Blog

Watzmann-Überschreitung

Die Kraxelei über den Grat des Watzmanns dürfte die schönste Bergtour in Deutschland sein.

Der Watzmann über Berchtesgaden
Der Watzmann über Berchtesgaden (rechts Hocheck und Hauptgipfel, links Kleiner Watzmann)

„Groß und mächtig …“ Bei dieser Tour muss ich ständig an den Song von Ambros und Co. denken. Das sind aber keine um den Gipfel jagende Nebelschwaden, der Gipfel steckt während des Hüttenaufstiegs in einer dicken, penetranten Wolkendecke. Immerhin hatte zwei Tage zuvor ein heftiges Unwetter im Berchtesgadener Land Überschwemmungen und Muren ausgelöst. An diesem Tag sollte es eigentlich wieder besser sein, aber der Wetterbericht hat in diesem regnerischen Sommer in den Alpen fast nie recht. Ich hoffte nur, dass es am nächsten Tag so sonnig werden würde wie angekündigt.

Vom Parkplatz Wimbachhütte nehme ich nicht den direkten Weg zum Watzmannhaus, sondern marschiere erst einmal zur Achenkanzel, einem Aussichtspunkt hoch über dem Königssee. Tief unter mir liegt der See sogar teilweise in der Sonne, nur Schade, dass die Berge im Hintergrund nicht zu sehen sind. Abends sitze ich mit FFP2-Maske in der komplett belegten Hütte.

Blick vom Haupt- zum Südgipfel des Watzmanns
Immer den Grat entlang: Blick vom Haupt- zum Südgipfel des Watzmanns

Als einer der ersten breche ich in der Morgendämmerung auf und steige Richtung Hocheck auf. Bei Sonnenaufgang bin ich auf halber Höhe. Der Himmel ist fast wolkenfrei, nur über dem Königssee liegt eine dichte Nebelschicht. Später frühstücke ich auf dem ersten Gipfel, dem Hocheck. Hier ziehe ich Klettergürtel und Helm an und sobald die erste Gruppe auftaucht, gehe ich weiter über den Grat. An ausgesetzten Stellen gibt es immer ein Drahtseil, in das ich mich einklicken kann. In leichter Kletterei erreiche ich bald den Hauptgipfel (2713 m), wo ich fast allein bin. Besonders eindrucksvoll ist hier der Blick zum Südgipfel, in dessen Ostwand eine Wolke hängt. Der hinüberführende Grat sieht spektakulär aus, ich finde ihn aber letztlich leichter, als es von oben aussieht. Schließlich sitze ich für ein zweites Frühstück auf dem Südgipfel und damit meinem dritten Gipfel.

Wimbachgries
Wimbachgries

Der Weg hinab zieht sich. Immer wieder geht es durch steile Rinnen und über bröckelige Felsen, das Gelände ist dermaßen steinschlaganfällig, dass ich nur im Schneckentempo vorwärts komme. Während der obere Teil des Bergs aus dem für Bergsteiger angenehmen Dachsteinkalk besteht, geht es nun durch die darunter liegenden Dolomite (Karn-Norischer Dolomit und Ramsaudolomit, dazwischen die tonig-mergeligen Raibler Schichten). Diese sind bei tektonischer Beanspruchung viel spröder und daher zerbrochen und stark geklüftet.

Wenn man das Gefühl hat, schon fast unten zu sein, kommt doch noch eine Steilstufe, bevor man endlich das breite Tal Wimbachgries erreicht. Von den zackigen Bergen rund herum reichen zahlreiche Murgänge abwärts, die sich im Tal zu einem riesigen Schuttstrom vereinigen. Bei starken Regenfällen kommt dieser in Bewegung, ansonsten liegt der Schotter ruhig da und das Wasser der Bäche versickert darunter.

Wimbachgries
Wimbachgries

Das Tal mit dem weiten Schotterbett führt parallel zum Watzmannmassiv zum Auto zurück. Anfangs ist die merkwürdige Landschaft noch ungewohnt und gefällt, mit der Zeit will das Tal jedoch kein Ende nehmen…

Watzmann von Maria Ger
Watzmann von Maria Gern

Am nächsten Morgen will ich den Berg noch in den schönsten Postkartenansichten fotografieren: bei Sonnenaufgang beim Kirchlein Maria Gern, der Blick von der Straße über Berchtesgaden und schließlich vom Gipfel des Jenner. Allerdings ist der Watzmanngipfel schon wieder in Wolken verschwunden, bis ich mit der ersten Bahn auf dem Jenner ankomme…

Blick vom Jenner auf Königssee und Watzmann
Blick vom Jenner auf Königssee und Watzmann

Anschließend gehe ich noch die kurze Runde über Rabenwand und Malerwinkel, die bekanntesten Aussichten auf den Königssee. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kommen mir Menschenmassen entgegen und ich bin froh, dass ich früh aufgestanden und mit meinem Programm schon fertig bin.

