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Durchquerung der Hohen Tatra

Wanderung durch ein kleines feines Hochgebirge von Polen in die Slowakei: In 3 Tagen vorbei am See Morskie Oko (Meerauge), über den Klettersteig Orla Perć und auf die Gipfel Rysy (Meeraugspitze) und Kôprovský štít.

Blick von Rysy (Meeraugspitze) auf die Seen Morskie Oko (Meerauge) und Czarny Staw pod Rysami
Blick von Rysy (Meeraugspitze) auf die Seen Morskie Oko (Meerauge) und Czarny Staw pod Rysami

Die hohe Tatra ist ein regelrechtes Schatzkästchen eines Hochgebirges: Schroffe Granitwände und Pfeiler, 1000 m hohe Nordwände, Gämsen und Enzian (versteckt gibt es auch Bären) und vor allem zahllose wunderschöne Bergseen auf engstem Raum. Sie liegt überwiegend in der Slowakei, wobei Polen einen kleinen, besonders schönen Zipfel abbekommen hat.

Hohe Tatra vom Orla Perć
Hohe Tatra vom Orla Perć (u.a. mit Fünfseenhütte, Rysy, Gerlach)

Es handelt sich um den höchsten und alpinsten Teil der Karpaten, wobei die Fläche, nur mal zum Vergleich, deutlich kleiner ist als das ehemalige West-Berlin. Oft wird sie als „kleinstes Hochgebirge der Welt“ bezeichnet, aber es gibt sicher weitere Kandidaten für diesen Titel (mir fällt z.B. Durmitor ein).

Orla Perć
Orla Perć (hinten Świnica)

Das gesamte Gebiet ist durch einen slowakischen und einen polnischen Nationalpark geschützt. Wanderer müssen daher auf den markierten Wegen bleiben — und da nur auf die wenigsten Berge ein markierter Weg führt, dürfen die meisten Berge nur mit Bergführer bestiegen werden. Zelten ist verboten und es darf nur bei Tageslicht gewandert werden. Es gibt jedoch genug Berghütten und lohnenswerte Aussichtspunkte.

Vysoká
Vysoká (Aufstieg zu Rysy)

Die Anreise kann auf der polnischen Seite über Zakopane erfolgen (Bahn und Bus, regelmäßige Verbindung nach Krakau, mit Flixbus täglich ohne Umsteigen von Berlin). Auf der slowakischen Seite erreicht man viele mögliche Ausgangspunkte mit der Schmalspurbahn TEŽ, die von Poprad (Bahn, Flug) am Fuß der Berge entlang nach Štrbské Pleso führt, wobei Štrbské Pleso auch direkt per Zahnradbahn vom Bahnhof Štrba (dort z.B. Schnellzüge von Prag) erreicht werden kann.

Am Wielki Staw Polski (nahe Fünfseenhütte)
Am Wielki Staw Polski (nahe Fünfseenhütte)

Ich beginne auf der polnischen Seite, indem ich früh morgens von Zakopane zum Parkplatz Palenica Białczańska trampe — besser bekannt als der Parkplatz für den See Morskie Oko (Meerauge) und auch regelmäßig von Minibussen angesteuert.

Der See Przedni Staw Polski bei der Fünfseenhütte (Hohe Tatra)
Der See Przedni Staw Polski bei der Fünfseenhütte (Hohe Tatra)

Nach einem kurzen Stück auf dem bequemen Spazierweg biege ich in ein Seitental ab und steige zur notorisch ausgebuchten Fünfseenhütte (Schronisko Pięciu Stawów) auf, wo ich, noch früh am Tag, mit Glück noch ein Bett bekomme. Neben der Hütte und weiter talaufwärts gibt es tatsächlich — na ja, vier Seen und einige Tümpel (welcher auch immer als Nummer 5 zählt), nämlich Przedni Staw Polski, Wielki Staw Polski, Czarny Staw Polski und Zadni Staw Polski (dt.: Vorderer / Großer / Schwarzer / Hinterer Polnischer See).

Die Seen Przedni Staw Polski (mit Fünfseenhütte), Wielki Staw Polski, Czarny Staw Polski, Blick von Kozi Wierch
Die Seen Przedni Staw Polski (mit Fünfseenhütte), Wielki Staw Polski, Czarny Staw Polski, Blick von Kozi Wierch

Das Ziel des Tages ist der Klettersteig Orla Perć (Adlerpfad), der von der Scharte Zawrat den Grat entlang auf den Gipfel Kozi Wierch (2291 m) und weiter zum Pass Krzyne führt, also parallel zu den „fünf“ Seen auf der nördlichen Talseite.

Blick vom Orla Perć auf Świnica (Hohe Tatra)
Blick vom Orla Perć auf Świnica, links der Hintere Polnische See

Er ist technisch einfach (wird meist ohne Ausrüstung begangen), aber teils schön ausgesetzt und wegen der vielen Scharten und Felspfeiler kommen einige Höhenmeter zusammen. Dabei beobachte ich, wie die Wolken die Berge umwabern und immer mal wieder den Blick auf einen der Seen freigeben.

Orla Perć
Orla Perć

Am nächsten Morgen stehe ich wieder früh auf und sehe so, wie voll die Hütte ist: Selbst in den Fluren und im Treppenhaus schlafen Menschen, im Essensraum ist kein Quadratmeter frei.

Wielki Staw Polski (nahe Fünfseenhütte)
Wielki Staw Polski (nahe Fünfseenhütte)

Diesmal steige ich auf der anderen Talseite auf zum Szpiglasowy Wierch (2172 m), von dessen Gipfel ich ganze 7 Seen sehen kann (die vielen Tümpel nicht mitgezählt). Einer davon ist das berühmte „Meerauge“, der Morskie Oko, zu dem ich nun absteige. Er liegt malerisch unter den 1000-m-Nordwänden der Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen) und des Rysy (Meeraugspitze).

