Wanderung durch die Verdonschlucht

Auf dem Santier Martel durch den „Grand Canyon der Alpen“, eine der tiefsten und schönsten Schluchten Europas

Verdonschlucht von der Route des Crêtes
Verdonschlucht von der Route des Crêtes nahe Belvedere de la Dent d’Aire

Der „Grand Canyon“ des Verdon ist zwar nicht die tiefste Schlucht Europas (die Taraschlucht auf dem Balkan ist tiefer), aber ohne Frage eine der eindrucksvollsten. Die Gorges du Verdon in der Provence schneiden sich bis zu 700 m in ein Hochplateau am Rand der Alpen ein. Die hohen Felswände auf beiden Seiten, Kalksteine aus dem Jura und der Kreide, sind beliebte Kletterfelsen. Wer als Wanderer in die Schlucht absteigen will, ist hingegen auf eine einzige Route beschränkt, auf den Sentier Martel, der in etwa 6 Stunden vom Chalet de la Maline längs durch die Schlucht zur Pointe Sublime führt.

Verdonschlucht: Couloir Samson von der Pointe Sublime
Couloir Samson von der Pointe Sublime

Zwischen Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung fährt in der Saison mehrmals täglich ein Bus, außerdem gibt es Taxis und auch Trampen wäre eine Möglichkeit. Wir parken morgens an der Pointe Sublime und erwischen zufällig den Bus zum Chalet de la Maline. Die kleine Hütte liegt an der sehr empfehlenswerten Panoramastraße Route des Crêtes (siehe unten), am südlichen Ende des tiefsten Abschnitts der Schlucht. Von hier steigt der relativ gut ausgebaute Weg fast bis zum Fluss hinab und folgt diesem anschließend flussaufwärts. Es geht ständig auf und ab, manchmal ziemlich steil, was den Schweiß in Strömen fließen lässt. Im Sommer ist es sehr heiß hier, ohne einen Hauch von Wind. Insbesondere eine größere Flussschlaufe wird über einen hochgelegenen Aussichtspunkt „abgekürzt“, auf der anderen Seite geht es über eine steile Eisentreppe durch die Felsspalte Brèche d’Imbert wieder hinab. Ein guter Rastplatz am Fluss mit Ausblick ist der Plage des Fères. Danach beginnt eigentlich der tiefste Teil der Schlucht, der aber von unten nicht so spektakulär aussieht wie von oben, da hier die Felswände nicht sehr weit nach unten reichen und wir stattdessen über mit Büschen bewachsene Hänge queren. Erst im oberen Teil, im Bereich Trescaire, reicht die hohe Felswand Barre de l’Escalès zu uns hinab und es wird wieder enger und eindrucksvoll. Nicht ganz so tief, aber besonders eng ist der letzte Abschnitt, das Couloir Samson. Hier führt der Weg durch zwei Tunnels, die einmal für ein Wasserkraftwerk gebaut worden waren. Der zweite ist 700 m lang und stockfinster, eine Taschenlampe ist daher unbedingt notwendig. Ein kurzer Abzweig im Tunnel führt zur Grotte Baume aux Pigeons, einem Kolk in der engen Schlucht mit faszinierendem Blick. Kurz nach dem Tunnelausgang erreichen wir einen Parkplatz am Ende einer kurzen Stichstraße, senkrecht darüber ist der Aussichtspunkt Pointe Sublime. Zu Fuß führt ein ein steiler Weg in etwa einer halben Stunde zum oberen Parkplatz, der an der Hütte Pointe Sublime an der Hauptstraße liegt.

Verdonschlucht: Couloir Samson von der Route des Crêtes
Verdonschlucht: Tiefblick von der Route des Crêtes am Belvedere de Trescaire

Am nächsten Tag fahren wir eine Runde über die Panoramastraße Route des Crêtes, die man auf keinen Fall auslassen sollte. Anfangs- und Endpunkt der Straße befinden sich am Dorf la-Palud-Sur-Verdon, wobei die Straße nur im Uhrzeigersinn befahren werden kann, da sie (bis auf das letzte Stück zwischen Chalet de la Maline und Dorf) eine Einbahnstraße ist. Es geht von einem Aussichtspunkt zum nächsten und es lohnt sich wirklich, alle paar Kurven aus dem Auto zu springen. Der erste Aussichtspunkt ist Belvédère de Trescaire: links das enge Couloir Samson, nach unten ein Tiefblick in einen besonders engen und tiefen Teil der Schlucht, rechts das Nordende der hohen Felswand Barre de l’Escalès. Das andere Ende dieser Felswand ist etwa 2 km entfernt am Belvédère de la Dent d’Aire, an dem häufig Kletterer zu sehen sind. Auch der Blick von hier nach Süden ist eindrucksvoll, dieser Abschnitt ist etwas breiter, aber besonders tief. Einige Kurven weiter vom Belvédère du Tilleul ist der tiefste Teil der Schlucht von der anderen Seite zu sehen. Von hier schraubt sich die Straße hinunter zum Chalet de la Maline, folgt der Schlucht noch viele Kurven und Aussichtspunkte weiter und kehrt schließlich zum Aussichtspunkt zurück.