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Yucatán

Weiße Strände mit türkisfarbenem Meer, grandiose Maya-Ruinen, bunte Kolonialstädte und die faszinierenden Cenotes (Mexiko).

Chichén Itzá
Chichén Itzá

Yucatán bietet viele erstklassige Sehenswürdigkeiten. Da auch noch die Flüge nach Cancún sehr günstig sind, ist die Stadt idealer Ausgangs- oder Endpunkt einer Reise durch Mexiko (am besten in Kombination mit einem günstigen Inlandsflug).

Übrigens gönnt sich der kleine Bundesstaat Quintana Roo seine eigene Zeitzone: Den Touristen zuliebe gilt hier das ganze Jahr über die Sommerzeit.

Tulum
Tulum

Ich fahre von Cancún gleich weiter nach Tulum. Der Ort ist für seine Maya-Ruinen berühmt, die sehr schön direkt am Meer liegen. Dazu gibt es einen weißen Strand und in der Umgebung sehr viele Cenotes zum Schnorcheln oder Tauchen, die einen eigenen Artikel wert sind.

Gran Cenote bei Tulum
Gran Cenote bei Tulum

Eine Autostunde entfernt liegt die Maya-Ruine Cobá im Wald. Sie ist nicht so gut erhalten, interessant ist eher die Kombination mit dem Wald und der Blick von der großen Pyramide. Das im Reiseführer beschworene „Indiana-Jones-Feeling“ will sich nicht so richtig einstellen, dafür ist zu viel los. Die einzelnen Pyramiden und Tempel liegen weit auseinander, viele mieten daher ein Fahrrad. Zu Fuß brauche ich etwa 3 h, um alles zu sehen. Anschließend teile ich ein Taxi nach Valladolid.

Valladolid, San Bernadino
Valladolid, San Bernadino

Das hübsche Kolonialstädtchen Valladolid ist von tollen Cenotes umgeben und zudem ein guter Ausgangspunkt für Chichén Itzá. Die berühmte Maya-Ruine (mit starkem Einfluss der Tolteken) war beeindruckend und enttäuschend zugleich. Zum Glück war ich früh da (das erste Colectivo von Valladolid kommt kurz vor der Öffnung an), so konnte ich die ersten 2 h genießen. Aber leider darf man alles nur noch mit Abstand ansehen, man darf nirgends hinauf oder hinein. Besonders schade ist das beim Tempel der Krieger: Auf der Plattform liegt ein Chac Mool, der mit einem Teller in der Hand auf Opfer wartet, direkt dahinter zwei merkwürdig geformte Säulen, die aussehen, als ob sie zweimal geknickt wurden, sie stellen die gefiederte Schlange dar. Dieses Bild habe ich schon so oft gesehen, dass ich ganz Mexiko damit assoziiere, aber mit eigenen Augen sehen konnte ich es nicht.

Chichén Itzá
Chichén Itzá

Mit der Zeit füllt sich die Anlage mit Menschenmassen und entlang der Wege steht ein Stand mit Souvenirs neben dem anderen, sodass man sich eher wie auf einem Markt fühlt. Trotzdem beeindrucken die vielen Details der (z.T. blutrünstigen) Reliefs, die majestätische Pyramide, der große Ballspielplatz (und die Vorstellung, einen schweren Kautschukball ohne Hände oder Füße zu benutzen durch den Ring befördern zu müssen), der verspielte Puuc-Stil am so genannten Kloster (überall Elefantenrüssel, obwohl die Mayas doch gar keine Elefanten kannten! Es handelt sich um die Nase des Regengottes Chak).

Ek'Balam
Ek’Balam

Die Ruhe, die Chichén Itzá fehlt, finde ich in Ek’Balam, eine halbe Stunde per Colectivo nördlich von Valladolid. Die Ruine ist viel kleiner und weniger gut erhalten, man sieht neben ein paar Tempeln und einer Pyramide auch formlose mit Wald bewachsene Berge aus Steinen. Die Pyramide ist erstaunlich asymmetrisch. Sie hat überall Türen zu kleinen Räumen, die auf halber Höhe noch grandios mit Stuck umformt sind. Eine Tür ist ein riesiges zähnefletschendes Jaguarmaul, darüber stehen detailreiche Figuren. Und in der Nähe mal wieder ein Cenote zum Abkühlen…

Mérida
Mérida

Mérida ist eine lebhafte Großstadt, die trotz hübscher Kolonialbauten alles andere als museal wirkt. Einstöckige Kolonialhäuser dominieren die Straßen, dazwischen ein paar Hochhäuser, viel billiger Beton, ein paar prunkvolle Paläste und Kirchen. Werkzeugläden und Shops voller aus China importiertem Plunder, schäbige Garagen, über der Straße verknotete Stromleitungen, ein Gewusel von Menschen und trotzdem recht entspannt.

Mérida
Mérida

In der Nähe besuche ich die Maya-Ruinen Uxmal und Kabah (das quasi ein Vorort von Uxmal war). Beide sind deutlich älter als Chichén Itzá und sind in dem für diese Gegend typischen „barocken“ Puuc-Stil gebaut: viele Chak-Nasen usw. Uxmal ist grandios, gefällt mir besser als Chichén Itzá und wird trotzdem von weit weniger Touristen besucht. Ist ja auch weiter weg von Cancún…

Uxmal
Uxmal
Uxmal
Uxmal
Uxmal
Uxmal

Die herausgeputzte Altstadt von Campeche wirkt musealer als Mérida, trotzdem kommen kaum Touristen. Im Stadttor und den Bastionen der Mauer sitzen Piratenpuppen neben Kanonen, man glaubt fast, die Mauer wurde von und nicht gegen Piraten gebaut.

Campeche
Campeche
Campeche
Campeche
Campeche
Campeche

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Der Vulkan Trosky im Böhmischen Paradies

Die Türme der Burg Trosky thronen auf den Felsen zweier Vulkanschlote.

Burg Trosky, Blick von Baba auf Panna
Burg Trosky, Blick von Baba auf Panna

Im Tertiär waren in ganz Nordtschechien (und darüber hinaus) viele Vulkane aktiv, die indirekt mit der Gebirgsbildung der Alpen zusammenhängen: Teile Europas versuchten, dem Schub der Kollision auszuweichen, was mit einer Dehnung grob in Ost-West-Richtung einher ging. In ganz Mitteleuropa entstanden Grabensysteme (darunter der Rhonegraben, der Oberrheingraben, der Egergraben) und eben Vulkane. In Tschechien sind viele davon relativ unscheinbar, insbesondere gibt es kuppenförmige Berge. Besonders eindrucksvoll ist hingegen ist ein Vulkan, auf dessen Resten die Burgruine Trosky steht und die eines der bekanntesten Postkartenmotive im sogenannten Böhmischen Paradies (Český ráj) in Nordosttschechien ist.

