Quebrada de Humahuaca

Ein geschichtsträchtiges Tal mit knallbunten Bergen, Kolonialstädtchen und vorkolonialen Ruinen in Nordwestargentinien

Purmamarca, Cerro de los Siete Colores
Purmamarca, Cerro de los Siete Colores

Das Tal Quebrada de Humahuaca führt von der Stadt Jujuy nach Norden zur Grenze nach Bolivien. In Kolonialzeiten war dies die wichtige Verbindung zwischen Potosi — die Bergbaustadt mit ihren Silberminen war damals etwa so groß wie London und das wirtschaftliche Gravitationszentrum der spanischen Kolonien — und Salta und Tucuman, die vor allem für die Versorgung von Potosi existierten. Besiedelt war das Tal aber bereits vor der Ankunft der Spanier, wie eindrucksvolle Ruinen beweisen. Hinzu kommen den außergewöhnlich farbenprächtigen Felsformationen — über die Geologie der ganzen Region schreibe ich einen eigenen Artikel. Kein Wunder, dass das Tal von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Man erreicht es von Salta aus recht schnell auf der Autobahn via General Güemes und Jujuy. Die direkte Straße von Salta nach Jujuy ist hingegen nicht zu empfehlen, das schmale Sträßchen windet sich in endlosen engen Kurven an einem bewaldeten Bergrücken entlang.

Der interessanteste Teil des Tals ist zwischen Purmamarca und Humahuaca. Purmamarca ist ein etwas touristisches Kolonialstädtchen, das 3 km aufwärts in einem Seitental am Fuß eines besonders bunten Hügels liegt, dem Cerro de los Siete Colores (Berg der sieben Farben). Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen zu Fuß zu umrunden (auf einem staubigen Sträßchen, „Paseo de los Colorados“, 3 km, ca. 1 h) und auch den als Aussichtspunkt dienenden kleineren Hügel am Dorfrand zu besteigen. Den besten Blick hat man allerdings, wenn man an der Dorfeinfahrt das Flussbett überquert und einen steilen Pfad den Berghang auf der gegenüberliegenden Seite hinauf folgt (möglichst im Morgenlicht).

In der eigentlichen Quebrada de Humahuaca weiter aufwärts folgt Hornillos. Die malerische rekonstruierte Poststation aus Kolonialzeiten hat hübsche Innenhöfe. Der nächste Ort ist Maimara, wo die östliche Bergflanke ebenfalls besonders bunt ist und „Paleta del Pintor“ genannt wird. Den besten Blick hat man am großen Kreisverkehr direkt an der Hauptstraße, über die Friedhof hinweg.

El Pucará, Tilcara
El Pucará, Tilcara

Es folgt Tilcara, wo die (teilweise rekonstruierten) Ruinen der präkolumbianischen Siedlung El Pucará umbedingt einen Besuch lohnen. Die kleinen Häuschen mit ihren schmalen Eingangspforten liegen auf dem Rücken eines Hügels, umgeben von Kakteen und einer schönen Landschaft. Aber auch der Ort selbst mit seinen Kolonialhäusern und Museen ist interessant.

Weiter aufwärts in Uquia haben wir Glück, die kleine Kirche ist ausnahmsweise offen und wir können die Gemälde betrachten, die die Erzengel in spanischer Rüstung und mit spanischen Waffen zeigen — ein beeindruckendes Beispiel kolonialer Propaganda. Schließlich kommen wir nach Humahuaca, ein angenehm untouristisches Kolonial- und Minenstädtchen.

Humahuaca
Humahuaca

An einem anderen Tag folgen wir von Purmamarca aus im Seitental der Straße Richtung Chile, mit eindrucksvoller Landschaft. Zunächst stechen quartäre Schotterterrassen und (hoffentlich nicht wörtlich) Kakteen ins Auge, bevor wir am Pass in den Nebel tauchen.

Westlich Purmamarca
Westlich Purmamarca (links hinter den Kakteen Quartär, ganz hinten rechts Neoproterozoikum)

Auf der anderen Seite erreichen wir bei blauem Himmel das Puna-Plateau, in der Ferne leuchtet schon strahlend weiß ein Salar. Wir fahren bis zu den Salinas Grandes del Noroeste. Dieser Salar erinnert mich an den Salar de Uyuni in Bolivien, ist aber deutlich kleiner und zur Salzgewinnung teilweise von Gräben durchzogen. Trotzdem beeindruckt die völlig flache weiße Fläche.

Salinas Grandes del Noroeste
Salinas Grandes del Noroeste

Die Straße führt über das Puna-Plateau weiter bis nach San Pedro de Atacama (Chile), wir kehren aber um.