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Verregnete Ostalpen

Dachstein vom Unteren Gosausee
Dachstein vom Unteren Gosausee

Was ein Wetter. Wer diesen Juli in den Alpen verbracht hat, kann ein Lied davon singen: Es regnet, regnet, regnet. Statt jeden Tag zu wandern und Berge zu besteigen, verbringe ich letztlich die meiste Zeit damit, auf besseres Wetter zu warten. Und der Wetterbericht erweist sich als völlig unbrauchbar: Wenn mein Handy eine Warnung „Schweres Gewitter“ bekommt, scheint die Sonne. Wenn es sonnig sein soll, schüttet es wie aus Eimern. Und wenn ich hunderte Kilometer fahre, weil das Wetter dort besser sein soll, schafft es die Schlechtwetterfront doch bis zu mir…

Ich wollte diesen Sommer unbedingt in die Ostalpen, weil ich diese bisher regelrecht vernachlässigt habe. Ich arbeite gerade an der 2. Auflage meines Buchs Bewegte Bergwelt und ich wollte dafür noch einige Fotos machen. Diese bekomme ich tatsächlich in den Regenpausen zusammen. Zumindest mehr oder weniger.

Dachstein und Gesäuse

Dachstein Südwand
Dachstein Südwand

Meine erste Regenpause habe ich früh morgens an der Südwand des Dachsteins. Während es schüttet, fahre ich um das Dachsteinmassiv herum zum Unteren Gosausee und wandere tropfend zum Oberen Gosausee und zurück. Erst gegen Sonnenuntergang reißt es wieder auf … und bei Sonnenaufgang noch einmal. Die Wolken, die zwischen den zackigen Kalksteinzacken oberhalb des Sees hindurchziehen, sehen ziemlich gut aus und entschädigen ein wenig den verpassten Gipfel.

Am Oberen Gosausee
Am Oberen Gosausee

Nun fahre ich weit nach Osten bis ins Gesäuse, weil dort das Wetter angeblich ganz gut bleiben soll — letztlich regnet es dort aber ebenfalls. Die Enns zwängt sich hier zwischen den hoch aufragenden Kalkbergen Hochtor und Buchstein hindurch. Besonders schön ist der „Gesäuseeingang“ bei Weng, der plötzliche Übergang von weitem Tal zu enger Schlucht.

Gesäuseeingang bei Weng
Gesäuseeingang bei Weng

Vom anderen Ende der Schlucht ist es nur ein kurzer Abstecher zum Erzberg bei Eisenerz. Hier wird eine große metasomatische Siderit-Lagerstätte abgebaut (vgl. Die Welt der Rohstoffe). Ich nutze die Gelegenheit, einen Blick (von außen) auf den großen Tagebau zu werfen.

Gesäuseeingang bei Weng
Gesäuseeingang bei Weng

Die nächsten Tage folg sintflutartiger Regen. In Berchtesgaden wird eine Straße teilweise weggespült, überall gehen Muren ab und Wege werden unpassierbar. Ich verbringe so viel Zeit wie möglich unterirdisch. Das Salzbergwerk von Hallstatt ist enttäuschend, es geht von einer Lichtshow zur nächsten und ich fühle mich eher in einem Vergnügungspark als in einem Bergwerk.

Dafür ist die Eisriesenwelt bei Werfen wirklich großartig. Der Eingang zu dieser Eishöhle liegt hoch über dem Salzachtal. Ich erreiche ihn mit einer Kombination aus Schuttlebus, Seilbahn und kurzem Fußmarsch. Sobald die Tür geöffnet wird, strömt ein starker eisiger Wind aus der Höhle. Innen geht es in einem schrägen Schacht aufwärts und die ersten Eisformationen kommen in Sicht. Oben angekommen geht es durch mehrere kleine Hallen, die mit „Stalaktiten“ und „Stalaktmiten“ aus bläulichem Eis gefüllt sind. Und besonders toll dabei ist, dass die Höhle nicht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet ist. Wir bekommen ein paar Karbidlampen, hin und wieder wird ein Magnesiumstab abgebrannt, das ist alles — und das sorgt für eine besonders schöne Stimmung.

Hohe Tauern

Großglockner und Pasterze
Großglockner und Pasterze

Am ersten halbwegs guten Tag fahre ich früh morgens über die Großglockner-Hochalpenstraße zur Kaiser-Franz-Josephs-Höhe. Eigentlich will ich den Fuscherkarkopf besteigen, doch leider ist der Gamsgrubenweg und damit der Einstieg gesperrt: Auch hier ist ein Mure herunter gekommen. Stattdessen mache ich nur einen Spaziergang zum Gletschertor der Pasterze. Am Vormittag ballen sich schon wieder Quellwolken an den Gipfeln, während ich entlang der Straße Aussichtspunkte wie Hochtor und Edelweißspitze ansteure. Eigentlich wollte ich als nächstes zur Kürsingerhütte für einen guten Blick auf den Großvenediger, aber eine Mure hat diese Hütte für längere Zeit quasi unerreichbar gemacht.

Für meine einzige richtige Bergtour erwische ich den einzigen Tag mit perfektem Wetter: Die Watzmann-Überschreitung ist einen eigenen Artikel wert.

Mainzer Höhenweg

Hohe Geige vom Mainzer Höhenweg

Anschließend fahre ich in die Ötztaler Alpen, ins Pitztal, und steige zur kleinen, gemütlichen Rüsselsheimer Hütte auf. Am nächsten Tag wandere ich bei gutem Wetter über den Mainzer Höhenweg zur Braunschweiger Hütte: 10 Stunden durch alpines Gelände. Anfangs geht es unterhalb der Gipfel von einem Kar zum nächsten: Ich stapfe über Gletscherreste, kraxle durch Rinnen und über Felsriegel. Auf gar nicht so alten Fotos haben die Gletscher noch Spalten, jetzt leider fast eher Schneefelder!