Burg Trosky mit den Vulkanschloten Baba (links) und Panna (rechts)

Auffällig sind die beiden Felsen Baba („altes Weib“, der kleinere) und Panna („Jungfrau“, der größere), auf denen die Türme stehen. Doch bevor diese entstanden, bildeten sich durch strombolianische Eruptionen nacheinander zwei ganz normale Schlackenkegel, deren erodierte Reste den Berg unterhalb der Felsen aufbauen (der Panna-Schlackenkegel ist ein wenig jünger und überlagert den Baba-Schlackenkegel). Es war aber noch immer Magma in oberflächennahen Magmakammern vorhanden, das abkühlte und teilweise kristallisierte. Als neues Magma von unten nachströmte, presste dieses die bereits hochviskose (zähflüssige) Masse durch die Schlote der Schlackenkegel nach oben, wobei die Schlackenkegel stark deformiert wurden. Es handelt sich also um Lavadome. Das Gestein ist ein Basanit (ein basaltähnliches Alkaligestein) und damit typisch für Vulkanismus im Zusammenhang mit Grabensystemen.

Hrubá Skála, keine 3 km nordwestlich von Trosky, ist eine weitere bekannte Sehenswürdigkeit der Region: ein Renaissanceschloss und eine „Felsenstadt“ aus Sandsteinfelsen. Vom Parkplatz am Schloss führt eine Treppe durch einen engen Spalt abwärts in ein regelrechtes Felsenlabyrinth. Dass dieses an das Elbsandsteingebirge (Böhmische Schweiz und Sächsische Schweiz) erinnert ist kein Zufall, beide wurden im selben Meeresbecken abgelagert.

Hrubá Skála
Hrubá Skála

Literatur

Petronis et al. (2015). Emplacement history of the Trosky basanitic volcano (Czech Republic): paleomagnetic, rock magnetic, petrologic, and anisotropy of magnetic susceptibility evidence for lingering growth of a monogenetic volcano. Journal of Geosciences 60, 129–147.


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Basaltsäulen am Herrenhausfelsen (Panská skála)
Am Prebischtor (Pravčická brána) in der Böhmischen Schweiz
Vulkane: Wo kommt das Magma her?
Vulkanausbrüche und Vulkanformen
Bewegte Bergwelt: Gebirge und wie sie entstehen

Basaltsäulen am Herrenhausfelsen (Panská skála)

Bei Kamenický Šenov (Tschechien) befindet sich ein Bilderbuchbeispiel von Basaltsäulen.

Basaltsäulen faszinieren immer wieder — sowohl wegen der Geologie als auch der Ästhetik. Es gibt weltweit einige berühmte Vorkommen, aber so weit muss man gar nicht fahren. Ein besonders schönes Exemplar ist der Herrenhausfelsen (Panská skála) bei Kamenický Šenov (Steinschönau) im Norden von Tschechien. Dass dieser so fotogen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass hier zeitweise Basalt in einem Steinbruch abgebaut wurde, bevor der Rest im richtigen Moment unter Naturschutz gestellt wurde. Die Formen sind also eine Kombination aus Natur und Skulptur.

Herrenhausfelsen (Panská skála)
Herrenhausfelsen (Panská skála)

Wahrscheinlich handelt es sich hier um den Rest eines Vulkanschlots (also unterhalb des Kraters im Inneren eines kleinen Vulkans und nicht, wie es auf dem Schild heißt, um einen Lavastrom). Es ist schön zu sehen, dass die Säulen tendenziell leicht zum Zentrum hin geneigt sind, aber generell sehr steil sind. Basaltsäulen entstehen, wenn die bereits erstarrte Lava weiter abkühlt. Das Volumen nimmt dabei ab. Im kühlsten Bereich (in diesem Fall kühlte die Lava offensichtlich oben am schnellsten ab) entwickelt sich so ein Netz aus Rissen, die alle parallel zum Wärmegradienten ausgerichtet sind.

Herrenhausfelsen (Panská skála)
Herrenhausfelsen (Panská skála)

Es entstehen immer drei Brüche gleichzeitig, die wie ein Mercedesstern angeordnet sind und sich weiter ausbreiten, bis sie auf einen anderen Riss treffen. Bereits vorhandene Risse beeinflussen die Spannung in der Umgebung und damit die Ausbildung neuer Risse und „Mercedessterne“, so dass tendenziell ein Wabenmuster mit sechseckigen Säulen entsteht (aber nicht alle Säulen sind sechseckig). Mit dem weiteren Abkühlen setzen sich diese Klüfte weiter ins Innere (in diesem Fall in die Tiefe) fort. So hohe und regelmäßige Säulen wie hier kann es nur geben, wenn der Lavakörper langsam und nur von einer Seite gekühlt wird und die gesamte Geometrie sehr regelmäßig ist. Das ist insbesondere bei Vulkanschloten, Sills und Gängen der Fall, auch bei Lavaseen und Lavaströmen — aber nur, wenn es sich um eine Abfolge vieler schnell hintereinander eruptierter Lavaströme handelt, insbes. bei Flutbasalten.

Herrenhausfelsen (Panská skála)
Herrenhausfelsen (Panská skála)

Der Vulkan war im Tertiär aktiv, einer Zeit, in der in ganz Mitteleuropa viele Vulkane aktiv waren, während durch Dehnung große Grabensysteme entstanden. Nicht weit von hier entstand der Egergraben auf der Südseite des Erzgebirges, es gab jedoch in ganz Nordtschechien viele kleine Vulkane. In vielen Fällen (und vermutlich auch hier) handelt es sich genau genommen nicht um Basalt, sondern um Alkaligesteine wie Tephrit oder Basanit.

Der Felsen liegt am Ostrand von Kamenický Šenov direkt an der Hauptstraße 13/E442. Diese Straße verbindet beispielsweise die Böhmische Schweiz und das Böhmische Paradies.


