Petra: Felsengräber in Jordanien

Sogenanntes Kloster in Petra
Sogenanntes Kloster in Petra

Fast barock muten die prachtvollen Fassaden der in den Sandstein geschlagenen Gräber an. Barock aus der Antike, aus der Zeit des Hellenismus und der Römer. Die Nabatäer kontrollierten den Handel mit dem Süden Arabiens, bis sie von Rom geschluckt wurden. Von der Stadt selbst ist nicht sehr viel erhalten (der Tempel ist interessant), so dass man fast den Eindruck bekommt, die Nabatäer hätten nichts anderes gemacht als Gräber in den Fels zu meißeln (abgesehen vom Weihrauchhandel, versteht sich).

Schatzhaus in Petra
Schatzhaus in Petra

Der Zugang zu Petra führt durch den Siq, eine tiefe Schlucht mit senkrechten Wänden, die sich durch den pralaeozoischen Sandstein schlängelt. Gerade wenn man gar nicht mehr damit rechnet, ist plötzlich vor einem ein kleiner Ausschnitt des „Schatzhauses“ zu sehen, eines der beeindruckensten Gräber. Falls man nicht früh aufgestanden ist, wird man spätestens hier von einem Touristenstrom erfasst. Entkommt man den Wirbeln und Strudeln der Touristenmassen, geht man durch das letzte Stück Schlucht zur in einem Tal gelegenen Stadt. Wohin auch immer man blickt, sieht man nun Gräber, die in die knolligen, blumenkohlartigen Sandsteinberge geschlagen sind. Von nahem sieht der Sandstein stellenweise aus wie ein Gemälde, Fluidbahnen und Oxidationsfronten haben das Gestein in rot-gelb-blau-weiß-beigen Bögen und Linien bemalt. Durch hunderte unbedeutende Gräber zu kraxeln macht genauso Spaß wie der lange Weg hinauf zum „Kloster“, in dessen Nähe der Blick bis hinunter in den Jordangraben fällt. Nimmt man noch ein, zwei weitere Aussichtspunkte mit, so vergehen drei Tage im Fluge…

Redoxfronten im Sandstein
Redoxfronten im Sandstein

 

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Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv
ISBN 978-3-89514-925-2