Königssee von Rabenwand
Königssee von Rabenwand

Vor meiner Watzmann-Tour habe ich in Ramsau bei meist strömendem Regen auf besseres Wetter gewartet. Da hatte ich viel Zeit, um den Zauberwald und den Hintersee zu erkunden. Beide gehen auf einen gewaltigen Bergsturz zurück, der nach den Eiszeiten vom Hochkalter herunterrauschte und den Bach aufstaute. Die großen Felsblöcke im Wald, im Bach und auch am Seeufer machen den Reiz dieser Landschaft aus.

Hintersee bei Ramsau
Hintersee bei Ramsau

Beliebtes Kapitel

Ziemlich cool: Ein Kapitel in The World of Mineral Deposits (Englische Ausgabe von Die Welt der Rohstoffe) „war unter den Springer Nature 2020 Highlights — einer Auswahl der beliebtesten Artikel und Buchkapitel, die im letzten Jahr veröffentlicht wurden“ (d.h. von Springer Nature veröffentlicht). Was auch immer das bedeutet…

Florian Neukirchen, Gunnar Ries
The World of Mineral Deposits
A Beginner’s Guide to Economic Geology

Triglav, Krn und Soča

Meine Wanderungen durch den Triglav-Nationalpark in den Julischen Alpen in Slowenien führten zu beeindruckenden Aussichten auf schroffe Kalkberge und kleine Bergseen und den schönen Bergfluss Soča entlang.

Zasavska koča, Triglav-Nationalpark
Abendstimmung an der Zasavska koča, Triglav-Nationalpark

Es gibt viele Wege auf den Triglav, den höchsten Berg Sloweniens, und da alle landschaftlich reizvoll sind, fiel mir die Wahl schwer: vom Norden aus dem Vrata-Tal über die Klettersteige entlang der hohen steilen Nordwand? Oder doch lieber die lange, mehrtägige Route vom Süden, von See zu See und Hütte zu Hütte durch das „Tal der Triglav-Seen“ (auch: „Tal der Sieben Seen“ oder „Tal der Fünf Seen“)? Die Kombination war mir zu unpraktisch, da ich dann ja irgendwie zum Auto zurück müsste.

Triglav

Ich entschied mich für den Aufstieg vom Norden — und dafür, anschließend einen Trek durch das Tal der Triglav-Seen zu machen. Es war der erste Tag mit gutem Wetter nach heftigen Gewittern, bei Sonnenaufgang wanderte ich im Vrata-Tal vom Parkplatz der Hütte Aljažev Dom auf die Nordwand des Triglav zu.

Nordwand des Triglav vom Vrata-Tal
Nordwand des Triglav vom Vrata-Tal

Drei Klettersteige führen von hier aufwärts zu den Schultern unterhalb des Gipfelklotzes: Der Bamberg-Weg (Plemenice) rechts der Nordwand, der (einfache) Prag-Weg links der Nordwand und der Tominšek-Weg noch etwas weiter links. Ich nahm den Bamberg-Weg hinauf, der etwas schwerer und weniger überlaufen ist und schöne Blicke in die Nordwand bietet. Zunächst führt ein Weg in die Scharte nordwestlich des Triglavs, wo ich den Klettergurt anzog.

Auf dem Bamberg-Weg hinauf zum Triglav
Auf dem Bamberg-Weg hinauf zum Triglav

Mit schönen Blicken geht es den steilen Grat hinauf, bis auf ein hügeliges Karstplateau, das vom Gipfelklotz des Triglav überragt wird. Es folgt ein zweiter, leichterer Klettersteig bis zum Gipfel, auf dem es bereits von Bergsteigern wimmelte, die von der anderen Seite aufgestiegen waren. Ich war gerade noch rechtzeitig gekommen, um die Aussicht zu genießen, wenig später waberten die Wolken nach oben und es war nicht mehr viel zu sehen.

Blick vom Triglav
Blick vom Triglav

Auf der gegenüberliegenden (östlichen) Seite folgte ich dem Normalweg über den von Wolken umwaberten Grat abwärts zur Triglav-Hütte. Das Gedränge war mir zu groß, um zu verweilen (Mittagszeit). Später stieg ich versehentlich über den Prag-Weg ab (ich hatte den schöneren Tominšek-Weg geplant, aber die Tourenbeschreibung falsch im Kopf und nur auf die Karte, nicht auf den Zettel geschaut). Am späten Nachmittag war ich schon wieder unten an der Aljažev-Hütte.

