Nach Fukushima: Warum AKW-Experten nicht zu trauen ist

Was bisher als „Restrisiko“ verharmlost wurde ist eingetreten und plötzlich graust es sogar so manchem Befürworter. Dass es auch in angeblich sicheren AKWs der Hochtechnologieländer zu Störfällen kommt, ist alles andere als neu, bisher hat man nur Glück gehabt, dass es nicht zu einer derartigen Verkettung der Umstände kam wie jetzt in Japan.

Neu ist, wie derzeit von der Realität vorgeführt wird, wie wenig man den Aussagen der Experten trauen kann. Zum Beispiel wurde am Samstag früh auf irgendeiner Webseite (ich glaube das war BBC) behauptet, in diesem Reaktortyp könne es nicht zu Explosionen kommen, weil kein Grafit im Reaktor benutzt werde (wie es in Tschernobyl der Fall war). Eine halbe Stunde explodierte in Fukushima 1 das Reaktorgebäude von Block 1: Eine Wasserstoffexplosion. Ich habe noch nie etwas von Wasserstoff in AKW gehört und brauche ziemlich lange, um die Erklärung zu finden: er bildet sich durch eine Redox-Reaktion zwischen Wasserdampf und überhitztem Metall. Nur scheint vorher kein Experte auf die Idee gekommen sein, dass es zu dieser Reaktion kommen könnte. Zum Glück ist der Sicherheitsbehälter nicht beschädigt worden und auf ARD hieß es nach einer beschwichtigenden Erläuterung von Yogeshwar, das sei ja dann nicht sehr beunruhigend. Es dauerte nicht mehr lange, bis in Block 2 der Sicherheitsbehälter beschädigt wurde… Ein anderes Beispiel ist das kochende Wasser im Abklingbecken von Block 4, dessen radioaktiver Dampf ungeschützt entweicht. Wer hätte gedacht, dass ein bereits vor dem Erdbeben abgeschaltetes AKW noch gefährlich werden könnte?

Die Zusammenfassung lautet: diese Experten wissen selbst nicht, wovon sie reden. Dabei stellt sich doch die Frage, wie viele weitere Risikofaktoren einfach nicht bekannt sind. Und dabei geht es ja nicht nur um Erdbeben. Was würde eine „Verkettung von Umständen“ bei skurrilen Störfällen wie in Fessenheim 2004 bewirken? Damals gelangten Ionenaustauscher-Harze versehentlich in den Reaktorkreislauf und verstopften einen Filter, was zu einem Leck führte. Gleichzeitig konnten die Regelstäbe nicht vollständig eingefahren werden… Von der Verseuchung beim Uran-Abbau und Zwischenfällen in der Aufbereitung und so weiter ganz zu schweigen.

Dabei gibt es bekanntlich kein sicheres Endlager für die immer größeren Atommüllmengen und es ist nur zu hoffen, dass der Salzstock in Gorleben nicht dazu erklärt wird. Das Zeug in einem wasserlöslichen und zu Bewegung neigenden Gestein zu lagern, ist eine unglaubliche Idee. Darüber sollte man sich seit den Problemen im Schacht Asse erst recht Gedanken machen. Allein die unlösbare Endlagerung ist Grund genug für den Ausstieg.


Update: Jetzt bin ich selbst ein Experte: Jungle World: Nicht jedes Beben steht im Katalog. Sind deutsche AKW Erdbebensicher?