Montag 26. Juli 2010

Cordillera Huayhuash

Abgelegen und weniger bekannt, suedlich der Cordillera Blanca setzen sich die Anden in der Cordillera Huayhuash fort. Eine spekakulaere Bergkette aus weissgezackten Eisgipfeln, darunter Yerupaja, der zweithoechste von Peru. Darum eine Reihe blauer, gruener, tuerkiser Seen, in denen sich die Berge spiegeln.

Abgelegen und unbekannt heisst aber noch lange nicht Einsamkeit, im Gegenteil tummeln sich hier Wanderer und Eselkarawanen und die Doerfer, die oft nur aus 3 Lehmhuetten bestehen, erheben Wegzoll oder Campinggebuehren. Meist kommt morgens ein Kontrolleur vorbei, mit breitkraempigem Hut traegt er ein grosses altes Radio vor sich her, Antenne voraus, aus dem Musik oder Fussball plaerrt...

Ich wandere in 10 Tagen allein, ohne Fuehrer oder Esel, um die Bergkette, fast durchgehend in 4000 bis 5000 m Hoehe. Der Bus nach Llamac faehrt um 5 Uhr morgens in Huaraz los. In der Mittagshitze schleppe ich meinen Rucksack ueber den ersten Pass, der mich zum ersten See bringt, Laguna Jahuacocha. Darueber ragt wie ein Schwalbenschwanz der Doppelgipfel Jirishanca auf. Weiter geht es ueber die Punta Rondoy, ein Pass mit grossartigen Ausblicken. Im Norden der Bergkette dominieren wild verfaltete Kalksteine, so auch am naechsten Pass, der mich zur Laguna Mitucocha bringt, auf der Rueckseite des Jirishanca. Ueber dem naechsten See, Carhuacocha, ragen die hoechsten Berge der Gegend auf, die zum Teil aus Granit bestehen. Vom Aufstieg zum naechsten Pass sehe ich zurueck auf drei unterschiedlich gefaerbte Gletscherseen: tuerkis, blau und weiss, der untererste ist naemlich randvoll mit Eis gefuellt, das regelmaessig vom darueber haengenden Gletscher hinunter kracht. Allerdings ziehen dichte Wolken auf und die naechsten zwei Tage sehe ich nicht mehr viel.

Im Sueden der Bergkette aendert sich die Landschaft, die Berge sind vergletscherte Ruinen erloschener Vulkane. Ich sehe hellgraue, schwarze und rote Lavagesteine, bunte Tuffhuegel und weisse Gletscher. Dahinter die naechste Bergkette, die Cordillera Raura. Ein hoher Pass mit guten Ausblicken bringt mich wieder auf die Westseite. Ich nehme Anlauf und laufe gleich am selben Tag noch ueber den hoechsten und vielleicht schoensten Pass, Paso San Antonio, und geniesse den Blick auf weitere Lagunas und die hoechsten Gipfel. Auf der anderen Seite rutsche ich den steilen Hang hinunter und muss mich zusammenreissen, dabei nicht auf die Berge zu schauen. Es folgt ein langer Abstieg zum Dorf Huayllapa, der einzige Ort auf dem Trek, in dem es Lebensmittel zu kaufen gibt. Kurz vor dem Ende, denn es sind nur noch 2 Paesse bis zur Laguna Jahuacocha. Dort bekomme ich Forelle mit Kartoffeln angeboten und sitze daher am Abend in einer der winzigen, verrauchten Huetten mit Strohdach, die vollgestopft ist mit Wolle, Getraenken (fuer die Gringos) und Holz. Die Señora braet auf dem Holzfeuer einen weiteren Fisch fuer ihren Sohn...

Am letzten Tag muss ich nur noch nach Llamac laufen, wo um 12 Uhr der Bus nach Huaraz faehrt.


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