Morskie Oko (Meerauge) mit Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen)

So einsam wie auf den romantischen Bildern, die ich in den Tuchhallen in Krakau gesehen habe, ist es hier aber nicht: Hunderte Tagesausflügler kommen auf dem Spazierweg zur auf der Moräne stehenden Hütte und schwärmen in alle Richtungen aus. Ich gönne mir ein frühes Mittagsessen, spaziere am Ufer entlang und steige am anderen Ende steil zum eine Stufe höher liegenden See Czarny Staw pod Rysami auf. Wiederum am anderen Ende beginnt der Aufstieg zum Rysy. Immer steiler geht es erst zwischen den Felsen und dann über leichten griffigen Granit zum Gipfel. Allerdings ziehen plötzlich Wolken auf und oben angekommen ist nicht mehr viel zu sehen.

Blick von Rysy (Meeraugspitze) auf die Seen Morskie Oko (Meerauge) und Czarny Staw pod Rysami und auf Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen)
Blick von Rysy (Meeraugspitze) auf die Seen Morskie Oko (Meerauge) und Czarny Staw pod Rysami und auf Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen)

Der 2503 m hohe Rysy  (Meeraugspitze) ist der höchste Gipfel der Hohen Tatra, der ohne Bergführer bestiegen werden darf. Und er bietet eine grandiose Aussicht: Auf das Meerauge und andere Seen, auf Berge wie Gerlachovský štít (der höchste Berg der Karpaten), Vysoká oder Satan. Der Hauptgipfel des Rysy befindet sich gerade noch vollständig in der Slowakei, während der nur einen Steinwurf entfernte, wenige Meter tiefere Nordgipfel der höchste Berg in Polen ist.

Blick von Rysy
Blick von Rysy

Zum Glück gibt es auf der slowakischen Seite nur 300 Höhenmeter tiefer eine Hütte (grandios das Plumsklo mit Panoramafenster) und ich habe reserviert, kann dem Rysy also eine zweite Chance geben. Vor dem Frühstück sitze ich fast allein oben mit einem grandiosen Blick.

Vysoká vom Anstieg zum Rysy
Vysoká vom Anstieg zum Rysy

Später steige ich von der Hütte zum Talboden ab und biege rechts ab, aufwärts zum nächsten See, Velké Hincovo pleso, und dem nächsten Berg, Kôprovský štít (2367 m).

Der See Velké Hincovo pleso mit Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen)
Der See Velké Hincovo pleso mit Mięguszowieckie Szczyty (Mengsdorfer Spitzen)

Auch dieser ist ein wundervoller Aussichtspunkt, mir gefällt vor allem der Blick auf die beiden Seen auf der Westseite ins Tal Temnosmrečinská dolina.

Blick von Kôprovský štít ins Tal Temnosmrečinská dolina
Blick von Kôprovský štít ins Tal Temnosmrečinská dolina

Ich kehre um und wandere zum See Popradské pleso hinab, der ebenfalls von vielen Ausflüglern frequentiert wird. Eigentlich wollte ich von hier noch einige Tage in einem weiten Bogen zum östlichen Ende der Hohen Tatra und auf der anderen Seite zum Ausgangspunkt zurück wandern, aber wegen einer SMS, die mich nach Hause ruft, breche ich ab. Eine Stunde später erreiche ich den Ort Štrbské Pleso, der hübsch an einem weiteren See liegt, aber ansonsten recht hässlich ist. Immerhin gibt es einen Bahnhof.

Popradské pleso
Popradské pleso

Diskordanz am Siccar Point

Auf den Spuren von James Hutton: Die an der schottischen Küste aufgeschlossene Grenzfläche zwischen unterschiedlich alten Gesteinen spielte in der Geschichte der Geologie eine entscheidende Rolle.

Diskordanz am Siccar Point: Steilgestellte Grauwachen und Tonsteine (vorne rechts), darüber relativ flach liegende etwas jüngere Sandsteine (hinten links).

Der wohl (historisch) wichtigste Aufschluss der Geologie befindet sich an der Küste ca. 40 Meilen östlich von Edinburgh. 1788, zu einer Zeit, als es die Geologie als eigenständige Wissenschaft noch nicht gab und kaum jemand die gängige Lehre anzweifelte, dass die Erde — der Schöpfungsgeschichte in der Bibel entsprechend — nur 6000 Jahre alt sei, fuhr James Hutton mit seinen Freunden in einem Boot die Küste entlang. Er suchte die Grenze zwischen zwei sehr unterschiedlichen Gesteinseinheiten: Zwischen den roten Sandsteinen (Oberdevon)  im Norden und den Grauwacken und Tonsteinen (Silur),  die weiter südlich in den Hügeln des Grenzgebiets bekannt waren. Er fand sie am Siccar Point, so schön aufgeschlossen, dass man die geologischen Prozesse im Verlauf der Zeit regelrecht sehen kann. Auch in heutigen Lehrbüchern werden Fotos davon gerne abgedruckt.

Eine Diskordanz (engl. unconformity) ist eine Grenzfläche, an der Gesteinsschichten in einem Winkel aufeinander stoßen (Winkeldiskordanz, im weiten Sinn wird auch eine durch fehlende Sedimentation oder Erosion erzeugte sog. Schichtlücke zwischen parallelen Schichten als Diskordanz bezeichnet). Zuerst wurden die unteren Einheiten im Meer flach abgelagert, dann hörte die Sedimentation auf, die Gesteine wurden verfaltet, über den Meeresspiegel gehoben und erodiert, und erst nach einer längeren Zeitspanne wurden die oberen Sedimente mehr oder weniger flach darüber abgelagert. In jüngerer Zeit hat die Erosion durch das Meer die Grenze teilweise wieder freipräpariert. Hier ist also regelrecht der sogenannte „Kreislauf der Gesteine“ zu sehen, eine Vorstellung, die Hutton entwickelte.

Die unteren Gesteine sind ca. 435 Mio. Jahre alt (Silur). Es handelt sich um Grauwacken und dünne Tonsteinlagen, die im „Ur-Atlantik“ Iapetus abgelagert wurden.

