank und unfaehig, einen Schritt zu tun! Nach etwas Ueberlegung schickten wir den Gesunden nach unten, um Hilfe zu holen und machten uns um 4 Uhr auf, um den Kranken wenigstens zum High Camp hinunter zu holen. Dem armen ging es inzwischen so schlecht, dass er nicht einmal mehr ohne Hilfe aufstehen konnte! Das wurde eine anstrengende und lange Aktion, mit einer Mischung aus Tragen und Stuetzen und Abseilen und wieder aufsteigen um die Ruecksacke zu holen... ueber einen Felsgrat und dann eine steile Eisrinne hinunter. Mittags kamen wir zum Highcamp und gleichzeitig von unten eine grosse Gruppe von Guides und Portern, die den Kranken uebernahmen. Nun stiegen wir alle zusammen im Schneckentempo ab, da wir zwei nicht genug Essen fuer eine zweite Nacht hatten konnten wir keinen zweiten Versuch starten. Zwei Stunden nach Sonnenuntergang erreichten wir die wartenden Jeeps...

Ich machte mich von Sajama auf zum Lauca Nationalpark, der auf der chilenischen Seite direkt an den Sajama Nationalpark angrenzt: mit einem Taxi zum bolivianischen Grenzposten, dann in einem LKW zum chilenischen (auf der Strasse ist kaum Verkehr!) und von dort zu Fuss weiter. Der Highway fuehrt am Ufer des Lago Chungara entlang, in dem ein paar Flamingos und andere Voegel herum stolzieren und ueber dessen anderem Ufer der perfekte, vergletscherte Vulkankegel Parinacota aufragt. Nach einer Nacht im Refugio des Nationalparks marschiere ich auf der Strasse weiter, eine zeitweise ziemlich langweilige Strecke, bevor die Lagunas Cotacotani in Sicht kommen: eine Landschaft aus kleinen Seen in einem huegeligen Lavafeld, dahinter Parinacota und Pomerade. Ich lief nun einen Jeeptrack entlang, mit tollen Blicken und liess mich schliesslich von einem Pfeil mit dem Schriftzug "Parinacota" (dem Ort) in die Irre des Blocklavafeldes locken. Der Weg verlor sich mit der Zeit und ich irrte langsam 5 km auf und ab, hin und her und kam genau zum Sonnenuntergang voellig erschoepft im Ort an. Fazit: Lauca lieber mit einem Auto.

Am naechsten Tag stand ich 3 Stunden am Highway und wartete auf einen Bus nach La Paz ("zwischen 11 und 14 h" hatte es geheissen und es war dann 14 h). Es war bewoelkt und kalt ohne Sonne, dazu wehte ein eisiger Wind, der immer staerker wurde. 3 Stunden lang lief ich in kleinen Schritten um meinen Rucksack herum... Ich denke, Lauca lieber mit einem Auto...

Sonnabend 21. August 2010

Illimani

Ein riesiger Berg aus Granit und Eis ragt ueber La Paz auf. Das besondere des Illimani ist, dass er als maechtiger Klotz einsam, abseits der restlichen Cordillera Real steht, auch abseits des Altiplanos, von dem er durch tief eingeschnittene Taeler getrennt ist. Das macht auch die Anfahrt auf staubigen Pisten so langwierig, langsam kurven wir von einem Tal in das naechste, bis endlich die Rucksaecke von mir und meinem Bergfuehrer auf ein Muli geschnuert werden und wir zum Base Camp aufsteigen. Am naechsten Tag wandern wir mit der Hilfe eines Porters zum campo alto. Dieses liegt in beeindruckender Lage auf einem felsigen Ruecken, mit spektakulaeren Gletschern auf beiden Seiten und den verschiedenen Gipfeln darueber. Nachts steigen wir ueber den Gletscher auf, die Gruppe, die eine Stunde Vorsprung hatte, ist schnell ueberholt. Ich habe Glueck, der Berg ist dieses Jahr in einem guten Zustand und ungewoehnlich leicht. Es gibt so gut wie kein Blankeis und bei der einzigen groesseren Spalte gibt es einen Tritt an der richtigen Stelle. Dann geht es einen langen Steilhang hinauf und wenig spaeter wandern wir bei Sonnenaufgang ueber den fast flachen Gipfelgrad, bis zum 6438 m hohen Gipfel. Obwohl es kaum Wind hat, ist es eiskalt, staendig bewege ich die Finger, die halb eingefroren sind.