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Der Vulkan Trosky im Böhmischen Paradies
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Am Prebischtor (Pravčická brána) in der Böhmischen Schweiz

Eine Tageswanderung verbindet das beeindruckende Felstor im Elbsandsteingebirge mit einer Kahnfahrt durch die Edmundsklamm.

Prebischtor
Prebischtor (Pravčická brána) mit dem Vulkan Rosenberg (Růžovský vrch) im Hintergrund

Das beeindruckende Prebischtor in der Nähe von Hřensko ist mit Abstand das größte Felstor im Elbsandsteingebirge und das größte in Europa, es kann fast mit den berühmten Felstoren auf dem Coloradoplateau in den USA (z. B. Arches-Nationalpark in Utah) mithalten.

Ich kannte bisher vor allem die Sächsische Schweiz auf der anderen Seite der Grenze, mit ihren Tafelbergen und Sandsteintürmen, mit dem Wechsel aus weiten Ausblicken und engen Schluchten und auch dort gibt es (kleinere) Felstore wie den sogenannten Kuhstall. Die in Tschechien direkt anschließende Böhmische Schweiz ist natürlich sehr ähnlich, aber das Prebischtor sticht heraus und es ist neben Bastei, Königsstein und Schrammsteinaussicht eines der Highlights der ganzen Region. Von den Aussichtspunkten oberhalb des Felstors kann man auf der anderen Seite auch hier eine typische „Felsenstadt“ mit stark geklüfteten Felsen und Felstürmen sehen.

Der Sandstein mit einer Gesamtmächtigkeit von stellenweise über 500 m wurde in der späten Kreidezeit in Küstennähe im Meer abgelagert, das damals einen Höchststand erreichte. Dieses Becken hatte eine viel größere Ausdehnung als das heutige Elbsandsteingebirge und reichte z.B. bis in ins weiter östlich gelegene Böhmische Paradies. Gegen Ende der Kreidezeit zog sich das Meer zurück und eine Überschiebung entlang der Lausitzer Verwerfung führte zu einer ersten Hebung.

Prebischtor
Prebischtor

Die Felsformationen entstanden durch Erosion in mehreren Phasen, wobei das Netzwerk aus Klüften (hauchdünne Risse) eine wichtige Rolle spielte. Als erstes kam es im Tertiär bei feucht-heißem Klima im Untergrund zu einer starken chemischen Verwitterung, was vor allem entlang der Klüfte den Zement zwischen den Sandkörnern angriff. In dieser Zeit setzten weitere tektonische Bewegungen als eine Fernwirkung der Alpen ein: Europa reagierte auf die dortige Gebirgsbildung mit Ausweichbewegungen kleinerer Krustenblöcke und einer Dehnung etwa in Ost-West-Richtung. Unmittelbar südöstlich des Elbsandsteingebirges senkte sich dadurch der Egergraben, an dessen Nordwestseite sich das Erzgebirge hob. Das Elbsandsteingebirge befindet sich randlich am Ende des Grabens, es wurde in mehreren Phasen ebenfalls gehoben — vor allem im Südwesten — und verkippt. Die Entstehung des Grabensystems ging auch im Elbsandsteingebirge mit Vulkanismus einher. Viele Vulkane sind heute durch ihre Kuppelform leicht zu erkennen, etwa der Große Winterberg (ca. 2 km nordwestlich des Prebischtors, jenseits der Grenze) und Růžovský vrch (Rosenberg, ca. 4 km südöstlich des Prebischtors und gut von den Aussichtspunkten aus zu sehen).

Die Elbe und ihre Nebenflüsse schnitten sich in die sich hebende Scholle ein und die Erosion änderte sich grundlegend: Das bereits lockere Material entlang der Klüfte wurde schnell ausgespült. Während der Eiszeiten gab es eine starke Erosion durch Frostsprengung. Seither ist die Verwitterung langsamer, aber Wasser, Frost und Salz (durch kapillar aufsteigendes Wasser) verändern noch immer die Form der Felsen. Die einstige Tafel ist in eine Landschaft mit tiefen Schluchten, sanft hügeligen Plateaus und noch höheren Tafelbergen aufgelöst.

Erster Schritt für die Entstehung eines Felstors ist eine Felsmauer (engl.: fin, Rückenflosse) aus Sandstein, die zwischen zwei durch Erosion geweiteten Klüften stehengeblieben ist. Nun dürfte der als Exfoliation bezeichnete Prozess die wichtigste Rolle spielen. Damit meint man ein Ablösen von schalenförmigen Gesteinsplatten insbesondere bei Granit, was durch die Druckentlastung (beim Abtragen des überlagernden Gesteins) ausgelöst wird. Ganz ähnlich können bei Druckentlastung an einer Sandstein-Felswand große Platten abplatzen. Mit etwas Glück entsteht so ein Fenster in der Sandsteinmauer. Weitere Blöcke stürzen nach, bis entweder die Statik wie bei einer Brücke stimmt oder (was wahrscheinlicher ist) die gesamte Struktur eingestürzt ist.

Das Prebischtor kann nur zu Fuß erreicht werden, und zwar entweder von Hřensko (der Grenzort an der Elbe) oder von Mezni Louka (kaum mehr als ein Hotel und ein Campingplatz an der Straße Richtung Jetřichovice). Da zwischen beiden Orten auf der anderen Seite der
Straße die Edmundsklamm verläuft, bietet sich ein Rundweg (ca. 5 h) an. Ein Teil der Edmundsklamm ist aufgestaut und die Wanderer werden für ein paar Euro oder Kronen auf einem Stocherkahn befördert. Dabei passiert man auch einen künstlichen Wasserfall, der per Reißleine aktiviert wird, und ähnliche grandiose Highlights, die zum Glück von den Kapitänen mit viel Ironie kommentiert werden.

Literatur

Migon (2010) Geomorphical Landscapes of the World. Springer, Heidelberg.

Wagenbreth, Steiner (2015) Geologische Streifzüge: Landschaft und Erdgeschichte zwischen Kap Arkona und Fichtelberg. 4. Aufl., Springer, Heidelberg.

Geologische Karte der Nationalparkregion Sächsische Schweiz (1993)


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Basaltsäulen am Herrenhausfelsen (Panská skála)
Der Vulkan Trosky im Böhmischen Paradies
Auf dem Malerweg durch die Sächsische Schweiz
Zhangjiajie: Im Sandsteingebirge Wulingyuan

Kegelkarst in der Fränkischen Schweiz

Die Kalksteintürme in Oberfranken erinnern nicht ganz zufällig an berühmte Landschaften in Südostasien.