Gletscherrest am Mainzer Höhenweg

Schließlich erreiche ich den Grat und folge diesen auf den Wassertalkogel (3252 m). Am Gipfel steht eine kleine orangerote Biwakschachtel, die wie eine Mischung aus Popart und Mondlandefähre aussieht. Der Blick ist großartig, insbesondere auf Wildspitze, Watzespitze und Verpeilspitze.

Blick vom Wassertalkogel zur Wildspitze
Blick vom Wassertalkogel zur Wildspitze

Über den Grat und mehrere kleinere Gipfel geht es weiter, bis ich die sehr schön gelegene Braunschweiger Hütte erreiche. Die Gletscher im Hintergrund haben in den letzten Jahrzehnten ganz schön viel Fläche eingebüßt!

Watzespitze und Verpeilspitze
Watzespitze und Verpeilspitze

Die Braunschweiger Hütte ist voller Wanderer, die hier ihren Höhepunkt bei der Alpenüberquerung auf dem E5 (von Oberstdorf nach Meran) haben. Ich stelle fest, dass alle mit dem Bus das gesamte Pitztal hinaufgefahren sind. Damit sinkt mein Respekt vor dieser Route in den Keller. Ganz davon abgesehen, dass Meran ja noch mitten in den Alpen liegt, dahinter könnte man noch wundervoll längs über die Brenta laufen!

Braunschweiger Hütte
Braunschweiger Hütte

Granatenwand

Ich folge den E5 hinab zum Auto, fahre das Tal hinab und das Ötztal wieder hinauf. Von Obergurgl nehme ich die Bahn auf die Hohe Mut: Ein grandioser Aussichtsplatz. Auf beiden Seiten des Grasrückens verlaufen parallel zueinander zwei Bilderbuch-U-Täler, dahinter vergletscherte Berge. Ich folge dem Rücken ein Stück und steige dann links in das Tal ab. Der Berg auf der anderen Seite heißt zu Recht Granatenkogel, schon in der Grundmoräne am Talboden sind zahlreiche große Granatkristalle zu finden. An der Gletscherstirn steige ich über die unangenehm steile und ziemlich rutschige Seitenmoräne zur berühmten Fundstelle „Granatenwand“ auf. Im Hangschutt liegen zahlreiche Granate, die ich nur aufzusammeln brauche. Leider zieht ein Gewitter auf und ich habe keine Zeit, auch den eigentlichen Fels anzusehen. Im strömenden Regen krabble ich die Moräne wieder hinab…

Auf der Hohen Mut
Auf der Hohen Mut

Eibsee und Zugspitze

Mein nächstes Ziel ist die Zugspitze. Bei Sonnenaufgang komme ich am Eibsee unterhalb dieses Berges an und sehe gerade noch, wie der Berg in Wolken verschwindet. Ich gehe auf der Nordseite entlang, durch hügeliges blockiges Gelände, an kleinen Tümpeln vorbei, bis zum besten Aussichtspunkt. Hier sieht man über die Inselchen hinweg zur Zugspitze. Bis diese zwischen den Wolken auftaucht muss ich aber ziemlich lange warten.

Eibsee mit Zugspitze
Eibsee mit Zugspitze

Die Inseln, Buchten und Tümpel gehen auf einen gewaltigen Bergsturz irgendwann in der Bronzezeit zurück. Ein Teil der Zugspitze rauschte in den See, die Abrissnische ist das V-förmige Bayrische Schneekar, vom Eibsee gesehen links unterhalb des Hauptgipfels. Die Bergsturzmasse schlitterte regelrecht durch den See hindurch und brandete am gegenüberliegenden kleineren Berg auf.

Später nehme ich die Seilbahn hinauf, stecke dann aber wieder in einer Wolke. Der Blick auf den „Gletscher“ ist trotzdem frei, aber mit all den Skianlagen nicht gerade schön.

Kurz vor Sonnenaufgang reißt es wieder auf. Ich stehe am Geroldsee: Im Vordergrund einige Heuschober, hinter dem See leuchtet der Karwendel rot auf. Am nächsten Morgen schüttet es wieder und ich werfe wieder alle Pläne um.

Geroldsee mit Karwendel
Geroldsee mit Karwendel

Zillertal und Zittauer Hütte

Als Ersatz für die noch immer unerreichbare Kürsingerhütte will ich zur Zittauer Hütte, die sich ganz im Westen der Hohen Tauern befindet. Während ich das Zillertal hinauf fahre, ist das Wetter plötzlich wieder gut und ich schiebe spontan eine kleine Wanderung dazwischen: Von Mayrhofen mit der Ahornbahn hinauf und via Edelhütte zur Ahornspitze (2973 m). Allerdings stecken die höheren Berge noch immer in den Wolken.

Zittauer Hütte am Unteren Gerlossee

Am nächsten Tag biege ich vom Gerlospass zum Hotel Finkau ab und wandere talaufwärts zur Zittauer Hütte. Erst geht es durch eine kurze Klamm, später über eine Steilstufe und an der Moräne entlang. Die Hütte liegt sehr schön am Unteren Gerlossee, darüber ragen Gabler, Reichenspitze und Wildgerlosspitze auf. Ich steige zum Oberen Gerlossee auf und steuere dann weglos die Wildkarspitze (3073 m) an. Erst geht es durch eine steile Rinne, dann in Kletterei im 2. Grad über den Grat auf und ab bis zum Gipfelkreuz. Von einem einzigen Steinmann abgesehen ist die Strecke nicht markiert und es gibt keine Sicherungen.

Unterer Gerlossee

Am nächsten Morgen wandere ich zum Rosskopf, einem beliebten Aussichtsgipfel. Allerdings lässt das Wetter schon wieder zu Wünschen übrig und ich bin Mittags wieder am Auto.