Abstieg zur Triglav-Hütte
Abstieg zur Triglav-Hütte

Prisojnik Fensterweg

Am nächsten Tag fuhr ich auf den Vršič-Pass, wo es einen interessanten Klettersteig gibt: Der Prisojnik Fensterweg führt durch ein ca. 50 m hohes Felsfenster hindurch. Oben angekommen stieg ich natürlich noch auf den Gipfel des Prisojnik auf, mit einem tollen Blick über die Julischen Alpen, bevor ich über einen einfachen Weg wieder zum Pass abstieg.

Fenster am Prisojnik
Fenster am Prisojnik (der schwarze Punkt gegen den Himmel ist ein Bergsteiger)

Bei der Weiterfahrt nach Trenta hielt ich noch an der Quelle der Soča: Der Bergfluss strömt in Form eines Siphons aus einer kleinen Höhlenöffnung.

Triglav-Seen und Krn

Aufstieg zur Zasavska koča
Aufstieg zur Zasavska koča

Von Trenta startete ich eine Mehrtageswanderung zu den Triglav-Seen und den Krn (ungefähr so). Ein Stück das Zadnjica-Tal hinauf, dann nach rechts zu einem Sattel und schließlich auf einem gut ausgebauten Militärweg aus dem 1. Weltkrieg zur kleinen Hütte Zasavska koča, die wunderschön auf dem Gipfel des Prehodavci liegt. Den Nachmittag nutzte ich, um die nähere Umgebung zu erkunden, mit kleinen Seen, Karren und schönen Aussichten. Ich stieg auch Richtung Triglav auf (bis zum Sattel), der aber in Wolken versteckt war.

Abendstimmung an Zasavska koča
Abendstimmung an Zasavska koča
Karren an der Zasavska koča
Karren an der Zasavska koča
Zasavska koča, Morgenlicht
Zasavska koča, Morgenlicht

Am nächsten Morgen wanderte das Tal der Triglav-Seen hinab bis zur Triglav-Seen-Hütte. Wirklich wunderschön war der auf halber Strecke liegende größte See, Jezero v Ledvicah. Die kleinen Seen bei der Hütte waren hingegen voller Algen und es stand technische Ausrüstung wie Netze und Pumpen herum, um sie zu retten. Einer war mit Flatterband abgesperrt…

Jezero v Ledvicah im Tal der Triglav-Seen
Jezero v Ledvicah im Tal der Triglav-Seen
Triglav-Seen-Hütte
Triglav-Seen-Hütte

In ständigem auf und ab wanderte ich nun meist durch lichten Bergwald (und an vielen Schüsselförmigen Dolinen vorbei) zur Bogatin-Hütte. Nach dem Mittagessen stieg ich zu einem kleinen Pass auf und wanderte weiter zur Krn-Hütte. Natürlich machte ich noch einen kurzen Abstecher zum sehr hübschen Krn-See, aber auch zum direkt neben der Hütte hinter den Bäumen versteckten Dupelsjko Jezero.

Krn-See
Krn-See

Zum Krn starte ich früh morgens (ich hatte beobachtet, dass dieser Berg immer einer der ersten war, der Mittags in Wolken verschwand), zum Frühstück saß ich bei Sonnenaufgang am Krn-See. Die Nordseite des Berges ist eine Felswand, doch sobald man den Sattel links davon erreicht hat, stellt man fest, dass die andere Seite eine steil abfallende Wiese ist. Der Berg war im 1. Weltkrieg stark umkämpft und noch immer sind Reste der Stacheldrahtverhaue zu sehen. Vom Gipfel aus stieg ich über diese nach Süden ab und bog zum Dorf Drežnica ab. Nach einem zweiten Mittagessen im einzigen Restaurant rief ich ein Taxi und ließ mich bis Bovec fahren.

Krn-See
Krn-See

Soča

Soča, Velika Korita
Soča, Velika Korita

Die Soča ist ein wunderschöner Alpenfluss mit türkisem bis aquamaringrünem Wasser. Er ist berühmt für Kajak- und Raftingtouren, beliebt ist aber auch der Wanderweg von der Quelle bei Trenta bis Bovec, der Soča Trail bzw. Soška Pot, eine Etappe des Alpe-Adria-Trails. Ich nehme diesen Weg, um von Bovec zurück zum Auto zu kommen.

