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Meke Gölü als Titelbild

Grundlagen der GeologieDemnächst erscheint die 5. Auflage des Lehrbuchs Grundlagen der Geologie von Bahlburg und Breitkreuz, für die ich als Lektor für die Redaktion verantwortlich war. Zu helfen, ein sehr gutes Buch noch besser zu machen ist eine schöne Arbeit, hinzu kommt, dass mein Foto vom türkischen Vulkan Meke Gölü als Titelbild ausgewählt wurde. Hier steht ein Schlackenkegel im Zentrum eines etwas älteren Maars, das wiederum von einem flachen Salzsee gefüllt ist. Übrigens war schon auf der 4. Auflage ein Foto von mir auf dem Cover: die Lagunas Cotacotani und die Vulkane Pomerape und Parinacota im Lauca-Nationalpark in Chile.

Schwimmende Salzkristalle

Wie Boote schwimmen manchmal merkwürdig geformte Salzkristalle auf Salzseen oder in Salinen: hopper halite oder fleur de sel.

hopper halite
Schwimmende Salzkristalle (hopper halite), jeweils ein paar mm groß

Wird salzhaltiges Wasser soweit eingedampft — durch Menschen in einer Saline zur Gewinnung von Meersalz oder natürlich an Salzseen und Salaren –, dass es an NaCl (Halit, Kochsalz) und möglicherweise auch anderen Salzen gesättigt bzw. übersättigt ist, fällt dieses in Form fester Kristalle aus. Normalerweise sind Halitkristalle würfelförmig und sie sind natürlich schwerer als das Salzwasser und befinden sich somit am Grund (wobei größere Würfel die Ausnahme sind).

Trotzdem sind manchmal auf der Wasseroberfläche schwimmende Kristalle oder kleine „Salzflöße“ zu sehen. Dieses Phänomen tritt auf, wenn die Verdunstung besonders stark ist und kein Wind die schüsselförmigen Kristalle wieder versenkt. In diesem Fall ist die Salzkonzentration direkt an der Wasseroberfläche besonders hoch und es kommt bevorzugt an der Grenzfläche Salzwasser-Luft zur Keimbildung (Nukleation) von Salzkristallen.

Mehr über Salz (einschl. Salzseen und Salare) findet sich in meinem Buch Die Welt der Rohstoffe.

Eine übersättigte Lösung befindet sich in einem chemischen Ungleichgewicht, sie enthält mehr vom betreffenden Stoff (z.B. Salz), als eigentlich unter entsprechenden Bedingungen (insbes. Temperatur) im Lösemittel (z.B. Wasser) gelöst sein können. Das ist nur möglich, wenn die Keimbildung der Kristalle aus irgendeinem Grund nicht bzw. erst verzögert stattfindet. Sobald diese einsetzt, kristalliert sehr schnell so viel des Stoffes aus, bis das chemische Gleichgewicht wieder hergestellt und die Lösung genau gesättigt ist.

Genau das kann auch an der Oberfläche von Salzwasser passieren. Aufgrund der besonders starken Übersättigung wachsen aber keine normalen würfelförmigen Kristalle heran, sondern „Boote“ in Form einer Pyramide, deren Spitze nach unten zeigt. Der ursprüngliche Nukleus des Kristalls befindet sich in der Pyramidenspitze. Auf Englisch werden solche Kristalle passend als hopper crystals bezeichnet, in diesem Fall also hopper halite, wobei hopper „Schüttgutbehälter“, „Ladewanne“ u.ä. meint. Einen passenden deutschen Begriff gibt es leider nicht (längliche Hopperkristalle, insbesondere von Ammoniummagnesiumphosphat, werden oft als „sargdeckelförmige Kristalle“ bezeichnet).

Wie gesagt bestehen diese Kristalle auf dem ersten Blick aus vier Pyramidenflächen. Sieht man genauer hin, erkennt man, dass diese Flächen in Wirklichkeit aus kleinen Stufen bestehen. Die Flächen dieser Stufen entsprechen kristallographisch den Würfelflächen. Beim sehr schnellen Wachstum aus der stark übersättigten Lösung lagern sich nämlich neue Ionen nicht gleichmäßig auf einer Würfelfläche an (was einen normalen würfelförmigen Kristall erzeugen würde), sondern bevorzugt in der Nähe der Kanten. Entlang der Kante bildet sich so eine Stufe heraus.

Beim langsamen Wachstum passiert übrigens das genaue Gegenteil, die Anlagerung vor einer Stufe ist nämlich energetisch am günstigsten. Das führt zum Verschwinden einer Stufe auf der Kristallfläche, die somit selbst im atomaren Massstab während des Kristallwachstums nahezu eine Fläche bleibt. Beim schnellen Wachstum eines Hopperkristalls erfolgt der „Anbau“ mit Ionen an einer energetisch ungünstigen Position, einfach weil dort der Nachschub mit weiteren Ionen schneller ist. Die (elektrisch geladenen) Ionen der Kante können besser passende (entgegengesetzt geladene) Ionen anziehen, als die Ionen einer Fläche.

Das Ergebnis ist, dass aus dem winzigen Keimkristall ein Hopperkristall heranwächst, der dank seiner Schüsselform so viel Wasser verdrängt, dass er schwimmt und somit dort bleibt, wo die idealen Wachstumsbedingungen herrschen. Mit der Zeit können viele dieser Kristalle zu einem „Floß“ zusammenwachsen. Manchmal (z. B. bei Wind) versinken sie aber auch und wachsen auf dem Grund weiter (und evtl. zu normalen Würfeln heran).

Da die Hopperkristalle im Vergleich zu normalem Salz schön „crunchy“ sind, gelten sie in manchen Ländern als Delikatesse. Bei fleur de sel („Salzblume“) aus Frankreich handelt es sich um Hopperkristalle, die per Hand in Salinen gesammelt werden.

Das Bild oben zeigt schwimmende Hopperkristalle in einem kleinen Salzwasserloch eines Salars in Argentinien namens Salinas Grandes del Noroeste.

Übrigens tritt ein ähnliches Phänomen manchmal bei der Kristallisation aus einer Schmelze bzw. aus einem Magma auf. Ist eine Schmelze stark unterkühlt (d.h. unter dem Liquidus) und dabei die Keimbildung der Kristalle unterdrückt, kommt es irgendwann plötzlich zu einer sehr schnellen Kristallisation. Betrachtet man einen Dünnschliff eines entsprechenden magmatischen Gesteins unter dem Mikroskop, sind dann z.B. „skelettförmige“ Hopper-Olivine zu sehen (Donaldson 1976, Contrib Min Petr). So etwas hatte ich in einem Olivin-Melilithit in meiner Diplomarbeit.

Kühlt man eine Schmelze des Metalls Bismut (Bi) ab, entstehen ebenfalls Hopperkristalle, die in diesem Fall wie ineinander verschachtelte Würfel aussehen. Solche bunt angelaufene synthetische Bismutkristalle werden oft in Mineralienläden und Museumsshops verkauft.

Bindestrich oder zusammenschreiben? Ein kurzer Leitfaden für Naturwissenschaftler

Viele Autoren schreiben Zusammensetzungen am Liebsten mit Bindestrich, scheinbar fürchten Sie sich vor langen Wörtern. Was ist aber richtig? Tatsächlich können wir es uns nicht einfach aussuchen, ob wir ein Wort mit oder ohne Bindestrich schreiben: Der Duden formuliert hierzu klare Regeln.

Fast immer ohne Bindestrich

Wichtigste Regel ist, kurz gesagt, dass im Deutschen alles, was zusammengeschrieben werden kann, auch zusammengeschrieben wird. Auch wenn das Ergebnis sehr lange Wörter sind.

Kohlenstoffisotopenverhältnis, kollapsbedingt, chromreich, säurehaltig, Kaliumkation, Wasserstoffbrückenbindung, Methyldiethanolamin, Natriumhydroxidlösung, Standardwasserstoffelektrode, Diethylentriaminpentaessigsäure, Standardreaktionsenthalpie.

Das gilt auch, wenn dabei zwei gleiche Buchstaben oder zwei Vokale aufeinandertreffen (Energieerzeugung, Klimaanlage, Leseunfähigkeit). Bei drei Vokalen ist ein Bindestrich möglich, die Zusammenschreibung jedoch vom Duden empfohlen (Kaffee-Ersatz, empfohlen Kaffeeersatz).

In besonders unübersichtlichen Fällen kann ein Bindestrich gesetzt werden, Zusammenschreibung wird aber trotzdem empfohlen (Flüssigwasserstoff-Tank und Flüssigwasserstofftank, Lithium-Ionen-Akkumulator und Lithiumionenakkumulator). Außerdem ist manchmal ein Bindestrich möglich (oder gar empfohlen), um Missverständnisse zu vermeiden (Druck-Erzeugnis, Drucker-Zeugnis).

Wir sehen gleich, unter welchen Ausnahmen Bindestriche gesetzt werden müssen.

Niemals mit Bindestrich sind Verbindungen mit „nicht“: richtig ist „nicht amtlich“ (empfohlen, oder alternativ „nichtamtlich“), „nicht blau“, „nichtberufstätig“, „Nichtangriffspakt“, „Nichtanerkennung“. Man schreibt in einem Wort, wenn dieses „klassenbildend“ ist, ansonsten getrennt in zwei Wörtern.

Mit Bindestrich: Verbindungen mit Namen

Begriffe, die aus einem Namen und einem Begriff zusammengesetzt sind, werden in der Regel mit Bindestrich geschrieben.

