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Wissenschaftliche Texte formatieren

Schriftsatz wie die Profis: Eine kurze Einführung in die Typographie für Naturwissenschaftler mit Bisstrichen, kursiven Variablen, Malzeichen und anderen Details

Wie sollten wissenschaftliche Texte formatiert werden? Seit ich als Lektor arbeite, setze ich mich immer häufiger mit Details der Typographie auseinander und lerne dabei immer mehr dazu, auch wenn die typographischen Feinheiten bei Büchern erst in der Setzerei umgesetzt werden. Zugleich fällt mir auf, dass die verschiedensten Autoren regelmäßig dieselben Fehler machen. Gut, dafür sind Lektoren da, aber manche schreiben ja auch Texte, die nicht vor der Veröffentlichung redaktionell bearbeitet werden. Grund genug, einmal die häufigsten Fehler in meinem Blog aufzuzählen. Wer es genauer wissen will, findet unten noch ein paar Links.

Ist das wirklich wichtig? Ein korrekt gesetzter Text ist wesentlich besser lesbar, denn auch wenn wir vielleicht beim Schreiben nicht auf Anhieb wissen, wie ein bestimmtes Detail gesetzt werden sollte, verstehen wir beim Lesen aus Gewohnheit intuitiv, was gemeint ist. Doch nicht nur der Lesefluss ist bei einem korrekt formatierten Text besser, auch Missverständnisse können vermieden werden. Was zum Beispiel bedeutet As, das Element Arsen oder die Einheit Amperesekunde (= Coulomb)? Ist IR jetzt Infrarot oder Stromstärke mal Widerstand wie im ohmschen Gesetz? Nebenbei klärt sich in diesem Artikel auch die Frage, warum der Formeleditor von Word einfach alles kursiv setzt und warum das trotzdem falsch ist. Aber der Reihe nach.

Ein paar Worte zu Sonderzeichen und Unicode

Es ist nicht lange her, da war eine andere Schrift wie „Symbol“ oder „Windings“ die einzige Möglichkeit, um griechische Buchstaben oder Sonderzeichen darzustellen. Das ist zum Glück vorbei. Der Grund lag in der Art und Weise, wie die Zeichen binär im damals verwendeten ASCII-Code codiert waren, was nur eine sehr geringe Anzahl an Zeichen möglich machte. Der neue Standard heißt Unicode und damit ist es möglich, alle möglichen Zeichen, ob Schriften aus aller Welt oder mehr oder weniger skurrile Sonderzeichen mit ein und derselben Schriftart darzustellen (zumindest wenn die verwendete Schrift dies unterstützt), z. B. auch ≤, ⊆, ⊥, ∠, →, ⇒, ↔ oder ℜ oder α, Φ oder 北京, दिल्ली, القاهرة oder auch ☠, ♥, ⚗. Es ist unbedingt empfehlenswert, dies zu nutzen und auf spezielle Schriften für Sonderzeichen zu verzichten! Das gilt insbesondere auch bei Manuskripten für Zeitschriften oder Bücher, weil Verlage meist bei der Vorbereitung für den Satz den gesamten Text in eine Unicode-Schrift (z. B. Arial Unicode) überführen. Mit „Symbol“ oder „Windings“ formatierte Zeichen werden dabei möglicherweise zu merkwürdigen Symbolen oder zu völlig falschen Buchstaben, die mühsam wieder korrigiert werden müssen.

Um ein Sonderzeichen (als Unicode) einzufügen, kann man einfach die Zeichentabelle verwenden:

Word: Einfügen → Symbole → Weitere Symbole;
LibreOffice: Einfügen → Sonderzeichen.

Leider ist diese Zeichentabelle nicht gerade übersichtlich, insbesondere wenn man ständig auf eine ganze Reihe von Sonderzeichen zugreifen muss.

Tipp: Unicode-Zeichen können in der Regel problemlos per copy and paste von einem Programm zum anderen kopiert werden, auch von Webseiten wie Wikipedia oder von diesem Artikel.

Der Code eines Unicode-Zeichens wird meist im Hexadezimalsystem mit einem vorangestellten „U+“ angegeben, manchmal stattdessen im Dezimalsystem. Z. B. ist Å U+212B (hexadezimal) bzw. 8491 (dezimal), ⩾ ist U+2A7E bzw. 10878, was leicht im Internet in Unicode-Tabellen nachgeschlagen werden kann. Ein Zeichen kann auch direkt per Tastatur eingegeben werden, mit Alt plus der dezimalen Nummer auf dem Nummernblock. Auf Laptops ist das aber wegen des fehlenden Nummernblocks nicht sehr praktisch.

Geschütztes Leerzeichen

Ein geschütztes Leerzeichen unterscheidet sich in zwei Punkten von einem normalen Leerzeichen: ein Zeilenumbruch ist an seiner Stelle nicht möglich (d. h. Zeichen davor und danach stehen immer in derselben Zeile) und es wird nicht (anders als ein normales Lesezeichen) im Blocksatz gedehnt.

  • In Abkürzungen wie z. B., z. T., d. h., u. ä., u. s. w. sollten immer geschützte Leerzeichen stehen, also bei allen Abkürzungen, die aus mehreren Wörtern bestehen. Richtige Rechtschreibung mit schlechter Typographie wäre ein normales Leerzeichen, nach Duden falsch ist jedoch das häufig verwendete „z.B.“ ohne Leerzeichen. Vorsicht bei medizinischen Abkürzungen, i.v. (intravenös) ist ein Beispiel, wo kein Leerzeichen stehen darf, weil es sich nur um ein einziges Wort handelt.
  • Zwischen Zahl und Einheit sollte immer ein geschütztes Leerzeichen stehen: 1 m, 57 kJ, 15 °C, 10 % (wobei das bei % nicht ganz so streng genommen wird und häufig auch 10% zu sehen ist). Einzige Ausnahme: Winkelgrad immer ohne Leerzeichen, 90°.
  • Wenn bei Multiplikationen und auch innerhalb zusammengesetzter Einheiten das Malzeichen weggelassen wird, sollte an dessen Stelle ebenfalls ein geschütztes Leerzeichen gesetzt werden. Die Amperesekunde A·s sollte dann A s geschrieben werden (womit die Verwechslung mit As für Arsen ausgeschlossen ist). Auch ist dann klar, ob m für „Milli-“ oder „Meter“ steht, weil ja der erste Fall kein Leerzeichen bekommt.
  • Wenn eine Formel nicht freigestellt ist, sondern im Text steht, empfiehlt sich ebenfalls die Verwendung von geschützten Leerzeichen, sodass auf jeden Fall die gesamte Formel in einer Zeile steht und nicht umgebrochen wird. Übrigens: x > 2 mit Leerzeichen, Länge ist >2 m ohne Leerzeichen (> gehört hier zur Zahl, genau genommen wird hier ein Thinspace eingefügt).