Soča, Zmuklica
Soča, Zmuklica

Meist hat die Soča ein breites Bett, mit Schotter- und Kiesstränden, großen Steinblöcken, Stromschnellen und Gumpen. Dreimal zwängt sie sich durch ein paar Meter tiefe, sehr enge Schluchten. Das Wasser wirbelt dort unten in engen Kurven von einem Kolk zum nächsten. Am schönsten ist die besonders tiefe Velika Korita, wo auch noch ein paar kleine Wasserfälle die Seitenwand hinabstürzen. An der Zmuklica, der untersten Schlucht, war ich recht früh am morgen und daher fast allein, was sehr schön war. Währenddessen war an der Mala Korita, weiter flussaufwärts, bereits einiges los.

Soča, Mala Korita
Soča, Mala Korita

Wasserfälle und Schluchten

Mir blieben noch zwei Tage mit viel Regen. Ich ließ mich auf einem Campingplatz bei Bovec nieder, machte eine Raftingtour und ein paar Ausflüge…

Slap Virje
Slap Virje

Nahe Bovec liegt der kleine, aber sehr hübsche Wasserfall Slap Virje, das Wasser rieselt in Vorhängen über Kalksinter. Nur leider wird das meiste Wasser direkt oberhalb zu einem Wasserkraftwerk abgeleitet, sonst wäre der Wasserfall noch viel beeindruckender! Der Bach entspringt nur ca. 300 m entfernt in einer Karstquelle namens Izvir Glijuna: Das Wasser strömt aus den Ritzen zwischen moosbewachsenen Kalkblöcken.

Izvir Glijuna
Karstquelle Izvir Glijuna

Wenige Kilometer entfernt ist der mächtigste Wasserfall des Landes, Slap Boka (dessen Wasser übrigens direkt oberhalb des Wasserfalls aus einer Karstquelle kommt). Ich wanderte links (von unten gesehen) des Wasserfalls aufwärts von einem Aussichtspunkt zum nächsten, bis ich höher als das obere Ende des Wasserfalls stand und auf diesen hinabblicken konnte.

Slap Boka
Slap Boka

Die Tolminer Klammen besuchte ich bei derart heftigem Regen, dass ich kaum Fotos machen konnte, alles war sofort tropfnass. Die Schlucht ist hübsch, mit ein paar wirklich schönen Stellen, aber das Ganze ist sehr klein und nach einer halben Stunde war ich wieder beim Auto.

Tolminer Klammen
Tolminer Klammen

Weiterlesen

Abschied vom Eis von Peter Wadhams

Der britische Polarforscher Peter Wadhams hat ein packendes Buch über den Klimawandel und die dramatischen Änderungen in der Arktis geschrieben, das nun auch auf Deutsch erscheint.

Die Arktis ist die Region, die schon heute am stärksten vom Klimawandel betroffen ist — was über die dabei ablaufenden Rückkopplungen globale Auswirkungen hat. Das von mir ins Deutsche übersetzte Buch von Peter Wadhams beschreibt eindrücklich, was dort in den letzten Jahrzehnten passiert ist, zusammen mit viel Hintergrundwissen über das Meereis, über Forschungsexpeditionen, über Meeresströmungen und Rückkopplungen. Und er ruft dazu auf, noch viel stärkere Anstrengungen zum Klimaschutz zu unternehmen (wobei ich persönlich das Plädoyer für Kernenergie und für Wolkenaufhellung nicht unterschreiben würde, aber auf jeden Fall bin ich für einen viel schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, für Sektorenkopplung und für Forschung im Bereich direct air capture). Der Autor hat für die deutsche Ausgabe auch ein neues Kapitel geschrieben, um das Buch auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Peter Wadhams
Abschied vom Eis
Ein Weckruf aus der Arktis

Aus dem Englischen übersetzt von Florian Neukirchen
Springer
Originaltitel: A Farewell to Ice

 

Im Moment ist die Energiewende ja leider vor lauter Corona etwas in den Hintergrund gerückt, die tägliche Live-Berichterstattung scheint gerade viel wichtiger als die ein paar Jahrzehnte entfernte Zukunft. Ich hoffe wirklich, dass die angekündigten Konjunkturpakete in die richtige Richtung gehen. Das Thema finde ich weiterhin sehr wichtig und ich freue mich darüber, dass ich mich im letzten Jahr beruflich viel mit dem Thema Klimawandel beschäftigen konnte. So habe ich auch das Buch Die Folgen des Klimawandels herausgegeben, das Artikel aus der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft zusammenstellt. Und dann war ich noch als Lektor an  Büchern über Klimapolitik, Energiewende und Gletscherrückgang beteiligt.