Schrödinger-Gleichung, Lewis-Säure, Mohs-Härte, Linde-Verfahren, Babinski-Reflex, Van-der-Waals-Kräfte

Hier gibt es wiederum Ausnahmen, nämlich wenn es sich bei diesem Begriff um eine Gattungsbezeichnung handelt. Daher werden Bunsenbrenner, Erlenmeyerkolben, Ottomotor und Röntgenstrahlung zusammengeschrieben.

Vorsicht: Bei Verknüpfungen mit geographischen Namen werden in der Regel keine Bindestriche gesetzt: Rheintal, Gangesdelta, Südostasien, Nordspanien. Ggf. kann alternativ ein Bindestrich gesetzt werden (Betonung, schwer lesbare Verknüpfungen, Verknüpfungen mit kaum bekannten Lokalitäten). Natürlich gibt es auch geographische Namen mit Bindestrichen: Baden-Württemberg, Berlin-Kreuzberg, Basel-Stadt.

Gleichrangige Adjektive

Bei eng zusammengehörigen gleichrangigen Adjektiven wird ein Bindestrich gesetzt: mathematisch-physikalisch, falsch-positiv, deutsch-englisches Wörterbuch, rot-blau gestreiftes Kleid, minimal-invasiv.

Aber: lauwarm, hellrot, rotbraun, afroamerikanisch, galloromanisch, schweizerdeutscher Dialekt

Bindestrich als Betonung

Ein Bindestrich kann zur Betonung eines Wortteils verwendet werden. Zum Beispiel ist bei Ich-Sucht das Ich stärker betont als bei Ichsucht. Ähnliches ist bei Wortspielen beliebt, etwa wenn mit „Eis-Zeit“ gar nicht eine Eiszeit der Erdgeschichte gemeint ist.

Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Abkürzungen/Ziffern/Einzelbuchstaben

Verbindungen mit Abkürzungen: ABC-Alarm, Dipl.-Min., Kfz-Papiere, SW-Frankreich usw. sind natürlich mit Bindestrich (aber: Hausnr., Sachverz., also wenn nur das Ende abgekürzt ist).

Mit Einzelbuchstaben: x-tes Mal, n-te Potenz, x-Achse, i-Punkt.

Verbindungen mit Ziffern sind fast immer mit Bindestrich: 5-mal, 70-jährig, 3-gliedrig.

Ausnahme: Ziffer + Suffix ist ohne Bindestrich, 4fach (aber: n-fach), 7 %ig, 68er (20er-Jahre).

Mit Bindestrichen durchkoppeln

Werden ganze Wortgruppen verknüpft (Masse-zu-Ladungs-Verhältnis, Mund-zu-Mund-Beatmung) oder ist eine Zusammenschreibung aus logischen Gründen nicht möglich (insbes. wenn es sowohl um das eine als auch um das andere geht), wird die gesamte Verknüpfung mit Bindestrichen „durchgekoppelt“.

Kreide-Tertiär-Grenze, Dipol-Dipol-Wechselwirkung, H-C-H-Winkel (bei Kohlenwasserstoffen), Energie-Entropie-Konzept, Entladungs-Ladungs-Zyklen von Akkus, d-d-Elektronenübergang, Finite-Differenzen-Lösung, 5-Punkte-Skala, Magen-Darm-Trakt, Nord-Süd-Richtung, N-S-Richtung, Main-Donau-Kanal, d-Block-Elemente, Flüssig-Flüssig-Extraktion.

Auch bei Ziffer + Einheit + Grundwort: 1000-°C-Isotherme, 1-Liter-Messkolben, 500-ml-Erlenmeyerkolben, 5-min-Takt (bei 90°-Winkel nur ein Bindestrich, da zwischen Ziffer und Winkelgrad kein Leerzeichen steht: 90°, anders als z. B. 1 m).

Ebenso Zusammensetzungen aus mehrteiligen Namen/Begriffen: El-Niño-Ereignis („El Niño“ + „Ereignis“), Sankt-Gotthard-Tunnel, Rio-de-la-Plata-Mündung, Vitamin-D-Zufuhr.

Chemische Verbindungen

Die Nomenklatur der Chemie hält sich nicht an den Duden, sondern orientiert sich an internationalen Standards. Aber auch hier werden Bindestriche nur sparsam und vor allem systematisch eingesetzt.

Insbesondere in der organischen Chemie werden sogenannte Deskriptoren und Lokanten häufig verwendet, die mit einem Bindestrich vom übrigen Namen getrennt werden. Diese beschreiben insbesondere die Konfiguration bzw. Geometrie eines Moleküls, was dann wichtig ist, wenn es verschiedene Moleküle gleicher Zusammensetzung gibt, die sich geometrisch unterscheiden. Bei trans-1,2-Dimethylcyclohexan ist „trans-“ ein Deskriptor und meint „auf der gegenüberliegenden Seite“, „1,2“ ist ein Lokant und bedeutet, dass die Methylgruppen an benachbarten Ecken des Rings aus 6 Kohlenstoffatomen hängen.

Viele Deskriptoren werden kursiv und klein geschrieben, bei anderen handelt es sich um griechische Buchstaben oder lateinische Buchstaben in Klammern o. ä.

Beispiele:

  • cis- und trans- (cis-Isomer);
  • n-, iso-, cyclo-, neo- (iso-Pentan);
  • o-, m-, p- bzw. ortho-, meta-, para- (o-Xylol = ortho-Xylol);
  • meso-Weinsäure.

Typische Lokanten sind arabische Zahlen (1,2,3-Trichlortrisilan) oder aber kursiv gesetzte Elementsymbole (N-Ethyl-N-nitrosoharnstoff).

Bei Komplexen werden Brückenliganden mit μ gekennzeichnet, das ebenfalls mit Bindestrich(en) abgetrennt wird: μ-acetato, Tri-μ-chloro…

In Komplexsalzen wird zwischen dem Namen des Kations und dem Namen des Anions ein Bindestrich geschrieben:
Kalium-hexacyanoferrat(III)
„Normale“ Salze wie Kaliumchlorid werden aber zusammengeschrieben.

Nach einer Angabe der Oxidations- oder Ladungszahl in Klammern wird meist ein Bindestrich gesetzt: Eisen(III)-chlorid, Kupfer(I)-oxid.

Psychologie

Einige Begriffe der Psychologie sind mit Bindestrich, wie Über-Ich, Es-Anteile.

Fremdwörter

Eingedeutschte (insbes. wenn sie im Duden stehen) bzw. im betreffenden Fachgebiet häufig verwendete Fremdwörter werden wie deutsche Wörter behandelt. Ansonsten werden seltenere Begriffe in anderen Sprachen meist in Originalschreibweise entweder in Anführungszeichen oder kursiv gesetzt.

Bei Verbindungen von Fremdwort/-wörtern mit deutschen Wörtern gelten die normalen Regeln oben. Also wenn möglich immer zusammenschreiben: Borderlinestörung, Laserstrahl, psychosomatisch, physikochemisch, sozioökonomisch, hemipelagisch, periglazial, Outdoorkleidung, Hotspotvulkan. Und ansonsten mit Bindestrichen „durchkoppeln“: Multiple-Choice-Aufgabe, High-Spin-Komplex, Hot-Spot-Vulkan.

Bei Verbindungen aus zwei Fremdwörtern empfiehlt der Duden meist Zusammenschreibung:

  • Zwei engl. Substantive: Empfohlen wird Zusammenschreibung, Economyclass, Shoppingcenter; alternativ ist Bindestrich möglich (dabei beide Substantive großschreiben): Economy-Class. Der Bindestrich wird bei schwer lesbaren Verbindungen empfohlen: Desktop-Publishing.
  • Verb + x: Empfohlen wird Zusammenschreibung, Hangover, Blackout, Feedback, Comingout; Alternativ ist Bindestrich möglich, Black-out, Feed-back etc.
  • Vorsicht Ausnahme: Bei Adjektiv + Substantiv ist Zusammenschreibung nur möglich (und dann vom Duden empfohlen), wenn die Hauptbetonung auf dem ersten Teil liegt: Hotspot, Blackbox. Alternative ist getrennt (kein Bindestrich!) Hot Spot, Black Box. In allen anderen Fällen ist nur mit Leerzeichen möglich: Top Ten, High Fidelity

Ergänzungsstrich

Der Vollständigkeit halber sei noch der Bindestrich als Ergänzungsstrich erwähnt, bei Auslassungen wie in „Tier- und Pflanzenarten“.


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Wissenschaftliche Texte formatieren

Iguazú-Wasserfälle

An den vielleicht spektakulärsten Wasserfällen der Erde (Argentinien/Brasilien)

Eine ganze Landschaft von tosenden weißen Vorhängen aus Wasser, die sich von allen Seiten in eine 80 m tiefe Schlucht aus schwarzem Basalt stürzen. An den Felsen der Inseln, die zwischen den 20 großen und etwa 200 kleineren Wasserfällen liegen, klammert sich ein üppiger Regenwald. Die Gischt sorgt für ein feuchtes, fast tropisches Klima in einer Region, die normalerweise heiß-trocken wäre. Nur wenige Wasserfälle der Erde sind mit diesem Naturschauspiel an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien auch nur annähernd zu vergleichen.

