Simien Mountains

4 Tage Trekking im höchsten Bergmassiv Äthiopiens von Simien Lodge über Sankaber, Geech, Imet Gogo nach Chenek und auf den Bwahit

Simien Mountains
Simien Mountains bei Imet Gogo

Die Simien Mountains in Äthiopien sind die Reste eines alten Schildvulkans. Es handelt sich weitgehend um ein grasbewachsenes Hochplateau und sanfte Bergrücken, aber randlich  fällt es teils jäh in einer  Steilwand ins Tiefland ab.  Besonders spektakulär ist die Steilwand im Nordwesten, der am häufigsten besuchte Teil des Simien Nationalparks. Mich erinnert die Landschaft ein wenig an die Riftkante in Tansania aus meiner Diplomarbeit, weil die Steilwand durch einzelne Lavaströme in Stufen gegliedert ist und sie (jetzt in der Trockenzeit) mit ähnlichem trockenem Gras bewachsen ist. Allerdings ist die Kante in den Simien Mountains stärker gegliedert, sie springt vor und zurück und es gibt einige vorgelagerte Felsberge.

Simien Mountains bei Chenek
Bei Chenek

Die Gesteine hängen mit der Entstehung des Ostafrikanischen Grabens zusammen (siehe auch mein Buch Bewegte Bergwelt). Noch vor der eigentlichen Grabenbildung wurden im Oligozän vor ca. 30. Mio. Jahren enorme Mengen an Basaltlava gefördert, diese Flutlaven überdeckten ein riesiges Gebiet mit einer dicken Gesteinsschicht, das heutige Hochland von Abessinien (bzw. Äthiopien). Wenig später entstanden auf dem Plateau mehrere große Schildvulkane, die Simien Mountains sind die Reste von einem davon.

Im Miozän setzte eine starke Hebung durch den dynamischen Druck des darunter aufsteigenden Mantelplumes ein. Eine Region mit einem Durchmesser von rund 1000 km war betroffen, der sog. Afar-Dom oder Äthiopien-Dom. Nun begann die Absenkung des Äthiopiengrabens (im Süden) und des Afar-Dreiecks (am Tripelpunkt mit dem Roten Meer und dem Golf von Oman), wobei die Grabenschultern weiter angehoben wurden.

Kadavit
Kadavit

Leider hatten wir großes Pech, was die Sicht angeht. Ein Sandsturm mit Staub aus der Sahara machte es so dunstig, dass wir am ersten Tag kaum den unteren Rand der Steilstufe erkennen konnten. Die Sicht wurde zwar Tag für Tag etwas besser, aber kein Vergleich zu den Fotos, die ich zuvor gesehen hatte. Davon abgesehen sind Fotos, die direkt nach der Regenzeit (im Oktober) aufgenommen wurden, viel beeindruckender, weil alles grün ist.

Wer in den Simien Mountains wandern will,  muss zumindest einen mit einer Kalaschnikow bewaffneten Ranger (Scout) dabei haben, in der Regel kommen auch ein Führer und ein Koch und ein Hilfskoch und ein Mulitreiber mit…

Gelada
Dschelada

Wir fuhren von Debark (mit der Nationalparkverwaltung) in den Nationalpark bis kurz hinter die Simien Lodge und begannen die Wanderung entlang der Steilkante wie gesagt bei extrem schlechter Sicht. Unterwegs machen wir die erste Bekanntschaft mit den Dscheladas (Geladas), einer endemischen Affenart, die Pavianen ähnlich sieht. Die Männchen haben einen auffälligen herzförmigen Fleck auf der Brust. Fast jeden Tag trafen wir auf eine Gruppe dieser Affen. Am Nachmittag erreichten wir das Camp Sankaber,  das auf einem schmalen Rücken zwischen der nördlichen Steilkante und einer Richtung Süden eingeschnittenen Schlucht liegt.

Plateau bei Geech mit Riesenlobelien

Am zweiten Tag wanderten wir entlang der Kante zum Jinbar Wasserfall, der an einer der schönsten Stellen die nördliche Steilkante hinabstürzt (wobei gegen Ende der Trockenzeit nur wenig Wasser fließt und der Dunst noch immer die Sicht stark einschränkte). Später ging es über das grasige Plateau zum Geech Camp, in dessen Umgebung viele der merkwürdigen Riesenlobelien wachsen. Abends stiegen wir zum Kadavit auf, einem Gipfel an der Steilkante. Bei Sonnenaufgang kam eine riesige Affenherde vom Plateau herauf und zog direkt an uns vorbei, um zu den kleinen Schlafhöhlen im Steilwand abzusteigen.

Dscheladas auf dem Kadavit

Am nächsten Morgen wanderten wir zum besten Aussichtspunkt, eine Felskanzel namens Imet Gogo. Unterhalb ragen zwei Felsklötze auf, weitere Monolithe sind im Dunst in der Ferne zu ahnen. Um von hier aus das Camp Chenek zu erreichen, mussten wir der Steilkante folgend ein gutes Stück in das obere Ende eines Tals absteigen, der Kante weiter folgend auf die nächsten Berge hinauf und auf der anderen Seite hinunter. Chenek liegt direkt neben der Kante, mit einem wundervollen Aussichtspunkt, aber auch direkt an der ungepflasterten Straße, über die ständig schwer beladene LKW rumpeln (eine neue Straße, die um die Berge herum führt, ist in Bau).

Blick bei Chenek
Blick bei Chenek

Am nächsten Tag stiegen wir auf den Berg Bwahit (4430 m) auf, immerhin der zweithöchste Berg der Simien Mountains und einer der höchsten des Landes. Leider liegt der Straßenpass nur wenig unterhalb des Gipfels und unser Weg kreuzt mehrfach die in den Hang geschnittenen Serpentinen, über die sich die LKW in eine riesige Staubwolke gehüllt quälen. Immerhin entdeckten wir beim Blick über eine Felskante ein paar Steinböcke (die endemische Art Äthiopischer Steinbock oder Walia). Vom Gipfel aus ist auch der höchste Berg der Simien Mountains (und der höchste des Landes), Ras Dashen, zu sehen, der am anderen Ende des Bergmassivs steht.

Am Morgen des 5. Tags wurden wir mit einem Minibus abgeholt und fuhren nach Debark zurück, zum Mittagessen waren wir schon in Gondar.


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