Grauwacke ist eine Art Sandstein, die neben Quarz auch Feldspat, ganze Gesteinsbruchstücke  und evtl. weitere Minerale enthält. Sie entsteht in tiefen küstennahen Meeresbecken, die einem Gebirge vorgelagert sind (man denke an Neuseeland oder die Anden). Das Verwitterungsmaterial wird zunächst vor Flussmündungen abgelagert und rutscht dann immer wieder als Trübestrom in die Tiefsee ab. Bis zum nächsten Trübestrom folgt darüber langsame ruhige Sedimentation von Tonpartikeln.

Warum die Grauwacken verfaltet, gehoben und erodiert wurden, konnte Hutton noch nicht wissen, schließlich wurde die Theorie der Plattentektonik erst wesentlich später entwickelt. Der Ozean Iapetus schloss sich, die Kontinente Laurentia (heute Nordamerika und Grönland), Avalonia (ein Bruchstück von Gondwana, heute England, Nordsee, Norddeutschland) und Baltica (heute Baltikum und Schweden) kollidierten miteinander (siehe auch mein Buch Bewegte Bergwelt) und es entstand der Kontinent Laurussia (auch Old-Red-Kontinent genannt), mit dem Kaledonischen Gebirge an der Naht (heute Appalachen, Schottland, Norwegen, Grönland). Die großen Falten sind in der Steilküste mit Blick nach Osten deutlich zu sehen, die steilstehenden Schichten am Siccar Point sind Teil eines Faltenschenkels.

Paläorelief: Am Steilhang hinter Siccar Point verläuft die Diskordanz weiter oben.

Die Pause der Sedimentation beträgt am Siccar Point 65 Mio. Jahre. Die Old-Red-Sandsteine oberhalb der Diskordanz wurden vor 370 Mio. Jahren (Oberdevon) nicht im Meer (wie Hutton glaubte), sondern an Land in einem tropischen Klima abgelagert, durch Flüsse und z. T. vom Wind zu Dünen umgelagert. Interessant ist die unregelmäßige Form der Diskordanz, z. B. verläuft sie in der Steilküste über dem Siccar Point (neben dem steilen Grashang) deutlich höher. Hier sehen wir tatsächlich das Paläorelief, zu dem Zeitpunkt, als die Sedimentation wieder einsetzte. In den tieferen Bereichen (den Tälern) lagerte sich zunächst ein Konglomerat ab, dessen grobe Komponenten noch von den Grauwacken stammen (ein sogenanntes Basiskonglomerat).  Später wird nur noch Sand geliefert (d. h. das Liefergebiet sind weiter entfernte Reste des teilweise erodierten Kaledonischen Gebirges), das Relief wird überdeckt und die Sedimentation ist relativ eben.

Basiskonglomerat am Siccar Point

Seither wurde das ganze noch leicht verkippt und teilweise wieder freigelegt. In diese lange Zeitspanne fällt die variszische Gebirgsbildung (Kollision von Laurussia und Gondwana und Bildung des Superkontinents Pangäa), der Zerfall der Pangäa mit Bildung des Atlantiks und schließlich die alpine Gebirgsbildung in Südeuropa und Asien.

James Hutton hatte eigentlich Chemie und Medizin studiert, beschäftigte sich dann aber erst mal auf seiner Farm mit der Modernisierung der Landwirtschaft.  Die unterschiedlich fruchbaren Böden über verschiedenen Gesteinen und Probleme mit Denudation (Bodenerosion) brachten ihn dazu, sich mit Geologie zu beschäftigen. Er untersuchte Bergwerke in England und Wales und begleitete den Kanalbau zwischen Firth of Forth (bei Edinburgh) und Firth of Clyde (bei Glasgow). Er ging davon aus, dass heutige geologische Prozesse ähnlich in der Vergangenheit abliefen und entwickelte langsam die Vorstellung eines Kreislaufes von wiederholter Ablagerung und Erosion.

Auf die erste Diskordanz der Geologiegeschichte stieß er 1787 auf der Insel Arran, eine zweite fand er im selben Jahr bei Jedburgh. Im Jahr darauf stieß er auf den Siccar Point. Er hatte bereits so viel Erfahrung, dass er die richtigen Schlüsse zog. Besonders wichtig war die Erkenntnis, welche enormen Zeiträume dieser Aufschluss zeigt. Die aus der Bibel abgeleitete Erdgeschichte war nicht mehr haltbar. Sein Begleiter John Playfair schrieb später: „The mind seemed to grow giddy by looking so far into the abyss of time“.

James Hutton war neben dem zeitgleich in Freiberg tätigen Abraham Gottlob Werner einer der beiden „Gründerväter“ der Geologie als Wissenschaft (wobei Mineralogie und Bergbaulehre deutlich älter sind). Übrigens erkannte Hutton auch, dass Granit und Basalt magmatische Gesteine sind, während Werner diese für Ablagerungen aus einem Meer hielt — der Streit zwischen „Plutonisten“ und „Neptunisten“ begann.

Anfahrt

Von Edinburgh auf der A1 Richtung Osten. Kurz nach Cockburnspath nach links auf die A1107 Richtung Coldingham abbiegen. Nach einer schmalen Brücke links Richtung Pease Bay abbiegen. Kurz darauf biegt das „Hauptsträßchen“ nach Pease Bay links ab, wir fahren geradeaus (Schild zu einem Agrarindustriebetrieb). Wenig später ist links der Parkplatz für den Siccar Point mit Hinweisschildern.

Nun geht man auf einem Pfad die Küste entlang bis zur Kante der Steilküste oberhalb des Siccar Points. Auf einem sehr steilen Grashang führt ein unangenehm rutschiger Pfad abwärts, wobei man sich an einem Fixseil festhalten kann. Mit großer Wahrscheinlichkeit trifft man hier auf Geologen, die an diese Stelle pilgern. Andere Menschen verirren sich eher selten hier her, obwohl es sich um einen sehr hübschen Ort handelt.