Wer dieses Schauspiel bewundern will, darf allerdings nicht erwarten, dort alleine zu sein. An den Aussichtspunkten drängeln sich so viele Touristen, die einen Selfie vor den besten Punkten wollen, dass man für einen kurzen Moment am Geländer lange anstehen muss. Insbesondere auf der brasilianischen Seite sind die Plattformen klein und platzen aus allen Nähten, auf der argentinischen Seiten verläuft es sich etwas.

Der Ort Puerto de Iguazu (Argentinien) liegt wenige Kilometer flussabwärts an der Mündung des Iguazu in den Paraná (der die Grenze nach Paraguay bildet). Von hier aus wenige Kilometer den Paraná hinauf liegt die brasilianische Stadt Foz do Iguaçu und am anderen Ufer die Stadt Ciudad del Este in Paraguay.

Iguazu (brasilianische Fälle von der argentinischen Seite)
Iguazu (brasilianische Fälle von der argentinischen Seite)

Es lohnt sich auf jeden Fall, beide Seiten der Wasserfälle zu besuchen. Von Puerto Iguazu fährt alle 20 min ein Bus zum argentischen Visitor Center und alle Stunde ein Bus über die Grenze zum brasilianischen Eingang. Auf beiden Seiten ist das Licht vormittags besser — soweit die Sonne überhaupt zwischen den Wolken durchkommt.

Für die argentinische Seite sollte man einen ganzen Tag planen. Leider muss man hier mehrfach lange auf einen langsamen Bimmelzug warten, weil (angeblich wegen der Pumas) die entsprechenden Fußwege gesperrt sind. Vom mittleren Bahnhof aus gibt es zwei Rundwege. Der untere ist besonders schön, er führt etwa auf halber Höhe durch den unteren Teil der Schlucht, mit ständig wechselnden Ausblicken auf Wasserfälle auf beiden Seiten. Wer Glück hat kann von diesem Weg aus auch auf die zwischen großen Fällen gelegene Insel San Martin übersetzen, von deren oberen Ende sich ein grandioser Blick bieten muss, in unserem Fall war die Insel gesperrt. Der völlig flache obere Rundweg führt vom mittleren Bahnhof aus auf Stegen an der Kante entlang von einem Fall zum nächsten. Eine weitere Fahrt mit der Bahn bringt einen zu einem langen Steg, über den man den größten und gewaltigsten Wasserfall erreicht, den Garganta del Diablo. Die Schlucht ist hier dermassen mit weißer Gischt gefüllt, dass er wie in eine Wolke hinein fällt. Er befindet sich am obersten Ende der Schlucht und bildet die Grenze zwischen beiden Ländern.

Iguazu (brasilianische Seite)
Iguazu (brasilianische Seite)

Für die brasilianische Seite reicht ein halber Tag, da es hier nur einen Weg gibt. Er führt zunächst an der Kante der Schlucht entlang und bietet dabei einen Überblick über die Wasserfälle auf der anderen Seite. Schließlich erreicht man auch hier einen Steg, der über eine Terrasse auf mittlerer Höhe führt, die sich zwischen zwei Stufen von Wasserfällen befindet. Wenn man an ihrem Ende einen Platz in der ersten Reihe ergattert, hat man einen gigantischen Blick in alle Richtungen — einschließlich auf den Garganta do Diablo (wie der größte auf portugiesisch heißt). Ein Aufzug bringt einen zur Straße mit den Bussen hinauf.

Iguazu (brasilianische Seite)
Iguazu (brasilianische Seite)

Die Basaltströme, in den sich der Iguazu einschneidet, haben übrigens auch eine interessante Geschichte. Sie gehören zu den Paraná-Etendeka-Flutbasalten, die heute durch den Atlantik zweigeteilt sind. Das Paraná-Gebiet umfasst weite Teile von Südbrasilien, Uruguay, Nordostargentinien und Südwestparaguay. Das kleinere Etendeka befindet sich im heutigen Namibia. In der Kreidezeit, vor ca. 127 Ma, als hier in geologisch kurzer Zeit ein mächtiger Lavastrom über den nächsten floss, waren beide Kontinente noch Teil des Großkontinents Gondwana. Nach der klassischen Theorie entstehen solche Flutlaven, wenn im Erdmantel heißes Material als sogenannter Diapir aufsteigt — und dessen pilzförmiger „Kopf“ in geringer Tiefe ankommt und große Mengen Basaltmagmen gebildet werden. Entlang von langen Spalten schossen regelrechte Lavavorhänge in die Höhe, einzelne Ströme flossen Hunderte von Kilometern weit. Erst später setzte der normale Hotspot-Vulkanismus (Vergleichbar mit Hawaii) ein, der die Vulkaninsel Tristan da Cunha im Südatlantik befeuert. Die vom Manteldiapir verursachte Krustendehnung dürfte für den Zerfall von Gondwana und das Aufreißen des Südatlantiks mit verantwortlich gewesen sein.

Iguazu (argentinische Seite)
Iguazu (argentinische Seite)

In diesen Flutlaven des Paraná-Plateaus bildeten sich später in Blasen die riesigen Amethystdrusen, die in vielen Museen und Mineralienläden in aller Welt stehen (fast alle kommen aus Brasilien oder Uruguay). Wie diese entstanden, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch Edelsteine in Kapitel 7.


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Quebrada de Humahuaca
Valles Calchaquíes (mit Quebrada de Cafayate, Cachi und Los Cardones)
Talampaya und Ischigualasto (Valle de la Luna)
Am Fuß des Aconcagua
Patagonien
Angel Fall (Venezuela)

Quebrada de Humahuaca

Ein geschichtsträchtiges Tal mit knallbunten Bergen, Kolonialstädtchen und vorkolonialen Ruinen in Nordwestargentinien

Purmamarca, Cerro de los Siete Colores
Purmamarca, Cerro de los Siete Colores

Das Tal Quebrada de Humahuaca führt von der Stadt Jujuy nach Norden zur Grenze nach Bolivien. In Kolonialzeiten war dies die wichtige Verbindung zwischen Potosi — die Bergbaustadt mit ihren Silberminen war damals etwa so groß wie London und das wirtschaftliche Gravitationszentrum der spanischen Kolonien — und Salta und Tucuman, die vor allem für die Versorgung von Potosi existierten. Besiedelt war das Tal aber bereits vor der Ankunft der Spanier, wie eindrucksvolle Ruinen beweisen. Hinzu kommen den außergewöhnlich farbenprächtigen Felsformationen — über die Geologie der ganzen Region schreibe ich einen eigenen Artikel. Kein Wunder, dass das Tal von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Man erreicht es von Salta aus recht schnell auf der Autobahn via General Güemes und Jujuy. Die direkte Straße von Salta nach Jujuy ist hingegen nicht zu empfehlen, das schmale Sträßchen windet sich in endlosen engen Kurven an einem bewaldeten Bergrücken entlang.

Der interessanteste Teil des Tals ist zwischen Purmamarca und Humahuaca. Purmamarca ist ein etwas touristisches Kolonialstädtchen, das 3 km aufwärts in einem Seitental am Fuß eines besonders bunten Hügels liegt, dem Cerro de los Siete Colores (Berg der sieben Farben). Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen zu Fuß zu umrunden (auf einem staubigen Sträßchen, „Paseo de los Colorados“, 3 km, ca. 1 h) und auch den als Aussichtspunkt dienenden kleineren Hügel am Dorfrand zu besteigen. Den besten Blick hat man allerdings, wenn man an der Dorfeinfahrt das Flussbett überquert und einen steilen Pfad den Berghang auf der gegenüberliegenden Seite hinauf folgt (möglichst im Morgenlicht).

In der eigentlichen Quebrada de Humahuaca weiter aufwärts folgt Hornillos. Die malerische rekonstruierte Poststation aus Kolonialzeiten hat hübsche Innenhöfe. Der nächste Ort ist Maimara, wo die östliche Bergflanke ebenfalls besonders bunt ist und „Paleta del Pintor“ genannt wird. Den besten Blick hat man am großen Kreisverkehr direkt an der Hauptstraße, über die Friedhof hinweg.

El Pucará, Tilcara
El Pucará, Tilcara

Es folgt Tilcara, wo die (teilweise rekonstruierten) Ruinen der präkolumbianischen Siedlung El Pucará umbedingt einen Besuch lohnen. Die kleinen Häuschen mit ihren schmalen Eingangspforten liegen auf dem Rücken eines Hügels, umgeben von Kakteen und einer schönen Landschaft. Aber auch der Ort selbst mit seinen Kolonialhäusern und Museen ist interessant.

Weiter aufwärts in Uquia haben wir Glück, die kleine Kirche ist ausnahmsweise offen und wir können die Gemälde betrachten, die die Erzengel in spanischer Rüstung und mit spanischen Waffen zeigen — ein beeindruckendes Beispiel kolonialer Propaganda. Schließlich kommen wir nach Humahuaca, ein angenehm untouristisches Kolonial- und Minenstädtchen.

Humahuaca
Humahuaca

An einem anderen Tag folgen wir von Purmamarca aus im Seitental der Straße Richtung Chile, mit eindrucksvoller Landschaft. Zunächst stechen quartäre Schotterterrassen und (hoffentlich nicht wörtlich) Kakteen ins Auge, bevor wir am Pass in den Nebel tauchen.

Westlich Purmamarca
Westlich Purmamarca (links hinter den Kakteen Quartär, ganz hinten rechts Neoproterozoikum)

Auf der anderen Seite erreichen wir bei blauem Himmel das Puna-Plateau, in der Ferne leuchtet schon strahlend weiß ein Salar. Wir fahren bis zu den Salinas Grandes del Noroeste. Dieser Salar erinnert mich an den Salar de Uyuni in Bolivien, ist aber deutlich kleiner und zur Salzgewinnung teilweise von Gräben durchzogen. Trotzdem beeindruckt die völlig flache weiße Fläche (s. a.: Schwimmende Salzkristalle).