Im Englischen wird das (geschützte) Leerzeichen oft weggelassen, also e.g. und 3%.

In Word oder LibreOffice wird ein geschütztes Leerzeichen mit Strg+Umschalt+Leertaste erzeugt. Leider wird es in Word, wenn „alle Zeichen anzeigen“ (¶) angeschaltet ist, als ° angezeigt, z. B. 4°m und 5°°C.

Malzeichen

  • Bitte nie den Stern * als Malzeichen verwenden! Einzige Ausnahmen sind Praxisbücher über Excel und abgedruckter Code von Computerprogrammen.
  • In deutschsprachigen Publikationen sollte der Malpunkt · (Unicode U+22C5) verwendet werden (bitte keine dickeren Punkte). Leider gibt es dafür keine Taste, ich füge ihn per copy and paste ein. Dummerweise wird bei Word, wenn „alle Zeichen anzeigen“ (¶) angeschaltet ist, das Leerzeichen genauso dargestellt wie der Malpunkt, was das Korrekturlesen erschwert.
  • In englischsprachigen Publikationen wird meist das Malkreuz × (Unicode 215) bevorzugt.
  • Wichtig: Auf keinen Fall darf der Buchstabe x anstelle des Malkreuzes × verwendet werden!
  • In deutschsprachigen Texten kann das Malkreuz bei Länge-mal-Breite-Angaben (3 × 5 cm) verwendet werden, manchmal wird es bei Zehnerpotenzen bevorzugt (3,6 × 10-3), notfalls wenn irgendwo ×3 als Faktor steht.
  • Bei „3-mal täglich“ u. ä. besser kein Malzeichen

Variablen, Konstanten und Formeln

Physikalische und mathematische Variablen und Konstanten sollten immer kursiv gesetzt werden, also Variable x, Spannung U, Energie E, Lichtgeschwindigkeit c, Konzentration c, Boltzmann-Konstante kB, Gleichgewichtskonstante K, Durchlässigkeitsbeiwert kf etc. Bei einer Funktion wie f(x) = 2 sin α xn ist sofort klar, was Variablen sind und was nicht. Besonders wichtig wird dies, wenn in eine Formel Werte mit Einheiten (nicht kursiv) eingesetzt werden. Und I R steht für Stromstärke mal Widerstand, nicht für Infrarot. Das ist übrigens der Grund, warum der Formeleditor von Word automatisch alles kursiv setzt, was natürlich auch wieder falsch ist.

Man beachte, dass tiefgestellte Indizes wie H bei der Halbwertszeit tH oder eff bei der effektiven Spannung Ueff für Begriffe stehen, nicht für Variablen, und daher nicht kursiv gesetzt sind. Im Satz wird übrigens dazwischen ein schmaler Zwischenraum (Thinspace) eingefügt.

Man kann sich durchaus den Kopf darüber zerbrechen, wie weit man gehen will. Z. B. ist das H in pH-Wert eigentlich eine Variable und tatsächlich steht in manchen Büchern pH-Wert. Und das passt ja auch zum Säureexponent pKs. Trotzdem finde ich, dass pH-Wert besser aussieht. Auch für Variablen stehende Griechische Buchstaben werden häufig nicht kursiv gesetzt.

Einheiten stehen hingegen nie kursiv, darauf bitte insbesondere beim Verwenden des Formeleditors achten! Ein sehr häufiger Fehler ist übrigens, dass Autoren bei im Text bei Einheiten (und auch bei kurzen Formeln) vergessen, nach dem „/“ (also „unter“ dem Bruchstrich) Klammern zu setzen – vielleicht weil sie die richtig gesetzte Formel mit echtem Bruchstrich vor Augen haben, wo diese natürlich nicht notwendig sind.

Auch nicht kursiv sind cos, exp, log und andere Operatoren. Das trifft streng genommen auch auf das „d“ in „dx“ bei Integralgleichungen zu, was allerdings etwas merkwürdig aussieht. In sehr vielen Büchern ist es kursiv gesetzt, also dx.

Bei Variablen bzw. in Formeln ist unbedingt darauf zu achten, dass ähnliche Zeichen beim Schreiben nicht verwechselt werden (passiert erstaunlich häufig): 1, l und O, 0 (Zahl bzw. Buchstabe), ß, β (scharfes s und kleines Beta), T, Τ, τ (lat. T und griech. großes und kleines Tau), n, η (lat. n, griech. kleines Eta), v, u, ν, υ (lat. v, u, griech. kleines Ny, griech. kleines Ypsilon), x, X, ×, Χ, χ (lat. kleines und großes x, Malkreuz, griech. großes und kleines Chi). Z. B. steht das kleine Chi χ für den Stoffmengenanteil (Molenbruch), das kleine Tau τ für die Scherspannung und auch für die Zeitkonstante bei elektrischen Kondensatoren. Der „Kringel“ beim Normalpotential E0 ist kein Gradzeichen und auch nicht o wie Otto, sondern eine hochgestellte Null.

Punkte und Kommas

In deutschsprachigen Texten als Dezimalzeichen bitte immer das Komma verwenden (auch in den dazugehörigen Tabellen): 3,14159, der Punkt ist als Tausendertrennzeichen üblich (bei ≥10.000 bzw. auch 1.500.000). Manche Verlage verwenden hier stattdessen ein geschütztes Leerzeichen. Im Englischen muss stattdessen der Punkt als Dezimalzeichen stehen, 3.14159.

Übrigens ein häufiger Fehler: Im Deutschen steht bei einer Aufzählung wie dies, das, jenes etc. vor dem „etc.“ kein Komma (anders als im Englischen).

Striche

Bei Strichen liegt der Teufel im Detail, obwohl es eigentlich ganz einfach ist: Für all die verschiedenen Striche – Gedankenstriche, Bindestriche, Bisstriche, Auslassungsstriche, Gegenstriche und Trennstriche – werden im Deutschen nur zwei Zeichen verwendet. Der kürzere von beiden ist „-“ (Setzer sprechen von Divis oder Viertelgeviertstrich), er wird einfach mit der „Minustaste“ erzeugt. Er wird für Bindestriche (High-Spin-Komplex, d-d-Elektronenübergang, Schrödinger-Gleichung) und als Trennstrich (Silbentrennung am Zeilenende) verwendet. Man beachte, dass bei Verknüpfungen wie 500-ml-Erlenmeyerkolben, van-der-Waals-Kräfte die gesamte Verknüpfung mit Bindestrichen „durchgekoppelt“ wird. Übrigens sehe ich sehr häufig Bindestriche, wo eigentlich das Wort zusammengeschrieben wird. Darüber werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Artikel schreiben.