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Wanderung in den Cairngorms

Cairngorms, Blick vom Cairn Lochan

Das schottische Bergmassiv der Cairngorms erinnerte einen Samen so sehr an seine Heimat, dass er in den 1940ern Rentiere aus Lappland hier auswilderte, denen wir tatsächlich begegneten. Hier befinden sich ein paar der höchsten Berge von Großbritannien, wobei es sich überwiegend um runde Kuppen und relativ flache Hochplateaus handelt, mit rauhem Klima und kargem Bewuchs. An manchen Bergen gibt es auch kleine Kare mit entsprechenden Felsen.

Wir wandern von der Talstation der Bergbahn (der gesamte Hang von hier hinauf zum höchsten Gipfel ist ein sehr hässliches Skigebiet) hangparallel nach Südwesten zu einem  Plateau (hier treffen wir die Rentiere), das oberhalb von einem Kar mit Felswänden abgeschlossen wird. Unser Ziel ist Cairn Lochan, der südlichste Gipfel dieses Bergrückens (der nur auf dieser Seite steil ist). Wir steigen rechts davon auf einem schon von weitem sichtbaren Pfad über einen breiten Bergrücken auf. Auf einem höheren Plateau angekommen biegen wir links ab und nehmen einen steilen Pfad hinauf zum Gipfel. Der Blick auf die stark geklüfteten Granitwände, über das Kar und hinab zum See Loch Morlich und diverse kleinere Berge ist wunderschön, wobei ein eiskalter Wind weht. Nach weniger als 4 Stunden sind wir wieder am Parkplatz.

Cairn Lochan

Am nächsten Tag machen wir eine weitere ähnlich lange Wanderung, die direkt hinter dem Glenmore Visitor Center (auf der anderen Straßenseite der Campingplatz am Loch Morlich) beginnt. Wir steigen erst durch Wald und dann durch eine schöne rot blühende Heidelandschaft in einem Bogen hinauf zum Meall a‘ Bhuachaille (ein kleiner Berg, dessen Form und rote Farbe uns schon am Vortag aufgefallen ist), von dem man einen guten Blick auf die Cairngorms hat. Auf der anderen Seite steigen wir zur kleinen Hütte Ryvoan Bothy ab, die in einer flachen Moor- und Heidelandschaft liegt. Wir biegen rechts ab zum kleinen See An Lochan Uaine, der sich in einer sehr kleinen und kurzen Schlucht befindet. Über den Panoramaweg (mit kurzem Auf- und wieder Abstieg) erreichen wir wieder den Ausgangspunkt.

Heide am Meall a’ Bhuachaille

 

 

Glen Coe

Wanderung zum Hidden Valley in der ehemaligen Caldera (Schottland)

Auf den ersten Blick sieht Glen Coe nicht nach einem Vulkan aus. Das klassische U-Tal wurde eindeutig zu kälteren Zeiten von einem großen Gletscher geformt. Kleinere ebenfalls U-förmige Seitentäler zweigen auf der Südseite ab und untergliedern die dortige Bergkette in einzelne schroffe Berge, die „Drei Schwestern“. Eines davon, das Hängetal namens „Hidden Valley“, ist das Ziel unserer Wanderung. Die Landschaft ist regelrecht Alpin, wobei Glen Coe als eines der schönsten Täler Schottlands gilt. Wegen eines Massakers im 17. Jh., das die Briten an einem Clan verübten, ist es auch noch ein wichtiger Bezugspunkt des schottischen Nationalismus.

Aber auch Geologiegeschichte wurde hier geschrieben. Es handelt sich nämlich um einen alten „Supervulkan“, bei dem die Gletscher Schnitte durch das Innere einer großen Caldera freigelegt haben. Und hier erkannte Sir Edward Bailey Anfang des 20. Jh. dank dieser leicht zugänglichen Profile erstmals, wie eine Caldera überhaupt entsteht. Eine Caldera ist ein großer Krater, der durch den Einsturz des „Dachs“ einer großen Magmakammer bei einer besonders großen Eruption entsteht. Schöne jüngere Exemplare sind beispielsweise die Tengger-Caldera auf Java, Laguna Quilotoa in Ecuador, Santorin in Griechenland, Ngorongoro in Tansania oder Crater Lake in Oregon (USA). Diesen „Caldera-Krater“ können wir uns bei Glen Coe vor ca. 400 Mio. Jahren sozusagen im Himmel über den Bergen vorstellen, mit einem Durchmesser von 8 km. Der tiefere Teil dieser Einsturzstrukturen ist jedoch immer mit den bei den Eruptionen geförderten Vulkaniten verfüllt, die bei Glen Coe etwa 1200 m mächtig aufgeschlossen sind (Andesite und Rhyolite) und von älteren metamorphen Gesteinen umgeben sind. Die Eruptionen finden bei diesen Vulkanen meist entlang von Brüchen statt, die oft konzentrisch ringförmig sind oder mit größeren linearen Störungen zusammenhängen. Die Ablagerungen regnen aus Aschewolken ab (Tuff) oder werden durch pyroklastische Ströme abgelagert (verschiedene Tuffe und Ignimbrite). Bei manchen Ignimbriten von Glen Coe ist eine faszinierende Fließstruktur (Bänder, Schlieren, Falten) zu erkennen.

Ignimbrit, Glen Coe
Ignimbrit, Glen Coe

Lavaströme sind untypisch für Calderavulkane, aber sie können bei kleineren Eruptionen während der langen Ruhephasen zwischen den großen Eruptionen gefördert werdend. In tieferen Stockwerken kann Magma auch als waagrechter Sill in ältere Einheiten eindringen (insbes. die Andesite im unteren Teil von Glen Coe), was nur schwer von Lavaströmen zu unterscheiden ist. Fast rund herum sind die Vulkanite der Glen-Coe-Caldera von einem Ring aus Granit umgeben, der entlang der ringförmigen Verwerfung eindrang.