Salinas Grandes del Noroeste
Salinas Grandes del Noroeste

Die Straße führt über das Puna-Plateau weiter bis nach San Pedro de Atacama (Chile), wir kehren aber um.

Valles Calchaquíes (mit Quebrada de Cafayate, Cachi und Los Cardones)

Bunte Schluchten, hübsche Kolonialstädtchen und Kakteen im Dreieck zwischen Salta, Cachi und Cafayate (Argentinien)

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Die Täler südwestlich und südlich von Salta sind ein touristischer Höhepunkt in Nordargentinien. Das Haupttal ist ein weites intramontanes Becken, mit den Anden auf der einen Seite und vorgelagerten Höhenzügen auf der anderen. Diesem Becken folgt die nur teilweise asphaltierte Kultstraße RN40, die bei hübschen Orten wie Cachi und Cafayate vorbei führt. Im Norden fließt der Rio Calchaquíes durch dieses Becken nach Süden, bis er in der Nähe von Cafayate nach Nordwesten abbiegt und unter dem Namen Rio de las Conchas in einer sehr schönen Schlucht (Quebrada de Cafayate oder Quebrada de las Conchas genannt) die Berge durchbricht (dieser Schlucht folgt die gut ausgebaute Hauptstraße zwischen Salta und Cafayate).

Quebrada de las Conchas bei Tres Cruces
Quebrada de las Conchas bei Tres Cruces

Südlich von Cafayate heißt dasselbe intramontane Becken „Santa Maria“. Noch weiter südlich ist es durch eine Engstelle mit dem benachbarten El-Cajón-Becken verbunden. Da an der Passstraße zwischen Cachi und Salta auch noch der Nationalpark Los Cardones liegt, ergibt sich eine schöne dreieckige Route, für die man 3 Tage veranschlagen sollte.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Die Quebrada de Cafayate (Quebrada de las Conchas) kann leicht entlang der Hauptstraße von Salta nach Cafayate erkundet werden, interessant wird es etwa ab Alemania. Das Tal führt durch besonders bunte und teils bizarr erodierte Felsformationen, überwiegend Sandsteine und Tonsteine, aber stellenweise auch Kalkstein. Diese Sedimente wurden in der Kreidezeit in einem tektonischen Graben abgelagert.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Immer wieder laden Hinweisschilder zu einem Aussichtspunkt ein. Das „Amphitheater“ ist ein Felskessel im Kalkstein, durch eine kurze Schlucht zu erreichen. Ansonsten sind es aber vor allem die Farben, die bezaubern.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Über die Geologie der ganzen Region, einschließlich dieser bunten Gesteine, schreibe ich einen eigenen Artikel.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Cafayate ist ein hübscher Ort mit einem hübschen Hauptplatz und viel Wein. Etwas weiter südlich besuchen wir auch Quilmes. Die Ruinen einer Siedlung des gleichnamigen Stammes, der von den Spaniern vollständig ausgerottet wurde, ziehen sich am Rand des Beckens einen Berghang hinauf.

Quebrada de la Flecha
Quebrada de la Flecha

Auf dem Weg von Cafayate nach Norden lohnt ein erster Halt im etwas verschlafenen Kolonialstädtchen San Carlos. Später kommen die steilgestellten hellbeigen Sedimente in Sicht, deren interessantester Teil kurz vor Angastaco den Namen Quebrada de la Flecha heißt, eine Wüste voller Pfeilspitzen. Angastaco ist eine grüne Oase mit einer hübschen Kirche.

Kirche in Molinos
Kirche in Molinos

Der nächste Ort ist Molinos, wo nicht nur die Kirche im Cusco-Stil einen Besuch lohnt, sondern auch die Sträßchen daneben. Danach geht es noch viele kurvige und staubige Kilometer weiter bis Cachi.

Molinos
Molinos

Cachi ist der hübscheste Ort der ganzen Gegend, was nicht nur an den gut erhaltenen Kolonialhäusern liegt, sondern auch an der entspannten Stimmung hübschen Umgebung. Hinter dem Ort ragt die verschneite 6380 m hohe Sierra de Cachi auf (in dieser Gegend der höchste Punkt der Ostkordillere der Anden).

Cachi
Cachi
Cachi
Cachi

Von Cachi aus folgen wir noch einige Kilometer dem Tal nach Norden und biegen dann auf die asphaltierte Straße Richtung Salta nach Westen. Es geht ein Stück aufwärts, bis wir eine Hochebene erreichen, auf der unzählige Kakteen wachsen: der Nationalpark Los Cardones. Ehrlich gesagt bin ich von diesem etwas enttäuscht, ich habe in Argentinien deutlich hübschere Kakteenansammlungen gesehen. Beispielsweise kurz vor dem Nationalpark, wo im Hintergrund noch die Sierra de Cachi zu sehen ist, die dann etwas weiter hinter einem Hügel verschwindet.

Kakteen
Kakteen und Sierra de Cachi, kurz vor dem Nationalpark Los Cardones

Oder auch an der Passstraße zwischen Tafi del Valle und Amaicha (südlich von Cafayate, über diese waren wir nach Cafayate gekommen). Oder in der Quebrada de Humahuaca. Wie auch immer, es lohnt sich trotzdem, auszusteigen, allein schon um die Erklärungstafeln zu lesen. Von den Kakteen aus geht es noch ein kleines Stück aufwärts, bevor es auf der anderen Seite des Passes in unzähligen Serpentinen ins satte Grün abwärts geht (wo weitere Kakteen an den Berghängen wachsen). Unten angekommen ist es nicht mehr weit bis Salta.

San Francisco in Salta
San Francisco in Salta

Auch Salta fand ich etwas enttäuschend, ich konnte nicht nachvollziehen, warum so viele Reisende von dieser Stadt schwärmen (oder meinen diese die Umgebung?). Vielleicht lag das aber auch daran, dass es ein Sonntag und die Stadt fast ausgestorben war, dazu ein ziemlich grauer Himmel.


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Quebrada de Humahuaca

Zur Geologie der bunten Berge rund um Salta (Argentinien)

Die spektakulär gefärbte Landschaft in Nordwestargentinien mit den Valles Chalchaquis und der Quebrada de Humahuaca ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch Zeuge einer interessanten geologischen Geschichte.

Cerro de los Siete Colores bei Purmamarca
Cerro de los Siete Colores bei Purmamarca

Ein Highlight für Argentinienreisende sind die Täler am Rand des Puna-Hochplateaus in der Nordwestecke des Landes, in den Provinzen Salta und Jujuy. Neben Kultur gibt es hier auch merkwürdig geformte Felsformationen und außergewöhnlich bunte Berge zu sehen: insbesondere in der Quebrada de Humahuaca (z.B. mit dem Cerro de los Siete Colores bzw. „Berg der sieben Farben“ bei Purmamarca und der Paleta del Pintor bzw. „Palette des Malers“ bei Maimara) und in den Valles Chalchaquis (die Täler nördlich und südlich von Cafayate, insbesondere mit der Schlucht Quebrada de las Conchas zwischen Cafayate und Alemania und der Quebrada de la Flecha bei Angastaco).

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Die Gesteine sind überwiegend klastische Sedimente (Sandstein, Tonstein, Konglomerate etc.), die aufgrund der unterschiedlichen Gehalte an Hämatit, verschiedenen Tonmineralen usw. unterschiedlich gefärbt sind (dazwischen gibt es auch den einen oder anderen Kalkstein und Vulkanit). Allerdings sind diese Gesteine zu sehr verschiedenen Zeiten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen abgelagert worden.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Bevor wir die Ablagerung dieser Sedimente verfolgen, müssen wir uns klar machen, dass diese erst spät durch tektonische Überschiebungen gegeneinander verschoben, verkippt und gefaltet wurden (die Anden gab es natürlich noch nicht). Oft fallen die Schichten steiler ein als der Hang, sodass die geologisch tiefen Schichten den oberen Teil eines Berges ausmachen können, während die geologisch höheren Schichten seitlich am Talrand liegen (das ist beispielsweise gut an der Paleta del Pintor bei Maimara zu sehen).

Paleta del Pintor und der Friedhof von Maimara, Quebrada de Humahuaca
Paleta del Pintor und der Friedhof von Maimara, Quebrada de Humahuaca, mit steilstehenden Sedimenten

Die ältesten Gesteine der Region, die Puncoviscana Formation, stammen aus dem Neoproterozoikum, genauer aus dem Ediacarium. Zu dieser Zeit gab es die ersten mehrzelligen Tiere, die am ehesten mit Quallen und Anemonen vergleichbar sind. Der Rand des Großkontinents Gondwana wurde damals vom Meer überflutet und in diesem Becken lagerten sich vor allem klastische Sedimente (Turbidite und pelagische Tonsteine) und vereinzelt Flachwasserkarbonate und Vulkanite ab. Diese Gesteine bauen heute vor allem die höheren (und weniger intensiv gefärbten, rötlichbraunen und grünlichgrauen) Bereiche der Bergrücken auf.