Beim Abstieg kommt uns am Steilhang die Gruppe entgegen. Am campo alto gibt eine Suppe und mein Fuehrer stellt fest, dass er noch nie so schnell auf den Gipfel auf und wieder abgestiegen ist. Wir rufen in La Paz an, ob wir nicht schon heute abgeholt werden koennen, aber das klappt leider nicht. Daher Campen wir noch eine Nacht neben der Plaza des Dorfes, von dem wir losgelaufen sind.

in: SüdamerikaBergeReiseberichtBolivien • 2010
Mittwoch 25. August 2010

Amboro

Noch etwas Dschungel dachte ich, und zwar im Amboto Nationalpark, in den Subanden, dem Falten- und Ueberschiebungsguertel, den die zentralen Anden vor sich herschieben. Also mit einem Nachtbus von La Paz Richtung Santa Cruz, der allerdings nicht in Bellavista anhaelt, obwohl ich so ziemlich jedem der Busgesellschaft erklaert hatte, dass ich dort aussteigen will. Zum Glueck haelt der Bus etwas spaeter fuer das Fruehstueck und ich trampe die paar Kilometer zurueck. In Bellavista sind allerdings alle Touranbieter geschlossen, erst nach 2 Stunden Fruehstueck sind sie geoeffnet. Eine Tour fuer Heute? Aber es ist schon spaet! Es dauert weitere 2 Stunden, bis ein Guide organisiert ist, dann geht es endlich los. 2 Tage, ein paar Wasserfaelle, Froesche und Schlangen, viele Baeume und Nachts die leuchtenden Augen von irgendeinem relativ grossen Tier. Am spaeten Nachmittag fahre ich nach Santa Cruz, um einen Nachtbus nach Sucre zu nehmen, aber es gibt keinen, nur Tagsueber. Stattdessen nehme ich einen Nachtbus nach Cochabamba und denke, dass ich dann frueh morgens einen Bus nach Sucre nehmen kann, aber von wegen, von hier gibt es nur Nachtbusse nach Sucre. Letztlich fahre ich dann nach Oruro und von dort mit einem Nachtbus nach Uyuni und lasse Sucre aus.

Bei Santa Cruz gibt es die Kaserne des Bataillon Ecologico. Was auch immer das ist.

in: SüdamerikaReiseberichtBolivien • 2010

Die Landschaft im Sueden von Bolivien gehoert zu den phantastischsten, die man sich vorstellen kann: der Salar, bunte Lagunas und jede Menge aktive und erloschene Vulkane. Bei einer Jeeptour, in meinem Fall mit Transfer nach San Pedro de Atacama in Chile, kann man jedoch Glueck und Pech haben und ich hatte Pech: ich lande als einziges Individuum in einem Jeep mit slovenischen Pauschaltouristen inklusive slovenischem Tourguide, der ueber mein Glueck genauso entschied wie ueber das seiner Schaefchen: "hier haben wir 15 Minuten"... Traurig zu sehen, dass alle Fotos schiessen, wenn der Guide einen Fotostop verordnet, aber wenn ich einen Stop will lese ich in den Blicken: "Nein, das geht nicht, wir sind eine Gruppe und der andere Jeep ist schon ein paar Minuten voraus".

Am ersten Tag geht es ueber den Salar de Uyuni, eine weiss leuchtende Flaeche aus Salz bis zum Horizont. Mittendrin eine Insel mit riesigen Kakteen.