Abijatta-Shalla-Nationalpark

An den Seen im Äthiopischen Graben: Abiattasee, Shallasee, Langanosee und Ziwaysee

Shala Lake
Shallasee

Der Coronavirus und gecancelte Flüge warfen zum Ende unserer Reise alle Pläne um. Statt im Norden Aksum, die Felskirchen in Tigray und den Vulkan Erta Ale zu besuchen, fuhren wir ein zweites Mal in den Äthiopischen Graben (der zum Ostafrikanischen Graben gehört). Dieser ist von einer Kette von Seen gefüllt, die in der Regel nicht durch Wasserläufe verbunden sind und meist keinen Ausfluss haben. Entsprechend sind sie mehr oder weniger salzig. Im Süden waren wir zu Beginn der Reise beim Abaya- und beim Chamosee, nun fuhren wir zu einer Reihe etwas kleinerer Seen, die näher bei Addis Abeba liegen.

Der tiefe Shallasee füllt eine große Caldera und der Blick vom Calderarand war wirklich schön. Im Herbst nisten an seinem Ufer tausende Flamingos, aber wir trafen nur wenige an. Etwas weiter blubbert eine kochend heiße Quelle, im Bach nebenan baden die Anwohner und ihrer Kühe. Eine nur 2 km breite Landenge trennt ihn vom Abijattasee, der flach und sehr salzig ist. Im Nationalpark gibt es viele Dörfer, Felder und Kuhherden, während man Antilopen usw. nur in einem Gehege zu sehen bekommt.

Heiße Quellen
Heiße Quellen am Shallasee

Ganz in der Nähe liegt der Langanosees, dessen braunes Wasser so alkalisch ist, dass es darin keine Bilharziose gibt und man gefahrlos baden kann (und man auch keine Seife braucht). Entsprechend reiht sich an seinem Ufer ein Resort an das nächste, die Reichen aus Addis verbringen hier wohl gern die Wochenenden.

Ziway
Marabus am Ziwaysee

Der Ziwaysee wiederum ist das Zentrum der industriellen Landwirtschaft, gigantische Treibhäuser züchten Blumen für den Export, aber auch Erdbeeren, Orangen usw. Wir halten am Bootssteg von Ziway (wo am Morgen der Fischmarkt war). Während Kinder im Wasser planschen, schwimmen Pelikane vorbei, am Ufer und auf der Fischmarktwiese stolzieren hunderte Marabus.


Weiterlesen

 

 

Lalibela

Bei den faszinierenden Felskirchen im „afrikanischen Jerusalem“

St. Georg in Lalibela
St. Georg in Lalibela

Die faszinierenden Felskirchen von Lalibela aus dem 12./13. Jh. sind das religiöse Zentrum von Äthiopien. Sie sollten Jerusalem repräsentieren, einschließlich Golgatha, Grab und Jordan. Die Kirchen wurden komplett aus dem Fels geschlagen, umgeben von einem steilen Graben. Das Gestein wurde entfernt, übrig blieben Kirchen mit detaillierten Fassaden, Säulen und Gewölben. Die Fassaden nehmen Anleihen aus der antiken Architektur der Aksumiten auf. Zwischen den Kirchen gibt es ein System aus Gräben (die als Zugang und zur Entwässerung dienen) und unterirdischen Gängen. Die Anlage erinnert entfernt an Orte wie Petra, Kappadokien oder Ellora, aber in Lalibela werden sie noch lebhaft als religiöse Stätten benutzt.

Zufällig waren wir an einem Feiertag da, zur Halbzeit der Fastenzeit, und Pilgermassen in weißen Umhängen strömten um die Kirche, rasselten mit ihrem Sistrum und stimmten auf ihre Stäbe gestützt Gesänge an. Zu dieser etwas spirituellen Stimmung (die ich als kulturell interessierter Atheist als Beobachter aufnahm) kam ein gewisses Indianer-Jones-Feeling beim Erkunden der Gänge.

Bet Amanuel in Lalibela
Bet Amanuel in Lalibela

Am bekanntesten ist St. Georg, eine kreuzförmige Kirche, die wie eine große Steinversion der kleinen hölzernen Altäre aussieht, die vor Blicken verborgen im Allerheiligsten der Kirchen (und sichtbar in manchen Museen) stehen. Von außen ist sie die schönste Kirche. Dafür haben Bet Maryam und Bet Amanuel die schönsten Innenräume.

Bet Amanuel in Lalibela
Bet Amanuel in Lalibela

Äthiopien war das zweite Land der Welt, in dem das Christentum zur Staatsreligion wurde: kurz nach Armenien und kurz vor Georgien. Auch an diese Länder erinnert mich Lalibela, vielleicht nicht ganz zufällig.

