Norwegische Fjorde

Die schönsten Fjorde in Norwegen: Aussichtspunkte wie Preikestolen am Lysfjord, Blicke auf den Geirangerfjord, Wanderungen hoch über Eidfjord und Nærøyfjord

Fjærlandfjord
Fjærlandfjord

Die norwegischen Fjorde zählen sicher zu den faszinierensten Landschaften der Erde. Unglaublich, zu was die Gletscher der Eiszeiten fähig waren. Mein erster war der Geirangerfjord, der bekannteste und voller Kreuzfahrtschiffe, vermutlich wegen seiner Wasserfälle und der S-förmigen Biegung.

Geirangerfjord
Geirangerfjord

Der Wetterbericht zwang mich, mein Programm von zwei Tagen auf einen Tag zu kürzen. Also lieh ich für den Vormittag ein Mountainbike und radelte zur Ørnesvingen hinauf, die oberste Kurve der nach Norden führenden Straße mit einer der Postkartenansichten des Fjords. Dann raste ich in den Ort hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf, um auch das Foto vom Flydalsjuvet zu bekommen…

Flydalsjuvet
Flydalsjuvet und Geirangerfjord

Am Nachmittag reichte die Zeit noch, um zum Preikestolen und dem kleinen, hoch über dem Fjord klebenden Hof Skageflå zu wandern.

Im Spotlight: Skageflå am Geirangerfjord
Im Spotlight: Skageflå am Geirangerfjord

Am nächsten Tag war das Wetter dann doch nicht so schlecht. Um so besser, um die Fährfahrt nach Hellesylt zu genießen. Vom Ende des Nordfjords wanderte ich am späten Nachmittag auf Meeresniveau los, baute mein Zelt an einem Bergsee auf und stand letztlich pünktlich zum Sonnenuntergang auf dem Gipfel Skåla (1843 m). Dort oben hatte ich einen phantastischen Blick auf die Gletscherwelt des Jostedalsbreen, des größten Gletschers auf dem europäischen Kontinent. Im Schein der Kopflampe suchte ich meinen Weg zum Zelt zurück.

Skåla, Blick auf Jostedalsbreen
Skåla, Blick auf Jostedalsbreen

Der nächste Fjord war auf der anderen Seite des Jostedalsbreen der Fjærlandfjord, ein Seitenarm des Sognefjords. Die Radtour zum wenig spektakulären Gletscherarm Bøyabreen hätte ich mir sparen können, die Bootsfahrt durch das weit verzweigte Fjordsystem nach Flåm war aber nett. Von hier machte ich die obligatorische Fährfahrt durch den Nærøyfjord nach Gudwangen, die Fahrt ist so beliebt, dass es touristische Hinweise in diversen Sprachen, einschließlich Chinesisch und Japanisch gibt.

Nærøyfjord
Nærøyfjord

Kaum angekommen, stürmten fast alle in die wartenden „Norway in a Nutshell“-Busse, ich wanderte stattdessen am Fjord entlang nach Bakka, von wo ein steiler Pfad mit spektakulären Blicken in die Berge hinauf führt. Leider reichte mir die Zeit nur bis zum oberen Ende des Wasserfalls.

Aurlandfjord bei Flåm
Aurlandfjord bei Flåm

Nach einer Wanderung durch das wilde Aurlandsdalen bei pervers gutem Wetter (es war Regen angesagt), machte ich mich bei Regen auf zum nächsten Fjord: mit dem Zug bis Finse und dann zu Fuß in 2 1/2 Tagen über die Hardangervidda zum Vøringfossen bei Eidfjord. Das rauhe Hochplateau der Hardangervidda, das grösste Nordeuropas, ist eine Landschaft aus felsigen Buckeln, Moosen und unzählbaren Seen und Tümpeln, deren Charakter sich mit dem wechselhaften Wetter ständig wandelt.

Multebeeren
Multebeeren

Die erste Nacht verbrachte ich am Fuss des Gletschers Hardangerjokulen. Gerade als ich mein Zelt abbauen wollte, hob dieses in einer heftigen Windböe wie ein Ufo ab, die Heringe fielen aus dem steinigen Boden und es flog in großen Sprüngen davon. Ich stürmte hinterher und konnte es nach einiger Zeit in einer windstillen Mulde einholen, nur fing es inzwischen an zu regnen und bis ich zurück kam waren meine ganzen Sachen, die ich zum Einpacken schön ausgebreitet hatte, klatsch nass. Guten Morgen! Immerhin hat das Zelt den Flugversuch bis auf kleinere Risse erstaunlich gut überstanden. Kaum marschierte ich los, hörte der Regen wieder auf. Der Wind legte dafür einen Zahn zu, ich konnte mich mit samt Rucksack dagegen lehnen und meine Augen begannen zu tränen.

Sturm auf der Hardangervidda
Sturm auf der Hardangervidda

Aber es blieb trocken und so entschied ich mich einen Abstecher zum postkartenschön gelegenen Hof Kjeåsen zu machen. Auch wenn auf der Karte kein Weg eingezeichnet ist, gibt es einen, der sogar hin und wieder mit einem Steinmännchen markiert ist, das allerdings so klein ist, dass man wirklich danach suchen muss. In luftiger Höhe näherte ich mich dem Eidfjord, der Hof liegt irgendwo dort unten auf halber Höhe.

Kjeåsen am Eidfjord
Kjeåsen am Eidfjord

Ich hatte Touristenrummel erwartet, der Blick über den Hof auf den Fjord ist eine der Postkartenansichten Norwegens und immerhin führt eine Strasse hinauf. Die alte Frau, die noch immer hier oben wohnt, erzählt, dass vor drei Tagen zwei Reisebusse hier waren. Jetzt ist es ruhig, sie ist beeindruckt, dass ich zu Fuß von den Bergen gekommen bin, schenkt mir eine Cola und steckt mir dann sogar noch Waffeln als Wegzehrung zu.

Hardangervidda
Hardangervidda

Auf dem Weg hinauf regnet es mal wieder und der Fjord füllt sich mit Nebel wie das Schaumbad in einer Badewanne. Natürlich beeile ich mich, mein Orientierungssinn funktioniert wie ein GPS und ich bin schneller wieder oben, als ich herunter gebraucht habe. Ironischer Weise scheint Abends nochmal die Sonne, trotzdem ist das Wetter am nächsten Tag so schlecht, dass es nicht zu beschreiben ist. Im Regen packe ich mein Zelt zusammen, esse im Regen zu Mittag (das Brot verwandelt sich in meinen Händen zu Brei) und baue mein Zelt im Regen wieder auf. Inzwischen ist in meinem Rucksack wirklich nichts mehr trocken, selbst meine Kamera tropft. Wie geplant, nur ohne Sicht erreichte ich den Vøringfossen und marschierte sogar noch ins Tal hinunter, weil an Wochenenden die Busfahrpläne eine Katastrophe sind.

Preikestolen
Preikestolen

Als letzten Fjord besuchte ich noch den Lysefjord bei Stavanger. Der Preikestolen ist leicht zu erreichen und wirklich einer der fasziniersten Aussichtspunkte. Etwas mehr als 600 m schwebt die an drei Seiten von senkrechten Felsen begrenzte Plattform über dem Fjord. Durch den ständigen Wechsel von Regen und Sonnenschein machte der Lichtfjord seinem Namen wirklich alle Ehre.

Lysefjord
Lysefjord

Jetzt könnte ich noch einen Post über das Ölmuseum in Stavanger, die krummen und schiefen Häuser auf der Brygge in Bergen und über den Nidarosdom in Trondheim schreiben, aber ich habe keine Lust mehr.


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