Der längere ist „–“ (Halbgeviertstrich, Unicode U+2013 bzw. dezimal 8211), er dient als Bisstrich und als Gedankenstrich. Leider gibt es für diesen keine Taste, die einfachste Möglichkeit auf einem Laptop ist, in Word einfach „Wort Leerzeichen Minus Leerzeichen Wort“ zu tippen und normalerweise macht der Autokorrektor dann einen korrekten Gedankenstrich daraus. Oder man tippt Strg+Minustaste auf dem Nummernblock.

Vor und nach einem Gedankenstrich – etwa so – stehen immer Leerzeichen, während ein Bisstrich immer ohne Leerzeichen gesetzt wird: 3,5–7,2 m, S. 17–23 (Ein häufiger Fehler: wenn eine Formulierung mit „zwischen“ beginnt, muss es „zwischen 3,5 und 7,2“, nicht „bis“ heißen.).

Der längere Strich „–“ kann auch in einer Tabelle in einer leeren Tabellenzelle stehen (für nicht vorhandene oder bewusst ausgelassene Daten). Oder im Sport für „gegen“.

Beim Minus − handelt es sich um einen dritten Strich, der genauso aussieht wie der Querbalken im Plus: − +. Es unterscheidet sich nicht nur in der Länge von den anderen beiden Strichen, es liegt auch noch ein klein wenig höher. Um ein typographisch korrektes Minus einzugeben, muss man sich eine komplizierte Tastenkombination merken und dann die Finger auf der Tastatur verrenken, denn schließlich erzeugt die sogenannte Minustaste statt einem Minus einen Viertelgeviertstrich. Wer nicht gerade einen Artikel selbst mit LaTeX setzt, wird es vermutlich bei der normalen Minustaste belassen und darauf vertrauen, dass der Verlag die Zeichen austauscht.

Um das Ganze noch komplizierter zu machen: in anderen Sprachen werden noch andere Striche mit unterschiedlicher Länge verwendet. So ist der amerikanische Gedankenstrich noch länger: — Und er ist im Internet auch auf deutschen Seiten verbreitet, weil sich die Programmierer der Content Management Systeme darüber anscheinend keine Gedanken gemacht haben (so auch die deutsche Version von WordPress, die ich verwende). Diese Systeme „korrigieren“ oft auch andere Striche automatisch, aber nicht immer im Sinne des Autors oder der deutschen Regeln.

Probleme mit den ganzen Strichen kann auch die Autokorrektur in Word machen, die einen Strich manchmal plötzlich in einen anderen (zu kurzen oder zu langen) verwandelt.

Verschachtelte Klammern

Ineinander verschachtelte Klammern sind nicht schön. Laut Duden werden Erläuterungen zu einem eingeklammerten Satz (z. B wenn es um die WTO [Welthandelsorganisation] geht) in eckige Klammern gesetzt. Ich verstehe das allerdings nicht so, dass innerhalb einer runden Klammer immer eine eckige stehen muss, bei Literaturangaben z. B. sieht das sehr merkwürdig aus (etwa Neukirchen et al. [2016]). Und wenn in einer Klammer ein Zitat mit runder Klammer steht, wird daraus eine eckige Klammer, die in Zitaten eigentlich Anmerkungen oder Auslassungen markiert?

Generell ist es empfehlenswert, verschachtelte Klammern zu vermeiden. Ist es nicht möglich, den Inhalt der äußeren Klammer stattdessen weiter hinten als eigenständigen Satz folgen zu lassen? Oder in der Klammer stattdessen mit Kommas arbeiten? Bei Literaturangaben darf die innere Klammer übrigens einfach weggelassen werden (Neukirchen et al. 2016).

Auf keinen Fall sollten in mathematischen oder chemischen Formeln runde durch eckige Klammern ersetzt werden, nur weil die Formel im Text in einer Klammer steht. In beiden Fällen haben eckige Klammern nämlich eine Bedeutung. Bei chemischen Formeln markieren sie Komplexe oder Strukturelemente wie Siliziumoxidtetraeder.

Auch nicht schön, aber meines Wissens nicht falsch sind zwei direkt aufeinanderfolgende Klammern (z. B. Anmerkung gefolgt von) (Literaturverweis oder Copyright). Oft kann diese so umgestellt werden, dass eine Klammer weiter vorne steht.

Anführungszeichen

Die deutschen „Gänsefüße“ haben auf der linken Seite die Form 99 (Position unten) und rechts die Form 66 (Position oben). Alternativ gibt es auch eine »spitze« Variante. Die Position und Form der Anführungszeichen ist von Sprache zu Sprache verschieden. Bei Verwendung der Taste " wandelt die Autokorrektur von Word dieses normalerweise in das richtige Zeichen um, solange man beim Tippen die Reihenfolge von Leerzeichen, Anführungszeichen, Wort, Anführungszeichen, Leerzeichen richtig macht.

Fußnoten

Während Fußnoten in den Geisteswissenschaften in großer Menge verwendet werden, sind sie in den Naturwissenschaften sehr selten. Tatsächlich sind sie unnötig, da wir Literaturverweise wie Neukirchen (2016) im Text stehen haben und die ausführliche Angabe im Literaturverzeichnis steht. Und inhaltliche Anmerkungen sollten besser im Text stehen (in einer Klammer oder als für sich stehender Satz), da eine Fußnote in diesem Fall den Lesefluss stört.

Begriffe in anderen Sprachen

Je nach Fachrichtung werden Begriffe in anderen Sprachen entweder in Anführungszeichen oder — bei Naturwissenschaften häufiger — kursiv gesetzt. Die Begriffe werden dabei in Originalschreibweise belassen, auch was die Groß- und Kleinschreibung betrifft (im Englischen fast alles klein, selbst wenn die Abkürzung aus Großbuchstaben besteht). Etwa Mantel (coat), laser ablation, Periglazial von lat. peri etc. In der Biologie sind auch wissenschaftliche Namen wie Phascolarctos cinereus kursiv. Selbst das „et al.“ wird manchmal kursiv gesetzt.

Nicht kursiv sind fremdsprachliche Begriffe, die ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden haben. Das betrifft vor allem jene, die im Duden stehen (Hotspot, Wellness), aber auch andere häufig verwendete Fachbegriffe im jeweiligen Fachgebiet. Sie werden wie deutsche Begriffe verwendet (Substantive groß), High-Spin-Komplex, Borderlinestörung. Da es auch vom Thema des Textes und der Zielgruppe abhängt, ob es sich um einen häufig oder weniger häufig verwendeten Begriff handelt, fällt die Entscheidung für eine Schreibweise nicht immer leicht, auf jeden Fall muss sie konsequent im ganzen Text gleich sein.

