Orkney Inseln

Seastacks und Steinkreise auf den Inseln im Norden von Schottland

Old Man of Hoy
Old Man of Hoy

Die Inseln unmittelbar nördlich des schottischen Mainlands, zwischen Nordsee und Nordatlantik, sind aus zwei Gründen ein lohnendes Ziel. Es gibt Steinkreise, Gräber und Dörfer aus dem Neolithikum (und auch Reste aus der Eisenzeit) für alle, die sich für Frühgeschichte interessieren. Und die Steilküste bietet interessante Küstenformen, darunter einige schöne Brandungspfeiler (engl.: seastacks). Der größte ist der Old Man of Hoy – etwa 3 mal so hoch wie das einzige deutsche Beispiel, die Lange Anna auf Helgoland. Da die Orkneys mit der Ausnahme von Hoy nur sanft gewellt sind, trifft man hier übrigens mehr Radfahrer als Wanderer.

Skara Brae
Skara Brae

Ich beginne mit einer Wanderung entlang der Westküste der Hauptinsel (Mainland), von Skara Brae nach Stromness, was als lange Tageswanderung möglich ist (Karte: siehe Link unten, dann bis zur Westküste scrollen). Skara Brae ist die Ruine eines Dorfes aus dem Neolithikum, sehr beeindruckend mit dem kleinen Museum und einem rekonstruierten Haus. Von hier folge ich dem Schild „Footpath“ ein Stück den Strand entlang und dann hinauf an die Steilküste. Man erreicht Yattna Geo, eine schluchtähnliche Bucht. Solche Buchten, auf schottisch Geo genannt, gibt es hier einige, sie entstanden dort, wo Steilküste leichter durch Wellen erodiert werden konnte, etwa an Verwerfungen. Etwas weiter, auf dem höchsten Punkt, öffnet sich der Blick nach Süden bis zur bergigen Insel Hoy, vor deren Felswänden der Old Man of Hoy zu sehen ist. Einen knappen Kilometer weiter kommt man zum Ramna Geo, der 50 m tief und 300 m lang ist. (Hier ist eine Fundstelle von Fischfossilien, sammeln ist aber verboten).

Ramna Geo
Ramna Geo

Was man auf den Oakneys an Steinen sieht, sind überwiegend Sandsteine, aber auch Tonsteine und anderes. Das ganze wurde im Devon am Rand des Caledonischen Gebirges abgelagert, durch Flüsse, auf Schwemmfächer, durch Wind zu Dünen zusammengeweht in einer Sandwüste, aber auch in einem großen See, Lake Orcadie genannt, dessen Größe schwankte.

Broch of Borwick
Broch of Borwick

Wenig weiter passiert man die Ruine eines massiven Turms, Broch of Borwick. Es handelt sich um einen Turm der Pikten, die hier während der Eisenzeit lebten (die Römer bauten ihretwegen den Hadrianwall). Direkt daneben steht mein erster Seastack, der aber ziemlich klein ist.

Wenig später erreicht man Yesnaby, mit einem kleinen Parkplatz neben Bunkern aus dem 2. Weltkrieg. Nahe der Kante sind schöne Stromatolithe zu finden, die Ablagerungen von Cyanobakterien, die an der flachen Küste des Sees lebten.

Yesnaby Castle
Yesnaby Castle

Die folgenden Buchten zeigen besonders interessante Küstenformen, mit Pfeilern und Toren. Der bekannteste Brandungspfeiler in dieser Gegend ist Yesnaby Castle, an dessen Felswand schön die Schichten der ehemaligen Sanddünen zu erkennen sind. Ich hatte mir das Ding allerdings größer vorgestellt.

North Gaulton Castle
Wespentaille (eine Frage der Perspektive)

Entlang der zweiten Hälfte des Wegs bis Stromness ist die Steilküste höher, aber auch, mit einer Ausnahme, eintöniger. Diese Ausnahme ist ein weiterer Seastack, North Gaulton Castle. Aus einer bestimmten Perspektive sieht er sehr fragil aus, mit einer regelrechten Wespentaille. Mit Stromness kommt schließlich Scapa Flow in Sicht, eine Wasserfläche, die von den südlichen der Orkney-Inseln umschlossen ist. Es handelt sich um einen riesigen natürlichen Hafen mit langer Geschichte, insbesondere für die britische Marine während der Weltkriege.

Stones of Stenness
Stones of Stenness

Leicht mit dem Bus zu erreichen ist das „Herz des neolithischen Orkney“ (Karte). Die wichtigsten Stätten liegen auf einem Damm, der die zwei großen Seen im Zentrum der Hauptinsel voneinander trennt. Es gibt zwei Steinkreise: Von den Stones of Stenness stehen noch drei große Steine, ein kleiner sowie Reste eines Dolmen und einer Feuerstelle. Der Ring of Brodgar ist ein wenig jünger, hat einen Durchmesser von 104 m und es stehen noch 27 Steine, die aber kleiner sind als bei ersterem. Oft wird ersterer mit Leben, zweiterer mit Tod assoziiert. Zwischen beiden Steinkreisen wird seit 2003 eine neu entdeckte Siedlung ausgegraben, bei der es sich wohl um eine Art Tempel- und Pilgerort handelte. Eine kleine Siedlung war noch Barnhouse, direkt hinter den Stones of Stennes und ansonsten passiert man während des kurzen Spaziergangs noch einige weitere Stelen.

Ring of Brodgar
Ring of Brodgar

Nur einen Kilometer entfernt befindet sich neben der Straße nach Kirkwall ein sehenswerter Grabhügel, Maes Howe. Es lohnt sich unbedingt, an einer Tour ins Innere teilzunehmen und den Theorien der Archäologen zu lauschen. Es ist empfehlenswert, einen Platz zu reservieren! Das Grab ist fast 5000 Jahre alt. Die Kammer im Inneren ist aus gewaltigen Steinblöcken gemauert, die perfekt zusammengefügt sind. Auch die Wikinger sind einmal hier gewesen, sie haben in der Kammer Schutz vor einem Sturm gesucht und vor lauter Langeweile Runen in die Wände geritzt. Zum Beispiel „Bjorne Thorsson ritzte diese Runen sehr hoch“.

Old Man of Hoy
Old Man of Hoy

Die Insel Hoy kann leicht von Stromness aus als Tagesausflug erreicht werden, aber allein die schöne Bucht von Rackwick mit Gratiscampingplatz am Strand ist ein Argument für mindestens eine Übernachtung. Vom Fähranleger geht es entweder per Minibus oder in 2 h zu Fuß auf die andere Seite der Insel nach Rackwick. Der Fußweg führt hübsch über einen flachen Pass zwischen den beiden hohen Bergen hindurch und an einem Moorbach entlang. Der Old Man of Hoy, mit 137 m der höchste Brandungspfeiler und quasi die Ikone der Insel, ist von hier und zurück eine 3 h Wanderung (Karte), bzw. entsprechend mehr, wenn man die Pfade entlang der Steilküste erkundet. Entgegen der üblicherweise enormen Zeiträume geologischer Prozesse ist die Erosion an einer Steilküste relativ schnell: Vor 250 Jahren gab es den Old Man noch nicht, sondern stattdessen eine kleine Halbinsel, die von den hohen Wellen bei heftigen Stürmen angenagt wurde. Auf alten Gemälden ist zu sehen, dass der Pfeiler Anfangs breiter war und ein kleines Felstor an der Basis hatte, im 19. Jahrhundert ist dann die der Küste zugewandte Hälfte kollabiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch der Rest von den Wellen einverleibt wird.


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