Bergisch Karabach

Wanderung auf dem Janapar-Trail durch die ruppige Enklave Nagorny Karabach

Die selbst ernannte Republik Nogorno Karabakh wird von niemandem anerkannt, laut Völkerrecht ist sie noch immer ein Teil von Aserbaidschan. De Facto ein von Armenien besetzter Teil und für die hier lebenden ist es 100% armenisch und schon immer armenisch gewesen. Da gibt es nichts zu diskutieren. Das ist eine gewagte These, da es ein Unabhängiges Armenien auch nicht sonderlich oft gegeben hat. Die Azeris und Kurden sind freilich seit dem Krieg nicht mehr hier. Auch nach über 10 Jahren Waffenstillstand stehen hier noch viele zerschossenen Hausruinen und an der Frontlinie knistert es wohl noch immer.

Das komische ist, dass für mich Azeris und Armenier einander ziemlich ähnlich sind, abgesehen natürlich von der Religion, die aber bei beiden an Bedeutung verliert. Wenn ich an die Goldzähne denke, die Kebabs, die Kopftücher der älteren Frauen (nur in abgelegenen Dörfern), die Mode der Jüngeren… aber so etwas sagt man besser nicht zu laut.

Die Enklave ist aber auch ein Symbol für eine wilde Abgeschiedenheit, von der die Einstürzenden Neubauten singen als

in der Enklave meines Herzens
in der ich mich verlier
in Nagorny Karabach

Um dem gleich zu tun, wandere ich zwei Tage auf dem Janapar-Trail, der laut Lonely Planet „well marked“ in 14 Tagen von Sueden nach Norden führe. So „well marked“ ist er dann doch nicht, kaum aus dem Dorf Ptretsik hinaus hören die Wegzeichen auf. Es geht durch wunderschöne wilde Buchenwälder aufwärts, oben schauen kleine Felsen aus den Wipfeln. Je höher ich komme, desto schwieriger ist es, den Weg zu finden, da er sich immer wieder auf einer Wiese verliert. Aber richtig schwierig wird es erst auf der anderen Seite des Passes, wo ich mich durch dichtes Brombeeren- und Brennesselgestrüpp schlagen muss, wenn ich gerade einmal nicht den „Weg“ verloren hatte. Die zweite Etappe war dann wesentlich einfacher. Ich komme auch an einem verfallenen Kloster vorbei, das auf einem Hügel liegt. Im Hof hängt im Baum ein vor sich hin faulender Schafskopf, auch ein Schädel und Schafsbeine. Offensichtlich vorchristliche Traditionen, die sich in den „neuen“ Glauben gemischt haben.

Endlich komme ich zum Kloster Gandzasar, dass ich allerdings nicht so beeindruckend fand wie so manche in Armenien. Angeblich liegt unter der Kirche der Kopf von Johannes dem Täufer, den hatte nämlich der Erbauer von einer Pilgerreise nach Jerusalem mitgebracht. Vermutlich gab es im 13. Jh. so etwas in den dortigen Souveniershops zu kaufen…


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Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv
ISBN 978-3-89514-925-2