Verschiedenes

  • Buchtitel werden oft kursiv gedruckt, mit der Ausnahme von berühmten Büchern wie der Bibel oder der Magna Carta.
  • Symbole für chemische Elemente sind nie kursiv.
  • Bruchzahlen sollten immer wie ¼, nicht wie 1/4 gesetzt werden.
  • Schrägstrich wie bei und/oder ist ohne Leerzeichen, wenn auf beiden Seiten nur ein Wort steht / mit Leerzeichen bei mehreren Worten.
  • Tabellenzellen beginnen immer mit einem Großbuchstaben.
  • In Marshsche Probe, Schmidtsches Netz u. ä. stand früher ein Apostroph. Das ist aber nach Duden nicht mehr empfohlene Schreibweise.

Anmerkung

Das Thema Literaturverzeichnis ist einen eigenen Artikel wert. Auch generell ließe sich zu Typographie noch deutlich mehr sagen, Ligaturen bspw. kamen noch gar nicht vor. Viele weitere Details finden sich unter den unten aufgeführten Weblinks.

Wie genau man beim Satz vorgeht, ist trotz aller Normen sicherlich auch eine Frage des Geschmacks (bei einer Masterarbeit oder Veröffentlichung im Selbstverlag), des dafür geplanten Budgets (das von einem Verlag bei einem Lehrbuch für Studenten ganz anders geplant wird als bei einem Fachbuch in kleiner Auflage) und der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit. In vielen Fällen werden selbst große Verlage Kompromisse zwischen perfektem Satz und großem Arbeits- und Kostenaufwand eingehen. Hinzu kommt, dass manche Feinheiten von Verlag zu Verlag und auch von Fachgebiet zu Fachgebiet unterschiedlich gehandhabt werden.

Links

2. Auflage: Die Welt der Rohstoffe

Nach nur 2 Jahren erscheint in diesen Tagen die 2. Auflage des Buchs Die Welt der Rohstoffe, das ich zusammen mit Gunnar Ries geschrieben habe. Unser durchaus unkonventionelles Konzept — ein Drahtseilakt irgendwo im Spannungsfeld zwischen populärwissenschaftlichem Sachbuch, Lehrbuch und Nachschlagewerk, mit dem wir ein sehr heterogenes Publikum ansprechen wollten — ist offensichtlich gelungen.

Florian Neukirchen, Gunnar Ries
Die Welt der Rohstoffe
Lagerstätten, Förderung und wirtschaftliche Aspekte
 
2. Aufl. November 2016, Springer
Gebunden, 356 Seiten, ISBN 978-3-662-48241-4
Ebooks: PDF, Kindle

Wer bereits die 1. Auflage im Regal stehen hat, kann beruhigt sein: Verbessert wurden einige kleine Schreibfehler, inhaltlich hat sich fast nichts geändert. Und die „erhöhte Ozonstrahlung“ (S. 238, statt „durch Bildung einer Ozonschicht vor der erhöhten UV-Strahlung“) hat bestimmt den einen oder die andere zum Lachen gebracht. Das Glossar haben wir um ein paar Einträge ergänzt und der Abschnitt zu Sand (S. 319) ist etwas länger geworden.

Ein kurzes Erratum zur 1. Auflage

  • Unter Schichtgebunden nach „oder auch diskordant die betreffende Schicht durchschneiden“ sollte „Chimneys“ statt „Mantos“ stehen, Mantos sind schichtparallel (Kasten S. 4)
  • Bouguer statt Bouger (S. 18)
  • allochthon, autochthon mit th (mehrfach)
  • alkalisch statt alkalin (mehrfach)
  • Als Kajal verwendeten die alten Ägypter wohl Stibnit, nicht Galenit (S. 57)
  • [BiS3]3- (S. 72, Minus fehlt)
  • Das „slate belt hosted gold“ entstand im Phanerozoikum, nicht Proterozoikum (S. 159)
  • Abb. 4.30: Die Beschriftung ist in der 1. Auflage z.T. etwas verrutscht (S. 177)
  • Bei einer Diskordanz liegen die oberen Schichten natürlich nicht zwangsläufig flach (S. 200)
  • de la Sal statt del la Sal (S. 256)
  • Stokes Gesetz, nicht Strokes (S. 262)
  • Neukaledonien liegt nordöstlich von Brisbane, nicht nordwestlich (S. 269)
  • Die Angaben des Heizwerts in Abb. 6.4 sind in MJ/kg, nicht kJ/kg (S. 280)
  • Tunguska-Becken bei Norilsk, nicht bei Kursk (S. 283)
  • Wealden, nicht Wealdon (S. 307)
  • Bei der Formel von Gips auf S. 318 fehlt das Wasser
  • Na2CO3 statt NaCO3, K2CO3 statt KCO3 (S. 321)

Weiterlesen

Passend dazu ist dieses Frühjahr mein Buch Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden: Eine kurze Geschichte der Metalle erschienen. Ursprünglich war ein historisches Kapitel in Die Welt der Rohstoffe geplant, musste aber aus Platzgründen gestrichen werden. Stattdessen bin ich tiefer in die Materie eingestiegen und habe ein ganzes Taschenbuch daraus gemacht.

Am Golf von Porto (Korsika)

Wanderungen an der schönsten Bucht der schönen Insel

Golf von Porto von Monte Senino
Golf von Porto von Monte Senino

Die Bucht von Bergen gesäumte Bucht von Porto halte ich für eine der schönsten Ecken Europas, auch wenn Porto selbst relativ langweilig und sehr touristisch ist. Die Calanche di Piana, die Felslandschaft an der Straße zwischen Porto und Piana, sind sogar UNESCO-Weltnaturerbe. Die Granitfelsen sind zu bizarren Formen erodiert, wobei neben Türmen und Scharten häufig sogenannte Tafoni zu sehen sind. So wird eine spezielle Erosionsform genannt, bei der das Innere eines Granitblocks herausgewittert ist, während das Äußere teilweise als harte Schale übrig ist. Möglich wird dies, wenn die Blöcke zuvor im Boden durch Lösungen, die an Klüften zirkulierten, entsprechend präpariert wurden und so die „Schale“ widerstandsfähiger wurde als das Innere eines Granitblocks.