Am naechsten Tag kommt eine Lagune nach der anderen, zum Teil mit einer weissen Salzplaya am Ufer und voller pinker Flamingos. Hin und wieder bizarr erodierte Ignimbrit-Felsen wie der oft fotografierte "Steinbaum" und am Vulkan Ollague deutlich sichtbare Fumarolen. Und dann endlich die Laguna Colorada, fuer mich der Hauptgrund fuer die Tour: im von Plankton rosa gefaerbten Wasser schwimmen weisse Inseln aus Borax und wieder ein paar Flamingos. Nach 3 Minuten am Ufer schickt der Guide uns wieder in die Autos und ich denke noch, dass wir an einen anderen Aussichtspunkt fahren, stattdessen geht es direkt zum einige Kilometer entfernten Hostel. Als ich mich beschwere, meint der Clown von einem Fuehrer tatsaechlich: "wir sind eine Gruppe von 11 und du bist allein, so shut up!" Nachdem ich ihn mit Schimpfwoertern ueberschuettet habe kommuniziere ich mit der Gruppe nur noch indirekt ueber den Fahrer (der nichts dafuer konnte) und setze mich zum Essen demonstrativ zu anderen Touristen. Um die Katastrophe zu relativieren, gehe ich noch zu Fuss zur Lagune, was aber mehr als eine Stunde dauert, so dass ich zu spaet zum Sonnenuntergang bin.

Am Morgen fahren wir um 5 Uhr los zum sogenannten Geysir Sol de la Mañana, in Wirklichkeit ein paar Fumarolen und Mudpools und kein Geysir. Wirklich nur einen Moment vor Sonnenaufgang fahren wir wieder weiter (wie idiotisch!), zu einer heissen Quelle. Hier plansche ich mit einigen netten Backpackern, waehrend meine doofe Gruppe draussen steht. Selber Schuld. Weiter geht es zur Laguna Verde, die allerdings nur Nachmittags gruen ist. Dahinter der Vulkan Licancabur. 3 Minuten und ab ins Auto. Bei der benachbarten Laguna Blanca steige ich gegen 10 Uhr aus, endlich bin ich die Gruppe los.

Den Vulkan Licancabur (5920 m) darf man nur mit einem Fuehrer besteigen. Allerdings gibt es an diesem Nachmittag keinen Fuehrer und wohl auch kein Benzin um zum Ausgangspunkt zu fahren. Dann geh ohne Guide, kein Problem... Etwas mehr als eine Stunde laufe ich am Ufer der Laguna Blanca entlang, zur Laguna Verde. Diese ist jetzt tatsaechlich gruen, mit einem Stich ins Tuerkise. Fuer bessere Aussichten laufe ich eine weitere Stunde um den See herum, gegen 14 Uhr bin ich am Westufer, unterhalb des Vulkans. Verdammt spaet, denn vom Ufer sind es 1600 Hoehenmeter und um kurz nach 18 Uhr geht die Sonne unter! Beim Aufstieg gebe ich alles, was Lunge und Beine hergeben. Je Hoeher ich komme, desto mehr wuehle ich mich einen rutschigen Steilhang aus Lockermaterial aufwaerts, wie es fuer Vulkane typisch ist. Dafuer werde ich aber mit grossartigen Blicken auf die beiden Lagunas und die Vulkanlandschaft drum herum entlohnt. Mit der Zeit habe ich das Gefuehl, dass die mich nur ohne Fuehrer haben laufen lassen in der Hoffnung, dass ich (ohne Jeep) aufgebe, aber dieser Gedanke treibt mich erst recht aufwaerts. Auf dem Gipfel komme ich allerdings erst im dunklen an, vom Seeufer habe ich immerhin nur 5 Stunden gebraucht! Der Krater ist nur noch ein schwarzes Loch, in dem eine weisse Flaeche zu erkennen ist: das Eis auf dem Kratersee, dem hoechsten See der Welt. Im Schein der Kopflampe rutsche ich langsam den Berg hinunter, dann die lange Strecke am Seeufer, durstig und erschoepft schleppe ich mich vorwaerts. Gegen 23 Uhr komme ich an, die Señora ist schon im Bett und so bekomme ich weder Abendessen noch etwas zu trinken.

Am naechsten Morgen geht es mit einem Jeep fuer mich allein zur Grenze. Fuer den Bus bis San Pedro muss ich dann, obwohl eigentlich der Transport in der Tour eingeschlossen sein sollte, nochmal 40 Bolivianos bezahlen, ich hatte kein Voucher dafuer bekommen!