Übrigens handelt es sich bei Ben Nevis ebenfalls um eine (ähnlich alte) Caldera, wobei dort ein noch tieferes Niveau aufgeschlossen ist: Nämlich der Kontakt zwischen Magmakammer und ihrem „Dach“.

Bailey stellte sich die Entstehung der Glen-Coe-Caldera wie bei einem Kolben vor, demnach sank das „Dach“ der Magmakammer während der Eruption gleichmäßig und symmetrisch entlang einer ringförmigen Verwerfung ins Innere ab, das Magma stieg entlang der Verwerfung auf (und bildete den Granit). Inzwischen ist klar, dass die Geometrie bei Glen Coe nicht ganz so einfach ist. Die eigentliche ringförmige Verwerfung ist wohl erst in einem späten Stadium entstanden (und der Granit noch später), während bei früheren Ausbrüchen sich einzelne Blöcke unterschiedlich stark absenkten und dabei auch verkippten (Moore und Kokelaar 1997). Die Verwerfungen eines Grabenssystems (vermutlich an einer Transformstörung) spielten für den Aufstieg der Magmen vermutlich eine wichtige Rolle.


Literatur

Moore und Kokelaar (1997), Tectonic influences in piecemeal caldera collapse at Glencoe Volcano, Scotland. Journal of the Geological Society, London, Vol. 154, S. 765–768.

Fraser et al. (2004) Age of the Ballachulish and Glencoe Igneous Complexes (Scottish Highlands), and paragenesis of zircon, monazite and baddeleyite in the Ballachulish Aureole. Journal of the Geological Society, London, Vol. 161. S. 447–462.

Broschüre „Glen Coe – Gleann Comhann“ von Lochaber Geotrails.

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Bei Fingal’s Cave auf Staffa

Bootausflug zu faszinierenden Basaltsäulen, Seehunden und Papageitauchern (Schottland, Innere Hebriden)

Fingal’s Cave, Staffa
Fingal’s Cave, Staffa

Die kleine Insel Staffa ist ein schwarzer Felsklotz, dessen Wand in der unteren Hälfte aus großen perfekt geformten Basaltsäulen besteht, während die obere Hälfte ein Geflecht aus kleinen gebogenen Säulchen ist. In diese Felswand hat das Meer einige kleine und größere Höhlen gebrochen, wobei die größte unter dem Namen Fingal’s Cave bekannt ist. Die ca. 60 Mio. Jahre alten Laven gehören zu einem größeren damals auf Land gelegenen Vulkankomplex, dessen Überreste weite Teile der heutigen Inseln Mull und Skye aufbauen. Dieser war wiederum Teil einer größeren Vulkanregion, die auch bis zum Giant’s Causeway in Nordirland reichte.

Entdeckt wurde die Insel schon wesentlich früher (die Wikinger gaben ihr ihren Namen), aber „auf die Karte“ und in die Bücher brachte sie der Botaniker und Forschungsreisende Joseph Banks, dessen Schiff 1772 bei einer Islandexpedition wegen eines Sturms bei der Nachbarinsel Mull Anker warf. Jemand erzählte Banks von den Felsformationen auf Staffa und als er sie am nächsten Tag besuchte war er von Fingal’s Cave so begeistert, dass er sie als „one of the greatest natural curiosities in the world“ bezeichnete.

Mehr und mehr Naturforscher, Künstler und Schriftsteller und der eine oder andere König kamen daraufhin vorbei. Felix Mendelssohn Bartholdy ließ sich zur Ouvertüre Die Hebriden inspirieren, romantische Maler malten die Höhle aus allen Perspektiven und schon in frühen 19. Jahrhundert gab es einen regelrechten Massentourismus.

Wie Basaltsäulen entstehen, habe ich vor einem Jahr am Beispiel Panská skála erklärt, ein anderes beeindruckendes Beispiel habe ich in Armenien fotografiert. Doch jedes Vorkommen hat seinen eigenen Formenschatz und seine eigene Stimmung, bei Staffa dank des rauen Atlantiks.

Zwischen Mai und Anfang August brühtet zudem auf der Insel eine Kolonie Papageitaucher (Puffins), die mich schon einmal in Island begeistert haben. Diese an Land etwas tollpatschigen Vögel sehen fast aus wie fliegende Pinguine mit buntem Schnabel.

Papageitaucher auf Staffa
Papageitaucher auf Staffa

Von Orban aus gibt es organisierte Tagesausflüge zu drei Inseln, wobei nicht nur für mich Staffa das Highlight ist. Es geht zunächst mit der Fähre hinüber nach Mull und dann mit Bussen auf einer einspurigen Straße nach Fionnphort zum am anderen Ende der Insel. Kleine Boote fahren von hier bei einer Seehundkolonie vorbei nach Staffa, wo man nahe der Höhle an Land geht und eine viel zu kurze Stunde auf der Insel verbringt. Anschließend setzt uns das Boot auf der Insel Iona ab, wo es noch ein altes Kloster zu besichtigen ist, von dem aus einst irische Mönche Schottland christianisiert hatten. Eine kurze Fährfahrt führt zurück nach Fionnphort, wo die Busse warten.


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Von Cancun nach Mexico City

Ein Monat (November) im Süden von Mexiko

Yucatán
Weiße Strände mit türkisfarbenem Meer, grandiose Maya-Ruinen, bunte Kolonialstädte und die faszinierenden Cenotes.

Cenotes auf Yucatán
Spektakuläre Einsturzdolinen zum Tauchen, Schnorcheln, Schwimmen.

Chiapas
Maya-Ruinen in Palenque, Blick in den Cañón del Sumidero, Kolonialstadt San Cristóbal de las Casas.

El Chichón
Wanderung zum grünen Kratersee des aktiven Vulkans in Chiapas.

Oaxaca
Altstadt in Oaxaca de Juárez, Ruinen von Monte Alban, Ausflug nach Mitla und Hierve el Agua.

Puebla und Cholula
Kolonialstädte, die größte Pyramide der Welt und ein aktiver Vulkan in Sicht.

