Flinx

Schon einmal Flüssigkeitseinschlüssen beim frieren zugeschaut? Die Untersuchung dieser „Flinx“ in Gesteinen ist in Tübingen eine Mode, da damit mit Glück einige Aussagen über Prozesse während der Entstehung gemacht werden können. Dazu wird ein handgemachter Dickschliff in die Kammer unter dem Mikroskop eingeschleust. Die mikroskopisch kleinen Flinx mit ihrem Gasbläschen sehen fast aus wie die Libelle einer Wasserwaage. Heizt man diese bis zu ihrer Homogenisierungstemperatur, so verschwindet das Gasbläschen. Diese Temperatur ist abhängig von Druck und Temperatur während der Entstehung des Einschlusses. Wird der Einschluss hingegen eingefroren, so können wir Aussagen über die Salinität des Einschlusses machen. Ob diese Einschlüsse primär sind, also beim kristallisieren des Minerals eingeschlossen wurden, oder später entstanden sind, ist natürlich noch eine andere Frage. Natürlich müssen schon einige Einschlüsse gemessen werden, um eine statistisch sinnvolle Aussage treffen zu können. So weit so gut.

Allerdings sind Homogenisierung und Auftauen manchmal kaum zu sehen, da im einen Fall das Gasbläschen winzig klein wird und sich am dunklen Rand verstecken kann, während im anderen Fall das Eis nicht immer zu sehen ist. Oder das System ist komplizierter als H2O-NaCl, z.B. bilden sich, wenn auch CO2 vorhanden ist, beim Auftauen Klathrate: eine merkwürdige Verbindung aus Wasser und CO2, die kaum zu sehen ist, aber die Schmelztemperatur des Eises schwanken lässt. Oder es entstehen und verschwinden irgendwelche Sekundärminerale, womöglich gar metastabil. Oder der Einschluss geht einfach kaputt, was bei Kristallen mit guter Spaltbarkeit relativ schnell passieren kann. Oder das Mineral ist so dunkel oder trübe, dass fast gar nichts zu sehen ist. Oder es hat kaum oder nur winzig kleine Einschlüsse. Oder….

Damit eine gewisse Genauigkeit erreicht wird, muss das Kühlen und Heizen langsam vonstatten gehen. Und das bei nicht gerade kleinen Temperaturintervallen, da die Einschlüsse erst bei starker Unterkühlung einfrieren. Also pendelt man immer wieder zwischen vielleicht -70°C und -7°C hin und her. Während die Pumpe mit leichtem zischen den flüssigen Stickstoff durch die Kammer pumpt, muss die ganze Zeit auf den Bildschirm gestarrt werden, damit der kurze Moment, in dem etwas passiert, nicht verpasst wird. Ein kurzer sehnsüchtiger Blick aus dem Fenster, auf den blauen Himmel… und mit etwas Pech kann man gleich nochmal anfangen.