 

Da wegen Corona immer mehr Flüge eingestellt wurden und die deutsche Botschaft empfahl, einen Heimflug zu organisieren, solange es noch einen gibt, buchten wir ein neues (teures) Ticket zu einem früheren Termin, womit uns nur noch wenige Tage in Äthiopien verblieben. Der Vulkan Erta Ale und die Danakildepression, worauf ich mich als Geologe besonders gefreut hatte, waren damit bereits gestrichen. Wir wollten nun von Lalibela nach Aksum fliegen und dann noch ein paar der Kirchen in Tigray besuchen, aber am Abend vor dem Flug rief uns Ethiopian an, der Flug sei gecancelt und wir müssten via Addis fliegen. Damit wäre ein weiterer Tag verloren gegangen. Wir beschlossen, lieber in Addis zu bleiben bzw. nochmals von dort ins Riftvalley zu fahren. Eine gute Entscheidung, wie sich später herausstellt: Die Region Tigray rief bald darauf den Notstand aus und verbot die ein- und ausreise. Dabei gab es in Äthiopien erst eine Hand voll bestätigter Coronafälle… [Update: Und der eigentliche Grund war der bald beginnende Krieg]


Weiterlesen

 

 

Gondar

In der alten Hauptstadt von Äthiopien

Fasilides Palast in Gondar

Zurück von den Simien Mountains in der alten Hauptstadt Gondar stellten wir fest, dass Lufthansa wegen Corona die Flüge eingestellt hat und damit ein dickes Fragezeichen über dem Rückflug schwebte. Wir wurden auf Flüge mit Ethiopian Airlines umgebucht, verbrachten aber insgesamt 7 h im Büro von Ethiopian mit dem Versuch, früher (ohne Erfolg) und alle gemeinsam in einem Flugzeug (mit Erfolg) gebucht zu werden.

Wir hatten aber auch Zeit, um die Kaiserpfalz anzusehen, ein weites von einer Mauer umfasstes Gelände mit mehreren Palästen und Gebäuden, von denen zum Teil aber nur Ruinen übrig sind. Gut erhalten und besonders schön ist der Palast von Fasilides aus dem 17. Jh., den ein indischer Architekt entworfen hatte. Tatsächlich erinnert mich der Palast entfernt an Indien, vor allem an Orcha.

Kaffee
Kaffee, frisch zubereitet

Interessant war auch die Kirche Debre Berhan Selassi, die große Ähnlichkeit mit den Kirchen am Tanasee hat, mit ihren bemalten Wänden und dem lichten äußeren Umgang, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie einen rechteckigen und keinen runden Grundriss hat.


Weiterlesen

 

Simien Mountains

4 Tage Trekking im höchsten Bergmassiv Äthiopiens von Simien Lodge über Sankaber, Geech, Imet Gogo nach Chenek und auf den Bwahit

Simien Mountains
Simien Mountains bei Imet Gogo

Die Simien Mountains in Äthiopien sind die Reste eines alten Schildvulkans (s.a. Bewegte Bergwelt). Es handelt sich weitgehend um ein grasbewachsenes Hochplateau und sanfte Bergrücken, aber randlich  fällt es teils jäh in einer Steilwand ins Tiefland ab.  Besonders spektakulär ist die Steilwand im Nordwesten, der am häufigsten besuchte Teil des Simien Nationalparks. Mich erinnert die Landschaft ein wenig an die Riftkante in Tansania aus meiner Diplomarbeit, weil die Steilwand durch einzelne Lavaströme in Stufen gegliedert ist und sie (jetzt in der Trockenzeit) mit ähnlichem trockenem Gras bewachsen ist. Allerdings ist die Kante in den Simien Mountains stärker gegliedert, sie springt vor und zurück und es gibt einige vorgelagerte Felsberge.

Simien Mountains bei Chenek
Bei Chenek

Die Gesteine hängen mit der Entstehung des Ostafrikanischen Grabens zusammen (siehe auch mein Buch Bewegte Bergwelt). Noch vor der eigentlichen Grabenbildung wurden im Oligozän vor ca. 30. Mio. Jahren enorme Mengen an Basaltlava gefördert, diese Flutlaven überdeckten ein riesiges Gebiet mit einer dicken Gesteinsschicht, das heutige Hochland von Abessinien (bzw. Äthiopien). Wenig später entstanden auf dem Plateau mehrere große Schildvulkane, die Simien Mountains sind die Reste von einem davon.

Im Miozän setzte eine starke Hebung durch den dynamischen Druck des darunter aufsteigenden Manteldiapirs ein. Eine Region mit einem Durchmesser von rund 1000 km war betroffen, der sog. Afar-Dom oder Äthiopien-Dom. Nun begann die Absenkung des Äthiopiengrabens (im Süden) und des Afar-Dreiecks (am Tripelpunkt mit dem Roten Meer und dem Golf von Oman), wobei die Grabenschultern weiter angehoben wurden.