Mittenwalder Klettersteig

Blick von der Westlichen Karwendelspitze

Für meine letzte Tour fahre ich, der Wetterprognose folgend, die Stecke von vor 2 Tagen wieder zurück ins Karwendel. Morgens von Mittenwald mit der ersten Bahn hinauf, dann zum aufwärmen auf einem 10-Minuten-Klettersteig zur Westlichen Karwendelspitze. Die höchsten Gipfel des Gebirgszugs schauen gerade so aus den wabernden Wolken heraus, was grandios aussieht. Zurück zur Karwendelgrube an der Bergstation (diese große Kuhle im Grat ist eine Doline) geht es auf der anderen Seite mehr oder weniger dem Grat folgend über den Mittenwalder Klettersteig. Der ist landschaftlich sehr hübsch (wobei die Wolken es vielleicht noch spannender machen), ansonsten ziemlich einfach und nicht gerade sehr ausgesetzt. Je weiter ich komme, desto grüner werden die Hänge und desto mehr lösen sich die Wolken auf. Am anderen Ende steige ich, nach einem Abstecher zur Brunnsteinspitze, über die Brunnsteinhütte wieder ins Tal ab.

Karwendel vom Mittenwalder Klettersteig
Karwendel vom Mittenwalder Klettersteig

Watzmann-Überschreitung

Die Kraxelei über den Grat des Watzmanns dürfte die schönste Bergtour in Deutschland sein.

Der Watzmann über Berchtesgaden
Der Watzmann über Berchtesgaden (rechts Hocheck und Hauptgipfel, links Kleiner Watzmann)

„Groß und mächtig …“ Bei dieser Tour muss ich ständig an den Song von Ambros und Co. denken. Das sind aber keine um den Gipfel jagende Nebelschwaden, der Gipfel steckt während des Hüttenaufstiegs in einer dicken, penetranten Wolkendecke. Immerhin hatte zwei Tage zuvor ein heftiges Unwetter im Berchtesgadener Land Überschwemmungen und Muren ausgelöst. An diesem Tag sollte es eigentlich wieder besser sein, aber der Wetterbericht hat in diesem regnerischen Sommer in den Alpen fast nie recht. Ich hoffte nur, dass es am nächsten Tag so sonnig werden würde wie angekündigt.

Vom Parkplatz Wimbachhütte nehme ich nicht den direkten Weg zum Watzmannhaus, sondern marschiere erst einmal zur Achenkanzel, einem Aussichtspunkt hoch über dem Königssee. Tief unter mir liegt der See sogar teilweise in der Sonne, nur Schade, dass die Berge im Hintergrund nicht zu sehen sind. Abends sitze ich mit FFP2-Maske in der komplett belegten Hütte.

Blick vom Haupt- zum Südgipfel des Watzmanns
Immer den Grat entlang: Blick vom Haupt- zum Südgipfel des Watzmanns

Als einer der ersten breche ich in der Morgendämmerung auf und steige Richtung Hocheck auf. Bei Sonnenaufgang bin ich auf halber Höhe. Der Himmel ist fast wolkenfrei, nur über dem Königssee liegt eine dichte Nebelschicht. Später frühstücke ich auf dem ersten Gipfel, dem Hocheck. Hier ziehe ich Klettergürtel und Helm an und sobald die erste Gruppe auftaucht, gehe ich weiter über den Grat. An ausgesetzten Stellen gibt es immer ein Drahtseil, in das ich mich einklicken kann. In leichter Kletterei erreiche ich bald den Hauptgipfel (2713 m), wo ich fast allein bin. Besonders eindrucksvoll ist hier der Blick zum Südgipfel, in dessen Ostwand eine Wolke hängt. Der Grat hinüber sieht spektakulär aus, ich finde ihn aber letztlich leichter, als es von oben aussieht. Schließlich sitze ich für ein zweites Frühstück auf dem Südgipfel und damit meinem dritten Gipfel.

Wimbachgries
Wimbachgries

Der Weg hinab zieht sich. Immer wieder geht es durch steile Rinnen und über bröckelige Felsen, das Gelände ist dermaßen steinschlaganfällig, dass ich nur im Schneckentempo vorwärts komme. Während der obere Teil des Bergs aus dem für Bergsteiger angenehmen Dachsteinkalk besteht, geht es nun durch die darunter liegenden Dolomite (Karn-Norischer Dolomit und Ramsaudolomit, dazwischen die tonig-mergeligen Raibler Schichten). Diese sind bei tektonischer Beanspruchung viel spröder und daher zerbrochen und stark geklüftet.

Wenn man das Gefühl hat, schon fast unten zu sein, kommt doch noch eine Steilstufe, bevor man endlich das breite Tal Wimbachgries erreicht. Von den zackigen Bergen rund herum reichen zahlreiche Murgänge abwärts, die sich im Tal zu einem riesigen Schuttstrom vereinigen. Bei starken Regenfällen kommt dieser in Bewegung, ansonsten liegt der Schotter ruhig da und das Wasser der Bäche versickert darunter.

Wimbachgries
Wimbachgries

Das Tal mit dem weiten Schotterbett führt parallel zum Watzmannmassiv zum Auto zurück. Anfangs ist die merkwürdige Landschaft noch ungewohnt und gefällt, mit der Zeit will das Tal jedoch kein Ende nehmen…

Watzmann von Maria Ger
Watzmann von Maria Gern

Am nächsten morgen will ich den Berg noch in den schönsten Postkartenansichten fotografieren: bei Sonnenaufgang beim Kirchlein Maria Gern, der Blick von der Straße über Berchtesgaden und schließlich vom Gipfel des Jenner. Allerdings ist der Watzmanngipfel schon wieder in Wolken verschwunden, bis ich mit der ersten Bahn auf dem Jenner ankomme…

Blick vom Jenner auf Königssee und Watzmann
Blick vom Jenner auf Königssee und Watzmann

Anschließend gehe ich noch die kurze Runde über Rabenwand und Malerwinkel, die bekanntesten Aussichten auf den Königssee. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kommen mir Menschenmassen entgegen und ich bin froh, dass ich früh aufgestanden und mit meinem Programm schon fertig bin.