Purmamarca mit Cerro de los Siete Colores, Quebrada de Humahuaca
Purmamarca mit Cerro de los Siete Colores, Quebrada de Humahuaca

Zeitweise hob sich die Region wieder aus dem Wasser (keine Sedimentation), bevor im Kambrium in flachem Wasser vor allem Sandsteine abgelagert wurden (Mesón Gruppe, wobei die Wassertiefe wechselte). Hierzu gehören die besonders bunt gestreiften Gesteine im unteren Teil der Paleta del Pintor und des Cerro de los Siete Colores.

Mehr über Gebirgsbildung und die Anden findet sich in meinem Buch Bewegte Bergwelt.

Bis zu diesem Moment haben wir es mit einem passiven Kontinentalrand zu tun, doch im Ordovizium kommen Subduktionszonen, Inselbögen und Kollisionen von Minikontinenten ins Spiel („Famatinian cycle“). Während es im Norden der Region nur zu einer leichten Metamorphose kam, wurden die Gesteine im Süden zu hochgradigen Gneisen umgewandelt und es kamen magmatische Gesteine wie Granite dazu. Betroffen ist vor allem die Region der heutigen Sierras Pampeanas (hohe und durch weite Becken getrennte Bergrücken zwischen Cafayate, Cordoba und San Luis).

Die kontinuierliche Subduktion ozeanischer Kruste unter den Kontinentalrand begann im Jura, wobei sich die Plattengrenze noch viel weiter westlich als heute befand: Die Magmatite des damaligen Vulkanbogens befinden sich heute an der Pazifikküste in Chile, der Bereich der heutigen Anden war noch nicht betroffen. Die abtauchende Platte raspelte später immer mehr vom Kontinent ab, die Plattengrenze und der Vulkanbogen verlagerten sich also immer weiter Richtung Argentinien.

Quebrada de las Conchas
Quebrada de las Conchas

Zunächst entstanden im Landesinneren jedoch in der Kreidezeit große Grabensysteme, die vermutlich als „Backarc“ zu deuten sind, d.h. die Dehnung geht auf den Zug der abtauchenden Platte zurück. Dazu gehörte der aus mehreren Becken bestehende Salta-Graben (das Stadtgebiet von Salta lag damals eigentlich auf einem Horst zwischen zwei Gräben), an den sich im Norden das Potosí-Becken anschloss. In der Kreide und im Paläogen wurde dieses Grabensystem mit bis zu 5000 m Sediment gefüllt (Salta Group): zunächst (synrift) gab es vor allem Schwemmfächer, Flüsse, Seen und ein paar Sanddünen, nach dem Ende der Dehnung drang im Paläogen zweitweise das Meer in die Becken ein (Flachwasserkarbonate), später gab es wieder Flüsse, Seen und Salztonebenen in einem mal feuchten und mal trockenen Klima. Die Gesteine der Berge beiderseits des Rio de las Conchas (Quebrada de Cafayate = Quebrada de las Conchas) gehören überwiegend zur Salta-Gruppe. Am Cerro de los Siete Colores gehören die roten Hügel direkt hinter (von Purmamarca aus gesehen) dem eigentlichen Cerro zur Kreide und (wenn ich es richtig verstehe) der ganze obere orangene Teil des Cerro zu den paläogenen Postrift-Sedimenten. An der Paleta del Pintor gibt es einen schmalen Streifen ganz unten am Talrand. Größere Schuppen mit Paläogen gibt es in den Bergen auf der anderen Talseite.

Die Berge auf beiden Seiten des Rio de las Conchas gehören überwiegend zur Salta Group
Die Berge auf beiden Seiten der Quebrada de las Conchas gehören überwiegend zur Salta Group

Die Hebung der Anden begann erst im Miozän (siehe auch mein Buch Bewegte Bergwelt). Die Dynamik der Subduktionszone führte zunehmend zu einer Kompression des Kontinentalrands, es kam zur Überschiebung von Gesteinsdecken Richtung Osten und einer entsprechenden Verkürzung und Verdickung der Kruste. Unsere Region war damals das Vorlandbecken am Rand dieses Gebirges, das den Erosionsschutt (Konglomerate, Sandsteine, Tonsteine) der Anden aufnahm (ein solches Vorlandbecken senkt sich unter der Last der Sedimente, sodass es trotz Ablagerung flach bleibt). Die Flüsse entwässerten damals in gerader Linie Richtung Osten.

Quebrada de Las Flechas südlich Angastaco, Valles Calchaquies: Sedimente des Vorlandbeckens, Miozän
Quebrada de Las Flechas südlich Angastaco, Valles Calchaquies: Sedimente des Vorlandbeckens, Miozän

Mit der Zeit änderte sich das Bild aber: die Verformung griff im späten Miozän ins Vorland über (ausgelöst durch eine flachere Subduktion). Der Hauptteil der Bewegung blieb zwar auf die Anden beschränkt, aber auch weiter östlich kam es zu Überschiebungen entlang von reaktivierten älteren Störungen. Die meisten dieser steilen Überschiebungen waren nach Osten gerichtet, vereinzelt gibt es aber auf der anderen Seite auch Rücküberschiebungen in die entgegensetzte Richtung, was insgesamt im Profil wie ein Schnitt durch einen Blumenkohl aussieht. Eine Reihe von langen Bergrücken begannen sich, durch intramontane Becken getrennt, zu heben. Ihre Geometrie ist von den älteren Strukturen vorgegeben. Allen voran sind dies die als Sierras Pampeanas bezeichneten „Vorberge“ der Anden zwischen Tucuman, San Juan, San Luis und Cordoba, die in der Sierra Famatima mehr als 6000 m Höhe erreichen, aber auch die Berge auf den Seiten der Quebrada de Humahuaca. Das einst weite Vorlandbecken löste sich nun in einzelne intramontane Becken auf, von Bergen getrennt. Anfangs konnte die Erosion der Flüsse mithalten und Täler einschneiden, aber letztlich wurden die Flüsse abgelenkt und flossen durch die Becken parallel zu den Bergen in Nord-Süd-Richtung.

Im Pleistozän waren die vorgelagerten Bergrücken so hoch, dass sie das Klima der Region änderten: Feuchte Luft regnet seither bereits östlich der Bergrücken ab (bzw. vor allem in Bolivien in den Yungas, die vorherrschende Windrichtung ist Nordost, in Nordargentinien wird der Wind in eine Richtung parallel der Berge abgelenkt). In den intramontanen Becken herrscht seither ein trockenes Klima.

Ungefähr zu dieser Zeit hob sich auch das Puna-Plateau stark und schnell (es ist ebenfalls in Bergrücken und Becken gegliedert, aber im Schnitt deutlich höher als das nördlich anschließende relativ ebene Altiplano).

Rand des Puna-Plateaus, Straße von Purmamarca Richtung Chile
Rand des Puna-Plateaus, Straße von Purmamarca Richtung Chile

Die klastische Sedimentation innerhalb der Becken änderte sich natürlich entsprechend im Zeitraum von Miozän bis Quartär. Insbesondere gibt es mehr grobe Konglomerate und neben Schwemmfächern und Sedimentation in Flüssen (mit geänderter Fließrichtung) lagerten sich auch große Bergstürze an den Rändern ab. Neogene bis Quartäre Sedimente gibt es in der Quebrada de Humahuaca vor allem auf der westlichen Talseite. An der Passstraße von Purmamarca Richtung Chile ist eine beeindruckene Terrasse mit quartären Konglomeraten zu sehen, in die sich der Fluss nach einer weiteren Hebung wieder eingeschnitten hat. In den Valles Chalchaquis von Cachi über Cafayate bis südlich von Amaicha sind neogene und quartäre Sedimente weit verbreitet.

Terrasse mit quartären Konglomeraten, Passstraße westlich Purmamarca
Terrasse mit quartären Konglomeraten, Passstraße westlich Purmamarca

Talampaya und Ischigualasto (Valle de la Luna)

Bizarre Felsen und die ältesten Dinosaurier der Welt (Argentinien)

Talampaya, "Catedral"
Talampaya, „Catedral“

Ungefähr in der Mitte zwischen den Städten San Juan und La Rioja befinden sich direkt nebeneinander der Nationalpark Talampaya und (durch die Provinzgrenze getrennt) das Naturreservat Ischigualasto („Valle de la Luna“). Talampaya ist besonders reich an Postkartenansichten mit bizarren Felsformationen, insbesondere einer tief in den Sandstein eingeschnittenen Schlucht und säulen- und pilzförmigen Felsen. Den einen oder anderen „Pilz“ gibt es in Ischigualasto ebenfalls, dieses Reservat ist aber aus einem anderen Grund für seine Geologie berühmt: Hier wurden neben anderen bedeutenden Fossilien die ältesten Dinosaurier der Welt gefunden.

El Monje, Talampaya
El Monje, Talampaya

Wir parken am Visitor Center von Talampaya, da das Innere des Parks nur in einer geführten Tour betreten werden kann. Die Standardroute dauert ca. 3 h und führt im Kleinbus durch den Cañon de Talampaya hindurch und auf der anderen Seite entlang hoher Felswände („Catedral“) zu drei besonders hohen „Pilzen“ (einer heißt „El Monje“). Unterwegs steigt man mehrfach für kurze Spaziergänge aus und sieht u. a. alte in den Fels geritzte Petroglyphen. Beeindruckend sind in der Schlucht die durch Wasser in die Wände eingeschnittenen senkrechten „Kamine“. Durch die Schlucht fließt nur nach starken Regenfällen ein Fluss, aber in geringer Tiefe gibt es Grundwasser, sodass hier mitten in der Wüste viele Bäume stehen. Ein schöner Kontrast zu den roten Konglomerat-/Sandsteinfelsen (Talampaya-Formation und darüber Tarjados Formation, beide Untertrias).