Kadavit
Kadavit

Leider hatten wir großes Pech, was die Sicht angeht. Ein Sandsturm mit Staub aus der Sahara machte es so dunstig, dass wir am ersten Tag kaum den unteren Rand der Steilstufe erkennen konnten. Die Sicht wurde zwar Tag für Tag etwas besser, aber kein Vergleich zu den Fotos, die ich zuvor gesehen hatte. Davon abgesehen sind Fotos, die direkt nach der Regenzeit (im Oktober) aufgenommen wurden, viel beeindruckender, weil alles grün ist.

Wer in den Simien Mountains wandern will,  muss zumindest einen mit einer Kalaschnikow bewaffneten Ranger (Scout) dabei haben, in der Regel kommen auch ein Führer und ein Koch und ein Hilfskoch und ein Mulitreiber mit…

Gelada
Dschelada

Wir fuhren von Debark (mit der Nationalparkverwaltung) in den Nationalpark bis kurz hinter die Simien Lodge und begannen die Wanderung entlang der Steilkante wie gesagt bei extrem schlechter Sicht. Unterwegs machen wir die erste Bekanntschaft mit den Dscheladas (Geladas), einer endemischen Affenart, die Pavianen ähnlich sieht. Die Männchen haben einen auffälligen herzförmigen Fleck auf der Brust. Fast jeden Tag trafen wir auf eine Gruppe dieser Affen. Am Nachmittag erreichten wir das Camp Sankaber,  das auf einem schmalen Rücken zwischen der nördlichen Steilkante und einer Richtung Süden eingeschnittenen Schlucht liegt.

Plateau bei Geech mit Riesenlobelien

Am zweiten Tag wanderten wir entlang der Kante zum Jinbar Wasserfall, der an einer der schönsten Stellen die nördliche Steilkante hinabstürzt (wobei gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser fließt und der Dunst noch immer die Sicht stark einschränkte). Später ging es über das grasige Plateau zum Geech Camp, in dessen Umgebung viele der merkwürdigen Riesenlobelien wachsen. Abends stiegen wir zum Kadavit auf, einem Gipfel an der Steilkante. Bei Sonnenuntergang kam eine riesige Affenherde vom Plateau herauf und zog direkt an uns vorbei, um zu den kleinen Schlafhöhlen im Steilwand abzusteigen.

Dscheladas auf dem Kadavit

Am nächsten Morgen wanderten wir zum besten Aussichtspunkt, eine Felskanzel namens Imet Gogo. Unterhalb ragen zwei Felsklötze auf, weitere Monolithe sind im Dunst in der Ferne zu ahnen. Um von hier aus das Camp Chenek zu erreichen, mussten wir der Steilkante folgend ein gutes Stück in das obere Ende eines Tals absteigen, der Kante weiter folgend auf die nächsten Berge hinauf und auf der anderen Seite hinunter. Chenek liegt direkt neben der Kante, mit einem wundervollen Aussichtspunkt, aber auch direkt an der ungepflasterten Straße, über die ständig schwer beladene LKW rumpeln (eine neue Straße, die um die Berge herum führt, ist in Bau).

Blick bei Chenek
Blick bei Chenek

Am nächsten Tag stiegen wir auf den Berg Bwahit (4430 m) auf, immerhin der zweithöchste Berg der Simien Mountains und einer der höchsten des Landes. Leider liegt der Straßenpass nur wenig unterhalb des Gipfels und unser Weg kreuzt mehrfach die in den Hang geschnittenen Serpentinen, über die sich die LKW in eine riesige Staubwolke gehüllt quälen. Immerhin entdeckten wir beim Blick über eine Felskante ein paar Steinböcke (die endemische Art Äthiopischer Steinbock oder Walia). Vom Gipfel aus ist auch der höchste Berg der Simien Mountains (und der höchste des Landes), Ras Dashen, zu sehen, der am anderen Ende des Bergmassivs steht.

Am Morgen des 5. Tags wurden wir mit einem Minibus abgeholt und fuhren nach Debark zurück, zum Mittagessen waren wir schon in Gondar.


Weiterlesen

 

Tanasee

Bootstour auf dem größten See Äthiopiens zu den alten Kirchen auf der Halbinsel Zeghe

Tanasee
Tanasee

Die Stadt Bahir Dar am Ufer des Tanasees ist der Ausgangspunkt für eine halbtägige Bootstour zur Halbinsel Zeghe. Hier befinden sich die am leichtesten erreichbaren Klosterkirchen, für die der größte See Äthiopiens bekannt ist. Wir besuchen zwei davon, Ura Kidane Meret und Azuwa Maryam. Beide sind sehr ähnlich, wobei erstere innen besonders schön ist und die andere dank ihres mit Stroh gedeckten Daches von außen. Es handelt sich um runde Bauten mit Lehmwänden. Im Zentrum befindet sich das Allerheiligste mit quadratischem Grundriss, rund herum der Hauptraum, dessen Wände mit bemaltem Stoff bespannt sind. Dieser Raum ist von einem lichten Gang umgeben, mit einer Bambuswand, die oben offen ist. Die Kombination aus Quadrat und Kreis, die Hell-Dunkel-Kontraste, die roten Vorhänge und bunten Bilder machen dies zu einem sehr stimmungsvollen Innenraum.

