Auf dem Malerweg durch die
Sächsische Schweiz

Mehrtägige Wanderung durch das Elbsandsteingebirge

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Mit ihrer Fülle an pittoresken Ansichten zog die Sächsische Schweiz wie kaum eine Gegend die romantischen Landschaftsmaler an. Auf dem Malerweg, der in einer mehrtägigen Wanderung auf deren Spuren die Landschaft durchzieht, stellte ich mir vor, wie all die Caspar David Friedrichs und Ludwig Richters ihre Staffeleien und Leinwände über schmale Pfade schleppten. Ich kann zwar mit romantischen Gemälden nicht viel anfangen, um so mehr mit derem landschaftlichem Vorbild. Der Malerweg, der mit vielem auf und ab einen großen Bogen durch die gesamte Sächsiche Schweiz schlägt und der nur wenige Aussichtspunkte ausläßt, zeigt aber auch wie vielfältig diese Landschaft ist, die eben nicht nur aus Sandsteinsäulen besteht, sondern auch aus Schluchten, in denen sich Farne an Felswände klammern, aus dicht bewaldeten Kuppen, Tafelbergen, den Schleifen des steil eingeschnittenen Elbtales und Dörfern zwischen sanften Hügeln, in denen Rapsfelder leuchtend gelbe Tupfer setzen. Hin und wieder geht es auch durch langweilige Fichtenmonokulturen und manchmal mußte ich leider auch mal ein Stück eine Straße entlang tappen.

Die erste Etappe ließ ich links liegen und begann stattdessen in Wehlen, das mit der S-Bahn zu erreichen ist. Das erste Ziel war die Bastei, eine dichte Ansammlung von überwältigenden Aussichten auf Sandsteinsäulen und die Elbe, die allerdings nicht unbedingt dadurch gewonnen hat, dass sie mit dem Auto erreichbar ist. Geschwader älterer Herrschaften ziehen an Souvenierständen und einem Drehorgelmann vorbei und an den Aussichtspunkten muss ich immer etwas warten, bis ich an das Geländer komme, um auch einmal herunter schauen zu können. Schon im 19. Jh. kamen hier so viele Touristen vorbei, dass die von Fels zu Fels führende Holzbrücke durch eine aus Sandstein ersetzt wurde. Das Gewusel wird auch unterhalb am Amselsee (der 1934 aufgestaut wurde) nicht besser. „Hier Gondelschein lösen“ steht über einem  — nein, nicht Parkschein-, sondern Gondelscheinautomaten, Naturerlebnis pur…IMG_1611

Bei Hohnstein führt der Weg durch eine steile Kluft von einem Felsen ins Tal hinab, auf der anderen Seite durch eine kleine Steinschlucht wieder hinauf. Danach zieht sich der Weg etwas, bis zur Brand. Die Aussicht ist hier ganz anders als sonst, man blickt über sanfte Hügel mit Feldern und Dörfern, hinten rechts ein paar Tafelberge, die von hier ganz klein wirken. Durch diese sanften Hügel geht es zunächst weiter, die allerdings durch mehrere Täler zerschnitten sind, in die der Weg steil hinab und wieder hinauf führt.IMG_1691

Die Schrammsteinaussicht (diesmal ohne Schnee) ist der nächste Höhepunkt, einer der besten Aussichten, was spektakuläre Felsen angeht. Über den Gratweg und an den Affensteinen vorbei gibt es noch mehr Felsen, bis am Lichtenhainer Wasserfall einmal mehr die Tourismusindustrie des 19. Jahrhunderts zu bewundern ist. Weil es keinen spektakulären Wasserfall gab, baute man hier einfach ein Wehr, das noch heute, wenn der Wirt den Wasserfall anschaltet, geöffnet wird und seinen Inhalt über den Felsen plätschern läßt. Hier ist auch die Endstation der Kirnitzschtalbahn, eine aus der Stadt verirrte Straßenbahn.IMG_1765 Der Kuhstall ist eines der Felsentore, obendrauf stand einmal eine Burg, zu der ich über die Himmelsleiter komme, eine wie eine Ziehharmonika in eine Kluft geschweißte Treppe. Die Kleinsteinhöhle ist ein weiteres Felsentor, genau genommen ein doppelter Bogen, hinter dem ein paar Meter weiter schon wieder ein Fels die Draufsicht verhindert. Hier im hinteren Teil der Sächsischen Schweiz sind vor allem runde bewaldete Kuppen zu sehen, nur hier und dort schaut ein Felsen heraus.IMG_1815

Ich machte einen Abstecher durch die Kirnitzschklamm, eine hübsche Schlucht, auch wenn der Name „Klamm“ eine Übertreibung ist. Ab dem späten 16. Jh. wurden Wehre gebaut, mit denen Flutwellen erzeugte um das geschlagene Holz hinunter flößen zu können. Die großen Holzmengen wurden vom Sächsischen Hof zum Heizen verfeuert und später auch in der Meissner Porzellanmanufaktur verheizt.

An einem weiteren Aussichtspunkt vorbei ging es auf den Großen Winterberg hinauf und wieder hinab zur Elbe. In Schmilka setzte ich über und stieg auf der anderen Seite wieder auf.

Unterhalb der Kaiserkrone stand ich vor dem Felsblock, auf dem Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Wolkenmeer“ steht. Eine Aussicht gibt es allerdings erst oben, ein Schild klärt mich darüber auf, dass das Bild aus Einzelmotiven der Sächsischen Schweiz zusammengesetzt ist. Vermutlich hat der Maler auch die Wolken aus dem Himmel genommen und nach unten gesetzt, die waren in meinem Fall nämlich eindeutig über mir, ziemlich dunkel begannen sie gerade, die höheren Berge zu verschleiern.

Von hier zog sich der Weg stundenlang etwas eintönig hin, es ging durch jedes Dorf, das irgendwie in der Nähe lag, bis es am Papststein endlich wieder spannend wurde. Der Weg führte mich über einen Tafelberg nach dem anderen, die Landschaft in immer anderen Blickwinkeln zu Füßen. Die Gipfelplateaus dieser Berge sind zum Teil stark zerklüftet und kreuz und quer von kleinen Schluchten durchzogen, krüppelige Birken und Kiefern suchen in kleinen Ritzen halt. Am Papststein kam sogar die Abendsonne heraus und verscheuchte die Wolken, so dass die Barberine, eine hohe (und mit Beton geflickte) Felsnadel, die ein paar Meter vor der Felswand steht, hübsch angestrahlt wurde.

Barberine
Barberine

Am nächsten Tag war von dem guten Wetter nichts mehr zu spüren, es regnete so stark, dass nicht einmal der nächste Hügel zu sehen war. Daher verzichtete ich auf die letzte Etappe bis Wehlen, die meine Wanderung zu einem schönen Kreis gemacht hätte und setzte mich in Königsstein in den Zug.


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