Canon de Talampaya mit Kaminen
Canon de Talampaya mit Kaminen

In der Region entstand ab Ende des Perms ein Grabensystem, in das in der Trias Sedimente abgelagert wurden. In der Untertrias waren das zunächst vor allem Schwemmfächer, später gab es Flüsse und Salzseen. Zu dieser Zeit liefen bereits merkwürdige Tiere durch die Gegend, die Dinosaurier gab es aber erst ab dem Karnium in der Obertrias.

Ischigualasto
Ischigualasto

Die entsprechenden Gesteine sind vor allem in Ischigualasto aufgeschlossen. Es handelte sich um eine Landschaft mit Flüssen und vielen Seen, durch die viele merkwürdige Reptilien stapften — nicht nur die ersten Dinos. Letztere waren noch in der Unterzahl und noch ziemlich klein. Der Herrerasaurus reicht mir gerade mal bis zur Hüfte, der Eoraptor nur bis zum Knie (beide waren fleischfressende Echsenbeckensaurier). Noch etwas kleiner war der Pisanosaurus (ein pflanzenfressender Vogelbeckensaurier). Andere Reptilien ihrer Zeit entsprachen zum Teil eher dem, was sich die meisten so unter einem Dino vorstellen: Insbesondere das bis zu 9 m große Urkrokodil Saurosuchus galilei. Am häufigsten waren aber zwei andere merkwürdige Tiere. Die Rekonstruktionen des Exaeretodon sehen aus wie eine Mischung aus Wildschwein und Hyäne, knapp 2 m groß. Es handelt sich um einen Cynodont („Hundezähner“), zu dieser Gruppe gehören auch die späteren Säugetiere. Der etwa 1 m lange Hyperodapedon hingegen sah aus wie ein Riesensalamander mit einem einzelnen Hasenzahn am Oberkiefer, es handelte sich dabei aber um ein Reptil.

Originalfossilien, rekonstruierte Skelette und lebensgroße rekonstruierte Modelle gibt es sowohl im Visitor Center des Reservats als auch im sehr sehenswerten Naturkundemuseum in San Juan, in dem man sogar den Paläolontologen bei der Arbeit zusehen kann.

Ansammlung von herausgewitterten Konkretionen: Cancha de Bochas, Ischigualasto
Ansammlung von herausgewitterten Konkretionen: Cancha de Bochas, Ischigualasto

Auch das Naturreservat Ischigualasto kann nur mit Führer besichtigt werden, aber hier fährt man im eigenen Auto in einem Konvoi, der Führer sitzt im ersten Wagen (das dauert ca. 3 h). Man sieht überwiegend wellenförmig erodierte hellgraue Tonsteine, aber auch ein paar pilzförmige Formationen (deutlich kleiner als im Talampaya) wie El Hongo und El Submarino (das einmal wie ein U-Boot aussah, leider ist ein großer Teil abgebrochen). Interessant ist Cancha de Bochas („Bocciabahn“), wo unzählige schwarze Kugeln (Konkretionen) auf dem Boden herumliegen. Unter einem Schutzbau sind auch teilweise freigelegte Fossilien in situ zu sehen.

El Hongo ("Pilz"), Ischigualasto
El Hongo („Pilz“), Ischigualasto

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Valles Calchaquíes (mit Quebrada de Cafayate, Cachi und Los Cardones)
Am Fuß des Aconcagua

Am Fuß des Aconcagua

Am höchsten Berg der Anden (Argentinien) — und dem höchsten außerhalb Asiens.

Aconcagua
Aconcagua

Aconcagua, mit 6962 m der höchste Berg außerhalb von Asien, befindet sich in den Anden knapp neben dem Grenzposten an der wichtigsten Passstraße zwischen Santiago de Chile und Buenos Aires. Von der Passstraße führt ein kleines Sträßchen in ein Seitental hinauf, bis zu einem Wanderparkplatz knapp unterhalb einer Reihe von kleinen Seen (der größte heißt Laguna de los Horcones). Vom kurzen Rundweg hat man einen guten Ausblick auf den Bergriesen. Besonders faszinierend ist der Hängegletscher, der wie ein riesiger Balkon quer vor der Bergwand hängt (rechte Seite). Früher befand sich dieser einmal als normaler Talgletscher hinter einem Bergrücken, der aber in einem gewaltigen Bergsturz ins Tal gerauscht ist — das Ergebnis sind die Hügel, zwischen denen sich die Seen befinden.

Die Anden werden weitgehend durch aktive Vulkane dominiert, weil die ozeanische Kruste des Pazifiks unter den südamerikanischen Kontinent abtaucht. Der Aconcagua befindet sich jedoch in einem Abschnitt ohne aktiven Vulkanismus, der vom wenig südlich der Passstraße gelegenen Vulkan Tupungato etwa 200 km nach Norden reicht. In dieser Zone wurden alte Sedimente und Vulkanite durch tektonische Bewegungen gehoben (der Aconcagua selbst besteht aus alten Vulkaniten, die Aktivität endete jedoch bereits im Miozän). Wie es zu dieser für die Anden ungewöhnlichen Geologie kam, erkläre ich ausführlich in meinem Buch Bewegte Bergwelt (Abschn. 4.3). Das hat übrigens auch mit den Kupferlagerstätten in Chile zu tun, siehe mein Buch Die Welt der Rohstoffe (Abschn. 4.4).

Schienen bei Puente del Inca
Schienen bei Puente del Inca

Wenige Kilometer die Passstraße abwärts übernachten wir in einem einfachen Hostel im Ort Puente del Inca — im blechernen Bahnhof der ehemaligen Schmalspurbahn. Die eigentliche sogenannte Inkabrücke befindet sich direkt daneben, allerdings wurde sie nicht von den Inkas gebaut, sondern sie ist rein natürlich durch Ablagerung von Sinterkalk entstanden. Etwas sehr ähnliches gibt es übrigens in Armenien.

Puente del Inca
Puente del Inca

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Talampaya und Ischigualasto (Valle de la Luna)
Patagonien

Wissenschaftliche Texte formatieren

Schriftsatz wie die Profis: Eine kurze Einführung in die Typographie für Naturwissenschaftler mit Bisstrichen, kursiven Variablen, Malzeichen und anderen Details

Wie sollten wissenschaftliche Texte formatiert werden? Seit ich als Lektor arbeite, setze ich mich immer häufiger mit Details der Typographie auseinander und lerne dabei immer mehr dazu, auch wenn die typographischen Feinheiten bei Büchern erst in der Setzerei umgesetzt werden. Zugleich fällt mir auf, dass die verschiedensten Autoren regelmäßig dieselben Fehler machen. Gut, dafür sind Lektoren da, aber manche schreiben ja auch Texte, die nicht vor der Veröffentlichung redaktionell bearbeitet werden. Grund genug, einmal die häufigsten Fehler in meinem Blog aufzuzählen. Wer es genauer wissen will, findet unten noch ein paar Links.

Ist das wirklich wichtig? Ein korrekt gesetzter Text ist wesentlich besser lesbar, denn auch wenn wir vielleicht beim Schreiben nicht auf Anhieb wissen, wie ein bestimmtes Detail gesetzt werden sollte, verstehen wir beim Lesen aus Gewohnheit intuitiv, was gemeint ist. Doch nicht nur der Lesefluss ist bei einem korrekt formatierten Text besser, auch Missverständnisse können vermieden werden. Was zum Beispiel bedeutet As, das Element Arsen oder die Einheit Amperesekunde (= Coulomb)? Ist IR jetzt Infrarot oder Stromstärke mal Widerstand wie im ohmschen Gesetz? Nebenbei klärt sich in diesem Artikel auch die Frage, warum der Formeleditor von Word einfach alles kursiv setzt und warum das trotzdem falsch ist. Aber der Reihe nach.

Ein paar Worte zu Sonderzeichen und Unicode

Es ist nicht lange her, da war eine andere Schrift wie „Symbol“ oder „Windings“ die einzige Möglichkeit, um griechische Buchstaben oder Sonderzeichen darzustellen. Das ist zum Glück vorbei. Der Grund lag in der Art und Weise, wie die Zeichen binär im damals verwendeten ASCII-Code codiert waren, was nur eine sehr geringe Anzahl an Zeichen möglich machte. Der neue Standard heißt Unicode und damit ist es möglich, alle möglichen Zeichen, ob Schriften aus aller Welt oder mehr oder weniger skurrile Sonderzeichen mit ein und derselben Schriftart darzustellen (zumindest wenn die verwendete Schrift dies unterstützt), z. B. auch ≤, ⊆, ⊥, ∠, →, ⇒, ↔ oder ℜ oder α, Φ oder 北京, दिल्ली, القاهرة oder auch ☠, ♥, ⚗. Es ist unbedingt empfehlenswert, dies zu nutzen und auf spezielle Schriften für Sonderzeichen zu verzichten! Das gilt insbesondere auch bei Manuskripten für Zeitschriften oder Bücher, weil Verlage meist bei der Vorbereitung für den Satz den gesamten Text in eine Unicode-Schrift (z. B. Arial Unicode) überführen. Mit „Symbol“ oder „Windings“ formatierte Zeichen werden dabei möglicherweise zu merkwürdigen Symbolen oder zu völlig falschen Buchstaben, die mühsam wieder korrigiert werden müssen.