Karsttürme in Tüchersfeld
Karsttürme in Tüchersfeld

Felstürme aus weißem Kalkstein sind typisch für die sogenannte Fränkische Schweiz — d.h. die Nördliche Fränkische Alb. Damit unterscheidet sich diese Landschaft nordöstlich von Nürnberg deutlich von den weiter südwestlich gelegenen Teilen der Fränkischen Alb und von der Schwäbischen Alb, wo eher relativ gleichförmige weiße Kalksteinfelsen den Albtrauf und manche Täler säumen. Manche werden vielleicht an das Elbsandsteingebirge (Sächsische Schweiz und Böhmische Schweiz) mit seinen Türmen aus Sandstein erinnert, dessen geologische Entstehung jedoch nicht vergleichbar ist. Tatsächlich sollte man eher in Südostasien oder China nach ähnlichen Beispielen suchen.

Wie auch in der übrigen Fränkischen Alb und in der Schwäbischen Alb handelt es sich bei den weißen Felsen um ehemalige Riffe aus der Jurazeit, genauer gesagt aus dem Malm. Anders als an heutigen Korallenriffen dominierten damals Schwämme mit Kalkskeletten die Riffe.

In der Unterkreide lag die Region wieder trocken und es herrschte ein tropisches Klima mit üppigem Pflanzenwachstum. Weil die Huminsäuren des Bodens zu einer deutlich schnelleren Auflösung des darunterliegenden Kalksteins führen als bei freiliegenden Felsen, werden Täler und Ebenen immer tiefer und es bleiben Felskegel dazwischen stehen. Besonders spektakuläre Beispiele von tropischem Kegelkarst sind Halong Bay in Vietnam, die Küste bei Phuket und Krabi in Thailand und die Region um Guilin in China, aber auch Viñales in Kuba oder in einem weniger fortgeschrittenen Stadium die Chocolate Hills auf Bohol (Philippinen).

Karsttürme in Tüchersfeld
Karsttürme in Tüchersfeld

Ganz so beeindruckend wie die genannten Beispiele sind die Türme der Fränkischen Schweiz vielleicht nicht, aber immerhin locken sie Kletterer und Touristen an. Am schönsten sind möglicherweise die Felsen im Dorf Tüchersfeld, wenige Kilometer von Pottenstein entfernt. Aber es ist auch erstaunlich, dass sie überhaupt so lange überlebt haben. Das haben wir einem erneuten Vorstoß des Meeres zu verdanken: Schon in der Oberkreide war das Relief völlig unter Sand begraben. Seither wurde der Sand wieder weitgehend ausgeräumt. Die Sandsteine des Elbsandsteingebirges wurden übrigens erst in der Oberkreide abgelagert.

Meke Gölü als Titelbild

Grundlagen der GeologieDemnächst erscheint die 5. Auflage des Lehrbuchs Grundlagen der Geologie von Bahlburg und Breitkreuz, für die ich als Lektor redaktionell verantwortlich war. Zu helfen, ein sehr gutes Buch noch besser zu machen ist eine schöne Arbeit, hinzu kommt, dass mein Foto vom türkischen Vulkan Meke Gölü als Titelbild ausgewählt wurde. Hier steht ein Schlackenkegel im Zentrum eines etwas älteren Maars, das wiederum von einem flachen Salzsee gefüllt ist. Übrigens war schon auf der 4. Auflage ein Foto von mir auf dem Cover: die Lagunas Cotacotani und die Vulkane Pomerape und Parinacota im Lauca-Nationalpark in Chile.

Schwimmende Salzkristalle

Wie Boote schwimmen manchmal merkwürdig geformte Salzkristalle auf Salzseen oder in Salinen: hopper halite oder fleur de sel.

hopper halite
Schwimmende Salzkristalle (hopper halite), jeweils ein paar mm groß

Wird salzhaltiges Wasser soweit eingedampft — durch Menschen in einer Saline zur Gewinnung von Meersalz oder natürlich an Salzseen und Salaren –, dass es an NaCl (Halit, Kochsalz) und möglicherweise auch anderen Salzen gesättigt bzw. übersättigt ist, fällt dieses in Form fester Kristalle aus. Normalerweise sind Halitkristalle würfelförmig und sie sind natürlich schwerer als das Salzwasser und befinden sich somit am Grund (wobei größere Würfel die Ausnahme sind).

Trotzdem sind manchmal auf der Wasseroberfläche schwimmende Kristalle oder kleine „Salzflöße“ zu sehen. Dieses Phänomen tritt auf, wenn die Verdunstung besonders stark ist und kein Wind die schüsselförmigen Kristalle wieder versenkt. In diesem Fall ist die Salzkonzentration direkt an der Wasseroberfläche besonders hoch und es kommt bevorzugt an der Grenzfläche Salzwasser-Luft zur Keimbildung (Nukleation) von Salzkristallen.

Mehr über Salz (einschl. Salzseen und Salare) findet sich in meinem Buch Die Welt der Rohstoffe.

Eine übersättigte Lösung befindet sich in einem chemischen Ungleichgewicht, sie enthält mehr vom betreffenden Stoff (z.B. Salz), als eigentlich unter entsprechenden Bedingungen (insbes. Temperatur) im Lösemittel (z.B. Wasser) gelöst sein können. Das ist nur möglich, wenn die Keimbildung der Kristalle aus irgendeinem Grund nicht bzw. erst verzögert stattfindet. Sobald diese einsetzt, kristalliert sehr schnell so viel des Stoffes aus, bis das chemische Gleichgewicht wieder hergestellt und die Lösung genau gesättigt ist.

Genau das kann auch an der Oberfläche von Salzwasser passieren. Aufgrund der besonders starken Übersättigung wachsen aber keine normalen würfelförmigen Kristalle heran, sondern „Boote“ in Form einer Pyramide, deren Spitze nach unten zeigt. Der ursprüngliche Nukleus des Kristalls befindet sich in der Pyramidenspitze. Auf Englisch werden solche Kristalle passend als hopper crystals bezeichnet, in diesem Fall also hopper halite, wobei hopper „Schüttgutbehälter“, „Ladewanne“ u.ä. meint. Einen passenden deutschen Begriff gibt es leider nicht (längliche Hopperkristalle, insbesondere von Ammoniummagnesiumphosphat, werden oft als „sargdeckelförmige Kristalle“ bezeichnet).