Ura Kidane Meret
Ura Kidane Meret

Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher in den Ausfluss des Blauen Nils, wo wir ein einzelnes Nilpferd fanden.

Ura Kidane Meret
Ura Kidane Meret

Bahir Dar hat den Ruf, dass hier Touristen oft verarscht werden. Auch bei unserer Tour bekommen wir nur ein Bruchteil von dem, was uns vorher angepriesen wurde. Angeblich sollte auf der Halbinsel ein Führer auf uns warten, von dem es keine Spur gab, wir sahen 2 Kirchen statt 5 und es gab auch nicht das versprochene Trinkwasser… Dazu kam, dass der Himmel gelblich grau gefärbt, wegen eines Sturms in der Sahara, was uns später auch den Ausblick von den Simien Mountains vermiesen wird.


Weiterlesen

 

Nechisar Nationalpark und Dorze

Seen, Zebras und geflochtene Hütten Ostafrikanischen Graben in Äthiopien

Dorze
Blick von Dorze auf Abajasee, die „Brücke Gottes“ und (ganz rechts) Chamosee

Nach langer Zeit bin ich mal wieder im Ostafrikanischen Graben, diesmal im Süden von Äthiopien bei Arba Minch. Im südlichen Äthiopien füllt eine Reihe von Seen den Graben, darunter der grünliche Chamosee und der rostrote Abajasee. Zwischen beiden befindet sich die „Brücke Gottes“, eine bergige Landenge (natürlich aus Vulkangesteinen), die zum Nechisar Nationalpark gehört. Einen guten Blick darauf und auf beide Seen hat man von den Lodges, die am Stadtrand von Arba Minch über einem Steilhang über dem Nationalpark thronen.

Warzenschweine bei Arba Minch
Warzenschweine bei Arba Minch, hinten Abajasee und die „Brücke Gottes“

Wir lassen uns mit einem Jeep durch den Nationalpark fahren, mit schönen Blicken auf beide Seen (aus weiter Ferne sehen wir auch Krokodile). Auf der anderen Seite der „Brücke Gottes“ liegt die Nechisar genannte Ebene, wo wir einen Spaziergang durch das weiße Gras machen. Wir finden eine große Herde Zebras, außerdem einzelne Kudus, Gazellen und Warzenschweine. Am Nachmittag erkunden wir den Teil des Nationalparks nahe Arba Minch bei den „40 Quellen“, wo wir 3 verschiedene Affenarten finden. Die Quellen sind zum Teil für die Wasserversorgung gefasst und eine dient als Pool, in den wir auch kurz zur Abkühlung springen.

Zebras im Nechisar Nationalpark
Zebras im Nechisar Nationalpark

Als Highlight gilt eine Bootsfahrt auf dem Chamosee zum sogenannten Krokodilmarkt, wo normalerweise sehr viele Krokodile anzutreffen sind. Wir sehen allerdings nur 3, was am hohen Wasserstand lag. Nilpferde, normalerweise ebenfalls zu sehen, fanden wir gar nicht.

Abajasee von Dorze
Abajasee im Morgenlicht von Dorze

Schließlich rumpeln wir mit einem Bus den Hang des Grabens hinauf, wo mit tollem Blick auf die Seen die Dörfer der Dorze liegen. Dieser Stamm ist bekannt für seine kunstvoll geflochtenen Hütten und seine Webarbeiten. Die Menschen essen vor allem Ensete („falsche Banane“): die Pflanzen sehen aus wie Bananenstauden, von denen aber der Stamm gegessen wird. Uns wird gezeigt, wie der essbare Teil vom faserigen Teil geschabt wird. Das Ergebnis lässt man längere Zeit in einem Erdloch fermentieren, bis dann eine Art Fladenbrot zubereitet werden kann.

Hütte der Dorze
Hütte der Dorze

Eigentlich wollten wir den Rest der Reise im Norden des Landes verbringen, wir ahnten noch nicht, dass der Coronavirus uns dazu bringen würde, ständig die Pläne zu ändern: Am Ende der Reise fuhren wir nochmal in den Ostafrikanischen Graben zum Abijatta-Shalla-Nationalpark.


Weiterlesen