Um ein Sonderzeichen (als Unicode) einzufügen, kann man einfach die Zeichentabelle verwenden:

Word: Einfügen → Symbole → Weitere Symbole;
LibreOffice: Einfügen → Sonderzeichen.

Leider ist diese Zeichentabelle nicht gerade übersichtlich, insbesondere wenn man ständig auf eine ganze Reihe von Sonderzeichen zugreifen muss.

Tipp: Unicode-Zeichen können in der Regel problemlos per copy and paste von einem Programm zum anderen kopiert werden, auch von Webseiten wie Wikipedia oder von diesem Artikel.

Der Code eines Unicode-Zeichens wird meist im Hexadezimalsystem mit einem vorangestellten „U+“ angegeben, manchmal stattdessen im Dezimalsystem. Z. B. ist Å U+212B (hexadezimal) bzw. 8491 (dezimal), ⩾ ist U+2A7E bzw. 10878, was leicht im Internet in Unicode-Tabellen nachgeschlagen werden kann. Ein Zeichen kann auch direkt per Tastatur eingegeben werden, mit Alt plus der dezimalen Nummer auf dem Nummernblock. Auf Laptops ist das aber wegen des fehlenden Nummernblocks nicht sehr praktisch.

Geschütztes Leerzeichen

Ein geschütztes Leerzeichen unterscheidet sich in zwei Punkten von einem normalen Leerzeichen: ein Zeilenumbruch ist an seiner Stelle nicht möglich (d. h. Zeichen davor und danach stehen immer in derselben Zeile) und es wird nicht (anders als ein normales Leerzeichen) im Blocksatz gedehnt.

  • In Abkürzungen wie z. B., z. T., d. h., u. ä., u. s. w. sollten immer geschützte Leerzeichen stehen, also bei allen Abkürzungen, die aus mehreren Wörtern bestehen. Richtige Rechtschreibung mit schlechter Typographie wäre ein normales Leerzeichen, nach Duden falsch ist jedoch das häufig verwendete „z.B.“ ohne Leerzeichen. Vorsicht bei medizinischen Abkürzungen, i.v. (intravenös) ist ein Beispiel, wo kein Leerzeichen stehen darf, weil es sich nur um ein einziges Wort handelt.
  • Zwischen Zahl und Einheit sollte immer ein geschütztes Leerzeichen stehen: 1 m, 57 kJ, 15 °C, 10 % (wobei das bei % nicht ganz so streng genommen wird und häufig auch 10% zu sehen ist). Einzige Ausnahme: Winkelgrad immer ohne Leerzeichen, 90°.
  • Wenn bei Multiplikationen und auch innerhalb zusammengesetzter Einheiten das Malzeichen weggelassen wird, sollte an dessen Stelle ebenfalls ein geschütztes Leerzeichen gesetzt werden. Die Amperesekunde A·s sollte dann A s geschrieben werden (womit die Verwechslung mit As für Arsen ausgeschlossen ist). Auch ist dann klar, ob m für „Milli-“ oder „Meter“ steht, weil ja der erste Fall kein Leerzeichen bekommt.
  • Wenn eine Formel nicht freigestellt ist, sondern im Text steht, empfiehlt sich ebenfalls die Verwendung von geschützten Leerzeichen, sodass auf jeden Fall die gesamte Formel in einer Zeile steht und nicht umgebrochen wird. Übrigens: x > 2 mit Leerzeichen, Länge ist >2 m ohne Leerzeichen (> gehört hier zur Zahl, genau genommen wird hier ein Thinspace eingefügt).

Im Englischen wird das (geschützte) Leerzeichen oft weggelassen, also e.g. und 3%.

In Word oder LibreOffice wird ein geschütztes Leerzeichen mit Strg+Umschalt+Leertaste erzeugt. Leider wird es in Word, wenn „alle Zeichen anzeigen“ (¶) angeschaltet ist, als ° angezeigt, z. B. 4°m und 5°°C.

Malzeichen

  • Bitte nie den Stern * als Malzeichen verwenden! Einzige Ausnahmen sind Praxisbücher über Excel und abgedruckter Code von Computerprogrammen.
  • In deutschsprachigen Publikationen sollte der Malpunkt · (Unicode U+22C5) verwendet werden (bitte keine dickeren Punkte, bzw. ein halbfetter Punkt kann für das Skalarprodukt stehen). Leider gibt es dafür keine Taste, ich füge ihn per copy and paste ein. Dummerweise wird bei Word, wenn „alle Zeichen anzeigen“ (¶) angeschaltet ist, das Leerzeichen genauso dargestellt wie der Malpunkt, was das Korrekturlesen erschwert.
  • In englischsprachigen Publikationen wird meist das Malkreuz × (Unicode 215) bevorzugt. Im Deutschen ist dieses dem Vektorprodukt („Kreuzprodukt“) vorbehalten.
  • Wichtig: Auf keinen Fall darf der Buchstabe x anstelle des Malkreuzes × verwendet werden!
  • In deutschsprachigen Texten kann das Malkreuz bei Länge-mal-Breite-Angaben (3 × 5 cm) verwendet werden, manchmal wird es bei Zehnerpotenzen bevorzugt (3,6 × 10-3), notfalls wenn irgendwo ×3 als Faktor steht.
  • Bei „3-mal täglich“ u. ä. besser kein Malzeichen

Variablen, Konstanten und Formeln

Physikalische und mathematische Variablen und Konstanten sollten immer kursiv gesetzt werden, also Variable x, Spannung U, Energie E, Lichtgeschwindigkeit c, Konzentration c, Boltzmann-Konstante kB, Gleichgewichtskonstante K, Durchlässigkeitsbeiwert kf etc. Bei einer Funktion wie f(x) = 2 sin α xn ist sofort klar, was Variablen sind und was nicht. Besonders wichtig wird dies, wenn in eine Formel Werte mit Einheiten (nicht kursiv) eingesetzt werden. Und I R steht für Stromstärke mal Widerstand, nicht für Infrarot. Das ist übrigens der Grund, warum der Formeleditor von Word automatisch alles kursiv setzt, was natürlich auch wieder falsch ist.

Man beachte, dass tiefgestellte Indizes wie H bei der Halbwertszeit tH oder eff bei der effektiven Spannung Ueff für Begriffe stehen, nicht für Variablen, und daher nicht kursiv gesetzt sind. Im Satz wird übrigens dazwischen ein schmaler Zwischenraum (Thinspace) eingefügt.

Man kann sich durchaus den Kopf darüber zerbrechen, wie weit man gehen will. Z. B. ist das H in pH-Wert eigentlich eine Variable und tatsächlich steht in manchen Büchern pH-Wert. Und das passt ja auch zum Säureexponent pKs. Trotzdem finde ich, dass pH-Wert besser aussieht. Auch für Variablen stehende griechische Buchstaben werden häufig nicht kursiv gesetzt.

Einheiten stehen hingegen nie kursiv, darauf bitte insbesondere beim Verwenden des Formeleditors achten! Ein sehr häufiger Fehler ist übrigens, dass Autoren bei im Text bei Einheiten (und auch bei kurzen Formeln) vergessen, nach dem „/“ (also „unter“ dem Bruchstrich) Klammern zu setzen – vielleicht weil sie die richtig gesetzte Formel mit echtem Bruchstrich vor Augen haben, wo diese natürlich nicht notwendig sind.

Auch nicht kursiv sind cos, exp, log und andere Operatoren. Das trifft streng genommen auch auf das „d“ in „dx“ bei Integralgleichungen zu, was allerdings etwas merkwürdig aussieht. In sehr vielen Büchern ist es kursiv gesetzt, also dx.

Bei Variablen bzw. in Formeln ist unbedingt darauf zu achten, dass ähnliche Zeichen beim Schreiben nicht verwechselt werden (passiert erstaunlich häufig): 1, l und O, 0 (Zahl bzw. Buchstabe), ß, β (scharfes s und kleines Beta), T, Τ, τ (lat. T und griech. großes und kleines Tau), n, η (lat. n, griech. kleines Eta), v, u, ν, υ (lat. v, u, griech. kleines Ny, griech. kleines Ypsilon), x, X, ×, Χ, χ (lat. kleines und großes x, Malkreuz, griech. großes und kleines Chi). Z. B. steht das kleine Chi χ für den Stoffmengenanteil (Molenbruch), das kleine Tau τ für die Scherspannung und auch für die Zeitkonstante bei elektrischen Kondensatoren. Der „Kringel“ beim Normalpotential E0 ist kein Gradzeichen und auch nicht o wie Otto, sondern eine hochgestellte Null.

Punkte und Kommas

In deutschsprachigen Texten als Dezimalzeichen bitte immer das Komma verwenden (auch in den dazugehörigen Tabellen): 3,14159, der Punkt ist als Tausendertrennzeichen üblich (bei ≥10.000 bzw. auch 1.500.000). Manche Verlage verwenden hier stattdessen ein geschütztes Leerzeichen. Im Englischen muss stattdessen der Punkt als Dezimalzeichen stehen, 3.14159.

Übrigens ein häufiger Fehler: Im Deutschen steht bei einer Aufzählung wie dies, das, jenes etc. vor dem „etc.“ kein Komma (anders als im Englischen).