Königssee von Rabenwand
Königssee von Rabenwand

Vor meiner Watzmann-Tour habe ich in Ramsau bei meist strömendem Regen auf besseres Wetter gewartet. Da hatte ich viel Zeit, um den Zauberwald und den Hintersee zu erkunden. Beide gehen auf einen gewaltigen Bergsturz zurück, der nach den Eiszeiten vom Hochkalter herunter rauschte und den Bach aufstaute. Die großen Felsblöcke im Wald, im Bach und auch am Seeufer machen den Reiz dieser Landschaft aus.

Hintersee bei Ramsau
Hintersee bei Ramsau

Popular Book Chapter

Pretty cool: One chapter in The World of Mineral Deposits „was among the Springer Nature 2020 Highlights — a selection of the most popular articles and book chapters published last year“ (i.e. published by Springer Nature). Whatever that means…

You can find the book chapters on Springer Link and the complete book here on the Springer Website.

Florian Neukirchen, Gunnar Ries
The World of Mineral Deposits
A Beginner’s Guide to Economic Geology

Triglav, Krn und Soča

Meine Wanderungen durch den Triglav-Nationalpark in den Julischen Alpen in Slowenien führten zu beeindruckenden Aussichten auf schroffe Kalkberge und kleine Bergseen und den schönen Bergfluss Soča entlang.

Zasavska koča, Triglav-Nationalpark
Abendstimmung an der Zasavska koča, Triglav-Nationalpark

Es gibt viele Wege auf den Triglav, den höchsten Berg Sloweniens, und da alle landschaftlich reizvoll sind, fiel mir die Wahl schwer: Vom Norden aus dem Vrata-Tal über die Klettersteige entlang der hohen steilen Nordwand? Oder doch lieber die lange, mehrtägige Route vom Süden, von See zu See und Hütte zu Hütte durch das „Tal der Triglav-Seen“ (auch: „Tal der Sieben Seen“ oder „Tal der Fünf Seen“)? Die Kombination war mir zu unpraktisch, da ich dann ja irgendwie zum Auto zurück müsste.

Triglav

Ich entschied mich für den Aufstieg vom Norden — und dafür, anschließend einen Trek durch das Tal der Triglav-Seen zu machen. Es war der erste Tag mit gutem Wetter nach heftigen Gewittern, bei Sonnenaufgang wanderte ich im Vrata-Tal vom Parkplatz der Hütte Aljažev Dom auf die Nordwand des Triglav zu.

Nordwand des Triglav vom Vrata-Tal
Nordwand des Triglav vom Vrata-Tal

Drei Klettersteige führen von hier aufwärts zu den Schultern unterhalb des Gipfelklotzes: Der Bamberg-Weg (Plemenice) rechts der Nordwand, der (einfache) Prag-Weg links der Nordwand und der Tominšek-Weg noch etwas weiter links. Ich nahm den Bamberg-Weg hinauf, der etwas schwerer und weniger überlaufen ist und schöne Blicke in die Nordwand bietet. Zunächst führt ein Weg in die Scharte nordwestlich des Triglavs, wo ich den Klettergurt anzog.

Auf dem Bamberg-Weg hinauf zum Triglav
Auf dem Bamberg-Weg hinauf zum Triglav

Mit schönen Blicken geht es den steilen Grat hinauf, bis auf ein hügeliges Karstplateau, das vom Gipfelklotz des Triglav überragt wird. Es folgt ein zweiter, leichterer Klettersteig bis zum Gipfel, auf dem es bereits von Bergsteigern wimmelte, die von der anderen Seite aufgestiegen waren. Ich war gerade noch rechtzeitig gekommen, um die Aussicht zu genießen, wenig später waberten die Wolken nach oben und es war nicht mehr viel zu sehen.

Blick vom Triglav
Blick vom Triglav

Auf der gegenüberliegenden (östlichen) Seite folgte ich dem Normalweg über den von Wolken umwaberten Grat abwärts zur Triglav-Hütte. Das Gedränge war mir zu groß, um zu verweilen (Mittagszeit). Später stieg ich versehentlich über den Prag-Weg ab (ich hatte den schöneren Tominšek-Weg geplant, aber die Tourenbeschreibung falsch im Kopf und nur auf die Karte, nicht auf den Zettel geschaut). Am späten Nachmittag war ich schon wieder unten an der Aljažev-Hütte.

Abstieg zur Triglav-Hütte
Abstieg zur Triglav-Hütte

Prisojnik Fensterweg

Am nächsten Tag fuhr ich auf den Vršič-Pass, wo es einen interessanten Klettersteig gibt: Der Prisojnik Fensterweg führt durch ein ca. 50 m hohes Felsfenster hindurch. Oben angekommen stieg ich natürlich noch auf den Gipfel des Prisojnik auf, mit einem tollen Blick über die Julischen Alpen, bevor ich über einen einfachen Weg wieder zum Pass abstieg.

Fenster am Prisojnik
Fenster am Prisojnik (der schwarze Punkt gegen den Himmel ist ein Bergsteiger)

Bei der Weiterfahrt nach Trenta hielt ich noch an der Quelle der Soča: Der Bergfluss strömt in Form eines Siphons aus einer kleinen Höhlenöffnung.