Mexiko-Stadt und Umgebung
Erstklassige Museen, das historische Zentrum und Ausflüge zu Pyramiden und Ruinen.

Taxco
Eine malerische Altstadt voller Silberschmiede.

Nevado de Toluca
Gratwanderung mit Blick auf zwei Kraterseen am vierthöchsten Berg in Mexiko.

Iztaccíhuatl
Auf dem dritthöchsten Berg von Mexiko mit grandiosem Blick zum Popocatépetl.

Iztaccíhuatl

Auf dem dritthöchsten Berg von Mexiko mit grandiosem Blick zum Popocatépetl

Popocatépetl
Popocatépetl vom Aufstieg zum Iztaccíhuatl

Der Vulkan Iztaccíhuatl (5230 m) ist anders als sein berühmter (und etwas höherer) Nachbar Popocatépetl nicht aktiv (zumindest gab es im Holozän noch keine Eruption) und auch nicht kegelförmig. Es handelt sich um einen langen Rücken mit einer ganzen Reihe von (mehr oder weniger erkennbaren) Kratern. Der Name bedeutet „schlafende Frau“ wobei die beiden höchsten Gipfel die Brüste darstellen sollen und die diversen Nebengipfel Kopf, Bauch und Fuß. Sie liegt ausgestreckt genau in einer Linie mit dem Popocatépetl. Da man dem großen aktiven Bruder derzeit nicht einmal Nahe kommen darf, ist sie ein beliebtes Ziel, zumal man sehr schöne Blicke auf den Popocatépetl hat.

Iztaccíhuatl von Cholula
Iztaccíhuatl von Cholula (links der „Fuß“, Mitte „Bauch“ und „Brüste“, rechts der „Kopf“ und wie ein Kissen Monte Tláloc)

Vom Nevado de Toluca kommend muss ich quer durch Mexiko-Stadt, was so lange dauert, dass ich schon fürchte, dass alles zu spät ist, zu spät, um im Büro in Amecameca (am Fuß der Passstraße) ein Permit für den Nationalpark zu bekommen, oder weil (so das Internet) die Schotterpiste vom Pass zum Ausgangspunkt La Joya nur bei Tageslicht offen sein könnte. Ich wollte die Stadt auf einer Schnellstraße umfahren , wurde aber bei der ersten Mautstelle herausgewunken, weil diese nur mit Telepass funktioniert. Dann Stunden in verstopften Straßen, durch mehrere Unfälle zusätzlich ausgebremst. Ich will statt durchs Zentrum möglichst schnell nach Süden hinaus und auf kleineren Straßen am Stadtrand entlang. Ersteres klappt halbwegs, aber später sind immer wieder Straßen gesperrt und ich irre Zickzack durch arme Viertel. Stellenweise ist die Straße in schräg gestellte Blöcke zerbrochen, ich sehe auch viele zerstörte Häuser. Vermutlich das Erdbeben.

Iztaccíhuatl
Iztaccíhuatl von einem Hügel bei den Funktürmen. Links „Brüste“ und „Bauch“, rechts „Kopf“, die Biwakhütte ist im Joch, La Joya am kleinen Rücken links im Mittelgrund

Jedenfalls bekomme ich mein Permit zwar nicht unten, aber problemlos auf dem Pass, die Schranke ist noch offen und ich rumple hinauf zum Parkplatz La Joya, wo ich in etwas unter 4000 m Höhe eine kurze Nacht im Mietwagen verbringe.

Um 3 Uhr laufe ich im Schein der Stirnlampe los. Ein kurzes Stück flach bis zum eigentlichen La Joya, dort scharf rechts auf einem Pfad aufwärts. Der Weg schlängelt sich ansteigend um die Felsen eines (dem Kopf der Frau vorgelagerten) Bergrückens. Am letzten Joch passiere ich die Biwakschachtel (nach 2h30, in Reiseführern steht 3 bis 5 h), dann geht es steiler aufwärts.

Iztaccíhuatl
Von einem Nebengipfel des Iztaccíhuatl zum nächsten: Der zweithöchste Gipfel ist auf der anderen Seite des Gletschers, der höchste noch hinter diesem versteckt

In der Morgendämmerung ist der Popocatépetl deutlich zu sehen, er grüßt mit einer kleinen Ascheeruption. Ich mache schnaufend immer kleinere Schritte, aber die Akklimatisierung am Nevado de Toluca zahlt sich aus und bald stehe ich auf dem ersten Nebengipfel in über 5000 m Höhe (1 h 30 vom Biwak). Hier ist der Blick vielleicht am Besten. Der Hauptgipfel ist aber noch weit, mehr als 2 h, es geht von einem Nebengipfel zum nächsten (dem „Bauch“). Schließlich muss man einen kleinen Gletscher überqueren, der einen Krater füllt. Er ist weitgehend flach, aber für das erste Stück sollte man Steigeisen dabei haben.

Iztaccíhuatl
Und noch ein Gletscher im Krater zwischem dem zweithöchsten (Standort) und dem höchsten (hinten rechts) Gipfel

Es folgt ein geschwungener Rücken aus bunt alteriertem Gestein, über den man endlich den südlichen der beiden Hauptgipfel erreicht. Zum etwas höheren nördlichen Rücken muss man einen weiteren, diesmal völlig flachen Gletscher überqueren.

Iztaccíhuatl
Blick zurück vom Hauptgipfel des Iztaccíhuatl

Abwärts bin ich natürlich schneller und komme nachmittags am Parkplatz an, wo ich erst mal an einem Imbiss Tacos bestelle… Und dann bleibe ich noch eine Nacht im Nationalpark, um noch ein paar Fotos der beiden Vulkane, „Popo“ und „Itzi“, zu schießen.

