Ramadan für Reisende: Syrien

Zum Glück muss ich auch während Ramadan nicht hungern. Zwar haben viele Restaurants tagsüber geschlossen, aber es gibt immer auch einige, die sich das Geschäft nicht entgehen lassen. Im christlichen Viertel gibt es sogar Bier. Trotzdem ist es schade, dass man sich nicht wie sonst für ein Stündchen in ein Teehaus setzen kann, um auszuruhen und dem Treiben zu zuschauen. Selbst bei einem Schluck aus meiner Wasserflasche ziehe ich neidische Blicke auf mich, auch wenn es viele Muslime nicht ganz so Ernst nehmen und selber trinken.

Während Ramadan läuft alles etwas ruhiger ab, viele verschlafen den halben Tag oder versuchen, sich möglichst wenig zu bewegen. Abends ist dann der Ruf zum Gebet eher der Ruf zum Essen. Mit einem Schlag sind alle Restaurants gepackt voll, auf vielen Tischen türmen sich bereits Platten mit Fleisch und Teller mit Mezze wie Hummus, Tabouleh und Baba Ghannouj und alle warten nur noch auf den befreihenden Ruf des Muezzin. Ein anderes Mal stehe ich an einem Stand mit frischem Maulbeersaft. Schon beim ersten Knacksen des Lautsprechers stürzt sich ein Mann, der seit einiger Zeit auf der Bordsteinkante saß, auf den Stand für den Saft, auf den er so lange gewartet hat. Geht man dann später durch die Gassen, so schaut man in die zufriedenen Gesichter satter Araber, die Welt ist wieder in Ordnung.

Etwas unpraktisch für Reisende ist, dass während Ramadan die Öffnungszeiten von Museen unvorhersehbar gekürzt sein können. Und auch Busse können ausfallen, z.B. drei mal am Tag statt alle 2 Stunden…


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Florian Neukirchen
Nahöstlicher Diwan
Unterwegs zwischen Teheran und Tel Aviv
ISBN 978-3-89514-925-2