Striche

Bei Strichen liegt der Teufel im Detail, obwohl es eigentlich ganz einfach ist: Für all die verschiedenen Striche – Gedankenstriche, Bindestriche, Bisstriche, Auslassungsstriche, Gegenstriche und Trennstriche – werden im Deutschen nur zwei Zeichen verwendet. Der kürzere von beiden ist „-“ (Setzer sprechen von Divis oder Viertelgeviertstrich), er wird einfach mit der „Minustaste“ erzeugt. Er wird für Bindestriche (High-Spin-Komplex, d-d-Elektronenübergang, Schrödinger-Gleichung) und als Trennstrich (Silbentrennung am Zeilenende) verwendet. Man beachte, dass bei Verknüpfungen wie 500-ml-Erlenmeyerkolben, Van-der-Waals-Kräfte die gesamte Verknüpfung mit Bindestrichen „durchgekoppelt“ wird. Übrigens sehe ich sehr häufig Bindestriche, wo eigentlich das Wort zusammengeschrieben wird. Darüber werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Artikel schreiben.

Der längere ist „–“ (Halbgeviertstrich, Unicode U+2013 bzw. dezimal 8211), er dient als Bisstrich und als Gedankenstrich. Leider gibt es für diesen keine Taste, die einfachste Möglichkeit auf einem Laptop ist, in Word einfach „Wort Leerzeichen Minus Leerzeichen Wort“ zu tippen und normalerweise macht der Autokorrektor dann einen korrekten Gedankenstrich daraus. Oder man tippt Strg+Minustaste auf dem Nummernblock.

Vor und nach einem Gedankenstrich – etwa so – stehen immer Leerzeichen, während ein Bisstrich immer ohne Leerzeichen gesetzt wird: 3,5–7,2 m, S. 17–23 (Ein häufiger Fehler: wenn eine Formulierung mit „zwischen“ beginnt, muss es „zwischen 3,5 und 7,2“, nicht „bis“ heißen.).

Der längere Strich „–“ kann auch in einer Tabelle in einer leeren Tabellenzelle stehen (für nicht vorhandene oder bewusst ausgelassene Daten). Oder im Sport für „gegen“.

Beim Minus − handelt es sich um einen dritten Strich, der genauso aussieht wie der Querbalken im Plus: − +. Es unterscheidet sich nicht nur in der Länge von den anderen beiden Strichen, es liegt auch noch ein klein wenig höher. Um ein typographisch korrektes Minus einzugeben, muss man sich eine komplizierte Tastenkombination merken und dann die Finger auf der Tastatur verrenken, denn schließlich erzeugt die sogenannte Minustaste statt einem Minus einen Viertelgeviertstrich. Wer nicht gerade einen Artikel selbst mit LaTeX setzt, wird es vermutlich bei der normalen Minustaste belassen und darauf vertrauen, dass der Verlag die Zeichen austauscht.

Um das Ganze noch komplizierter zu machen: in anderen Sprachen werden noch andere Striche mit unterschiedlicher Länge verwendet. So ist der amerikanische Gedankenstrich noch länger: — Und er ist im Internet auch auf deutschen Seiten verbreitet, weil sich die Programmierer der Content Management Systeme darüber anscheinend keine Gedanken gemacht haben (so auch die deutsche Version von WordPress, die ich verwende). Diese Systeme „korrigieren“ oft auch andere Striche automatisch, aber nicht immer im Sinne des Autors oder der deutschen Regeln.

Probleme mit den ganzen Strichen kann auch die Autokorrektur in Word machen, die einen Strich manchmal plötzlich in einen anderen (zu kurzen oder zu langen) verwandelt.

Verschachtelte Klammern

Ineinander verschachtelte Klammern sind nicht schön. Laut Duden werden Erläuterungen zu einem eingeklammerten Satz (z. B wenn es um die WTO [Welthandelsorganisation] geht) in eckige Klammern gesetzt. Ich verstehe das allerdings nicht so, dass innerhalb einer runden Klammer immer eine eckige stehen muss, bei Literaturangaben z. B. sieht das sehr merkwürdig aus (etwa Neukirchen et al. [2016]). Und wenn in einer Klammer ein Zitat mit runder Klammer steht, wird daraus eine eckige Klammer, die in Zitaten eigentlich Anmerkungen oder Auslassungen markiert?

Generell ist es empfehlenswert, verschachtelte Klammern zu vermeiden. Ist es nicht möglich, den Inhalt der äußeren Klammer stattdessen weiter hinten als eigenständigen Satz folgen zu lassen? Oder in der Klammer stattdessen mit Kommas arbeiten? Bei Literaturangaben darf die innere Klammer übrigens einfach weggelassen werden (Neukirchen et al. 2016).

Auf keinen Fall sollten in mathematischen oder chemischen Formeln runde durch eckige Klammern ersetzt werden, nur weil die Formel im Text in einer Klammer steht. In beiden Fällen haben eckige Klammern nämlich eine Bedeutung. Bei chemischen Formeln markieren sie Komplexe oder Strukturelemente wie Siliziumoxidtetraeder.

Auch nicht schön, aber meines Wissens nicht falsch sind zwei direkt aufeinanderfolgende Klammern (z. B. Anmerkung gefolgt von) (Literaturverweis oder Copyright). Oft kann diese so umgestellt werden, dass eine Klammer weiter vorne steht.

Anführungszeichen

Die deutschen „Gänsefüße“ haben auf der linken Seite die Form 99 (Position unten) und rechts die Form 66 (Position oben). Alternativ gibt es auch eine »spitze« Variante. Die Position und Form der Anführungszeichen ist von Sprache zu Sprache verschieden. Bei Verwendung der Taste " wandelt die Autokorrektur von Word dieses normalerweise in das richtige Zeichen um, solange man beim Tippen die Reihenfolge von Leerzeichen, Anführungszeichen, Wort, Anführungszeichen, Leerzeichen richtig macht.

Fußnoten

Während Fußnoten in den Geisteswissenschaften in großer Menge verwendet werden, sind sie in den Naturwissenschaften sehr selten. Tatsächlich sind sie unnötig, da wir Literaturverweise wie Neukirchen (2016) im Text stehen haben und die ausführliche Angabe im Literaturverzeichnis steht. Und inhaltliche Anmerkungen sollten besser im Text stehen (in einer Klammer oder als für sich stehender Satz), da eine Fußnote in diesem Fall den Lesefluss stört.

Begriffe in anderen Sprachen

Je nach Fachrichtung werden Begriffe in anderen Sprachen entweder in Anführungszeichen oder — bei Naturwissenschaften häufiger — kursiv gesetzt. Die Begriffe werden dabei in Originalschreibweise belassen, auch was die Groß- und Kleinschreibung betrifft (im Englischen fast alles klein, selbst wenn die Abkürzung aus Großbuchstaben besteht). Etwa Mantel (coat), laser ablation, Periglazial von lat. peri etc. In der Biologie sind auch wissenschaftliche Namen wie Phascolarctos cinereus kursiv. Selbst das „et al.“ wird manchmal kursiv gesetzt.

Nicht kursiv sind fremdsprachliche Begriffe, die ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden haben. Das betrifft vor allem jene, die im Duden stehen (Hotspot, Wellness), aber auch andere häufig verwendete Fachbegriffe im jeweiligen Fachgebiet. Sie werden wie deutsche Begriffe verwendet (Substantive groß), High-Spin-Komplex, Borderlinestörung. Da es auch vom Thema des Textes und der Zielgruppe abhängt, ob es sich um einen häufig oder weniger häufig verwendeten Begriff handelt, fällt die Entscheidung für eine Schreibweise nicht immer leicht, auf jeden Fall muss sie konsequent im ganzen Text gleich sein.

Verschiedenes

  • Buchtitel werden oft kursiv gedruckt, mit der Ausnahme von berühmten Büchern wie der Bibel oder der Magna Carta.
  • Symbole für chemische Elemente sind nie kursiv — mit einer Ausnahme, nämlich wenn bei einer Verbindung ein sog. Lokantenatom angegeben ist, etwa bei N-Ethylanilin. Gemeint ist, dass die Ethylgruppe am N sitzt.
  • Bruchzahlen sollten immer wie ¼, nicht wie 1/4 gesetzt werden.
  • Schrägstrich wie bei und/oder ist ohne Leerzeichen, wenn auf beiden Seiten nur ein Wort steht / mit Leerzeichen bei mehreren Worten.
  • Tabellenzellen beginnen immer mit einem Großbuchstaben.
  • Marsh’sche Probe, Schmidt’sches Netz u. ä. ist alte Rechtschreibung. Das ist nach der neuen Rechtschreibung noch immer möglich, aber nicht mehr empfohlen. Stattdessen: marshsche Probe, schmidtsches Netz, darwinsche Evolutionstheorie.

Anmerkung

Das Thema Literaturverzeichnis ist einen eigenen Artikel wert. Auch generell ließe sich zu Typographie noch deutlich mehr sagen, Ligaturen bspw. kamen noch gar nicht vor. Viele weitere Details finden sich unter den unten aufgeführten Weblinks.

Wie genau man beim Satz vorgeht, ist trotz aller Normen sicherlich auch eine Frage des Geschmacks (bei einer Masterarbeit oder Veröffentlichung im Selbstverlag), des dafür geplanten Budgets (das von einem Verlag bei einem Lehrbuch für Studenten ganz anders geplant wird als bei einem Fachbuch in kleiner Auflage) und der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit. In vielen Fällen werden selbst große Verlage Kompromisse zwischen perfektem Satz und großem Arbeits- und Kostenaufwand eingehen. Hinzu kommt, dass manche Feinheiten von Verlag zu Verlag und auch von Fachgebiet zu Fachgebiet unterschiedlich gehandhabt werden.

Links