Wie gesagt bestehen diese Kristalle auf dem ersten Blick aus vier Pyramidenflächen. Sieht man genauer hin, erkennt man, dass diese Flächen in Wirklichkeit aus kleinen Stufen bestehen. Die Flächen dieser Stufen entsprechen kristallographisch den Würfelflächen. Beim sehr schnellen Wachstum aus der stark übersättigten Lösung lagern sich nämlich neue Ionen nicht gleichmäßig auf einer Würfelfläche an (was einen normalen würfelförmigen Kristall erzeugen würde), sondern bevorzugt in der Nähe der Kanten. Entlang der Kante bildet sich so eine Stufe heraus.

Beim langsamen Wachstum passiert übrigens das genaue Gegenteil, die Anlagerung vor einer Stufe ist nämlich energetisch am günstigsten. Das führt zum Verschwinden einer Stufe auf der Kristallfläche, die somit selbst im atomaren Massstab während des Kristallwachstums nahezu eine Fläche bleibt. Beim schnellen Wachstum eines Hopperkristalls erfolgt der „Anbau“ mit Ionen an einer energetisch ungünstigen Position, einfach weil dort der Nachschub mit weiteren Ionen schneller ist. Die (elektrisch geladenen) Ionen der Kante können besser passende (entgegengesetzt geladene) Ionen anziehen, als die Ionen einer Fläche.

Das Ergebnis ist, dass aus dem winzigen Keimkristall ein Hopperkristall heranwächst, der dank seiner Schüsselform so viel Wasser verdrängt, dass er schwimmt und somit dort bleibt, wo die idealen Wachstumsbedingungen herrschen. Mit der Zeit können viele dieser Kristalle zu einem „Floß“ zusammenwachsen. Manchmal (z. B. bei Wind) versinken sie aber auch und wachsen auf dem Grund weiter (und evtl. zu normalen Würfeln heran).

Da die Hopperkristalle im Vergleich zu normalem Salz schön „crunchy“ sind, gelten sie in manchen Ländern als Delikatesse. Bei fleur de sel („Salzblume“) aus Frankreich handelt es sich um Hopperkristalle, die per Hand in Salinen gesammelt werden.

Das Bild oben zeigt schwimmende Hopperkristalle in einem kleinen Salzwasserloch eines Salars in Argentinien namens Salinas Grandes del Noroeste.

Übrigens tritt ein ähnliches Phänomen manchmal bei der Kristallisation aus einer Schmelze bzw. aus einem Magma auf. Ist eine Schmelze stark unterkühlt (d.h. unter dem Liquidus) und dabei die Keimbildung der Kristalle unterdrückt, kommt es irgendwann plötzlich zu einer sehr schnellen Kristallisation. Betrachtet man einen Dünnschliff eines entsprechenden magmatischen Gesteins unter dem Mikroskop, sind dann z.B. „skelettförmige“ Hopper-Olivine zu sehen (Donaldson 1976, Contrib Min Petr). So etwas hatte ich in einem Olivin-Melilithit in meiner Diplomarbeit.

Kühlt man eine Schmelze des Metalls Bismut (Bi) ab, entstehen ebenfalls Hopperkristalle, die in diesem Fall wie ineinander verschachtelte Würfel aussehen. Solche bunt angelaufene synthetische Bismutkristalle werden oft in Mineralienläden und Museumsshops verkauft.

Bindestrich oder zusammenschreiben? Ein kurzer Leitfaden für Naturwissenschaftler

Viele Autoren schreiben Zusammensetzungen am Liebsten mit Bindestrich, scheinbar fürchten Sie sich vor langen Wörtern. Was ist aber richtig? Tatsächlich können wir es uns nicht einfach aussuchen, ob wir ein Wort mit oder ohne Bindestrich schreiben: Der Duden formuliert hierzu klare Regeln.

Fast immer ohne Bindestrich

Wichtigste Regel ist, kurz gesagt, dass im Deutschen alles, was zusammengeschrieben werden kann, auch zusammengeschrieben wird. Auch wenn das Ergebnis sehr lange Wörter sind.

Kohlenstoffisotopenverhältnis, kollapsbedingt, chromreich, säurehaltig, Kaliumkation, Wasserstoffbrückenbindung, Methyldiethanolamin, Natriumhydroxidlösung, Standardwasserstoffelektrode, Diethylentriaminpentaessigsäure, Standardreaktionsenthalpie.

Das gilt auch, wenn dabei zwei gleiche Buchstaben oder zwei Vokale aufeinandertreffen (Energieerzeugung, Klimaanlage, Leseunfähigkeit). Bei drei Vokalen ist ein Bindestrich möglich, die Zusammenschreibung jedoch vom Duden empfohlen (Kaffee-Ersatz, empfohlen Kaffeeersatz).

In besonders unübersichtlichen Fällen kann ein Bindestrich gesetzt werden, Zusammenschreibung wird aber trotzdem empfohlen (Flüssigwasserstoff-Tank und Flüssigwasserstofftank, Lithium-Ionen-Akkumulator und Lithiumionenakkumulator). Außerdem ist manchmal ein Bindestrich möglich (oder gar empfohlen), um Missverständnisse zu vermeiden (Druck-Erzeugnis, Drucker-Zeugnis).

Wir sehen gleich, unter welchen Ausnahmen Bindestriche gesetzt werden müssen.

Niemals mit Bindestrich sind Verbindungen mit „nicht“: richtig ist „nicht amtlich“ (empfohlen, oder alternativ „nichtamtlich“), „nicht blau“, „nichtberufstätig“, „Nichtangriffspakt“, „Nichtanerkennung“. Man schreibt in einem Wort, wenn dieses „klassenbildend“ ist, ansonsten getrennt in zwei Wörtern.

Mit Bindestrich: Verbindungen mit Namen

Begriffe, die aus einem Namen und einem Begriff zusammengesetzt sind, werden in der Regel mit Bindestrich geschrieben.

Schrödinger-Gleichung, Lewis-Säure, Mohs-Härte, Linde-Verfahren, Babinski-Reflex, Van-der-Waals-Kräfte

Hier gibt es wiederum Ausnahmen, nämlich wenn es sich bei diesem Begriff um eine Gattungsbezeichnung handelt. Daher werden Bunsenbrenner, Erlenmeyerkolben, Ottomotor und Röntgenstrahlung zusammengeschrieben.