Popocatépetl
Popocatépetl

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Nevado de Toluca

Gratwanderung mit Blick auf zwei Kraterseen am vierthöchsten Berg in Mexiko

Krater des Nevado de Toluca mit Laguna del Sol und Laguna de la Luna
Krater des Nevado de Toluca

Der Vulkan Nevado de Toluca (4704 m) hat zwei schöne, durch einen Lavadom getrennte Seen in seinem Krater. Ein scharfer Grad mit den höchsten Gipfeln umgibt den Krater halbmondförmig. Daneben, durch einen Pass getrennt, ein weniger schroffer Gipfel und das letzte Segment des Kraterrands ist etwa auf dem Niveau der Seen. Eigentlich führt die Schotterpiste hier bis in den Krater, man darf aber nur bis zur meteorologischen Station fahren, etwa 150 Höhenmeter unterhalb des Passes.

Popocatépetl vom Nevado de Toluca
Popocatépetl vom Nevado de Toluca

Vom Parkplatz aus wandere ich in der Abenddämmerung zur Akklimatisierung über den Pass zum kleineren Mondsee und zurück, bevor ich eine sehr kalte Nacht im Mietwagen verbringe.

Pico del Águila
Pico del Águila

Die vermutlich schönste Route zum Hauptgipfel ist vom Pass aus den Grat folgend über diverse Nebengipfel: Eine schöne Gratwanderung mit hin und wieder leichter Kraxelei (Ende November, der „Nevado“ ist gerade schneefrei). Etwa 2 h brauche ich zum zweithöchsten, Pico del Águila, nochmals etwas mehr als 1 h zum höchsten Gipfel, Pico del Fraile.

Nevado de Toluca, Blick vom Hauptgipfel
Nevado de Toluca, Blick vom Hauptgipfel

Die Fortsetzung den Grat hinab hätte richtige Kletterstellen. Ich nehme den einfachen Weg: Zurück zum nächsten Joch und dann durch steilen Schotter mehr rutschend als gehend in direkter Linie zum Sonnensee. Dies ist quasi der Hauptweg und mir kommen zwei Gruppen entgegen. Mir tun alle leid, die sich hier hinauf wühlen, statt der nur wenig längeren, aber viel angenehmeren Route über den Grat. Von den guten Blicken ganz abgesehen.

Laguna del Sol im Krater des Nevado de Toluca
Laguna del Sol im Krater des Nevado de Toluca, im Hintergrund der Hauptgipfel

Im Krater nur noch am See entlang und dann über den Pass zum Auto (wobei ich auf Busladungen von Wochenendausflüglern treffe). Den Rest des Tages verbringe ich im Auto auf dem Weg zum Iztaccíhuatl.


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Taxco

Eine malerische Altstadt voller Silberschmiede (Mexiko)

Taxco
Taxco: Santa Prisca von Guadalupe

Die Silberstadt Taxco klebt an einem hügeligen Berghang: Ein Labyrinth aus engen Gassen und Treppen, auf und ab zwischen leuchtend weißen Häusern und immer wieder hübschen Ausblicken. Und im Zentrum eine besonders schöne Barockkirche. Bergbau wird hier nicht mehr betrieben (ich sehe zwei Fördertürme), umso aktiver sind zahlreiche Silberschmiede und Schmuckläden. Noch verwinkelter sind die engen Marktgassen unterhalb der Kirche.

Für gute Ausblicke lohnt sich der Weg hinauf zum Kirchlein Guadalupe und (noch deutlich höher) zur Christusstatue.

Ein merkwürdiger Kontrast zu diesem touristischen Pueblo Magico (wie in Mexiko solche romantischen Orte vermarktet werden) sind die Militärjeeps, die mit Maschinengewehr im Anschlag patrouillieren. Der „Krieg gegen Drogen“, von dem ich bisher kaum etwas mitbekommen hatte, scheint nicht weit zu sein.


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Mexiko-Stadt und Umgebung

Erstklassige Museen, das historische Zentrum und Ausflüge zu Pyramiden und Ruinen

Sonnenpyramide, Teotihuacán
Sonnenpyramide, Teotihuacán

In der Megacity Ciudad de Mexico interessieren mich neben dem historischen Zentrum und quirligen Märkten vor allem die zahlreichen erstklassigen Museen. Allein im Nationalmuseum für Anthropologie verbringe ich einen kompletten Tag und bewundere Kunstwerke der Azteken, Tolteken, Zapoteken, Mixteken, Olmeken, Mayas, von Teotihuacán usw. Wie viele Hochkulturen es in Zentralamerika gab, war mir vor dieser Reise nicht bewusst. Ihre Skulpuren, Keramiken, Fresken und Schmuckstücke sind beeindruckend schön und vielfältig, zum Teil auch ganz schön gruselig.

Noch mehr von den Azteken sehe ich im Museum am Templo Mayor. Die Reste des wichtigsten Tempels ihrer Haupstadt Tenochtitlán wurden am Zócalo direkt neben der Kathedrale ausgegraben. Immer wieder haben die Azteken die Pyramide mit einer größeren überbaut, entsprechend sind wie Zwiebelschalen die Grundmauern von 7 Pyramiden zu sehen.

Kathedrale in Mexiko-Stadt
Kathedrale in Mexiko-Stadt

Die Kathedrale nebenan (Renaissance, Barock) beeindruckt auch, wobei ihr die blutige Geschichte nicht anzusehen ist. In der Umgebung sind immer wieder Gebäude mit schiefen Wänden zu sehen, die ehemalige Seelandschaft gibt eindeutig keinen guten Baugrund ab.

Treppenhaus in der Post
Treppenhaus in der Post

Ein Tag in südlichen Stadtteilen dreht sich um Frida Kahlo und Diego Rivera. Ich beginne mit der Casa Azul, in der Frida Kahlo einen großen Teil ihres Lebens lebte, zeitweise auch Diego Rivera (und kurz auch Leo Trotzki). Ein großzügiger Altbau mit großem grünem Innenhof, mit einigen Bildern der beiden, Fotos, der Rollstuhl vor der Staffelei…

Ein paar Straßen weiter befindet sich das viel spartanischere Haus von Leo Trotzki. Es war von einer hohen Mauer mit Wachturm umgeben und hatte gepanzerte Türen, was bekanntlich nicht half. Trotzki hatte ein damals sicherlich hochmodernes Diktiergerät, ein großer Kasten, der das Diktat auf Wachstrommeln aufzeichnete, ein ähnlicher Kasten im Sekretariat spielte es wieder ab. Ansonsten ist die Einrichtung sehr einfach, auch was die Ausstattung des Museums betrifft.

