Exkursion Vulkanismus Süditalien

Pompeii mit Vesuv
Pompeii mit Vesuv

Mehr als 2 m Bims wurden am ersten Tag des Ausbruchs 79 n. Chr. des Vesuvs abgelagert. Das Gewicht ließ Dächer von Gebäuden einstürzen, doch die Menschen starben in den Pyroklastischen Strömen (surges), die gegen Ende des Ausbruchs den Berg hinab kamen. Beim Ausbruch bildete sich eine Caldera, Mt. Somma blieb als Rest des alten Kegels stehen. Als Baumaterial sind in Pompeji der graue campanische Ignimbrit (trachytisch, es sind auch Fiamme zu sehen) und der gelbe neapolitanische Tuff verwendet worden, beides Produkte von Eruptionen der Campi Flegrei. Interessanter Weise wurden für die Mühlsteine Leucit-Phonolite aus Orvieto (Umbrien) verwendet.

1906 begann eine kontinuierliche Tätigkeit, die mit einer kleineren Eruption 1944 endete. Ein möglicher neuer grösserer Ausbruch gefährdet die halbe Millionen Menschen, die am Hang des Vulkans leben. Die Laven des Vesuv sind sehr K-reich: Leucit-Tephrite und Leucit-Phonolithe.

Pozzuoli: Serapeium
Pozzuoli: Serapeium

Die Caldera der Campi Flegrei gefährdet potentiell Neapel: Calderen bildende Eruptionen sind die gewaltigsten Eruptionen, die es gibt und die Phlegräische Caldera ist bekanntermassen aktiv. Davon zeugen die Fumarolen und Mudpools von Solfatara, aber auch die Bewegung, die das Serapeium von Pozzuoli erfahren hat: Löcher von Bohrmuscheln dokumentieren eine Absenkung von 10 m und anschließende Hebung. Zwischen 1982 und 1984 hebte sich dieses Gebiet so sehr, so dass ein neuer Hafenkai gebaut werden musste. Gleichzeitig gab es Tremor-Beben, so dass mit einem Ausbruch gerechnet wurde. Aber das System hat sich erstmal wieder beruhigt.

Die Vulkaninsel Stromboli ist die Typlokalität der strombolianischen Eruption, bei der Lavafetzen auf ballistischen Bahnen aus dem Schlot geschleudert werden. Dass aber auch dieser Vulkan nicht ganz berechenbar ist, hat einmal mehr die jüngste Tätigkeit gezeigt. Wir besichtigen Einschlagtrichter von halbmeter grossen Bomben von einer Explosion im April, im Dezember hatte ein Bergsturz auf der Sciara del Fuoco einen Tsunami ausgelöst, der Häuser am Ufer zerstörte. Während unserer Anwesenheit kam es nur zur ruhigen Effusion eines kleinen Lavastromes.

Die Inseln von Panarea sind dazitische Staukuppen, an Basiluzzo zeigt spektakuläres Gleitbrettfließen, das typisch für hochviskose Laven ist. Dabei konzentriert sich die Bewegung an Ebenen, in denen sich Gasbläschen anreichern. Durch das Abkühlen an der Stirn des Stromes können sich Rampenstrukturen bilden. Die Konglomerate, die sich bei Meereshochstand (ca. 125 000 a) gebildet haben, bestehen aus bis zu Metergrossen „Kieseln“.

Lipari: Blick vom Belvedere
Lipari: Blick vom Belvedere

Im Norden Liparis gibt es schöne Obsidianströme (8. Jh. n. Chr.), leider werden die Bimse drum herum abgebaut. Die älteren Obsidianströme etwa weiter südlich wurden im Neolithikum abgebaut und zu Klingen verarbeitet. Südlipari besteht aus mehreren Rhyolitdomen. Eine Besonderheit in Lipari ist ein Granat-Cordierit Andesit, der Aluminium-Überschuss entstand vermutlich durch Assimilation von Tonstein. Es gibt auch Hornfels-Xenolithe mit Granat, Cordierit, Spinell und Silimanit.

Salina besteht vor allem aus dem schönen Kegel des Andesit-Vulkans Porri und der F. della Felci (Basalt bis Andesit). Die Ostflanke von Felci zeigt mächtige schwarze und rote Ablagerungen von strombolianischer Tätigkeit, z.T. sind auch Tuffe von Porri erhalten, die z.T. als betonartige (kalte) Schlammströme den Hang hinunter geflossen sind. Der phreatomagmatische Polarakrater (Hbl-Dazit) im Norden der Insel ist der jüngste Krater auf Salina.

Vulcano: Schwefelkristalle an den Fumarolen der Fossa Vulcano: Fossa
Vulcano: Schwefelkristalle an den Fumarolen der Fossa

Die Fossa von Vulcano hatte in der Geschichte verschiedenste Eruptionsformen: ein Obsidianstrom, feinkörnige Tuffe und natürlich Vulcanianische Eruptionen, die durch Wasserdampfexplosionen in einem Aquifer besonders Explosiv sind. Typisch sind die andesitischen Brotkrustenbomben: die abgeschreckte Kruste riss wieder auf, da das innere sich durch fortschreitende Entgasung ausdehnte. Die Fumarolentätigkeit ist derzeit relativ schwach. Die Dichte der Wolken sind kein Anzeichen für die Stärke der Fumarolen, da diese vor allem mit der Luftfeuchtigkeit der umgebenden Luft zusammen hängt. Bei Temperaturen unter 120°C bilden sich schöne Schwefelkristalle, es wird auch Ammoniumchlorid (weiss, seifig) und Sassolin (Borsäure) abgelagert.

Ätna
Ätna

Die basaltischen Pillowlaven Acicastello (nördlich von Catania) bildeten sich durch einen Lavastrom des frühen Ätna, der in den Golf floss. Hyaloklastite bestehen aus Bruchstücken der abgeschreckten Rinde. Basaltisches Glas beginnt schnell zu alterieren und rekristallisieren (Palagonitisierung) und wird braun. In Blasen bilden sich Zeolithe (weiss).

Ätna
Ätna

Für den Ätna sind volumenreiche Aa-Ströme typisch. Spektakulär sind die Ströme und Kegel, die sich bei den Eruptionen 2001/2002 gebildet haben.

 Falsch gebaut... am Ätna

Falsch gebaut… am Ätna

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