Goa

Der Strandverkäufer schaut mich ungläubig an: „warum kommst du an den Strand, wenn du nichts kaufen willst?“ Ja, warum wohl? Um den Uni-Stress zu vergessen, schwimmen, in der Sonne liegen oder im Schatten ein Buch lesen. Abends lecker Fisch essen… Und pünktlich zum europäischen Herbst bin ich jetzt doch noch ein bisschen braun geworden. Dass es mir gefällt, braun zu werden, versteht er aber genausowenig!

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Arambol ist ein eher ruhiger Strand im Norden von Goa, mit netten Restaurants am Strand und das große, saubere Zimmer kostet nur halb soviel wir der Bretterverschlag im 3. Stock eines Betonklotzes in Mumbai, der gerade groß genug für das schmale, fleckige Bett und meinen Rucksack war. Der Strand gehört hier noch den Backpackern und Freaks und die Saison hat noch nicht richtig angefangen.

Zwei Stunden mit dem Bus dauert es nach Old Goa, die frühere Hauptstadt der portugisischen Kolonie, die Ende des 16. Jahrhunderts fast so prachtvoll gewesen sein soll, wie Lissabon. Übrig sind nur ein paar große, prunkvolle Kirchen.

Mittwochs fahren alle nach Anjuna zum Markt, wo Händler aus ganz Indien (und einige von sonst wo, europäische Hippies inklusive) Schmuck, Kleidung, Steine, Souveniers verkaufen. An jeder 2. Ecke wummert dazu Trance aus den Boxen und der Anteil an Hippies und Freaks ist ziemlich hoch – früher war dies der Ort um zu sehen und gesehen zu werden. Mir wurde erzählt, dass die meisten billig-und-Kitsch-Souveniers in China produziert werden. Abends, und auch das ist ein Stück Goa, fahre ich hinten auf einem Roller durch Anjuna und Vagator, von einer Party zur nächsten. Seit Partys in der Öffentlichkeit, z.B. am Strand, verboten sind, ist sicherlich einiges an Flair und Kultfaktor verloren gegangen. Nur gelegentlich gibt es noch Partys am Strand, dank Baksheesh. Wir verbringen jedoch die Nacht in zwei Clubs, die zwar durchaus irgendwas von Goa-Party haben, aber es ist halt trotzdem eine Disko. Der größere zieht sich am Kliff über mehrere Terrassen herunter ans Meer. Oben tanze ich die Nacht hinweg, auf den unteren verkaufen Frauen auf Teppichen unter Palmen sitzend Chai. Eine wird aber etwas nervig, nach dem ich und 2 andere danach noch sitzen bleiben, ohne etwas zu konsumieren.

Die Restaurants haben hier alle die selbe Speisekarte (Fisch, Italienisch, Chinesisch und Tandoori Chicken). Essen aus Goa ist schwer zu finden. Die wenigsten, die hier Arbeiten, kommen von hier, stattdessen aus ganz Indien, Nepal, Singapur…

Inzwischen bin ich in Palolem, ein halbmondförmiger Bilderbuchstrand in Süd-Goa. Hier sind aber auch einige typische Resort-Touris, an einigen Stellen stehen Liegestühle und Sonnenschirme und es ist wesentlich voller – aber ich fahre morgen eh weiter nach Kerala.

Etwas befremdlich ist, dass an allen Stränden Kühe rumstehen. Gestern waren es so viele wie auf einer Almwiese. In Arambol hatte ich beobachtet, wie eine Kuh ihren Kopf in den Rucksack steckt und eine große Packung Kaugummi kaut und runter geschluckt. Dann ist sie zu mir herübergekommen, hat mich an geglotzt und angefangen zu sabbern.


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