Im Nachbarstadtteil befindet sich das Museo Casa Estudio Diego Rivera y Frida Kahlo, wo er lange wohnte und sie kurz. Besichtigen konnte ich nur sein Atelier. Es handelt sich um drei interessante frühmoderne Häuser — viel Glas, außen Wendeltreppen aus Beton, eine Brücke zwischen seinem und ihrem Haus — gebaut von einem befreundeten Architekt, der im dritten Haus wohnte.

Weiter südlich spaziere ich über den Campus der Universität (UNAM), die fast 10-mal mehr Studierende hat als sogenannte Massenuniversitäten bei uns. Die moderne Architektur der 1950er galt als wegweisend, interessant ist insbesondere die mit Mosaiken verkleidete Bibliothek.

Mit einem Vorortzug fahre ich noch weiter nach Süden zum Museo Dolores Olmedo. In einer ehemaligen Hacienda ist eine sehr gute Sammlung mit Bildern von Diego Rivera und Frida Kahlo zu sehen.

Frida Kahlo teilt die Waffen ans Proletariat aus… Wandbild von Diego Rivera im Bildungsministerium

Beeindruckend sind auch die Murales (Wandbilder) von Diego Rivera in repräsentativen Gebäuden im Zentrum, beispielsweise im Nationalpalast oder im Bildungsministerium. In Letzterem dreht sich ein ganzer Zyklus um den Klassenkampf: bewaffnete Arbeiter, die unter roten Fahnen ihr Schicksal in die Hand nehmen. Erstaunlich, dass er in einem Regierungsgebäude derartige Propagandabilder voller roter Sterne malen konnte: Wenige Jahre nach der mexikanischen Revolution, in der zwar Pancho Villa und Emiliano Zapata für „Land und Freiheit“ kämpften, letztlich aber doch nur eine bürgerlich-liberale Republik herausgekommen ist.

Das Museo Soumaya zeigt, was herauskommt, wenn ein Superreicher mit seiner Privatsammlung angeben will. Die Architektur ist gewollt spektakulär (zu gewollt) und der Inhalt sieht teuer aus, aber zusammengewürfelt. Es gibt großartige Kunst (z.B. El Greco, Filippo Lippi, Rufino Tamayo, Rodin) zwischen sehr vielen mittelmäßigen Bildern (auch wenn z.T. ein Name wie Degas darunter steht). Muss wirklich eine ganze Etage voller Venedigbilder sein? Eine weitere voller chinesischer Elfenbeinschnitzereien, eine voller Silberlöffel und Münzen?

Besser gefallen mir: Museo Jumex, Museo Rufino Tamayo, Museo del Arte Moderno, Museo Mural Diego Rivera, Palacio de Bellas Artes.

Meteoriten, Palacio de Minería
Meteoriten, Palacio de Minería

Sehr beeindruckend finde ich zudem die vier riesigen Meteoriten, die am Eingang des Palacio de Minería stehen, der größte mehr als 14 t schwer.

Sonnenpyramide, Teotihuacán
Sonnenpyramide, Teotihuacán

Doch auch die Umgebung von Mexico City hat einiges zu bieten. Ein richtiges Highlight ist ein Tagesausflug „zu den Pyramiden“, nach Teotihuacán. Dies war die erste richtige Großstadt in Amerika, vom 1. bis zum 8. Jh. Die um 150 gebaute Sonnenpyramide ist die weltweit drittgrößte (nach Cholula und der Cheopspyramide).

Mondpyramide, Teotihuacán
Mondpyramide, Teotihuacán

Etwas kleiner und fast schöner ist die Mondpyramide. Es gibt freilich viel mehr zu sehen, die vom Plattformen umgebenen Plätze, Reliefs an Säulen und Wänden, sehr interessante Fresken und eine kleine Stufenpyramide, aus deren Wänden immer wieder der Kopf der gefiederten Schlange ragt.

Tempel des Quetzalcóatl, Teotihuacán
Tempel des Quetzalcóatl, Teotihuacán

Allein war ich hier nicht gerade: Ich hatte zufällig einen Feiertag erwischt und die alte Hauptstraße war voll wie ein Marktplatz. Nachmittags schob sich ohne Pause auf ganzer Treppenbreite zur Spitze der großen Pyramide hinauf und wieder hinunter, ihr Schwanz reichte an der Basis entlang ein Viertel um die Pyramide herum. Oder war dies Quetzalcóatl, die gefiederte Schlange?

Teotihuacán, Blick von der Mondpyramide

Tula war die Metropole der Tolteken, zeitlich zwischen Teotihuacán und den Azteken. Zu sehen gibt es vor allem die auf der kleinen Pyramide stehenden vier riesigen Atlanten, so genannt, weil sie einst das Dach des Tempels trugen (nur die mittleren sind original, der linke steht im Nationalmuseum in Mexiko-Stadt).

Atlanten in Tula
Atlanten in Tula

Für Krieger sind sie sehr merkwürdig gekleidet: Mit einer sehr kurzen Schütze und nacktem Hintern. Dazu ein Schild in Schmetterlingsform vor der Brust und ein hoher Federschmuck auf dem Kopf.

Atlanten in Tula
Atlanten in Tula

Auf dem Weg nach Tula lohnt ein Halt in Tepotzotlán, wo es mal wieder eine prachtvolle Barockkirche gibt und daneben ein Kloster (Museum).

Schließlich mache ich noch einen Tagesausflug nach Taxco (mehr als 3 h entfernt). Und als letzte Höhepunkte besteige ich die Berge Nevado de Toluca und Iztaccíhuatl.


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