Tafoni am Cabo d’Orto
Tafoni am Cabo d’Orto

Kaum ein Tourist lässt sich einen Spaziergang vom Parkplatz Tete du Chien (mit einem Tafoni in Form eines Hundekopfs) zum Chateau Fort entgehen (1 h hin und zurück). Noch mehr los ist 500 m weiter ab dem Restaurant Les Roches Bleues auf einem etwa 1 km langen Abschnitt der Straße, es wimmelt nur so von Fußgängern, jede Parkbucht ist belegt und Autos halten auch noch an jeder Kurve mitten auf der Straße, damit ein Foto geschossen werden kann. Zu Recht, aber umso erstaunlicher ist es, wie wenig auf dem etwas höher verlaufenden Maultierpfad los ist, der fast noch schönere Blicke auf Felsen und Meer hat. Er beginnt 300 m westlich von Les Roches Bleues neben einer Madonnastatue. Nach einem kurzen steilen Anfang geht es relativ flach weiter, dann hinunter zum einem Fussballplatz, von dem man wieder zur Straße kommt, der man nach Rechts zum Ausgangspunkt folgt (1:30 h Rundweg).

Maultierweg durch die Calanche
Maultierweg durch die Calanche

Der Parkplatz an diesem Fussballplatz ist auch der Ausgangspunkt zur Besteigung des Cabo d’Orto, des Berges, der von Porto aus unbezwingbar aussieht. Wir machen einen Umweg über den Sattel Foce d’Orto, von wo eine steile mit Steinmännern markierte Route steil durch die Felsenwelt hinaufführt und vor dem letzten Gipfelanstieg auf den Normalweg trifft. Oben haben wir einen tollen Rundumblick auf die Buchten und auf die Berge von Zentralkorsika.

Blick vom Cabo d’Orto
Blick vom Cabo d’Orto

Der genuesische Wachturm auf dem Capu Rossu, am südlichen Ende des Golfs von Porto, ist eine beliebte Kurzwanderung. Los geht es an einem Parkplatz an der kleinen Straße, die von Piana Richtung Plage d’Arone führt. Der Weg geht ein gutes Stück abwärts und dann in einem weiten Bogen hinauf, ist aber von der Hitze abgesehen relativ einfach (ca. 3 h hin und zurück).

Capu Rossu
Capu Rossu

Am anderen Ende des Golfs von Porto befindet sich der markante Monte Senino, den das Meer an drei Seiten umspült, da sich dahinter die Bucht von Girolata anschließt. Diese Wanderung (ca. 4 h) ist deutlich kniffliger als die anderen Routen, aber der Blick auf Meer und Berge außergewöhnlich schön. Start ist der Parkplatz am Pass Bocca a Croce an der Hauptstraße. Entlang des Rückens folgt man einem Fahrweg bis zu einem weiteren Pass und zweigt dort auf einen Pfad in den Wald ab. Es geht steil aufwärts durch einen Wald, mit immer wieder tollen Blicken auf den Golf von Girolata. Der Weg ist nicht immer deutlich zu sehen, aber gut mit Steinmännern markiert. Das letzte Stückchen auf den Gipfel der Punta Castellacciu ist leichte Kletterei. Dies war erst der Vorgipfel, aber die meisten scheinen hier umzukehren: Der weitere Weg ist kaum als Pfad auszumachen und wir brauchen immer mal wieder eine Weile, um den nächsten Steinmann zu finden. Es geht steil hinunter in den Sattel und an diesem meist auf der Südseite auf und ab zwischen Felstürmen und Abgründen. Ein kurzes Stück geht es durch eine enge schluchtähnliche Rinne, aus der man am oben ein paar Meter herausklettern muss. Dann folgt der eigentliche Gipfelanstieg, der wieder leichter ist.

Calenques bei Cassis

Die Buchten Calanque d’en Vau, Calanque de Port Pin und Calanque de Port-Miou

Calanque de Port Pin
Calanque de Port Pin

Die Küste zwischen Marseille und Cassis zeichnet sich durch hohe Kliffs aus Kalkstein und vor allem durch lange schluchtähnliche Buchten aus, den Calenques. Das Gebiet ist zwar Nationalpark, aber an einem Sommerwochenende ist man hier alles andere als allein… Um die Calenques bei Cassis zu erkunden, ist mindestens ein halber Tag einzuplanen — lieber ein ganzer, da es viele Möglichkeiten zu lohnenden Umwegen gibt.

Unsere Wanderung beginnt an einem großen Parkplatz am Stadtrand von Cassis, auf der Halbinsel zwischen Mittelmeer und dem Calanque de Port-Miou. Diese schmale fast 1 km lange Bucht verläuft fast parallel zur Küste und wird als Yachthafen benutzt. Wir umrunden das Ende von Port-Miou und folgen dem anderen Ufer bis zur Mündung ins Meer, wo wir hinter einer schmalen Halbinsel auf das Ende der nächsten Bucht treffen: der hübsche Calanque de Port Pin. Noch beeindruckender ist allerdings der Calanque d’en Vau, der wegen seiner hohen Felswände oft mit Fjorden verglichen wird. Wer möglichst schnell zum Strand an dessen Ende gelangen will, nimmt vom Ende des Calanque de Port Pin den nicht zu übersehenden GR-Wanderweg hinauf zu einem Sattel und steigt auf der anderen Seite auf einem steilen Pfad in eine Schlucht ab. Diese folgt man etwa 700 m abwärts bis zum Wasser. Eine schönere Variante folgt dem Calanque de Port Pin nach Südwesten und dann hoch über dem Calanque d’en Vau nach Nordwesten, bis man den bereits genannten Sattel erreicht.

Calanque d’en Vau und Plateau de Castel Vieil  von l'Oule
Calanque d’en Vau und Plateau de Castel Vieil von l’Oule

L’Oule ist ein empfehlenswerter Aussichtspunkt mit einem grandiosen Blick auf den Calanque d’en Vau, die felsige Halbinsel Plateau de Castel Vieil und die Nachbarbucht. Dieser ist etwas abgelegen, was den Vorteil hat, dass kaum jemand hinauf geht. Wo der steile Pfad vom Sattel in der Schlucht des d’en Vau ankommt, folgt man der Schlucht etwa 500 m aufwärts und biegt auf dem ersten Weg nach links ab. Man steigt zum Col de l’Oule auf, an dem eine Straße endet und mehrere Wege abzweigen. Auf dem Bergrücken wandert man wieder etwa 700 m nach Süden bis zur Kante.

Übrigens haben die Calanques eine ähnliche geologische Vergangenheit wie der Comer See und die anderen großen Seen der Südalpen: während der Eiszeiten trocknete das Mittelmeer komplett aus (von der sogenannten Messinischen Salinitätskrise zeugt eine dicke Salzschicht in den Sedimenten im Mittelmeer). Flüsse schnitten Schluchten in das Relief (die später bei steigendem Meeresspiegel gefüllt wurden) und zugleich entstanden im Kalkstein zahlreiche große Höhlensysteme. Durch die Höhlen münden heute zahlreiche unterirdische Flüsse in die Buchten, die stärkste Quelle befindet sich im Port-Miou.