Triglav-Seen und Krn

Aufstieg zur Zasavska koča
Aufstieg zur Zasavska koča

Von Trenta startete ich eine Mehrtageswanderung zu den Triglav-Seen und den Krn (ungefähr so). Ein Stück das Zadnjica-Tal hinauf, dann nach rechts zu einem Sattel und schließlich auf einem gut ausgebauten Militärweg aus dem 1. Weltkrieg zur kleinen Hütte Zasavska koča, die wunderschön auf dem Gipfel des Prehodavci liegt. Den Nachmittag nutzte ich, um die nähere Umgebung zu erkunden, mit kleinen Seen, Karren und schönen Aussichten. Ich stieg auch Richtung Triglav auf (bis zum Sattel), der aber in Wolken versteckt war.

Abendstimmung an Zasavska koča
Abendstimmung an Zasavska koča
Karren an der Zasavska koča
Karren an der Zasavska koča
Zasavska koča, Morgenlicht
Zasavska koča, Morgenlicht

Am nächsten Morgen wanderte das Tal der Triglav-Seen hinab bis zur Triglav-Seen-Hütte. Wirklich wunderschön war der auf halber Strecke liegende größte See, Jezero v Ledvicah. Die kleinen Seen bei der Hütte waren hingegen voller Algen und es stand technische Ausrüstung wie Netze und Pumpen herum, um sie zu retten. Einer war mit Flatterband abgesperrt…

Jezero v Ledvicah im Tal der Triglav-Seen
Jezero v Ledvicah im Tal der Triglav-Seen
Triglav-Seen-Hütte
Triglav-Seen-Hütte

In ständigem auf und ab wanderte ich nun meist durch lichten Bergwald (und an vielen Schüsselförmigen Dolinen vorbei) zur Bogatin-Hütte. Nach dem Mittagessen stieg ich zu einem kleinen Pass auf und wanderte weiter zur Krn-Hütte. Natürlich machte ich noch einen kurzen Abstecher zum sehr hübschen Krn-See, aber auch zum direkt neben der Hütte hinter den Bäumen versteckten Dupelsjko Jezero.

Krn-See
Krn-See

Zum Krn starte ich früh morgens (ich hatte beobachtet, dass dieser Berg immer einer der ersten war, der Mittags in Wolken verschwand), zum Frühstück saß ich bei Sonnenaufgang am Krn-See. Die Nordseite des Berges ist eine Felswand, doch sobald man den Sattel links davon erreicht hat, stellt man fest, dass die andere Seite eine steil abfallende Wiese ist. Der Berg war im 1. Weltkrieg stark umkämpft und noch immer sind Reste der Stacheldrahtverhaue zu sehen. Vom Gipfel aus stieg ich über diese nach Süden ab und bog zum Dorf Drežnica ab. Nach einem zweiten Mittagessen im einzigen Restaurant rief ich ein Taxi und ließ mich bis Bovec fahren.

Krn-See
Krn-See

Soča

Soča, Velika Korita
Soča, Velika Korita

Die Soča ist ein wunderschöner Alpenfluss mit türkisem bis aquamaringrünem Wasser. Er ist berühmt für Kajak- und Raftingtouren, beliebt ist aber auch der Wanderweg von der Quelle bei Trenta bis Bovec, der Soča Trail bzw. Soška Pot, eine Etappe des Alpe-Adria-Trails. Ich nehme diesen Weg, um von Bovec zurück zum Auto zu kommen.

Soča, Zmuklica
Soča, Zmuklica

Meist hat die Soča ein breites Bett, mit Schotter- und Kiesstränden, großen Steinblöcken, Stromschnellen und Gumpen. Dreimal zwängt sie sich durch ein paar Meter tiefe, sehr enge Schluchten. Das Wasser wirbelt dort unten in engen Kurven von einem Kolk zum nächsten. Am schönsten ist die besonders tiefe Velika Korita, wo auch noch ein paar kleine Wasserfälle die Seitenwand hinabstürzen. An der Zmuklica, der untersten Schlucht, war ich recht früh am morgen und daher fast allein, was sehr schön war. Währenddessen war an der Mala Korita, weiter flussaufwärts, bereits einiges los.

Soča, Mala Korita
Soča, Mala Korita

Wasserfälle und Schluchten

Mir blieben noch zwei Tage mit viel Regen. Ich ließ mich auf einem Campingplatz bei Bovec nieder, machte eine Raftingtour und ein paar Ausflüge…

Slap Virje
Slap Virje

Nahe Bovec liegt der kleine, aber sehr hübsche Wasserfall Slap Virje, das Wasser rieselt in Vorhängen über Kalksinter. Nur leider wird das meiste Wasser direkt oberhalb zu einem Wasserkraftwerk abgeleitet, sonst wäre der Wasserfall noch viel beeindruckender! Der Bach entspringt nur ca. 300 m entfernt in einer Karstquelle namens Izvir Glijuna: das Wasser strömt aus den Ritzen zwischen moosbewachsenen Kalkblöcken.

Izvir Glijuna
Karstquelle Izvir Glijuna

Wenige Kilometer entfernt ist der mächtigste Wasserfall des Landes, Slap Boka (dessen Wasser übrigens direkt oberhalb des Wasserfalls aus einer Karstquelle kommt). Ich wanderte links (von unten gesehen) des Wasserfalls aufwärts von einem Aussichtspunkt zum nächsten, bis ich höher als das obere Ende des Wasserfalls stand und auf diesen hinabblicken konnte.

Slap Boka
Slap Boka

Die Tolminer Klammen besuchte ich bei derart heftigem Regen, dass ich kaum Fotos machen konnte, alles war sofort tropfnass. Die Schlucht ist hübsch mit ein paar wirklich schönen Stellen, aber das ganze ist sehr klein und nach einer halben Stunde war ich wieder beim Auto.

Tolminer Klammen
Tolminer Klammen

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Abschied vom Eis von Peter Wadhams

Der britische Polarforscher Peter Wadhams hat ein packendes Buch über den Klimawandel und die dramatischen Änderungen in der Arktis geschrieben, das nun auch auf Deutsch erscheint.