Vorsicht: Bei Verknüpfungen mit geographischen Namen werden in der Regel keine Bindestriche gesetzt: Rheintal, Gangesdelta, Südostasien, Nordspanien. Ggf. kann alternativ ein Bindestrich gesetzt werden (Betonung, schwer lesbare Verknüpfungen, Verknüpfungen mit kaum bekannten Lokalitäten). Natürlich gibt es auch geographische Namen mit Bindestrichen: Baden-Württemberg, Berlin-Kreuzberg, Basel-Stadt.

Gleichrangige Adjektive

Bei eng zusammengehörigen gleichrangigen Adjektiven wird ein Bindestrich gesetzt: mathematisch-physikalisch, falsch-positiv, deutsch-englisches Wörterbuch, rot-blau gestreiftes Kleid, minimal-invasiv.

Aber: lauwarm, hellrot, rotbraun, afroamerikanisch, galloromanisch, schweizerdeutscher Dialekt

Bindestrich als Betonung

Ein Bindestrich kann zur Betonung eines Wortteils verwendet werden. Zum Beispiel ist bei Ich-Sucht das Ich stärker betont als bei Ichsucht. Ähnliches ist bei Wortspielen beliebt, etwa wenn mit „Eis-Zeit“ gar nicht eine Eiszeit der Erdgeschichte gemeint ist.

Bindestrich bei Zusammensetzungen mit Abkürzungen/Ziffern/Einzelbuchstaben

Verbindungen mit Abkürzungen: ABC-Alarm, Dipl.-Min., Kfz-Papiere, SW-Frankreich usw. sind natürlich mit Bindestrich (aber: Hausnr., Sachverz., also wenn nur das Ende abgekürzt ist).

Mit Einzelbuchstaben: x-tes Mal, n-te Potenz, x-Achse, i-Punkt.

Verbindungen mit Ziffern sind fast immer mit Bindestrich: 5-mal, 70-jährig, 3-gliedrig.

Ausnahme: Ziffer + Suffix ist ohne Bindestrich, 4fach (aber: n-fach), 7 %ig, 68er (20er-Jahre).

Mit Bindestrichen durchkoppeln

Werden ganze Wortgruppen verknüpft (Masse-zu-Ladungs-Verhältnis, Mund-zu-Mund-Beatmung) oder ist eine Zusammenschreibung aus logischen Gründen nicht möglich (insbes. wenn es sowohl um das eine als auch um das andere geht), wird die gesamte Verknüpfung mit Bindestrichen „durchgekoppelt“.

Kreide-Tertiär-Grenze, Dipol-Dipol-Wechselwirkung, H-C-H-Winkel (bei Kohlenwasserstoffen), Energie-Entropie-Konzept, Entladungs-Ladungs-Zyklen von Akkus, d-d-Elektronenübergang, Finite-Differenzen-Lösung, 5-Punkte-Skala, Magen-Darm-Trakt, Nord-Süd-Richtung, N-S-Richtung, Main-Donau-Kanal, d-Block-Elemente, Flüssig-Flüssig-Extraktion.

Auch bei Ziffer + Einheit + Grundwort: 1000-°C-Isotherme, 1-Liter-Messkolben, 500-ml-Erlenmeyerkolben, 5-min-Takt (bei 90°-Winkel nur ein Bindestrich, da zwischen Ziffer und Winkelgrad kein Leerzeichen steht: 90°, anders als z. B. 1 m).

Ebenso Zusammensetzungen aus mehrteiligen Namen/Begriffen: El-Niño-Ereignis („El Niño“ + „Ereignis“), Sankt-Gotthard-Tunnel, Rio-de-la-Plata-Mündung, Vitamin-D-Zufuhr.

Chemische Verbindungen

Die Nomenklatur der Chemie hält sich nicht an den Duden, sondern orientiert sich an internationalen Standards. Aber auch hier werden Bindestriche nur sparsam und vor allem systematisch eingesetzt.

Insbesondere in der organischen Chemie werden sogenannte Deskriptoren und Lokanten häufig verwendet, die mit einem Bindestrich vom übrigen Namen getrennt werden. Diese beschreiben insbesondere die Konfiguration bzw. Geometrie eines Moleküls, was dann wichtig ist, wenn es verschiedene Moleküle gleicher Zusammensetzung gibt, die sich geometrisch unterscheiden. Bei trans-1,2-Dimethylcyclohexan ist „trans-“ ein Deskriptor und meint „auf der gegenüberliegenden Seite“, „1,2“ ist ein Lokant und bedeutet, dass die Methylgruppen an benachbarten Ecken des Rings aus 6 Kohlenstoffatomen hängen.

Viele Deskriptoren werden kursiv und klein geschrieben, bei anderen handelt es sich um griechische Buchstaben oder lateinische Buchstaben in Klammern o. ä.

Beispiele:

  • cis- und trans- (cis-Isomer);
  • n-, iso-, cyclo-, neo- (iso-Pentan);
  • o-, m-, p- bzw. ortho-, meta-, para- (o-Xylol = ortho-Xylol);
  • meso-Weinsäure.

Typische Lokanten sind arabische Zahlen (1,2,3-Trichlortrisilan) oder aber kursiv gesetzte Elementsymbole (N-Ethyl-N-nitrosoharnstoff).

Bei Komplexen werden Brückenliganden mit μ gekennzeichnet, das ebenfalls mit Bindestrich(en) abgetrennt wird: μ-acetato, Tri-μ-chloro…

In Komplexsalzen wird zwischen dem Namen des Kations und dem Namen des Anions ein Bindestrich geschrieben:
Kalium-hexacyanoferrat(III)
„Normale“ Salze wie Kaliumchlorid werden aber zusammengeschrieben.

Nach einer Angabe der Oxidations- oder Ladungszahl in Klammern wird meist ein Bindestrich gesetzt: Eisen(III)-chlorid, Kupfer(I)-oxid.

Psychologie

Einige Begriffe der Psychologie sind mit Bindestrich, wie Über-Ich, Es-Anteile.

Fremdwörter

Eingedeutschte (insbes. wenn sie im Duden stehen) bzw. im betreffenden Fachgebiet häufig verwendete Fremdwörter werden wie deutsche Wörter behandelt. Ansonsten werden seltenere Begriffe in anderen Sprachen meist in Originalschreibweise entweder in Anführungszeichen oder kursiv gesetzt.