Roussillon und Gordes (Provence)

Ocker, Lavendel und malerische Dörfer

Gordes
Gordes

Zwischen Apt und Avignon liegen in den Hügeln nördlich des kleinen Luberon zwei malerische Dörfer, die geradezu auf dem Punkt bringen, was man sich so unter „Provence“ vorstellt. Die aus hellem Kalkstein gebauten Häuser von Gordes klammern sich an Steilhänge, die an drei Seiten um den Ortskern mit Kirche und Burg zu einer Ebene abfallen. Auf den trockenen und verkarsteten Hügeln der Umgebung wachsen Oliven und Mandeln. Etwa 10 km entfernt auf der anderen Seite dieser Ebene liegt, ebenfalls auf einem Hügel, das kleine Dorf Roussillon mit geduckten roten Häuser.

Roussillon
Roussillon

Hier ist die Geologie ganz anders: statt dem für die Provence typischen Kalkstein steht hier ein stark alterierter Sandstein an, der intensiv gelb, orange oder rot gefärbt ist und vor allem zur Herstellung von Farbpigmenten abgebaut wurde. Der Sentier des Ocres ist ein Spaziergang durch die ehemaligen Steinbrüche. Dieser kostet zwar Eintritt, lohnt sich aber sehr: der weiche Sandstein ist nicht nur intensiv gefärbt, sondern auch zu bizarren Formen erodiert.

Ocker bei Roussillon
Ocker bei Roussillon

In der Umgebung beider Dörfer gibt es auch einige Lavendelfelder, die ja geradezu ein Provence-Klischee sind. Besonders hübsch ist das Feld am Zisterzienserkloster Notre-Dame de Sénanque, ein paar Kilometer nördlich von Gordes.

Notre-Dame de Sénanque mit Lavendel
Notre-Dame de Sénanque mit Lavendel

Übrigens befindet sich hinter den Hügeln (Luftlinie wenige Kilometer) die Karstquelle Fontaine-de-Vaucluse, die zur Zeit der Schneeschmelze beeindruckend sein muss. Im Sommer ist der Wasserstand aber so niedrig, dass nur ein kleiner See in einem Höhlentor zu sehen ist, aus dem das Wasser das erste Stück durch den Untergrund fließt. Und um das zu sehen, muss man ein gutes Stück zwischen Souvenierläden, Eisdielen und mit Beton umbauten Wasserrädern marschieren.

Wanderung durch die Verdonschlucht

Auf dem Santier Martel durch den „Grand Canyon der Alpen“, eine der tiefsten und schönsten Schluchten Europas

Verdonschlucht von der Route des Crêtes
Verdonschlucht von der Route des Crêtes nahe Belvedere de la Dent d’Aire

Der „Grand Canyon“ des Verdon ist zwar nicht die tiefste Schlucht Europas (die Taraschlucht auf dem Balkan ist tiefer), aber ohne Frage eine der eindrucksvollsten. Die Gorges du Verdon in der Provence schneiden sich bis zu 700 m in ein Hochplateau am Rand der Alpen ein. Die hohen Felswände auf beiden Seiten, Kalksteine aus dem Jura und der Kreide, sind beliebte Kletterfelsen. Wer als Wanderer in die Schlucht absteigen will, ist hingegen auf eine einzige Route beschränkt, auf den Sentier Martel, der in etwa 6 Stunden vom Chalet de la Maline längs durch die Schlucht zur Pointe Sublime führt.

Verdonschlucht: Couloir Samson von der Pointe Sublime
Couloir Samson von der Pointe Sublime

Zwischen Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung fährt in der Saison mehrmals täglich ein Bus, außerdem gibt es Taxis und auch Trampen wäre eine Möglichkeit. Wir parken morgens an der Pointe Sublime und erwischen zufällig den Bus zum Chalet de la Maline. Die kleine Hütte liegt an der sehr empfehlenswerten Panoramastraße Route des Crêtes (siehe unten), am südlichen Ende des tiefsten Abschnitts der Schlucht. Von hier steigt der relativ gut ausgebaute Weg fast bis zum Fluss hinab und folgt diesem anschließend flussaufwärts. Es geht ständig auf und ab, manchmal ziemlich steil, was den Schweiß in Strömen fließen lässt. Im Sommer ist es sehr heiß hier, ohne einen Hauch von Wind. Insbesondere eine größere Flussschlaufe wird über einen hochgelegenen Aussichtspunkt „abgekürzt“, auf der anderen Seite geht es über eine steile Eisentreppe durch die Felsspalte Brèche d’Imbert wieder hinab. Ein guter Rastplatz am Fluss mit Ausblick ist der Plage des Fères. Danach beginnt eigentlich der tiefste Teil der Schlucht, der aber von unten nicht so spektakulär aussieht wie von oben, da hier die Felswände nicht sehr weit nach unten reichen und wir stattdessen über mit Büschen bewachsene Hänge queren. Erst im oberen Teil, im Bereich Trescaire, reicht die hohe Felswand Barre de l’Escalès zu uns hinab und es wird wieder enger und eindrucksvoll. Nicht ganz so tief, aber besonders eng ist der letzte Abschnitt, das Couloir Samson. Hier führt der Weg durch zwei Tunnels, die einmal für ein Wasserkraftwerk gebaut worden waren. Der zweite ist 700 m lang und stockfinster, eine Taschenlampe ist daher unbedingt notwendig. Ein kurzer Abzweig im Tunnel führt zur Grotte Baume aux Pigeons, einem Kolk in der engen Schlucht mit faszinierendem Blick. Kurz nach dem Tunnelausgang erreichen wir einen Parkplatz am Ende einer kurzen Stichstraße, senkrecht darüber ist der Aussichtspunkt Pointe Sublime. Zu Fuß führt ein ein steiler Weg in etwa einer halben Stunde zum oberen Parkplatz, der an der Hütte Pointe Sublime an der Hauptstraße liegt.