Die Arktis ist die Region, die schon heute am stärksten vom Klimawandel betroffen ist — was über die dabei ablaufenden Rückkopplungen globale Auswirkungen hat. Das von mir ins Deutsche übersetzte Buch von Peter Wadhams beschreibt eindrücklich, was dort in den letzten Jahrzehnten passiert ist, zusammen mit viel Hintergrundwissen über das Meereis, über Forschungsexpeditionen, über Meeresströmungen und Rückkopplungen. Und er ruft dazu auf, noch viel stärkere Anstrengungen zum Klimaschutz zu unternehmen (wobei ich persönlich das Plädoyer für Kernenergie und für Wolkenaufhellung nicht unterschreiben würde, aber auf jeden Fall bin ich für einen viel schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, für Sektorenkopplung und für Forschung im Bereich direct air capture). Der Autor hat für die deutsche Ausgabe auch ein neues Kapitel geschrieben, um das Buch auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Peter Wadhams
Abschied vom Eis
Ein Weckruf aus der Arktis

Aus dem Englischen übersetzt von Florian Neukirchen
Springer
Originaltitel: A Farewell to Ice

 

Im Moment ist die Energiewende ja leider vor lauter Corona etwas in den Hintergrund gerückt, die tägliche Live-Berichterstattung scheint gerade viel wichtiger als die ein paar Jahrzehnte entfernte Zukunft. Ich hoffe wirklich, dass die angekündigten Konjunkturpakete in die richtige Richtung gehen. Das Thema finde ich weiterhin sehr wichtig und ich freue mich darüber, dass ich mich im letzten Jahr beruflich viel mit dem Thema Klimawandel beschäftigen konnte. So habe ich auch das Buch Die Folgen des Klimawandels herausgegeben, das Artikel aus der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft zusammenstellt. Und dann war ich noch als Lektor an  Büchern über Klimapolitik, Energiewende und Gletscherrückgang beteiligt.

Abijatta-Shalla-Nationalpark

An den Seen im Äthiopischen Graben: Abiattasee, Shallasee, Langanosee und Ziwaysee

Shala Lake
Shallasee

Der Coronavirus und gecancelte Flüge warfen zum Ende unserer Reise alle Pläne um. Statt im Norden Aksum, die Felskirchen in Tigray und den Vulkan Erta Ale zu besuchen, fuhren wir ein zweites Mal in den Äthiopischen Graben (der zum Ostafrikanischen Graben gehört). Dieser ist von einer Kette von Seen gefüllt, die in der Regel nicht durch Wasserläufe verbunden sind und meist keinen Ausfluss haben. Entsprechend sind sie mehr oder weniger salzig. Im Süden waren wir zu Beginn der Reise beim Abaya- und beim Chamosee, nun fuhren wir zu einer Reihe etwas kleinerer Seen, die näher bei Addis Abeba liegen.

Der tiefe Shallasee füllt eine große Caldera und der Blick vom Calderarand war wirklich schön. Im Herbst nisten an seinem Ufer tausende Flamingos, aber wir trafen nur wenige an. Etwas weiter blubbert eine kochend heiße Quelle, im Bach nebenan baden die Anwohner und ihrer Kühe. Eine nur 2 km breite Landenge trennt ihn vom Abijattasee, der flach und sehr salzig ist. Im Nationalpark gibt es viele Dörfer, Felder und Kuhherden, während man Antilopen usw. nur in einem Gehege zu sehen bekommt.

Heiße Quellen
Heiße Quellen am Shallasee

Ganz in der Nähe liegt der Langanosees, dessen braunes Wasser so alkalisch ist, dass es darin keine Biharziose gibt und man gefahrlos baden kann (und man auch keine Seife braucht). Entsprechend reiht sich an seinem Ufer ein Resort an das nächste, die Reichen aus Addis verbringen hier wohl gern die Wochenenden.

Ziway
Marabus am Ziwaysee

Der Ziwaysee wiederum ist das Zentrum der industriellen Landwirtschaft, gigantische Treibhäuser züchten Blumen für den Export, aber auch Erdbeeren, Orangen usw. Wir halten am Bootssteg von Ziway (wo am Morgen der Fischmarkt war). Während Kinder im Wasser planschen, schwimmen Pelikane vorbei, am Ufer und auf der Fischmarktwiese stolzieren hunderte Marabus.


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Lalibela

Bei den faszinierenden Felskirchen im „afrikanischen Jerusalem“

St. Georg in Lalibela
St. Georg in Lalibela

Die faszinierenden Felskirchen von Lalibela aus dem 12./13. Jh. sind das religiöse Zentrum von Äthiopien. Sie sollten Jerusalem repräsentieren, einschließlich Golgatha, Grab und Jordan. Die Kirchen wurden komplett aus dem Fels geschlagen, umgeben von einem steilen Graben. Das Gestein wurde entfernt, übrig blieben Kirchen mit detaillierten Fassaden, Säulen und Gewölben. Die Fassaden nehmen Anleihen aus der antiken Architektur der Aksumiten auf. Zwischen den Kirchen gibt es ein System aus Gräben (die als Zugang und zur Entwässerung dienen) und unterirdischen Gängen. Die Anlage erinnert entfernt an Orte wie Petra, Kappadokien oder Ellora, aber in Lalibela werden sie noch lebhaft als religiöse Stätten benutzt.

Zufällig waren wir an einem Feiertag da, zur Halbzeit der Fastenzeit, und Pilgermassen in weißen Umhängen strömten um die Kirche, rasselten mit ihrem Sistrum und stimmten auf ihre Stäbe gestützt Gesänge an. Zu dieser etwas spirituellen Stimmung (die ich als kulturell interessierter Atheist als Beobachter aufnahm) kam ein gewisses Indianer-Jones-Feeling beim Erkunden der Gänge.

