Kriegskommunismus

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Schafft zwei, drei, viele Vietnam“ (Che Guevara)

Ist es in einem armen, kolonialisierten Land möglich, den Kommunismus einzuführen? Oder endet ein derartiges Projekt über den Umweg der „Nationalen Befreiung“ zwangsläufig in einem autoritären System der nachholenden Entwicklung? Auch in der Sowjetunion kam es ja eher zu einem Staatskapitalismus…

In Vietnam führte der verlustreiche Kampf gegen die Franzosen und die zur Hilfe eilenden Amis zu einer schnellen Abwendung von eigendlich kommunistischen Ideen: die Parole „no religion, no family, no fatherland“ (Indochina Communist Party 1930) wurde zugunsten der Nationalen Befreiung aufgegeben. Statt der ökonomischen Gleichheit forderte die Propaganda die Jugend auf, das Leben im Kampf gegen den imperialistischen Feind zu opfern. Märtyrer wurden abgefeiert. Später ließ dann die Brutalität des Krieges und die wirtschaftliche Blockade dem agraisch geprägten Land kaum Möglichkeiten der Entwicklung offen. Sicher, das von den Chinesen eingeführte Feudalsystem (Nordvietnam war von 200 v. Chr. bis 938 n. Chr. unter chinesischer Herrschaft) wurde endlich abgeschafft und die Kolonialisten waren verjagt, doch der Versuch der schnellen Kollektivierung und staatskapitalistischen nachholenden Entwicklung brachte nicht die gewünschten Erfolge. Ein Sozialsystem (wie es in Kuba aufgebaut wurde) war nicht vorhanden, ohne Connections ging nicht viel…

Letztlich ging es aber auch nach dem Sieg über Frankreich und die USA noch um Macht und Einflusssphären. Inzwischen war der Konflikt zwischen der Sowjetunion und China ziemlich deutlich. Hanoi hatte die chinesischen Händler und „Spekulanten“ im eigenen Land auf dem Kicker und bekämpfte die mit China verbündeten Khmer Rouge… und wurde somit von der UdSSR abhängig. Andererseits waren die kommunistischen Guerillas in Laos und später das kommunistische Laos abhängig von Hanoi. Laos hatte während dem Vietnamkrieg heftigste Bombardements abgekriegt, die die Nachschubroute der Viet Cong durch Laos und Kambodscha abschneiden sollten. Der Effekt war die steigende Unterstützung der Bauern für die Guerillas und eine mit Bombenkratern übersäate Landschaft, sowie massenhaft noch heute rumliegende Bomben. Der Ho Chi Minh-Pfad hingegen wurde von einem Netz aus Jungelpfaden zu einem Netz aus asphaltierten Straßen mit Flakstellungen, auf denen unermütlich LKWs in den Süden ratterten… Letztlich sind dann Saigon, Phnom Penh und Vientienne fast gleichzeitig gefallen. (Und jetzt wird in Vietnam und Laos Schritt für Schritt der freie Markt eingeführt…)

Und die Frage nach der Möglichkeit der Revolution? „In unseren Tagen erscheint das revolutionäre Projekt als Angeklagter der Geschichte: Ihm wird vorgeworfen, dass es schlechten Erfolg gehabt und eine neue Entfremdung mit sich gebracht habe. Das heißt nichts anderes, als daß die herrschende Gesellschaft sich auf allen Gebieten der Wirklichkeit viel besser wehren konnte, als die Revolutionäre es vorausgesehen hatten; und nicht, dass sie annehmbarer geworden ist. Die Revolution ist aufs neue zu erfinden – das ist alles.“ (Situationistische Internationale 1961)

P.S.: Das kommunistische an Laos ist nach meiner Meinung die Gemütlichkeit und Langsamkeit, mit der hier alles geschieht. Stress scheint hier völlig unbekannt zu sein. Allerdings ist vermutlich die Partei mit dieser Vorstellung nicht einverstanden.

P.P.S.: Mir ist bekannt, dass sich das Wort Kriegkommunismus eigentlich auf eine Phase der Sowjetunion bezieht.


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