Bei Verbindungen von Fremdwort/-wörtern mit deutschen Wörtern gelten die normalen Regeln oben. Also wenn möglich immer zusammenschreiben: Borderlinestörung, Laserstrahl, psychosomatisch, physikochemisch, sozioökonomisch, hemipelagisch, periglazial, Outdoorkleidung, Hotspotvulkan. Und ansonsten mit Bindestrichen „durchkoppeln“: Multiple-Choice-Aufgabe, High-Spin-Komplex, Hot-Spot-Vulkan.

Bei Verbindungen aus zwei Fremdwörtern empfiehlt der Duden meist Zusammenschreibung:

  • Zwei engl. Substantive: Empfohlen wird Zusammenschreibung, Economyclass, Shoppingcenter; alternativ ist Bindestrich möglich (dabei beide Substantive großschreiben): Economy-Class. Der Bindestrich wird bei schwer lesbaren Verbindungen empfohlen: Desktop-Publishing.
  • Verb + x: Empfohlen wird Zusammenschreibung, Hangover, Blackout, Feedback, Comingout; Alternativ ist Bindestrich möglich, Black-out, Feed-back etc.
  • Vorsicht Ausnahme: Bei Adjektiv + Substantiv ist Zusammenschreibung nur möglich (und dann vom Duden empfohlen), wenn die Hauptbetonung auf dem ersten Teil liegt: Hotspot, Blackbox. Alternative ist getrennt (kein Bindestrich!) Hot Spot, Black Box. In allen anderen Fällen ist nur mit Leerzeichen möglich: Top Ten, High Fidelity

Ergänzungsstrich

Der Vollständigkeit halber sei noch der Bindestrich als Ergänzungsstrich erwähnt, bei Auslassungen wie in „Tier- und Pflanzenarten“.


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Iguazú-Wasserfälle

An den vielleicht spektakulärsten Wasserfällen der Erde (Argentinien/Brasilien)

Eine ganze Landschaft von tosenden weißen Vorhängen aus Wasser, die sich von allen Seiten in eine 80 m tiefe Schlucht aus schwarzem Basalt stürzen. An den Felsen der Inseln, die zwischen den 20 großen und etwa 200 kleineren Wasserfällen liegen, klammert sich ein üppiger Regenwald. Die Gischt sorgt für ein feuchtes, fast tropisches Klima in einer Region, die normalerweise heiß-trocken wäre. Nur wenige Wasserfälle der Erde sind mit diesem Naturschauspiel an der Grenze zwischen Argentinien und Brasilien auch nur annähernd zu vergleichen.

Wer dieses Schauspiel bewundern will, darf allerdings nicht erwarten, dort alleine zu sein. An den Aussichtspunkten drängeln sich so viele Touristen, die einen Selfie vor den besten Punkten wollen, dass man für einen kurzen Moment am Geländer lange anstehen muss. Insbesondere auf der brasilianischen Seite sind die Plattformen klein und platzen aus allen Nähten, auf der argentinischen Seiten verläuft es sich etwas.

Der Ort Puerto de Iguazu (Argentinien) liegt wenige Kilometer flussabwärts an der Mündung des Iguazu in den Paraná (der die Grenze nach Paraguay bildet). Von hier aus wenige Kilometer den Paraná hinauf liegt die brasilianische Stadt Foz do Iguaçu und am anderen Ufer die Stadt Ciudad del Este in Paraguay.

Iguazu (brasilianische Fälle von der argentinischen Seite)
Iguazu (brasilianische Fälle von der argentinischen Seite)

Es lohnt sich auf jeden Fall, beide Seiten der Wasserfälle zu besuchen. Von Puerto Iguazu fährt alle 20 min ein Bus zum argentischen Visitor Center und alle Stunde ein Bus über die Grenze zum brasilianischen Eingang. Auf beiden Seiten ist das Licht vormittags besser — soweit die Sonne überhaupt zwischen den Wolken durchkommt.

Für die argentinische Seite sollte man einen ganzen Tag planen. Leider muss man hier mehrfach lange auf einen langsamen Bimmelzug warten, weil (angeblich wegen der Pumas) die entsprechenden Fußwege gesperrt sind. Vom mittleren Bahnhof aus gibt es zwei Rundwege. Der untere ist besonders schön, er führt etwa auf halber Höhe durch den unteren Teil der Schlucht, mit ständig wechselnden Ausblicken auf Wasserfälle auf beiden Seiten. Wer Glück hat kann von diesem Weg aus auch auf die zwischen großen Fällen gelegene Insel San Martin übersetzen, von deren oberen Ende sich ein grandioser Blick bieten muss, in unserem Fall war die Insel gesperrt. Der völlig flache obere Rundweg führt vom mittleren Bahnhof aus auf Stegen an der Kante entlang von einem Fall zum nächsten. Eine weitere Fahrt mit der Bahn bringt einen zu einem langen Steg, über den man den größten und gewaltigsten Wasserfall erreicht, den Garganta del Diablo. Die Schlucht ist hier dermassen mit weißer Gischt gefüllt, dass er wie in eine Wolke hinein fällt. Er befindet sich am obersten Ende der Schlucht und bildet die Grenze zwischen beiden Ländern.

Iguazu (brasilianische Seite)
Iguazu (brasilianische Seite)

Für die brasilianische Seite reicht ein halber Tag, da es hier nur einen Weg gibt. Er führt zunächst an der Kante der Schlucht entlang und bietet dabei einen Überblick über die Wasserfälle auf der anderen Seite. Schließlich erreicht man auch hier einen Steg, der über eine Terrasse auf mittlerer Höhe führt, die sich zwischen zwei Stufen von Wasserfällen befindet. Wenn man an ihrem Ende einen Platz in der ersten Reihe ergattert, hat man einen gigantischen Blick in alle Richtungen — einschließlich auf den Garganta do Diablo (wie der größte auf portugiesisch heißt). Ein Aufzug bringt einen zur Straße mit den Bussen hinauf.