Bet Amanuel in Lalibela
Bet Amanuel in Lalibela

Am bekanntesten ist St. Georg, eine kreuzförmige Kirche, die wie eine große Steinversion der kleinen hölzernen Altäre aussieht, die vor Blicken verborgen in den Allerheiligsten der Kirchen (und sichtbar in manchen Museen) stehen. Von außen ist sie die schönste Kirche. Dafür haben Bet Maryam und Bet Amanuel die schönsten Innenräume.

Bet Amanuel in Lalibela
Bet Amanuel in Lalibela

Äthiopien war das zweite Land der Welt, in dem das Christentum zur Staatsreligion wurde: kurz nach Armenien und kurz vor Georgien. Auch an diese Länder erinnert mich Lalibela, vielleicht nicht ganz zufällig.

 

Da wegen Corona immer mehr Flüge eingestellt wurden und die deutsche Botschaft empfahl, einen Heimflug zu organisieren, solange es noch einen gibt, buchten wir ein neues (teures) Ticket zu einem früheren Termin, womit uns nur noch wenige Tage in Äthiopien verblieben. Der Vulkan Erta Ale und die Danakildepression, worauf ich mich als Geologe besonders gefreut hatte, waren damit bereits gestrichen. Wir wollten nun von Lalibela nach Aksum fliegen und dann noch ein paar der Kirchen in Tigray besuchen, aber am Abend vor dem Flug rief uns Ethiopian an, der Flug sei gecancelt und wir müssten via Addis fliegen. Damit wäre ein weiterer Tag verloren gegangen. Wir beschlossen, lieber in Addis zu bleiben bzw. nochmals von dort ins Riftvalley zu fahren. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt: Die Region Tigray rief bald darauf den Notstand aus und verbot die ein- und ausreise. Dabei gab es in Äthiopien erst eine Hand voll bestätigter Coronafälle…


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Gondar

In der alten Hauptstadt von Äthiopien

Fasilides Palast in Gondar

Zurück von den Simien Mountains in der alten Hauptstadt Gondar stellten wir fest, dass Lufthansa wegen Corona die Flüge eingestellt hat und damit ein dickes Fragezeichen über dem Rückflug schwebte. Wir wurden auf Flüge mit Ethiopian Airlines umgebucht, verbrachten aber insgesamt 7 h im Büro von Ethiopian mit dem Versuch, früher (ohne Erfolg) und alle gemeinsam in einem Flugzeug (mit Erfolg) gebucht zu werden.

Wir hatten aber auch Zeit, um die Kaiserpfalz anzusehen, ein von einer weiten Mauer umfasstes Gelände mit mehreren Palästen und Gebäuden, von denen zum Teil aber nur Ruinen übrig sind. Gut erhalten und besonders schön ist der Palast von Fasilides aus dem 17. Jh., den ein indischer Architekt entworfen hatte. Tatsächlich erinnert mich der Palast entfernt an Indien, vor allem an Orcha.

Kaffee
Kaffee, frisch zubereitet

Interessant war auch die Kirche Debre Berhan Selassi, die große Ähnlichkeit mit den Kirchen am Tanasee hat, mit ihren bemalten Wänden und dem lichten äußeren Umgang, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie einen rechteckigen und keinen runden Grundriss hat.


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Simien Mountains

4 Tage Trekking im höchsten Bergmassiv Äthiopiens von Simien Lodge über Sankaber, Geech, Imet Gogo nach Chenek und auf den Bwahit

Simien Mountains
Simien Mountains bei Imet Gogo

Die Simien Mountains in Äthiopien sind die Reste eines alten Schildvulkans. Es handelt sich weitgehend um ein grasbewachsenes Hochplateau und sanfte Bergrücken, aber randlich  fällt es teils jäh in einer  Steilwand ins Tiefland ab.  Besonders spektakulär ist die Steilwand im Nordwesten, der am häufigsten besuchte Teil des Simien Nationalparks. Mich erinnert die Landschaft ein wenig an die Riftkante in Tansania aus meiner Diplomarbeit, weil die Steilwand durch einzelne Lavaströme in Stufen gegliedert ist und sie (jetzt in der Trockenzeit) mit ähnlichem trockenem Gras bewachsen ist. Allerdings ist die Kante in den Simien Mountains stärker gegliedert, sie springt vor und zurück und es gibt einige vorgelagerte Felsberge.

Simien Mountains bei Chenek
Bei Chenek

Die Gesteine hängen mit der Entstehung des Ostafrikanischen Grabens zusammen (siehe auch mein Buch Bewegte Bergwelt). Noch vor der eigentlichen Grabenbildung wurden im Oligozän vor ca. 30. Mio. Jahren enorme Mengen an Basaltlava gefördert, diese Flutlaven überdeckten ein riesiges Gebiet mit einer dicken Gesteinsschicht, das heutige Hochland von Abessinien (bzw. Äthiopien). Wenig später entstanden auf dem Plateau mehrere große Schildvulkane, die Simien Mountains sind die Reste von einem davon.

Im Miozän setzte eine starke Hebung durch den dynamischen Druck des darunter aufsteigenden Mantelplumes ein. Eine Region mit einem Durchmesser von rund 1000 km war betroffen, der sog. Afar-Dom oder Äthiopien-Dom. Nun begann die Absenkung des Äthiopiengrabens (im Süden) und des Afar-Dreiecks (am Tripelpunkt mit dem Roten Meer und dem Golf von Oman), wobei die Grabenschultern weiter angehoben wurden.

