Kazbegi

Am Fuß des Kasbek im Hohen Kaukasus

Kazbek
Kazbek

Wie eine Parabel aus Eis schwingt sich der Kazbek über Kazbegi auf über 5000 m hinauf. Im Vordergrund thront, spektakulärer könnte man sich keinen Bauplatz ausdenken, auf alpinen Matten ein kleines Kirchlein. Laut Legende war Prometheus, weil er den Menschen das Feuer gebracht hatte, an den Berg gekettet. Die Nachfahren der Adler, die sich einst an seiner Leber labten, kreisen noch immer um den Berg. Im Gegensatz zu Herkules gehe ich nur bis zur Gletscherzunge, träume ein wenig von Pickel und Steigeisen und steige wieder ins Tal hinab.

Kazbek
Kazbek

Auf einem Mountainbike erkunde ich die umliegenden Täler. Da gibt es Mineralquellen mit Sinterterrassen, verlassene Dörfer, in denen schlanke Wehrtürme aufragen. Es blühen Enzian, Orchideen und der kaukasische Zwergrhododendron. Dies wäre aber nicht der Kaukasus, würde man nicht unvermittelt vor einem Stacheldrahtverhau stehen. Vor den beiden olivgrünen Zelten sitzen gerade drei Soldaten und ölen ihre Kalashnikovs. Nicht weiter verwunderlich, denn hinter den verschneiten Bergen rechts liegt das alles andere als befreundete Russland und auf der anderen Seite die abtrünnige Provinz Südossetien, ein von Russland abhängiger, sonst von niemanden anerkannter quasi-Staat. Ein weiterer Soldat kontrolliert meinen Pass, was einige Zeit dauert, da er erst raten muss, was er wo in die Tabelle eintragen soll, der Pass ist ja nicht auf georgisch…

Sinterterrassen im Trusotal
Sinterterrassen im Trusotal
Trusotal
Trusotal

Kazbegi ist einer der am leichtesten zu erreichenden Orte im Kaukasus und man sollte meinen, hier sei eine gewisse touristische Infrastruktur vorhanden. Stattdessen ist es nach 19:00 und vor 10:00 kaum möglich, etwas zu essen aufzutreiben und die Wasserleitungen sind wohl so morsch, dass es immer mal wieder nur in Tröpfchen aus dem Hahn kommt. Statt daran etwas zu ändern wird ein paar Kilometer weiter an der geschlossenen Grenze zu Russland eine neue Prestige-Kirche gebaut…

Juta
Juta

 

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Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv
ISBN 978-3-89514-925-2