Iguazu (brasilianische Seite)
Iguazu (brasilianische Seite)

Die Basaltströme, in den sich der Iguazu einschneidet, haben übrigens auch eine interessante Geschichte. Sie gehören zu den Paraná-Etendeka-Flutbasalten, die heute durch den Atlantik zweigeteilt sind. Das Paraná-Gebiet umfasst weite Teile von Südbrasilien, Uruguay, Nordostargentinien und Südwestparaguay. Das kleinere Etendeka befindet sich im heutigen Namibia. In der Kreidezeit, vor ca. 127 Ma, als hier in geologisch kurzer Zeit ein mächtiger Lavastrom über den nächsten floss, waren beide Kontinente noch Teil des Großkontinents Gondwana. Nach der klassischen Theorie entstehen solche Flutlaven, wenn im Erdmantel heißes Material als sogenannter Diapir aufsteigt — und dessen pilzförmiger „Kopf“ in geringer Tiefe ankommt und große Mengen Basaltmagmen gebildet werden. Entlang von langen Spalten schossen regelrechte Lavavorhänge in die Höhe, einzelne Ströme flossen Hunderte von Kilometern weit. Erst später setzte der normale Hotspot-Vulkanismus (Vergleichbar mit Hawaii) ein, der die Vulkaninsel Tristan da Cunha im Südatlantik befeuert. Die vom Manteldiapir verursachte Krustendehnung dürfte für den Zerfall von Gondwana und das Aufreißen des Südatlantiks mit verantwortlich gewesen sein.

Iguazu (argentinische Seite)
Iguazu (argentinische Seite)

In diesen Flutlaven des Paraná-Plateaus bildeten sich später in Blasen die riesigen Amethystdrusen, die in vielen Museen und Mineralienläden in aller Welt stehen (fast alle kommen aus Brasilien oder Uruguay). Wie diese entstanden, beschreibe ich ausführlich in meinem Buch Edelsteine in Kapitel 7.


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Quebrada de Humahuaca
Valles Calchaquíes (mit Quebrada de Cafayate, Cachi und Los Cardones)
Talampaya und Ischigualasto (Valle de la Luna)
Am Fuß des Aconcagua
Patagonien
Angel Fall (Venezuela)

Quebrada de Humahuaca

Ein geschichtsträchtiges Tal mit knallbunten Bergen, Kolonialstädtchen und vorkolonialen Ruinen in Nordwestargentinien

Purmamarca, Cerro de los Siete Colores
Purmamarca, Cerro de los Siete Colores

Das Tal Quebrada de Humahuaca führt von der Stadt Jujuy nach Norden zur Grenze nach Bolivien. In Kolonialzeiten war dies die wichtige Verbindung zwischen Potosi — die Bergbaustadt mit ihren Silberminen war damals etwa so groß wie London und das wirtschaftliche Gravitationszentrum der spanischen Kolonien — und Salta und Tucuman, die vor allem für die Versorgung von Potosi existierten. Besiedelt war das Tal aber bereits vor der Ankunft der Spanier, wie eindrucksvolle Ruinen beweisen. Hinzu kommen den außergewöhnlich farbenprächtigen Felsformationen — über die Geologie der ganzen Region schreibe ich einen eigenen Artikel. Kein Wunder, dass das Tal von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Man erreicht es von Salta aus recht schnell auf der Autobahn via General Güemes und Jujuy. Die direkte Straße von Salta nach Jujuy ist hingegen nicht zu empfehlen, das schmale Sträßchen windet sich in endlosen engen Kurven an einem bewaldeten Bergrücken entlang.

Der interessanteste Teil des Tals ist zwischen Purmamarca und Humahuaca. Purmamarca ist ein etwas touristisches Kolonialstädtchen, das 3 km aufwärts in einem Seitental am Fuß eines besonders bunten Hügels liegt, dem Cerro de los Siete Colores (Berg der sieben Farben). Es lohnt sich auf jeden Fall, diesen zu Fuß zu umrunden (auf einem staubigen Sträßchen, „Paseo de los Colorados“, 3 km, ca. 1 h) und auch den als Aussichtspunkt dienenden kleineren Hügel am Dorfrand zu besteigen. Den besten Blick hat man allerdings, wenn man an der Dorfeinfahrt das Flussbett überquert und einen steilen Pfad den Berghang auf der gegenüberliegenden Seite hinauf folgt (möglichst im Morgenlicht).

In der eigentlichen Quebrada de Humahuaca weiter aufwärts folgt Hornillos. Die malerische rekonstruierte Poststation aus Kolonialzeiten hat hübsche Innenhöfe. Der nächste Ort ist Maimara, wo die östliche Bergflanke ebenfalls besonders bunt ist und „Paleta del Pintor“ genannt wird. Den besten Blick hat man am großen Kreisverkehr direkt an der Hauptstraße, über die Friedhof hinweg.

El Pucará, Tilcara
El Pucará, Tilcara

Es folgt Tilcara, wo die (teilweise rekonstruierten) Ruinen der präkolumbianischen Siedlung El Pucará umbedingt einen Besuch lohnen. Die kleinen Häuschen mit ihren schmalen Eingangspforten liegen auf dem Rücken eines Hügels, umgeben von Kakteen und einer schönen Landschaft. Aber auch der Ort selbst mit seinen Kolonialhäusern und Museen ist interessant.

Weiter aufwärts in Uquia haben wir Glück, die kleine Kirche ist ausnahmsweise offen und wir können die Gemälde betrachten, die die Erzengel in spanischer Rüstung und mit spanischen Waffen zeigen — ein beeindruckendes Beispiel kolonialer Propaganda. Schließlich kommen wir nach Humahuaca, ein angenehm untouristisches Kolonial- und Minenstädtchen.

Humahuaca
Humahuaca

An einem anderen Tag folgen wir von Purmamarca aus im Seitental der Straße Richtung Chile, mit eindrucksvoller Landschaft. Zunächst stechen quartäre Schotterterrassen und (hoffentlich nicht wörtlich) Kakteen ins Auge, bevor wir am Pass in den Nebel tauchen.

Westlich Purmamarca
Westlich Purmamarca (links hinter den Kakteen Quartär, ganz hinten rechts Neoproterozoikum)

Auf der anderen Seite erreichen wir bei blauem Himmel das Puna-Plateau, in der Ferne leuchtet schon strahlend weiß ein Salar. Wir fahren bis zu den Salinas Grandes del Noroeste. Dieser Salar erinnert mich an den Salar de Uyuni in Bolivien, ist aber deutlich kleiner und zur Salzgewinnung teilweise von Gräben durchzogen. Trotzdem beeindruckt die völlig flache weiße Fläche (s. a.: Schwimmende Salzkristalle).

Salinas Grandes del Noroeste
Salinas Grandes del Noroeste

Die Straße führt über das Puna-Plateau weiter bis nach San Pedro de Atacama (Chile), wir kehren aber um.