Kadavit
Kadavit

Leider hatten wir großes Pech, was die Sicht angeht. Ein Sandsturm mit Staub aus der Sahara machte es so dunstig, dass wir am ersten Tag kaum den unteren Rand der Steilstufe erkennen konnten. Die Sicht wurde zwar Tag für Tag etwas besser, aber kein Vergleich zu den Fotos, die ich zuvor gesehen hatte. Davon abgesehen sind Fotos, die direkt nach der Regenzeit (im Oktober) aufgenommen wurden, viel beeindruckender, weil alles grün ist.

Wer in den Simien Mountains wandern will,  muss zumindest einen mit einer Kalaschnikow bewaffneten Ranger (Scout) dabei haben, in der Regel kommen auch ein Führer und ein Koch und ein Hilfskoch und ein Mulitreiber mit…

Gelada
Dschelada

Wir fuhren von Debark (mit der Nationalparkverwaltung) in den Nationalpark bis kurz hinter die Simien Lodge und begannen die Wanderung entlang der Steilkante wie gesagt bei extrem schlechter Sicht. Unterwegs machen wir die erste Bekanntschaft mit den Dscheladas (Geladas), einer endemischen Affenart, die Pavianen ähnlich sieht. Die Männchen haben einen auffälligen herzförmigen Fleck auf der Brust. Fast jeden Tag trafen wir auf eine Gruppe dieser Affen. Am Nachmittag erreichten wir das Camp Sankaber,  das auf einem schmalen Rücken zwischen der nördlichen Steilkante und einer Richtung Süden eingeschnittenen Schlucht liegt.

Plateau bei Geech mit Riesenlobelien

Am zweiten Tag wanderten wir entlang der Kante zum Jinbar Wasserfall, der an einer der schönsten Stellen die nördliche Steilkante hinabstürzt (wobei gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser fließt und der Dunst noch immer die Sicht stark einschränkte). Später ging es über das grasige Plateau zum Geech Camp, in dessen Umgebung viele der merkwürdigen Riesenlobelien wachsen. Abends stiegen wir zum Kadavit auf, einem Gipfel an der Steilkante. Bei Sonnenaufgang kam eine riesige Affenherde vom Plateau herauf und zog direkt an uns vorbei, um zu den kleinen Schlafhöhlen im Steilwand abzusteigen.

Dscheladas auf dem Kadavit

Am nächsten Morgen wanderten wir zum besten Aussichtspunkt, eine Felskanzel namens Imet Gogo. Unterhalb ragen zwei Felsklötze auf, weitere Monolithe sind im Dunst in der Ferne zu ahnen. Um von hier aus das Camp Chenek zu erreichen, mussten wir der Steilkante folgend ein gutes Stück in das obere Ende eines Tals absteigen, der Kante weiter folgend auf die nächsten Berge hinauf und auf der anderen Seite hinunter. Chenek liegt direkt neben der Kante, mit einem wundervollen Aussichtspunkt, aber auch direkt an der ungepflasterten Straße, über die ständig schwer beladene LKW rumpeln (eine neue Straße, die um die Berge herum führt, ist in Bau).

Blick bei Chenek
Blick bei Chenek

Am nächsten Tag stiegen wir auf den Berg Bwahit (4430 m) auf, immerhin der zweithöchste Berg der Simien Mountains und einer der höchsten des Landes. Leider liegt der Straßenpass nur wenig unterhalb des Gipfels und unser Weg kreuzt mehrfach die in den Hang geschnittenen Serpentinen, über die sich die LKW in eine riesige Staubwolke gehüllt quälen. Immerhin entdeckten wir beim Blick über eine Felskante ein paar Steinböcke (die endemische Art Äthiopischer Steinbock oder Walia). Vom Gipfel aus ist auch der höchste Berg der Simien Mountains (und der höchste des Landes), Ras Dashen, zu sehen, der am anderen Ende des Bergmassivs steht.

Am Morgen des 5. Tags wurden wir mit einem Minibus abgeholt und fuhren nach Debark zurück, zum Mittagessen waren wir schon in Gondar.


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Tanasee

Bootstour auf dem größten See Äthiopiens zu den alten Kirchen auf der Halbinsel Zeghe

Tanasee
Tanasee

Die Stadt Bahir Dar am Ufer des Tanasees ist der Ausgangspunkt für eine halbtägige Bootstour zur Halbinsel Zeghe. Hier befinden sich die am leichtesten erreichbaren Klosterkirchen, für die der größte See Äthiopiens bekannt ist. Wir besuchen zwei davon, Ura Kidane Meret und Azuwa Maryam. Beide sind sehr ähnlich, wobei erstere innen besonders schön ist und die andere dank ihres mit Stroh gedeckten Daches von außen. Es handelt sich um runde Bauten mit Lehmwänden. Im Zentrum befindet sich das Allerheiligste mit quadratischem Grundriss, rund herum der Hauptraum, dessen Wände mit bemaltem Stoff bespannt sind. Dieser Raum ist von einem lichten Gang umgeben, mit einer Bambuswand, die oben offen ist. Die Kombination aus Quadrat und Kreis, die Hell-Dunkel-Kontraste, die roten Vorhänge und bunten Bilder machen dies zu einem sehr stimmungsvollen Innenraum.

Ura Kidane Meret
Ura Kidane Meret

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in den Ausfluss des Blauen Nils, wo wir ein einzelnes Nilpferd fanden.

Ura Kidane Meret
Ura Kidane Meret

Bahir Dar hat den Ruf, dass hier Touristen oft verarscht werden. Auch bei unserer Tour bekommen wir nur ein Bruchteil von dem, was uns vorher angepriesen wurde. Angeblich sollte auf der Halbinsel ein Führer auf uns warten, von dem es keine Spur gab, wir sahen 2 Kirchen statt 5 und es gab auch nicht das versprochene Trinkwasser… Dazu kam, dass der Himmel gelblich grau gefärbt, wegen eines Sturms in der Sahara, was uns später auch den Ausblick von den Simien Mountains vermiesen wird.


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