Verdonschlucht: Couloir Samson von der Route des Crêtes
Verdonschlucht: Tiefblick von der Route des Crêtes am Belvedere de Trescaire

Am nächsten Tag fahren wir eine Runde über die Panoramastraße Route des Crêtes, die man auf keinen Fall auslassen sollte. Anfangs- und Endpunkt der Straße befinden sich am Dorf la-Palud-Sur-Verdon, wobei die Straße nur im Uhrzeigersinn befahren werden kann, da sie (bis auf das letzte Stück zwischen Chalet de la Maline und Dorf) eine Einbahnstraße ist. Es geht von einem Aussichtspunkt zum nächsten und es lohnt sich wirklich, alle paar Kurven aus dem Auto zu springen. Der erste Aussichtspunkt ist Belvédère de Trescaire: links das enge Couloir Samson, nach unten ein Tiefblick in einen besonders engen und tiefen Teil der Schlucht, rechts das Nordende der hohen Felswand Barre de l’Escalès. Das andere Ende dieser Felswand ist etwa 2 km entfernt am Belvédère de la Dent d’Aire, an dem häufig Kletterer zu sehen sind. Auch der Blick von hier nach Süden ist eindrucksvoll, dieser Abschnitt ist etwas breiter, aber besonders tief. Einige Kurven weiter vom Belvédère du Tilleul ist der tiefste Teil der Schlucht von der anderen Seite zu sehen. Von hier schraubt sich die Straße hinunter zum Chalet de la Maline, folgt der Schlucht noch viele Kurven und Aussichtspunkte weiter und kehrt schließlich zum Aussichtspunkt zurück.

Bronzezeit und Seltene Erden: Mein neues Buch über die Geschichte der Metalle

Von den Anfängen in der Frühgeschichte bis Heute: Metalle spielen in unserer Geschichte eine wichtige Rolle

Was konnten die Kulturen mit den neuen Materialien anfangen? Welche technologischen Kenntnisse waren notwendig? Wo kamen die Erze her? Mein neues Buch Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden: Eine kurze Geschichte der Metalle richtet sich gleichermaßen an Menschen, die sich für Geschichte und Archäologie oder für Geologie oder Metallurgie begeistern, sowohl an Fachleute wie auch Laien.

Es spürt insbesondere der neueren Forschung in den Fachbereichen der Archäometallurgie und Montanarchäologie nach. Wo und wann verwendeten Menschen erstmals ein bestimmtes Metall oder eine bestimmte Legierung? Waren dafür andere Öfen oder neue Prozesse notwendig? Kamen die Erze aus der Umgebung oder aus großer Entfernung? Wie wirkte sich das neue Material auf die Gesellschaft aus? Das Buch liefert zugleich das notwendige Hintergrundwissen, etwa eine kurze Einführung in die Geologie von Erzvorkommen, über die Eigenschaften und Zusammensetzungen von Legierungen oder die chemischen Prozesse, die bei der Verhüttung verschiedener Erze ablaufen. Wer das Buch gelesen hat, wird bei einem Museumsbesuch die ausgestellten Metallartefakte mit ganz neuen Augen sehen.

Ursprünglich war ein entsprechendes Kapitel im Buch Die Welt der Rohstoffe geplant, das wir aber streichen mussten, da dieses Buch sonst zu umfangreich geworden wäre. Das Thema steht aber auch gut für sich alleine.

Florian Neukirchen
Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden
Eine kurze Geschichte der Metalle
 
Mai 2016, Springer Spektrum
Taschenbuch, 167 Seiten, ISBN 978-3-662-49346-5

Die Chocolate Hills auf Bohol

Ein schönes, sehr regelmäßiges Beispiel von klassischem Kegelkarst auf den Philippinen

Chocolate Hills vom offiziellen Aussichtspunkt
Chocolate Hills vom offiziellen Aussichtspunkt

Ein sehr schönes und relativ bekanntes Beispiel von tropischen Karstlandschaften sind die Chocolate Hills auf der Insel Bohol, sehr symmetrische kegelförmige Hügel, die in großer Zahl regelmässig auf einer Ebene angeordnet sind (was aber vor allem auf Luftbildern gut zu sehen ist). In der Trockenzeit sind die Hügel braun und zumindest im Licht der auf- oder untergehenden Sonne wirken sie wirklich schokoladig. Zumindest manche Hügel, denn viele sind von grünem Wald bewachsen.

Ich lese widersprüchliche Entstehungsmodelle, beispielsweise im Museum in Tagbilaran ein weniger einleuchtendes mit Erosion durch Wellen und Flüsse. Eher handelt es sich um ein besonders regelmäßiges Beispiel von Kegelkarst, einer Landschaftsform, die sehr typisch für die Tropen ist. Das liegt daran, dass im tropischen Klima Pflanzen rasch wachsen und Pflanzenmaterial im Boden rasch wieder abgebaut wird, was große Mengen organischer Säuren freisetzt. Diese lösen den Kalkstein auf — und das passiert am wenigsten dort, wo bereits ein Hügel ist. Im Vergleich zu anderen Beispielen wie den Karsttürmen bei Guilin (China), in Halong Bay (Vietnam) oder in Südthailand sind die Chocolate Hills noch relativ klein, es handelt sich noch nicht um hohe Felsen, sondern eben um Hügel, die noch mit Boden bedeckt sind.

Der ziemlich touristische Hauptaussichtspunkt scheint tatsächlich einer der besten Aussichtspunkte zu sein. Eine Straße führt bis auf halbe Höhe eines Kegels zu einem Restaurant. Die Terrasse auf dem Gipfel ist eine furchtbare Bauruine mit aus dem Beton wucherndem Baustahl, nur wer über die Absperrung klettert, bekommt ein Foto ohne Stahlbeton. Als endlich die sinkende Sonne unter einer großen Wolke auftaucht und die Hügel aufleuchten, suche ich nach Positionen, aus denen die Massen mit Selfistick nicht zu sehen sind. Kurz bevor ich auf den Auslöser drücke, höre ich ein surrendes Geräusch und schon steigt vor mir eine weiße Drohne auf, die nun penetrant im Blickfeld meiner Kamera hin und her fliegt. Das war auf dieser Reise bereits die fünfte Drohne, die mir begegnet, vermutlich werden diese nervigen Geräte in wenigen Jahren jeden Aussichtspunkt der Erde umschwirren und jedes Foto ruinieren, das vom Boden geschossen wurde.

Chocolate Hills
Chocolate Hills

Ich suche auch nach weiteren Aussichtspunkten. An der Hauptstraße zweigt 300 m südwestlich des Abzweigs zum Main View Point eine schmale, nicht asphaltierte Straße ab, neben dem Qaud-Verleih. Auf dieser erreicht man nach 600 m auf der rechten Seite einen Hügel, auf den ein Pfad hinauf führt. Ich versuche noch zwei weitere Hügel, einer mit spärlichen Wegspuren, der andere ohne. Der steile Boden ist ganz schön rutschig und man muss insbesondere beim Absteigen sehr vorsichtig sein. Leider war der jeweilige Ausblick nie so gut wie beim kommerziellen Hauptaussichtspunkt.