Mittwoch 1. September 2010

San Pedro de Atacama

San Pedro de Atacama ist eine kleine Oase im Herzen der trockensten Wueste der Welt. Staubige Gassen mit braunen Adobemauern, ueber die in den Innenhoefen wachsende Baeume ragen. Tagsueber ein verschlafenes Dorf, doch Nachmittags fuellen sich die Gassen mit Touristenmassen und den hippiesk angehauchten Bewohnern, die versuchen, den Menschenstrom in ihr jeweiliges Restaurant oder Reisebuero umzuleiten. Im Osten von San Pedro ragen die Anden auf, ein Vulkan direkt neben dem anderem: darunter der perfekt symmetrische Licancabur, etwas weiter dampft der sehr aktive Laska vor sich hin und ganz im Sueden ist sogar die Spitze des Llullaillaco, des hoechsten in historischer Zeit ausgebrochenen Vulkanes zu erahnen: erstaunlich, wie weit man hier sehen kann. Suedlich von San Pedro liegt der Salar de Atacama, eine riesige Salzflaeche, aber nicht so weiss und rein wie der von Uyuni: Tonpartikel geben ihm eine roetlichbraune Faerbung.

Unmittelbar westlich befindet sich die kleine Cordillera del Sal, spektakulaere aufgebrochene Falten aus Salz und Tonstein, wie das Valle de la Luna und das Valle de la Muerte. Mehrmals leihe ich mir ein Mountainbike aus, um all die spektakulaeren Aussichtspunkte abzuklappern. Vor allem bei Sonnenuntergang, wenn tiefe Schatten in den Schluchten zwischen merkwuerdig geformten Huegeln und Sandduenen liegen und die Anden im Hintergrund pink aufleuchten sieht die Landschaft vollkommen surreal aus. Hier veruche ich mich auch im Sandboarden, aber mit dem Kurvenfahren klappt es nicht so recht...

Eine Tour bringt mich zum Geysir Tatio, um 4 Uhr morgens geht es los, um das grosse in ueber 4000 m Hoehe gelegene Geothermalfeld kurz vor Sonnenaufgang, waehrend der kaeltesten Zeit zu sehen. Die Fumarolen und Geysire sind um diese Zeit zwar nicht aktiver (wie manchmal behauptet wird), aber durch die Kaelte kondensiert mehr Wasserdampf zu weissen Woelkchen. Einer der Geysire spritzt zum Beispiel etwa alle 15 Minuten etwas mehr als 2 Meter hoch, die Fontaene versteckt sich aber in einer dichten Wolke, die sich sofort darum bildet. Kurz bevor die Sonne das Tal mit seinen zischenden Fumarolen, Geysiren und dampfenden, kochend heissen Quellen in Licht taucht fahren wir leider schon wieder weiter. Dabei haette ich mir das folgende Tal mit Kakteen sparen koennen, da habe ich in Bolivien schon schoenere gesehen.

Eine andere Tour fuehrt zu den blauen Seen Miscanti und Miñiques. Der erste Stop ist im Salar de Atacama bei einem kleinen See mit Flamingos, im Vordergrund das vom seltenen Regen in spitze Brocken zerlegte Salz des Salars. Im Hintergund dampft der Vulkan Laska vor sich hin. Schliesslich kurven wir in die Anden hinauf, auf etwas mehr als 4000 m zu den beiden Seen, die zu Fuessen der Vulkane Miscanti und Miñiques und deren Nachbarn liegen. Ich habe ja jetzt schon einige Lagunas in der Umgebung gesehen, aber jede einzelne hat wieder ihren eigen Reiz. Das Farbenspiel zwischen blauem Wasser, goldgelber Spiegelung von grasbewachsenen Huegeln und einer grossen weissen Eisscholle ist faszinierend. Allerdings spinnt der Motor und das Getriebe unseres Minibusses und wir koennen froh sein, dass wir es bis hinauf geschafft haben: die letzten Meter nach San Pedro muessen wir tatsaechlich in einen anderen Bus umsteigen.


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