Rumänien

Reise durch ein abwechslungsreiches Land

Sechs Wochen hatten wir Zeit, um kreuz und quer durch dieses abwechslungsreiche Land zu Reisen. Rumänien hat viel zu Bieten, von Burgen und Kirchen über Berge und Höhlen bis zum Schwarzen Meer und dem Donaudelta. Hier trafen sehr unterschiedliche Kulturen nicht immer friedlich aufeinander und diese haben sehr vielfältige Spuren hinterlassen. Rumänien erscheint als das Land der zwei Geschwindigkeiten: während die Städte modern wirken, rollen auf den Dörfern noch immer Pferdekarren durch die Straßen und das Heu wird in mühsamer Arbeit zu (sehr hübschen!) Heuhaufen zusammengetragen.

Die meiste Zeit verbrachten wir in Transsylvanien (Siebenbürgen), das an drei Seiten vom Bogen der Karpaten und an der vierten Seite vom Apuseni-Gebirge umschlossen ist. Eine Besonderheit sind hier die vielen Kirchenburgen, die von den (vom ungarischen König zwecks Sicherung der Grenzregionen angesiedelten) Sachsen in fast jeder Siedlung errichtet worden waren und von denen jede ihren eigenen Charakter hat. Das Highlight ist für uns Viscri (Weißkirch), ein hübsches Dorf mit einer von Mauern und weißen Türmen umgebenen Kirche. Hier verbringen wir eine Nacht in einer Pension in einem der alten Häuser und schlafen in einer alten sächsischen Bettkiste, mit je einem Bett oben und darunter einem in einer Schublade ausziehbaren zweiten Bett. In Trappold (Apold) haben wir die Gelegenheit, auch den Dachstuhl einer Kirchenburg zu erkunden. Ebenfalls sehr schön waren Biertan und Prejmer.

Viscri
Viscri

Die berühmteste Burg ist natürlich Bran, oft als Dracular-Burg bezeichnet. Durch die Räume und den kleinen Hof quetscht sich eine endlose Ameisenstraße von Touristen. Viel beeindruckender ist jedoch die Burg Hunedoara.

Sighișoara
Sighișoara

Die bekanntesten Städte in Siebenbürgen sind Brasov (Kronstadt), Sighișoara (Schäßburg) und Sibiu (Hermannstadt). Sighișoara mit seinen vielen Türmen ist besonders pittoresk, aber hier drängen sich auch am meisten Touristen durch die Gassen. Sibiu, mit seinen drei großen Plätzen und mit guten Museen, gefällt uns am Besten.

Völlig anders sind die Holzkirchen weiter im Norden in Maramureș, die mich an norwegische Stabskirchen erinnern. Am besten gefallen mir die Kirchen in Șurdești und Plopiș, mit besonders hohen Türmen. Über einen Pass geht es auf die andere Seite der Karpaten in die Bukovina, wo es einige orthodoxe Klöster des damaligen Fürstentums Moldau gibt. Wir sehen drei, Moldovitei, Sucevita und Voronet. Die Kirchen sind nicht nur innen, sondern auch an den Außenwänden voller Fresken, und sie werden durch geschwungene Dächer bedeckt.

Wieder über die Karpaten fahren wir durch die Bicaz-Schlucht und spazieren um den Lacul Roşu. Dieser ist durch einen Bergsturz aufgestaut worden und es ragen noch immer die Baumstümpfe über die Wasseroberfläche. Allerdings sind hier viele Touristen.

Vom St.-Anna-See (einem Vulkansee) hatte ich mehr erwartet, die tollen Bilder im Netz sind wohl alle mit Drohnen aufgenommen. Einen Regentag nutzen wir im benachbarten Baile Balvanyos im Termalbad.

Wieder über die Karpaten besuchen wir die Schlammvulkane von Berca (Vulcanii noroiosi). Ich habe ja schon einige Schlammvulkane in Aserbaidschan und Indonesien gesehen, aber die rumänischen sind auch sehr schön. Vom Campingplatz aus erkunden wir sowohl Pâclele Mici (mit vielen kleinen Kegeln) als auch Pâclele Mari (ein sehr großer Fladen mit aktivem kleinem Kegel an der Spitze).

Das nächste Ziel war das Donaudelta. Von Murighiol (am Südrand und mit dem Auto erreichbar) starten wir zu einer vierstündigen Bootstour über den Donauarm, durch schmale Kanäle, über zahllose Seen und durch deren Schilfgürtel. Die Morgenstimmung ist wunderschön und es gibt jede Menge Pelikane, Eisvögel, Reiher und Adler zu sehen. Im Nachbarort Mahmudia nehmen wir die Fähre (3 mal pro Woche) den Donauarm abwärts nach Sfântu Gheorghe, das nahe der Mündung liegt und nur per Boot erreichbar ist. Hier gehen die Uhren langsamer … Ein langer Strand ist zu Fuß erreichbar und es gibt sehr guten Fisch zum Essen.

In Bukarest ist der Palast von Ceaușescu unser erstes Ziel, das mit seinem Prunk die Idee des Kommunismus wirklich ad absurdum führt. Die Stadt mit ihren heftigen Brüchen zwischen sozialistischer Architektur und Altbauten ist viel interessanter als erwartet.

Die kurvige Transfăgărășan-Passstraße, die von der Wallachei zurück nach Transsylvanien führt, wird von keinen Reisenden ausgelassen. Auf dem Weg dorthin lohnt ein Halt in Curtea de Argeș mit besonders schönen orthodoxen Kirchen. Bei der Fahrt über den Pass sehen wir gleich zwei Bärenfamilien. Die Tiere sind Touristen so gewöhnt, dass sie an der Straße betteln. Von oben wandere ich zum höchsten Berg Rumäniens.

Rezetat, Bucura-See und Vârful Peleaga
Rezetat, Bucura-See und Vârful Peleaga

Ein weiteres Gebiet mit alpinem Charakter befindet sich weiter westlich: Im Rezetat gibt es jede Menge Bergseen zwischen schroffen Gipfeln. Wir holpern mit dem Auto über eine lange Schotterpiste zur Hütte Pelegii und steigen von hier zum Bucura-See auf, wo wir unser Zelt aufschlagen. Abends drehen wir eine Runde zum höchsten See, Lacul Taul Portii, und am nächsten Morgen zum höchsten Gipfel der Gegend, Vârful Peleaga (2509 m).