Um die Chocolate Hills zu besuchen, lohnt es sich, in Tagbilaran ein Motorrarad (bzw. einen Scooter) zu leihen und in zwei oder drei Tagen auch andere Attraktionen der Insel anzusteuern. Darunter ist eine Zuchtstation mit winzigen Koboldmakis in einem großen Freigehege, und der Fluss bei Loboc, von mit Urwald bewachsenen Bergen umgeben, über den schwimmende Restaurants mit laut schallender Musik schippern — schönster asiatischer Kitsch.

Mayon

Der perfekt geformte Vulkan aus verschiedenen Blickwinkeln

Mayon
Mayon

Der Stratovulkan Mayon auf der Insel Luzon (Philippinen) ist einer der schönsten Vulkane der Welt — wenn nicht gar der schönste, wie manche meinen. Die Hänge des perfekten Vulkankegels werden nach oben hin immer steiler. Er befindet sich in der Provinz Albay auf der langen und schmalen Halbinsel Bicol, die wie wie ein Affenschwanz am restlichen Luzon hängt. An seinem Fuß liegt die Stadt Legazpi, eine gute Basis, um diverse Aussichtspunkte anzusteuern.

Mayon vom Legazpi Boulevard
Mayon vom Legazpi Boulevard

Schöne Blicke auf den Vulkan bietet der Legazpi Boulevard, der vom am Hafen gelegenen Einkaufszentrum Embarcadero an der Küste entlang nach Süden führt. Je weiter man der Straße folgt, desto besser der Blick. Meine besten Fotos sind von einem Hügel, der in einem mit Stacheldraht abgezäunten Wasserschutzgebiet liegt, die Bewohner der kleinen Hütten haben mir den Weg gezeigt.

Mayon vom Lignon Hill
Mayon vom Lignon Hill

Einen guten, aber etwas überbewerteten Blick auf den Vulkan bietet der Hügel Lignon Hill, der sich direkt hinter dem Flughafen befindet. Er ist voller kleiner Touristenattraktionen wie Ziplines und es leider unmöglich, ein gutes Foto des Vulkans zu bekommen, ohne dass ein Kabel der Ziplines im Vordergrund hängt.

Mayon und Ruine Cagsawa
Mayon und Ruine Cagsawa

Eines der Wahrzeichen der Region ist die Kirchenruine Cagsawa, von Legazpi eine kurze Fahrt mit dem Jeepney. Vom Kirchturm abgesehen gibt es nur noch Mauerreste, seit sie 1814 von einer verheerenden Eruption durch pyroklastische Ströme und Lahare zerstört wurde. Hunderte Menschen, die in die Kirche geflüchtet waren, kamen darin um. Ob sie dabei ihren Glauben verloren, ist nicht überliefert, jedenfalls ist heute der Glauben auf den Philippinen so stark wie eh und je. Fotos der Kirchenruine haben oft ein Flair der Einsamkeit, was überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmt. Ich war sowohl früh morgens als auch spät nachmittags dort, beide Male wimmelte es vor der Kirche von Menschen mit Selfisticks…

Mayon und Bach bei Cagsawa
Mayon und Bach bei Cagsawa

Fotografen folgen gern den Bach aufwärts (an der Kirche ist er in Betonwände gefasst, etwas oberhalb fließen zwei Bäche zusammen, man folgt dem etwas größeren nach rechts) für schöne Motive mit Bach und Vulkan.

Wasserhyazinthen nahe Cagsawa
Wasserhyazinthen nahe Cagsawa

In Daraga, einem Vorort von Legazpi, steht eine barocke Kolonialkirche auf einem Hügel, mit gutem Blick auf den Mayon von der Treppe vor dem weißen Portal. Dieses ist auf der Ostseite, man sollte also morgens vorbeikommen.

Kirche in Daraga mit Mayon
Kirche in Daraga mit Mayon

Einen wundervollen Vordergrund für den Mayon bietet der kleine künstliche See Gabawan Lake, etwa 2 km südlich von Daraga bzw. 2,5 km südwestlich vom Stadtteil Albay in Legazpi. Wer ihn besuchen will, sollte sich auf Google Maps den Weg gut einprägen oder besser ein GPS dabei haben: Er ist leicht mit einem Motorradtaxi zu erreichen, solange man dem Fahrer den Weg zeigt. Man wird kaum einen Fahrer finden, der diesen See kennt. Leider hatte ich Pech mit dem Licht, mehrmals war ich bei Sonnenaufgang dort, aber immer wieder war der Berg zunächst in Wolken versteckt.

Gabawansee mit Mayon
Gabawansee mit Mayon

Sehr gut gefallen mir die relativ unbekannten Quitinday Green Hills, eine typische tropische Karstlandschaft (Kegelkarst). Sie sehen den berühmten Chocolate Hills auf Bohol ähnlich, nur eben grüner und im Hintergrund ragt der riesige Kegel des Mayon auf. Um sie zu erreichen, nimmt man ein Jeepney nach Camalig und lässt sich von dort mit einem Motorrad in etwa 20 Minuten zum Ziel bringen.

Quitinday Green Hills mit Mayon
Quitinday Green Hills mit Mayon

Nicht weit von Legazpi, aber auf der anderen Seite der Halbinsel, liegt Donsol. Dieser Ort ist berühmt für die riesigen, völlig friedlichen Walhaie, die fast täglich von Februar bis Mai vor der Küste anzutreffen sind. Mit mehr als 10 m Länge handelt es sich um den größten Hai und um den größten Fisch überhaupt, der aber nur Plankton und kleine Fische frisst. Vom Visitor Center aus werden Vormittags (insbesondere morgens) Bootstouren zum schnorcheln organisiert. Es ist schon beeindruckend, neben einem der riesigen Kreaturen zu schwimmen. Ich habe Glück, wir sind eine relativ kleine Gruppe auf dem Boot, was zwar etwas teurer ist, aber dafür drängeln wir uns nicht. Sobald ein Walhai gesichtet wurde, bringt der Kapitän das Boot in Stellung und wir springen ins Wasser. Meist schwimmt er direkt auf uns zu, bevor wir ihm ein Stück folgen. Zurück ins Boot machen wir uns auf der Suche nach der nächsten Begegnung. Die Sicht ist leider oft beschränkt, sie schwankt zwischen 2 und 20 Metern und man sieht manchmal nur einen kleinen Ausschnitt des Tieres. Aber das liegt an dem vielen Plankton, das der Fluss ins Meer spült, und das ist ja der Grund, warum die Tiere hier sind. Und manchmal finden wir einen Hai an einer Stelle mit guter Sicht.